Far Cry 2 – Review

Getestet von | 05.10.2009 um 00:00 Uhr

Schrei aus der Ferne

Afrika. So schön dieser Kontinent auch sein kann, so oft stellt er sich als Schauplatz zahlreicher blutiger Kriege dar. 2 Eigenschaften die dem Entwickler Ubisoft reichen das für Videospiele relativ unverbrauchte Setting „Afrika“ in Far Cry 2 anzusiedeln.

Wenn 2 sich streiten…

…freut sich der Waffenhändler. Waffen, Krieg und Machtkampf. Verantwortlich dafür jeweils die verfeindeten Fraktionen der UFLL (United Front for Liberation and Labour) und APR (Allliance for Popular Resistance). Hier kommt der eigentliche Gegenspieler und Waffenhändler „Der Schakal“ ins Spiel. Durch seinen ständigen Nachschub an Waffen für beide Fraktionen beschwört er einen Krieg herauf der das ganze Land völlig zerstören würde. Höchste Zeit jemand ins Krisenlager zu schicken der dem Kriegstreiber ein für alle mal ein Ende setzt. Glückwunsch. Denn dieser jemand stellt sich als euer Haupt-Charakter raus. Kaum mit dem Flugzeug in Afrika gelandet und vom Taxifahrer nochmal auf die dramatische Lage aufmerksam gemacht worden, geht es auch schon zur Sache. Der Schakal hat dich gefunden. Trotz der Kenntnis eures Auftrages lässt euch dieser aus unbekannten Gründen allerdings am Leben. Nichtsdestotrotz dreht sich die gesamte Handlung allein darum den Aufenthaltsort eures Zieles zu finden.

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Kriegsleid, Kriegsglück

Far Cry 2 lässt einem im Spiel völlige Entscheidungsfreiheit in einer 50 km² großen Open World Umgebung. Unterteilt in Steppen, Dschungel und Wüsten. Zusammen mit eher notdürftig aufgebauten Siedlungen bietet Far Cry 2 den Anblick der in einem kriegsgeplagten Afrika auch zu erwarten ist. Um den Schakal zu finden gilt es durch diverse Aufträge der UFFL und APR im Ansehen zu steigen und so an die nötigen Infos zu gelangen. Als Bezahlung winkt zudem eine beachtliche Menge an Diamanten. Harte Währung die gegen harte Waffen beim Waffenhändler erkauft werden dürfen. Die Auftragsziele richten sich meist gegen die jeweils andere Fraktion und unterscheiden sich etwa im Mord einer bestimmten Person oder die Zerstörung bestimmter Anlagen. Schon früh im Spiel lernt der Spieler die Organisation der Freiheitskämpfer kennen. Zuvor gerettete Personen bieten dort nicht nur Begleitschutz und eigene Nebenmissionen an, sondern mischen sich auch in die Hauptmissionen selber ein. Per Handy muss nun entschieden werden ob man eher die jeweilige Mission der UFFL und APR abschließt, oder den weit komplexeren Weg der Freiheitskämpfer einschlägt. Werden diese erfolgreich abgeschlossen wird der Spieler auch nach seinem Ableben von seinen plötzlich auftauchenden Kameraden wiederbelebt. Gehen selbige allerdings auch zu Boden sollte ebenfalls schnell zur Rettung geeilt werden. Findet sich keine der Heilung bringenden Spritzen tut es allerdings auch der Gnadenschuss. Aber auch weitere Gruppen sind an die Fähigkeiten des Spielers interessiert. So fordert der örtliche Waffenhändler für eine größere Waffenauswahl die Zerstörung eines in Fahrt befindenden Konvois. Per Handymast werden zudem Auftragsmorde abgefangen. Auch Priester bieten für die Überbringung gefälschter Reisepässe Pillen gegen Malaria an. Eine gerade erst eingefangene Krankheit die regelmäßig die Einnahme der rettenden Tabletten fordern. 2 negative Dinge werden jedoch in jeder Mission ständiger Begleiter sein. Zum einen stößt der Spieler ständig auf den Feind, der alle paar Minuten sämtliche zuvor gesäuberten Stellungen wieder neu besetzt. Zum anderen dauert es selbst mit fahrbaren Untersatz mehrere Minuten bis überhaupt das Missionsziel erreicht wird. Früher oder später muss auf den Weglinien auch mit gegnerischen schwer bewaffneten Fahrzeugen gerechnet werden. Bei ausgeschalteter Besatzung stellt sich in einer leeren Umgebung aber natürlich jedes Fahrzeug als echter Gewinn dar. Notfalls sorgt auch eine Reparatur vor Ort für längeres Fahrvergnügen. Auch Boote sowie selten platzierte Gleiter dürfen zur Fortbewegung genutzt werden. Wesentlich umfangreicher präsentiert sich das Waffenarsenal. Schusswaffen aller Art, Granaten, Raketenwerfer und auch Flammenwerfer. Alles dabei was für Diamanten erkauft werden kann. Von erledigten Gegnern aufgesammelte Waffen nutzen sich dagegen immer stärker ab und führen zu Ladehemmungen. Die Gegner-KI selber präsentiert mal gut mal schlecht. Zwar werden Geschütztürme sofort eingenommen oder Fahrzeuge zur Verfolgung genutzt, jedoch verhindert die KI jede Art von Schleichmanöver. Selbst der Einsatz der lautlosen Machete alarmiert jeden Gegner in der Umgebung. Dann hilft auch ein verstecken nicht mehr. Als besonderes Far Cry 2 Highlight stellt dafür das Element Feuer dar. Ein explodierendes Fass oder etwa ein Molotov-Cocktail kann dazu führen das ganze Landschaften realistisch der Windrichtung nach niederbrennen. Auf diese Weise lassen sich ganze Truppen von Gegnern in Schach halten, oder gleich komplett auslöschen.

