Enslaved: Odyssey to the West – Review

Getestet von | 03.11.2010 um 00:00 Uhr

Ab in den Westen
Ninja Theory. Ein Entwickler der mit Heavenly Sword eines der ersten PS3 Spiele überhaupt entwickelte, welches allerdings nicht den erhofften Erfolg einfahren konnte. Mit Enslaved: Odyssey to the West melden sie sich zurück, und wollen zusammen mit Vertriebspartner Namco Bandai beweisen das sich die lange Wartezeit auf einen neuen Titel auch gelohnt hat. Erschafft sich Ninja Theory einen prestigeträchtigeren Namen, oder muss nun mit Enslaved von einer erfolglosen Odyssey ausgegangen werden? Die Review zeigt ob sich Enslaved im hart umkämpften Action-Adventure Genre durchsetzen, oder gar darüber triumphieren kann.

Die Sünden der Vorfahren
Wenn da der Terminator nicht grüssen lässt. 150 Jahre in der Zukunft zeigt sich das Ausmass menschlicher Zerstörungskraft. Die völlig verwüsteten Städte gleichen im wahrsten Sinne einem Großstadt-Dschungel. Längst hat sich die Natur das zurück geholt was die nun vom Aussterben bedrohte Rasse Mensch über so lange Zeit ausgrenzen konnte. Diese stehen nun einem neuen hoffnungslosen Kampf gegen die einst für den Krieg erschaffenen Mechs gegenüber. Maschinen dessen Ziel neben der Ausrottung seiner Erbauer auch durch Versklavung selbiger besteht. Ein Schicksal das auch der zu steuernde, sich selbst nennende Monkey, miterleben muss. Die ersten Spielminuten beschreiben seine Flucht aus einem gerade abstürzenden Sklaven-Flugschiff. Dumm für ihn das gleichzeitig auch ein weiterer Gefangener namens Trip die Flucht gelungen ist. Noch bevor Monkey reagieren kann wird ihm von ihr ein Sklavenstirnband aufgesetzt, das bei Zuwiderhandlung unerträgliche Schmerzen verursacht. Die rothaarige Frau ist keineswegs bösartiger Natur, sondern verzweifelt. Bis zu ihrem Heimatdorf liegen 300 Meilen voller mechanischer Gefahren, die sie alleine niemals überstehen würde. Dem kampferprobten Monkey bleibt keine Wahl als sie zu ihrem Reiseziel zu begleiten. Beide Charaktere können von Anfang an durch ihre sympathische Art überzeugen, und tragen durch die „freundschaftliche“ Versklavung Monkeys den Hauptpart der Handlung, die trotz Postapokalypse auf eine humorvolle Stimmung achtet. In der relativ kurzen Spielzeit von 8-10 Stunden bleiben allerdings doch so einige Fragen offen, die von einem überraschenden aber ebenfalls mit Fragen zurücklassenden Ende erzählt werden. Unterm Strich erwartet dem Spieler eine oberflächige aber dafür gut erzählte Handlungsweise.

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Nimm 2
Abgesehen von der Fluchtszene zum Auftakt des Spieles wurde das gesamte Gameplay auf Teamwork ausgelegt. So gilt es nicht nur Monkey als steuerbaren Charakter voranschreiten zu lassen, sondern auch ständig drauf zu achten das Trip nicht auf der Strecke bleibt. Da sie weder kämpfen noch weit springen oder klettern kann, gilt es immer wieder ihr über Umwege das Weiterkommen zu ermöglichen. Als Beispiel etwa ein hochgelegener Kran, dessen tragende Last als Brücke eines Abgrundes herhalten soll. Um Trip in den teils komplexen Arealen nicht zu verlieren, zoomt die ansonsten frei rotierbare Kamera auf Knopfdruck automatisch zu ihr, das wiederum ein Kreismenü öffnet in der Befehle erteilt werden können. Versperrt ein Geschütz etwa durch Dauerbeschuss den Weg, lenkt Trip auf Kommando dieses auf sich, während der Spieler anschließend aus sicherer Position heraus ebenfalls eine Ablenkung startet, während eure Begleitung auf Kommando dieses wiederum ausnutzt. Situationsabhängig kommen weitere Kommandos hinzu, mit der sich zu zweit die seltenen und eher simplen Rätsel lösen lassen. Kommt es zum Kampf nutzt Monkey als Waffe einen Kampfstab, mit der sich die ausschließlich mechanischen Gegner verschrotten lassen. Wie für das Genre üblich dürfen durch das Einsammeln von Orbs diverse Fähigkeiten erweitert oder verstärkt werden. Darunter auch das regenerierende Schild, welches unter Beschuss automatisch zum Einsatz kommt. Ein weiteres Upgrade markiert die Feinde blau, rot oder gelb, die Blockade, Angriff und Verwundbarkeit preisgeben. Leider stellen sich die Entwickler mit den Upgrades der Lebensleiste selber ein Bein. Dieses lässt sich nicht nur um 100% verlängern, sondern dazu bringen das sich diese selbstständig wieder auflädt. Spätestens jetzt kann auf keinem Schwierigkeitsgrad mehr von einer Herausforderung gesprochen werden. Dafür versinkt das Kampfgeschehen nicht komplett im Hack and Slay. Manche mit Energieschild ausgerüstete Gegner müssen per manuell gesteuerten Fernkampf erst betäubt werden, dessen Munition sich auf 2 Arten verstreut finden lassen. Im Nahkampf übernimmt dies eine aufgeladene Attacke, mit dieser gleichzeitig auch eine leichte Note an Taktik versprüht wird. Andere Maschinen lassen sich wiederum zerlegen und dessen Teile auf nahegelegene Kollegen schmettern oder rufen nach Ablauf eines Countdowns Verstärkung. Am Ende sorgen dennoch die Standartattacken für den nötigen Respekt. Anders bei den Bossgegnern, die nur mit einer bestimmten Taktik vernichtet werden können. Beeindruckend in Szene gesetzt, können allerdings an einer Hand abgezählt werden, was leider auch auf die normalen Gegnerarten zutrifft.

