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Fallout 4 im Test – Willkommen zurück im Ödland

Artikel von | 23.11.2015 um 17:23 Uhr

Die Welt ist durch Zerstörung gekennzeichnet, alles durch Krieg und atomare Waffen entstanden. Die Menschheit steht vor dem Nichts und die wenigen Verbliebenen müssen Tag für Tag um ihre Existenz kämpfen. Ein Szenario, welches durchaus in der Zukunft einmal zustande kommen könnte und zudem ein Szenario, dass in keiner Spielereihe so aufgenommen wird, wie bei Fallout von Bethesda Softworks. Als Fallout 4 vor knapp einem halben Jahr offiziell angekündigt wurde, setzte man damit dem langen Leiden der Fans ein Ende, welche sich seit dem dritten Teil im Jahre 2008 enorm auf einen neuen Teil freuten und durch viele Spekulationen und Fakes im Internet zusätzlich Blut lecken konnten. Nun ist der vierte Teil endlich erschienen. Der Hype und die Erwartungen an das Spiel waren riesig und man wollte mit dem Titel auch einiges bieten. Neue Features, unendliche Möglichkeiten und eine spannende Story, sollten dem allem gerecht werden. Ob Fallout 4 den hohen Erwartungen gerecht werden kann oder ob genau diese Erwartungen zum Verhängnis werden, könnt ihr in unserer Review erfahren. Wer das Spiel noch nicht gespielt hat, soll an dieser Stelle vor Spoilern in der Review gewarnt sein, denn einige wird sie haben.

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Einmal Vault 111 und zurück

Wir schreiben den 23. Oktober 2077, wir befinden uns in unserem Haus in Sanctuary Hills, wo wir uns gerade für ein Event in der Veteranen Halle vorbereiten und uns zusammen mit unserer Frau im Spiegel betrachten. Dann geht es auch schon los und wir können unseren Charakter zusammenbasteln. Nachher klingelt auch schon ein Vault Tec Vertreter an der Tür und erklärt uns, was eine Vault ist und warum wir einen Platz dort ganz dringend benötigen, da man nie wissen könne, wann ein Nuklearer Angriff kommt. Wir hören artig zu, unterschreiben und schließen die Tür wieder, um ein Baby schreien zu hören. Daraufhin werden wir von Codsworth, unserem Hausroboter, geholt, um nach dem Baby namens Shaun zu schauen, was wir natürlich tun. Später hören wir, wie Codsworth uns ganz aufgeregt ruft und sehen dann auch gleich wieso: Im Fernsehen erklärt uns ein Moderator, dass ein Atomarer Angriff stattgefunden hat und man keinen Kontakt mehr dahin habe. Nun stürmen auch in Sanctuary Hills alle Leute auf die Strasse und wir packen uns Shaun und rennen zu dritt Richtung Vault, welche gleich in der Nähe unseres Hauses liegt. Viele Leute stehen vor dem Tor und wollen hinein, doch nur wir werden noch durchgelassen und stehen mit anderen Bürgern auf einer Plattform, welche uns nach unten bringt, während über unseren Köpfen eine riesige Explosion stattfindet. Danach bekommen wir unseren Vault-Overall und werden in eine Kapsel gesteckt, in der wir eingefroren werden. Irgendwann werden wir aufgetaut und werden Zeuge, wie unser Kind entführt und unsere Frau erschossen wird, bevor man uns direkt wieder einfriert. Als wir endlich ganz aufgetaut werden und die Kapsel verlassen können, dringen uns mehrere Fragen durch den Kopf: „Wer hat unseren Sohn entführt? Wer war dieser Mörder? Wo gehts zum Ausgang?“.

