Erneute epische Gangster Geschichte? – Mafia III im Test

Getestet von | 24.10.2016 um 19:49 Uhr

„Mafia war ursprünglich die Bezeichnung für einen streng hierarchischen Geheimbund, der seine Macht durch Erpressung, Gewalt und politische Einflussnahme zu festigen und auszubauen versucht und seine Wurzeln im Sizilien des 19. Jahrhunderts hat.“ Doch über diese Art von Mafia wollen wir hier nur indirekt schreiben, denn dies soll kein Aufsatz für den Geschichtsunterricht werden sondern ein Testbericht zu Mafia III. Seit Jahren und den erfolreichen beiden ersten Teilen schrie das Volk nach mehr und so kam 2K diesem Wunsch nach und schickt uns erneut ins aufregende Leben der Mafia. Die Vorgänger konnten vor allem durch ihre spannenden Geschichten und ihre packende Atmosphäre punkten und vor allem der erste Teil ist vielen Spielern noch immer sehr positiv im Gedächntis. Ob dies ein zu schweres Erbe ist oder ob man sich wirklich übertreffen konnte, erfahrt ihr in unserem Test.

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Willkommen Zurück Lincoln

«Wir finden die rassistischen Ansichten, Worte und das Verhalten mancher Charaktere widerwärtig. Aber wir glauben, dass sie essentiell für die Geschichte sind. Hätten wir diesen realen Teil unserer Vergangenheit nicht eingebaut, wäre es eine Beleidigung für die Millionen gewesen, die Opfer der damaligen – und heutigen – Diskriminierung geworden sind.» Mit diesen Worten beginnt die Geschichte von Mafia III, welche im Jahre 1968 in New Bordeaux stattfindet, eine fiktive Version von New Orleans. Wir begleiten den dunkelhäutigen Vietnamveteran Lincoln Clay, der gerade nach einigen Jahren Wehrdienst zurückkehrt und sich auf das Wiedersehen mit Familie und Freunden freut, bevor er ihnen erzählen will, dass er einen Job durch einen Bekannten in der Armee erhalten hat und deshalb wegziehen müsse. Zurück im alten Umfeld müssen wir erkennen, dass es unserer Familie nicht gut geht, da sie unter Angriffen der Haitianer leidet und zudem drei Monate im Verzug mit den Zahlungen an die italienische Mafia ist, was bekannterweise keine allzu gute Sache ist also entschliessen wir uns dazu, die Probleme beim Schopf zu packen und Selber in die Hand zu nehmen. Nachdem wir uns um die Haitianer gekümmert haben und mit den Italienern einen gewaltigen Raubüberfall mit einem saftigen Gewinn erfolgreich abgewickelt haben werden wir von diesen verraten und erleben, wie sie unseren „Vater“ gewaltsam umbringen, unseren „Bruder“ erstechen und Lincoln einen Kopfschuss verpassen, währendem das Lokal niedergebrannt wird. Als einziger überleben wir knapp, da uns der Padre zu Hilfe eilt, aus den Flammen rettet und bei sich zu Hause versorgt bis wir wieder einigermassen auf den Beinen stehen können. Von diesem Moment an gibt es natürlich nur noch ein Ziel: Rache! Natürlich würden wir dieses Unterfangen niemals alleine Zustande bringen und somit sind wir auf Hilfe angewiesen, welche wir auch in Verbündeten finden, welche unsere Ziel verfolgen. Natürlich arbeiten diese nicht für lau und so erfüllen wir Auftrage für sie, schwächen die Geldeinkommen der Italienischen Mafia und schwächen diese dadurch, bis der Chef eines Viertels genug von unserer Sabotage hat und uns bekämpfen will, was natürlich meistens böse für ihn endet. Anschliessend teilen wir das Gebiet einem der drei Verbündeten zu und bestimmen somit den Boss dieses Viertels, welcher uns dann am Einkommen beteiligen muss. So arbeiten wir uns vor, mit dem Ziel alle Untermänner und Geschäfte von Sal Marcano zu zerstören, um ihn schlussendlich umbringen zu können und unseren inneren Frieden wiederzufinden, dass Ganze Geld und die gewonnene Macht sind dabei nur ein netter Bonus. Gewiss bietet Mafia III keine Oscar würdige Geshichte, jedoch vermag sie zu unterhalten und den Spieler bei Laune zu halten, ist es ja die typische „Ich kämpfe mich von ganz unten bis nach Oben durch“ Geschichte, welche sich bei solch einem Spiel halt einfach anbietet. Spannend ist die Art und Weise wie die Geschichte erzählt wird, teils über Rückblenden, dann wieder semi-dokumentarisch erzählt, wenn Zeitzeugen z.B. in Interviewform über ihre Erlebnisse mit Lincoln Clay oder im Fall der Polizeibehörden, über seine Taten berichten. Angereichert durch authentische Filmdokumente der Zeit, die sich wiederum mit clever eingeschnittenen Szenen der Protagonisten abwechseln, wird ein sehr stimmungsvolles Bild geschaffen

