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Extinction im Test – Leider nicht geil

Artikel von | 10.04.2018 um 16:44 Uhr

Jahrelang war Adam Boyes verantwortlich für Developer Relations bei Sony, bis er im Sommer 2016 als CEO bei Entwickler Iron Galaxy angefangen hat. Iron Galaxy kennt man hauptsächlich durch zahlreiche Ports und Remaster und die Mitarbeit an Killer Instinct für die Xbox One. Nun hat das Team sich an ein komplett eigenes Projekt gewagt, welches den Namen Extinction trägt. Wir haben den Titel auf Herz und Nieren geprüft und waren ziemlich überrascht. Den Grund dafür erfahrt ihr im Test.

Irgendwas mit Monstern

Fangen wir zunächst mit der Story an. Alles beginnt mit einer gezeichneten Sequenz, die erklärt, wie die Welt von den Ravenii überrannt wurde. Diese riesigen Wesen tauchten eines Tages auf und fingen an, einen nach dem anderen abzuschlachten. Unter den Überlebenden sind Xandra und ihr treuer Begleiter Avil. Dieser ist der letzte der legendären Wächter und nur er kann sich den Ravenii wirklich entgegenstellen. Ihr Ziel ist es, mit König Yarrow in Kontakt zu treten, um mit ihm die letzten Überlebenden zu retten. Von da an geht es ziemlich geradlinig bis zum Ende und plätschert eigentlich nur vor sich hin. Zwischendurch gibt es kleinere Rückblicke die erklären, wie Avil zum Wächter wurde. Während die Rückblicke in gezeichneten Videos präsentiert werden, gibts den Rest der Story lediglich über Dialoge zwischen Avil, Xandra und König Yarrow. Klingt langweilig ist es aber nicht…….nur. Es ist auch belanglos, generisch und voll von Klischees. Es tritt einfach immer ein neues pseudo Problem auf, welches darin mündet, dass Avil Monster killen oder Bürger retten muss, fertig. Handlung, Inszenierung und Charaktere sind absolut 08/15 und bereits nach 1-2 Stunden hat man das Interesse verloren. Übrigens dauert die Story auch nur etwa sechs Stunden. Selbst die Flashbacks sind recht öde und beleuchten lediglich die Vergangenheit von Xandra und Avil und bringen am Ende noch einen Twist, der aber nichts mehr retten kann, da die Inszenierung einfach alles abflachen lässt. Aber nun gut, solange das Gameplay stimmt, ist die Story ja nicht so wichtig, richtig?

Irgendwas mit Kämpfen

Ihr ahnt es vielleicht schon, auch das Gameplay weiß nicht wirklich zu überzeugen, doch das liegt an mehreren Faktoren. Avil hat im Kampf eine einzige Waffe zur Verfügung, sein Schwert. Mit diesem kann er verschiedene Kombos hinlegen, die durch das Hämmern von Viereck ausgeführt werden. Wenn man Viereck hält, befördert man den Gegner in die Luft, wenn man eine kurze Pause in der Kombo einlegt, macht man weitreichende Angriffe. Zugegeben, die Kombos sehen ganz nett aus, doch es macht keinen wirklichen Unterschied, ob man nun einfach Viereck hämmert, kurz hält oder eine Pause einbaut, die Angriffe machen alle so ziemlich den gleichen Schaden und keiner der verschiedenen Angriffe bringt einen wirklichen Vorteil im Kampf gegen die normalen Gegner. Diese kommen in vier Formen daher, die eigentlich nur zwei sind. Es gibt grüne Orks, die ziemlich leicht erledigt werden können, dann gibt’s noch blaue, die etwas mehr aushalten und rote, die noch etwas mehr aushalten und mehr Schaden machen. Einziger merkbarer Unterschied ist bei den fliegenden Gegnern zu sehen, die halt fliegen. Nicht nur die normalen Gegner sind langweilig, sondern auch der Kampf gegen sie. Aber dann gibt’s noch die Ravenii, zu denen wir gleich kommen.