Nun stürmen wir durch die Vault, erlernen die Grundlagen und besiegen einige RAD Kakerlaken, bevor wir den Ausgang finden und nach draußen gehen. Wieder in Sanctuary Hills, nur 200 Jahre später. Dies ist der Einstieg in Fallout 4 und von nun an kann der Spieler sein ganz eigenes Abenteuer erleben. Natürlich besteht der Hauptstrang daraus, Stück für Stück nach unserem Sohn zu suchen, doch es gibt noch so viele andere Missionen und so viel zu erkunden, dass man sehr schnell einmal von der Hauptgeschichte abdriftet. Natürlich gibt es wieder verschiedene Fraktionen, bei denen man unterschiedliche Ziele verfolgt. Da sind zum einen die Minutemen, welche den Leuten im Ödland Sicherheit gewähren wollen. Die Stählerne Bruderschaft und die Railroad versuchen wiederum gegen die Mysteriöse Fraktion namens Institut zu kämpfen. Im Verlauf der Handlung kann man sich allen Fraktionen anschließen, je nachdem welche Missionen man spielt, kann sich das Verhältnis zu diesen verändern. Auch sind wieder viele interessante Charaktere dabei, von welchen auch einige als Begleiter mitgenommen werden können, jedoch immer nur einer auf einmal. Diese Begleiter besitzen alle verschiedene Fähigkeiten und können somit dem Spieler, je nach Aufgabe, gute Dienste leisten. Zur Geschichte muss gesagt werden, dass sie mit einigen spannenden Momenten daherkommt und den Spieler das eine oder andere mal zu überraschen weiß. Allerdings wirkt der Beginn des Spiels so, als habe man sich nicht unbedingt viel Zeit dafür nehmen wollen und hatte das Ziel, den Spieler so schnell wie möglich ins Ödland zu entlassen, ganz im Gegenteil zum langen und behutsamen Tutorial in Fallout 3. Auch hatten wir den Eindruck, dass die Entwickler alles was die Fans am dritten Teil so liebten, gleich zu Beginn bereitstellten. Denn bereits innerhalb der ersten Spielstunde erhält man den Kampfanzug und den Schäferhund als Begleiter. Ob das nun ein Versuch der Befriedigung ist oder ob die Entwickler versuchten ein Gefühl des Vertrauens aufzubauen, darüber können wir nur spekulieren.

fallout-4_inside.de

Das nicht ganz so öde Ödland

Natürlich muss sich ein Rollenspiel immer die Vergleiche mit der Konkurrenz gefallen lassen und die sind in den letzten Jahren wirklich namhaft und spektakulär gewesen. Etwa The Witcher III oder Dragon Age: Inquisition. Während The Witcher III maßgeblich von seinen tollen Haupt- und Nebengeschichten und seinem coolen Helden lebt, tut dies Dragon Age mit seiner Inszenierung und seinen denkwürdigen Nebencharakteren. Das Endzeit-Rollenspiel kitzelt andere Spaßnerven als die Konkurrenz. Bereits vor Release wurde Kritik an der Grafik laut, sie sei altbacken und habe niemals das Niveau, welches ein Spiel im Jahre 2015 haben müsse. Doch das atomar verwüstete Boston, samt Umland, sieht so aus, wie ein atomar verwüstetes Amerika auszusehen hat. Die Grafik ist wirklich nicht die Beste, welche wir dieses Jahr bei einem Rollenspiel gesehen haben (man schaue sich The Witcher III an), jedoch unterstreicht sie die Stimmung perfekt und die Entwickler haben die ganze Spielwelt, die Landschaft, die Kulisse und auch Gegenstände unheimlich stimmungsvoll dargestellt. Natürlich hat Boston nicht ganz so viel zu bieten wie das Sehenswürdigkeitenreiche Washington aus Fallout 3 oder die schillernde Kasinostadt aus New Vegas, jedoch gibt es einige interessante Schauplätze, vom Hügelland im Norden, über die Küstendörfer im Westen und die Armeestützpunkte im Osten, bis zum „Leuchtenden Meer“. Leider sind die Dörfer jedoch nicht mehr so stimmungsvoll wie noch in den beiden Vorgängern, wie etwa die Atombomben-Anbeterstadt Megaton und das Sklavenhändler-Moloch Paradise Falls in Fallout 3 oder das von drei schrägen Gangs beherrschte New Vegas. Die Geschichten die dort erzählt wurden, waren durchaus spannend und unterhaltsam, während diese in Fallout 4 weniger bemerkenswert sind, das haben die Entwickler schon besser hinbekommen.

Fallou4_E3_PSinside.de

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Fallout 4 Testbericht

Fallout 4

  • Release: 10.11.2015
  • Genre: Shooter
  • Entwickler: Bethesda Softworks
  • Publisher: Bethesda Softworks

Gutes

- glaubwürdiges Weltdesign
- gelungener Soundtrack
- motivierendes Crafting
- stimmungsvolle, großartige Welt
- große, prall gefüllte Spielwelt
- vier Fraktionen samt eigenen Enden
- reichhaltiges Waffen- und Rüstungssortiment

Schlechtes

- schwache Animationen und Texturen
- Schwierigkeit schwankt stark
- Story und Nebenquests schöpfen Potenzial des Szenarios nicht komplett aus
- steife Mimik und Gestik
- Bau- Editor nicht gut genug erklärt, störrisch zu bedienen

8.7 / 10 Sehr gut

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