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Wenn die Steuerung das Ruder übernimmt
Monkey macht seinen Namen alle Ehre. Rund die Hälfte der Odyssey verbringt der Spieler kletternd einen Weg durch die zerstörten Bauten zu finden. An sich nicht negativ, nur lassen sich die Klettereinlagen durch stumpfes Tastendrücken und dirigieren des Analogsticks bewältigen. Fehlgeschlagene Sprünge sind nahezu unmöglich. Diese werden entweder erfolgreich ausgeführt oder bei völlig falscher Richtungslenkung schlicht verweigert. Nur später auftretende Fallen oder einstürzende Objekte haben das Zeug die Klettertour zu beenden. Auch die Suche nach klettertauglichen Objekten entfällt, da diese durch ein auffälliges Leuchten im wahrsten Sinne sofort ins Auge stechen. Mehr Freiheit bieten die gelegentlich auftretenden Hovercraft Passagen, mit der sich Monkey mit einer Art Surfbrett über ein großzügig ausgelegtes Wassergebiet austoben kann. Von einer Herausforderung kann hier leider genau so wenig gesprochen werden wie in den Kampfmanövern. Bis hierhin lässt sich über die Steuerung eigentlich gar nicht so viel Negatives erwähnen. Zusammengefasst haben die Entwickler es einfach versäumt ins Spiel einen angemessenen Grad an Herausforderung zu integrieren. Als Contra spielt sich Enslaved besonders im Kampfsystem etwas träge. Dieses fällt zwar nicht unbedingt extrem auf, scheitert aber im direkten Vergleich seiner Genre-Konkurrenten, die sich wesentlich dynamischer steuern lassen. Die Kamera positioniert sich dafür in den meisten Fällen in die Nähe von Monkey, die frei rotiert werden darf, aber besonders in engen Räumen immer wieder wo aneckt.

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Auf surreale Art real
150 Jahre nach einem fast alles vernichtenden Krieg. Wer jetzt dementsprechend einen düsteren Grafiklook erwartet liegt hier klar daneben. Genau das Gegenteil ist der Fall. Ninja Theory erschuf ihren völlig eigenen farbenprächtigen Style, der eine surreale Art von Realismus und Glaubwürdigkeit zu Tage bringt. Die ersten Spielstunden durchquert das ungleiche Duo etwa das „heutige“ New York. Die völlig von detaillierten Pflanzen und Bäumen überwucherte Metropole erinnert nur noch durch ihre Wolkenkratzer an ihre Glanzzeiten. Überhaupt wurde das ganze Spiel hindurch darauf geachtet dass dem Auge stets was geboten wird. Die meisten Gebiete wurden wie aus anderen Action Adventures bekannt nicht durch schlauchförmige Level-Areale eingeengt, sondern geben im Zusammenspiel mit der hervorragenden Weitsicht ein freiräumiges Feeling wieder. Mit Heavenly Sword wurde damals das erste Mal Performance Capturing eingesetzt. Eine Technik die menschliche Bewegungen sowie die kleinsten Gesichtszüge auf digitale Personen zaubert. Und genau wie in Heavenly Sword holte sich Ninja Theory für Enslaved wieder Andy Serkis ins Boot, der unter anderem bereits Gollum in Der Herr der Ringe zum Leben erweckte. Und nun auch unter anderem Trip und Monkey, dessen Duo ab der Hälfte des Spiels ein weiterer Charakter namens Pigsy folgt. Deren Animationen und Mimik lassen kurz gesagt kein Grund für negative Kritik zu. Leider kommt die überragende Grafik am Ende nicht ganz ohne die üblichen Fehler aus. Speziell zu Beginn eines Abschnitts, etwa nach einer Story-Sequenz, lässt sich deutlich das verspätete Nachladen bestimmter Texturen erkennen, dem sich teilweise auch Popups anschließen. Minuspunkte die das Gesamtbild aber nicht allzu stark beeinträchtigen.