Wenn man mal nicht kämpft, ist man dabei Bürger zu retten. Die stehen immer in der Nähe von Portalen und auf Knopfdruck öffnet ihr diese und sie können in Sicherheit, das wars. Das darf man in nahezu jeder Mission machen und das wird gar nicht nervig, weil man sich ja eh nicht auf den Kampf konzentrieren will, sondern alle Portale ablaufen will um die Bürger zu retten. Wenn nämlich zu viele sterben, ist die Mission fehlgeschlagen. Falls die Gebäude des aktuellen Levels zu stark zerstört werden, hat man auch verkackt. Hier kommen die riesigen Ravenii ins Spiel. Diese kommen als gigantisch Orks daher und können mit normalen Angriffen nicht mal gekitzelt werden. Diese müsst ihr mit dem Fokus Angriff zu Leibe rücken. Dieser wird mit L2 aktiviert und für einen kurzen Moment läuft das Spiel dann in Zeitlupe ab, damit ihr euren Schlag präzise ansetzen könnt. Die riesigen Ravenii kommen nämlich meist mit Rüstungen daher und diese müssen erstmal zerlegt werden. Wo eine Holzrüstung nur einen Schlag braucht, muss man bei Gold Rüstungen schon mehrfach zulangen. Wenn die Rüstung entfernt ist, kann man mit einem weiteren Schlag die Körperteile abtrennen und sie so zu Fall bringen. Doch ihre Ärmchen und Beinchen bleiben nicht lange weg, sondern wachsen mit der Zeit nach. Den wahren Gnadenstoß kann man nur ansetzen, wenn man dem Titan ein Stück Fleisch aus dem Nacken schlägt, wofür man seine 3D Manöver Ausrüstung nutzt. Ach scheiße, falsches Spiel. Man muss dem Ravenii auf den Rücken klettern und dann den Kopf abschlagen, nur dann sind sie wirklich tot.

Irgendwas mit Riesen

Das besondere Merkmal hierbei ist, dass die Ravenii sich oft unterscheiden und mit zufallsgenerierten Rüstungen daherkommen. Neben Holz – oder Goldrüstung, gibt es noch mehr Variationen, die auch manchmal ein paar Tricks benötigen um zerstört zu werden. So muss man bei der Knochenrüstung warten bis der Ravenii angreift und dann ist die Rüstung kurz geschwächt und kann zerstört werden. Die tollste Rüstung ist aber die Stachelrüstung, die ihr lediglich berühren müsst um ordentlich Schaden zu nehmen und zerstört wird sie nur, durch den Gegner selbst. Wenn er also einen Nackenschutz hat und man den nur zerstören kann, wenn der Ravenii selbst dagegen schlägt und dieser es nicht für nötig hält, den kleinen Avil auf seinem Rücken zu schlagen, hat man halt Pech und kann ihn nicht töten. Doch damit es zu diesem Problem kommt, muss man erstmal die anderen bewältigen. Da wären zum einen die Angriffe der Ravenii. Diese sind meistens sehr schnell und wenn sie richtig sitzen, seid ihr direkt tot. Zwar ist das nicht so wild, da man direkt neu spawnt, aber mit der Zeit wird es arg nervig, wenn man aus dem nichts getötet wird, weil der Ravenii euch selbst beim ausweichen sehr oft erwischt. Der Grund warum das passiert, ist die katastrophale Kamera. Man verliert regelmäßig die Übersicht, da der Gegner so groß und die Kamera das öfters nicht richtig einfangen kann. Wenn man dann noch auf die Ravenii klettern will, kommt die Kamera oft gar nicht mehr klar und spielt total verrückt. Man hat zwar einen Enterhaken, mit dem man sich an bestimmten Punkten und Rüstungsteilen nach oben ziehen kann, doch dabei schießt man manchmal so wild durch die Gegend, dass es nicht wirklich viel bringt. Doch es gibt noch ein weiteres Problem beim Kampf gegen die Ravenii, die Steuerung. Avil steuert sich so unsauber und hakelig, dass man selbst nach mehreren Stunden noch des öfteren “was macht der den für einen Scheiß” zum Fernseher schreit. Man findet sich nie wirklich rein und fühlt sich wohl beim spielen. Wenn dann die Steuerung auf die Kamera trifft und man dann auf einen Ravenii klettern will, klappt das nur selten auf Anhieb.

Man hat also schnöde Kämpfe gegen sehr gleichförmige Gegner. Muss dauernd stehen bleiben um Bürger zu retten und wird permanent von riesigen Ravenii zertrampelt, weil Kamera und Steuerung sich gegenseitig unterbieten wollen. Es gibt zwar noch sowas wie einen Talentbaum, der für mehr Energie, höhere Sprünge oder mehr Kombos sorgt, doch ein kaputtes Auto bleibt mit mehr PS oder neuen Reifen immer noch kaputt. Es gibt aber noch ein paar andere Modi neben der Story, vielleicht taugen die ja was.