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Auf den Wegen Afrikas

Für Far Cry 2 haben sich die Entwickler für die typische Ego-Shooter Steuerung entschieden. Während mittels L1 Button anvisiert werden kann, lässt sich mit R1 die Waffe abfeuern. Denn Symboltasten wurden jeweils Befehle wie nachladen, niederknien, springen oder allgemeines interagieren wie etwa einen Kameraden wiederbeleben zugeteilt. Bis zu vier Waffentypen dürfen quer durch Afrika geschleppt werden. Jeweils eine mit dem Steuerkreuz verbunden. Hat die Machete noch ihren festen Platz, unterteilen sich die restlichen 3 Plätze in Handfeuerwaffen, großkalibrige Waffen und Spezialwaffen wie etwa den Flammenwerfer. Ein weiteres für Ego-Shooter typisches Feature stellt mittels gedrückter L3 Taste der kurze Sprint dar. Wie bei einem Malaria-Anfall verschwimmt dem Spieler dabei nach und nach die Sicht. Wie so ziemlich alle Animationen kommen auch diese Schwächen durchaus realistisch und glaubwürdig rüber. Etwas zu hektisch lenken sich allerdings Jeeps und Buggys. Ein Punkt der aber nicht wirklich ins Gewicht fehlt. Boote steuern sich zudem auch so wie es auf dem Wasser zu erwarten sein darf.

Afrika von seiner schönen Seite

Die grafische Darstellung von Afrika zählt zu den größten Stärken die Far Cry 2 zu bieten hat. Besonders naturgebundene Objekte wie Bäume und Pflanzen erstrahlen in einem beachtlichen Grad an Detailreichtum. Je nach Wetter biegt sich Afrikas Flora unterschiedlich stark im aufkommenden Wind. Richtig realistisch wird es jedoch erst nachdem ein Buschbrand losbricht, der nach und nach alles verschlingt was sich ihm in den Weg stellt. Inklusive beindruckender Explosionen von Fahrzeugen und Benzinlagern. So beeindruckend sah das unberechenbare Element noch nie in einem Videospiel aus. Gleiches lässt sich durchaus auch von den Wettereffekten behaupten. Während ein Sonnenuntergang schon mal zum Betrachten einlädt, verändert starker Wind und Regen enorm die Sichtweite. Sämtliche Texturen sind zwar hochauflösend, bringen aber das Minus einer teilweise leeren Umgebung mit sich. Eine etwas kleinere Spielwelt mit mehr Sehenswürdigkeiten wäre nicht verkehrt gewesen. Für den Kontinent mit dem wohl größten und vielfältigsten Tiervorkommen weltweit bietet das virtuelle Afrika nicht gerade viel an. Abgesehen von ein paar Arten wie Zebras oder Antilopen bleibt die Wildnis enttäuschend leer. Gleiches gilt auch für die Bevölkerung. Egal ob zu Fuss oder im Fahrzeug. Die einzigen Menschen die der Spieler antreffen wird sind bis an die Zähne bewaffnet, die in der freien Wildnis euch immer feindlich gegenüber treten. Trotz Krieg und Massen-Auswanderung wären einige Zivilisten schon angebracht gewesen. Wie es sich für ein Open World niemals ganz vermeiden lässt, ploppen auch in Far Cry 2 aus der Ferne gesehen Objekte auf. Dafür kann die Weitsicht wiederum überzeugen.