Was hat der denn so auf’m Kasten?

Zu Beginn wird der Spieler behutsam an der Hand genommen und in die Feinheiten der Steuerung eingeführt. Man lernt nach und nach die mechanischen Kleinigkeiten und erlebt dabei eine im Vergleich umfangreiche und zeitaufwändige Sequenz als Tutorial. Sowohl die Schuss-  als auch die Schleichmechaniken funktionieren soweit gut und ermöglichen dem Spieler ein gutes Vorgehen in den Schlachten. Jedoch muss man sagen, dass sich die Entwickler beim Design der Missionen eher unkreativ angestellt haben. So hat man im Vergleich zu Genre Konkurrenten wie GTA, Saints Row oder ähnlichem bei Mafia III das System schnell verstanden. Denn es spielt keine Rolle ob wir einen Prostitutionsring zerschlagen, illegale Alkohol Hersteller in den Bankrott treiben oder den Drogenverkauf lahmlegen sollen, es funktioniert immer nach dem gleichen Prinzip. Man holt sich beim Informanten die wichtigsten Infos, daraufhin werden auf der Karte die Tätigkeiten angezeigt welche man erledigen muss, man tötet jemanden oder zerstört etwas, bis ein bestimmter Geld-Gegenwert erreicht ist. Dann taucht der Boss auf, den man nach gleichem Prinzip sucht und erledigt – oder auf seine Seite zieht. Aber auch das spielt eigentlich keine Rolle, da man sie sowieso nie mehr sehen wird und sie sich nur minimal auf das Lohnkonto auswirken. Dazu kommt, dass die KI im Spiel nicht gerade den besten Eindruck hinterlässt, was bei solch einem Spiel natürlich fatal ist. Zwar geht die KI bei Schusswechseln in Deckung und versucht uns zu flankieren, jedoch kann man diese auch ganz einfach austricksen. Mit ein bisschen Geduld kann man hinter seiner Deckung bleiben und einen nach dem anderen mit Pfiffen zu sich locken und eliminieren. Dass dies sowohl der Spannung als auch der Glaubwürdigkeit der Spielwelt massiv schadet, erklärt sich wohl von alleine. Auch die Open World von New Bordeaux kommt mit ihren Schwächen daher. So wirkt sie auf den ersten Blick wie es sein sollte: Zivilisten reagieren auf unser Verhalten, sei es das ziehen einer Waffe oder das Stehlen eines Autos und alarmieren die Polizei (Falls wir sie nicht daran hindern), schützen sie sich selber oder laufen weg. Allerdings kann man auch gemütlich ein Auto stehlen ohne das es die Passanten stört. Befindet man sich an einem Ort in der Stadt wo eher weiße Leute wohnen und dort in ein Geschäft geht, wird man nicht gerade freundlich dazu aufgefordert den Laden zu verlassen, kommt man der Bitte jedoch nicht nach und vergreift sich auch nicht an der Kasse passsiert nichts. Einfach nichts. Auch die Polizei lässt mehr durchgehen als noch beim Vorgänger, beispielsweise wenn wir mit deutlich erhöhtem Tempo über den Asphalt rasen interessiert das keinen, was sicherlich anders herum für Spannung und Atmosphäre gesorgt hätte.

Mafia 3 Mafia III 3

Gutes

- Tolle Zwischensequenzen
- Starker Beginn der Geschichte
- Klasse Soundtrack

Schlechtes

- Missionendesign zu repetitiv
- Schwache KI
- Enttäuschende Technik
- Bugs
- Grafikfehler

6.2 Mittelmäßig

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