Synchronisierung Top, Vertonung Flop
Enslaved: Odyssey to the West wurde mit einer komplett deutsch lokalisierten Sprachausgabe ausgestattet, die sich hinter der wahlweisen englischen Synchronisation nicht verstecken muss. Stets wirkt die emotionale Stimmung wie etwa Trauer, Angst und Freude glaubwürdig an die jeweilige Situation angepasst. Umso schlimmer die daneben gegangene Vertonung. In den Zwischensequenzen ist die Sprachausgabe viel zu leise geraten, die in den Hintergrundgeräuschen teilweise komplett untergehen. Ein Problem von dem die Dialoge während des Gameplays allerdings nicht betroffen sind. Für den Soundtrack wurde, wie auch schon bei Heavenly Sword, der erfahrene Komponist Nitin Sawhney engagiert, der sich während des Spielgeschehens nicht auf eine bestimmten Soundtrack festlegte, sondern durch unterschiedliche Musikstücke viel mehr darauf Wert legte die aktuelle Handlung und Situation noch zusätzlich hervorzuheben. Ein Soundtrack der sich auch in der Enslaved Collectors Edition als Zusatz-CD wiederfindet.

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Ein ungeschliffener aber wertvoller Diamant
Es lässt sich nicht schön reden. Enslaved bietet nahezu in allen Punkten diverse Schwächen. Allerdings Schwächen die ein ansonsten gutes Spiel am Ende nicht zerstören können, sondern es schlicht gesagt am Einzug in die Genre-Oberliga hindern. Besonders die eigentlich gut in Szene gesetzten Kletter und Sprungeinlagen, die sich fast von selbst spielen, dürften als Streitfall enden. An überzeugender Inszenierung mangelt es auch nicht dem Kampfgeschehen. Langeweile kommt nie auf, allerdings genau so wenig an Abwechslung. Grafisch und Akustisch sticht Enslaved am Stärksten ins Positive. Ninja Theory erschuf ein glaubhaftes postapokalyptisches Leveldesign, das unter technisch anderem durch seinen leicht surrealen Grafiklook und abwechslungsreichen Soundtrack das Highlight des Spieles ausmacht. Allerdings wiederum auf Kosten von stellenweise deutlichen Nachladen der Textur, oder die zu leise geratene Sprachausgabe der Handlungs-Sequenzen. Mit der Handlung setzt sich das Pro und Contra Gleichnis fort. Besonders die situationsgebundene Beziehung zwischen Trip und Monkey weiss zu überzeugen. Es ist eher die Art und Weise wie die Handlung erzählt wird, anstatt was erzählt wird, was diese ins Rampenlicht rückt. Allerdings darf, oder besser gesagt muss an dieser Stelle erwähnt werden das nicht alle Fragen beantwortet werden, und überhaupt die gesamte Handlung sehr oberflächlich wirkt. Ständig begleitet einem das Gefühl mehr über die Charaktere, den Maschinen, den vergangen Krieg erfahren zu wollen. Hier wurde extrem viel Potenzial verschenkt. Eine Beschreibung die zusammenfassend auf das gesamte Spiel bezogen werden muss. Enslaved hat es allerdings nicht verdient das diese Review mit letzteren Satz endet, und so sei schlussgebend erwähnt das man einiges besser hätte machen können, aber weit mehr auch sehr gut umgesetzt hat.

Gutes

Postapokalyptisches Setting mal anders
glaubhafte Animationen dank Performance Capturing
Stimmungsunterstützender Soundtrack
Gut erzählte Handlung zwischen Trip und Monkey

Schlechtes

Kletter und Sprungpassagen ohne Anspruch
Handlung oberflächig und lückenhaft
Steuerung teils träge
Spielzeit mit 8-10 Stunden relativ kurz

8.0 Sehr gut

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