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Sound der ins Blut geht

Akustisch hebt sich Far Cry 2 in erster Linie durch die zahlreichen und erstklassigen Soundeffekte hervor. Loderndes Feuer, das Rauschen eines Wasserfalls, Explosionen. Hier stimmt einfach alles. Selbst Schüsse auf verschiedene Materialien wie Stein, Holz, Wasser oder Mensch klingen unterschiedlich und glaubhaft. Auch Nebengeräusche wie etwa zwitschernde Vögel im Dschungel tragen erheblich zur Atmosphäre bei. Die sich wiederum ständig im Wechselspiel mit den unzähligen Schießereien im Spiel befindet. Kugelhagel und explodierende Fahrzeuge demonstrieren stets aufs neue die bedrohliche Lage Afrikas. Je nach Wahl darf zwischen der englischen und deutschen Synchronstimme gewechselt werden. Letztere stellt sich zwar als gar nicht so misslungen heraus, unterliegt allerdings einmal mehr dem Vergleich mit der englischen Originalvertonung.

Krieg breitet sich aus…

Der Multiplayer unterteilt sich in 4 Spielmodi mit einer maximalen Anzahl von 16 Spielern. Erklären sich Deathmatch und Team-Deathmatch noch von selbst wurde der Capture the Flag Modus kurzerhand in Capture the Diamond getauft. In Aufstand gilt es dagegen 3 vorgegebene Punkte vor dem gegnerischen Team einzunehmen. Eine Aufgabe die nur der per Zufall gewählte Captain erfüllen kann. Sind alle 3 Punkte eingenommen muss zum endgültigen Erfolg nur noch der gegnerische Captain eliminiert werden. Zur Spielerauswahl stehen bereits von Beginn an die Klassen Kommando, Scharfschütze, Guerilla, Rebell, Richtschütze und Saboteur zur Verfügung. Jede mit ihrer eigenen Zusammenstellung aus einer Sammlung von 27 Waffen. Etwa der Ausrüstung eines Sniper oder Sprengstoff-Spezialisten. Sämtliche Klassen lassen sich mit bis zu 3 Diamanten ausbauen, womit neue Waffen freigeschaltet werden. Benötigt der Online-Spieler für sämtliche Diamanten noch Rang 19, wird es für den maximalen Rang 30 schon erheblich schwieriger. Selbst gutgeübte Spieler werden für dieses Ziel zahlreiche Monate in Kauf nehmen müssen. Erheblich erschwert wird dieses Unterfangen von zahlreichen Bugs und Ladepausen, die den Online-Modus heimsuchen. So kommt es immer wieder vor das nach Spielende die Rückkehr zur Lobby unterbrochen wird, und sämtliche Erfolge gar nicht erst gespeichert werden. Dies gilt leider auch für die zeitaufwendigen Upgrades der Waffen. Je nach Nutzung schalten sich für jede einzelne davon nach und nach Features wie bessere Präzision oder erhöhte Menge an Munition frei. Unverständlicherweise dürfen in Ranglisten-Spielen auch keine Freunde eingeladen werden. Dies fanden die Entwickler wohl nur für den Mitspieler-Modus angebracht. Dort erhält man allerdings auch keine Erfahrungspunkte. Abgesehen von den zahlreichen offiziellen Karten bietet Ubisoft auch einen komplexen Karten-Editor an, dessen eigene Ergebnisse für die Online-Community zur Verfügung gestellt werden können. Umgekehrt finden sich im Multiplayer ständig neue Karten an. Allerdings gilt auch für diese die Regel: Keine Erfahrungspunkte.

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Erfolgreicher Trip durch Afrika?

Far Cry 2 hebt sich durch sein 50km² Open World Konzept und Afrika als Schauplatz deutlich vom Großteil der Ego-Shooter Liga ab. Abgesehen von denn langen Anfahrtswegen zum jeweiligen Missionsziel ein Konzept das durchaus gelungen umgesetzt wurde. Besonders die hervorragenden Grafik und Sound-Effekte lassen die Wertung nach oben schießen. Als zweischneidiges Schwert präsentieren sich die Missionen. Während die Hauptmissionen noch Abwechslung bietet, unterscheiden sich die Nebenmissionen kaum voneinander. Richtig nervig wird es allerdings erst wenn zuvor besiegte Gegner Minuten später exakt dieselben Posten wieder eingenommen haben. Die Bezeichnung „Zweischneidig“ muss sich auch der Multiplayer gefallen. Im Grunde weiß dieser zu überzeugen. Einige Spielmodi mehr und extreme Bugs weniger hätten es aber ruhig sein können. Keine Frage. Far Cry 2 beinhaltet so einige Mängel. Die oben genannten Features hieven das Spiel aber dennoch aus einer Durchschnittswertung raus.

Gutes

beeindruckende Grafik und Soundeffekte
Wetter und Tageszeiten wirken realistisch
weitläufige frei zugängliche Spielwelt
zahlreiche Haupt und Nebenmissionen

Schlechtes

Spielwelt könnte lebendiger sein
Gegnerisches Verhalten nicht immer nachvollziehbar
Häufig lange Reiserouten zum Missionsziel
Frustrierende Multiplayer-Bugs

8.5 Sehr gut

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