Da wären einmal die Prüfungen, bei denen man schnellstmöglich X Bürger retten muss. Hierbei muss man quasi Hindernisparcours überwinden und schnellstmöglich den besten Weg finden. An sich keine schlechte Idee, doch aufgrund der Steuerung und Kamera kommt auch hier wenig Freude auf. Dann gibt es noch die Tagesherausforderung, bei der ihr auf einer bestimmten Map in einem Versuch die Höchstpunktzahl erreichen müsst, um in der Rangliste an der Spitze zu stehen, yay. Bleiben noch Auslöschung und Scharmützel. Bei letzterem wird eine zufällige Map generiert und auch hier ist euer Ziel die Höchstpunktzahl zu erreichen. Für jede Map gibt es einen Code, den ihr an einen Freund weitergeben könnt, damit er auf der gleichen Map versuchen kann euren Highscore zu knacken. Klingt bisher ziemlich öde und eintönig oder? Die Krönung kommt aber noch, der Modus Auslöschung. Im Spiel selbst steht bei der Beschreibung “Töte möglichst viele Gegner! Keine Respawns”. Ok, einfach nur Kämpfen, könnte nett werden…..nein nein nein. Den selbst in dem Modus wo es nur darum geht “Töte möglichst viele Gegner!”, müsst ihr noch Bürger retten und aufpassen, dass die Ravenii nicht zu viele Gebäude zerstören. Nicht nur sind alle Modi im Kern gleich, es gibt auch keinen, in dem ihr einfach nur Kämpfen dürft. Ihr müsst immer die scheiß Bürger retten und aufpassen, dass die verkackte Stadt nicht zerstört wird. Was soll der Mist?! Das einzigste im Spiel, was ansatzweise Spaß macht sind die Kämpfe und denen kann man sich nie gänzlich widmen, weil man dauernd was anderes machen muss. Aber genug gemeckert, kommen wir zum nächsten Punkt.

Irgendwas mit Unreal Engine 4

Das Fazit ist schon am Horizont zu sehen, doch erst noch Grafik und Sound. Optisch ist das Spiel eigentlich ok, es ist kein Hingucker, es sieht aber auch nicht wirklich schlecht aus, es ist zweckmäßig. Leider gibt es aber oft karge Landschaften und die verschiedenen Areale ähneln sich im Kern doch sehr. Das Monster Design ist nicht groß anders, als man es schon in anderen Spielen gesehen hat, gibt ja auch kaum verschiedene Typen. Die Effekte sind auch nicht gerade was besonderes. Die Framerate hingegen ist über große Strecken ordentlich und nur selten werden die 60fps unterschritten. Bleiben noch die gezeichneten Videos. Normalerweise sehen die in Spielen immer toll aus, doch selbst hier bietet man nur das nötigste und manchmal sind es sogar nur Standbilder. Wer jetzt auf den Sound hofft, wird auch hier enttäuscht. Einzig die englischen Sprecher sind ganz ordentlich, doch da das Gesprochene meist eh nur hohle Phrasen bietet, wirkt es fast etwas verschwendet. Musik, ja, die war dabei. Sie war nicht nervig oder störend, bleibt aber auch null im Kopf oder sticht heraus. Neben der ganzen bisher angebrachten Kritik, gibt es noch ein paar Kleinigkeiten die wir bemängeln könnten, doch an diesem Punkt sollte die Meinung zum Titel klar sein.

Fazit – Irgendein Spiel

Extinction ist eine absolute Enttäuschung. Während erste Videos eigentlich ganz nett aussahen, wirkt das Ganze im fertigen Spiel einfach generisch, unsauber und nicht durchdacht. Die Story und ihre Charaktere könnten kaum belangloser sein, was auch an der unterirdischen Präsentation liegt. Die Kämpfe machen an sich durchaus laune, doch Steuerung, Kamera und langweilige Gegner lassen einfach keinen Spaß aufkommen. Des Weiteren gibt es keine Möglichkeit, einfach nur zu kämpfen. Man muss in jedem Modus Bürger retten oder die Zerstörung der Stadt verhindern, wodurch man ständig raus gerissen wird. Die Zufallsgenerierten riesigen Ravenii sind eine nette Idee und David gegen Goliath ist eigentlich immer cool, doch ist das erklimmen und bekämpfen der Hünen einfach nervig und man stirbt nicht selten aus dem Nichts, da man den Angriff nicht hat kommen sehen. In Sachen Optik und Sound wird auch nur Standardkost geboten und es ist halt komplett zweckmäßig. Das klingt jetzt alles sehr extrem, wird sind aber hauptsächlich so kritisch, weil es sich um einen Vollpreis Titel handelt! Wäre das ein kleines Spiel für 20€, könnte man das noch als nettes PSN Game abtun, aber wenn 60€ verlangt werden, kann man das so einfach nicht durchgehen lassen. Wir können Extinction aktuell absolut nicht empfehlen. Wer am Wochenende mal was ausprobieren möchte und sich durch David gegen Goliath Kämpfe angesprochen fühlt, könnte vielleicht mal für 20€ einen  Blick riskieren, doch alles darüber wäre verschwendet. Schade. Dann doch lieber Attack on Titan 2.

Extinction Testbericht

Extinction

  • Release: Anfang 2018
  • Genre: Action
  • Entwickler: Iron Galaxy
  • Publisher: Maximum Games

Gutes

- Zufallsgenerierte Level & Rüstungen für Gegner
- Stylishe Kämpfe

Schlechtes

- Story und Charaktere sind absolut generisch & langweilig
- Präsentation ist aufs nötigste reduziert
- Steuerung und Kamera sorgen für Frust
- Sehr einseitige Missionen
- Man muss dauernd jemanden retten oder etwas beschützen

5.0 / 10 Nur für Fans

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