El Shaddai: Ascension of the Metatron – Review

Getestet von | 03.10.2011 um 00:00 Uhr

Im Vorfeld bekam das Actionspiel „El Shaddai“ aus dem Hause Konami nicht viel Aufmerksamkeit von den Spielern spendiert. Doch nach und nach brannte es sich mehr und mehr in dessen Gedächtnis. Durch einen neuen Stil und mit erfrischend neuen Ideen wollte es die Krone des Genres an sich reißen. Doch was steckt dahinter? Ist „El Shaddai“ tatsächlich die Revolution der Actionspiele oder versteckt sich hinter dem bizarren Grafikstil lediglich ein stinknormaler Abklatsch der Größen des Genres? Dies und vieles mehr erfahrt ihr in unserem Review!

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Im Auftrag Gottes

Betrachtet man die Geschichte des Spiels, so keimt erste Hoffnung auf, dass die Entwickler tatsächlich nicht zu viel versprochen haben. „El Shaddai“ nimmt sich eines biblischen Szenarios an – für Videospiele bisher eher untypisch. Als Hintergrundgeschichte fungieren dabei die Erzählungen rund um Enoch, der eine Sintflut verhindern will und dafür einige abtrünnige Engel zurück aus der Menschenwelt in den Himmel zu holen hat. Diese sucht er in einem Turm auf, dessen Stockwerke von je einem der genannten Engel bewohnt wird. Ein ständiger Begleiter von Enoch – in dessen Rolle ihr im Spiel schlüpft – ist Lucifer, der einem zu jeder Zeit mit interessanten Informationen, Wissen oder einfach spielinternen Tipps zur Seite steht. Des Weiteren ist er es, der Enoch seine Kräfte gibt, um die Mission vollständig erfüllen zu können.
Das Storykonzept klingt soweit schon recht vielversprechend, vorausgesetzt man bringt das nötige Interesse an solch biblischen Erzählungen mit. Besonders der Anfang verläuft allerdings schleppend und die Spannung, die für die Intensität einer solchen Geschichte nötig ist, bleibt auch aus. Dies legt sich später zwar, ein mulmiges Gefühl bezüglich der Story bleibt aber bis zum Schluss, da sie einfach meist viel zu dünn erzählt wird. Und nach rund zehn Stunden, wenn das Spiel erstmalig abgeschlossen wurde, werden die meisten Spieler wohl mit einem gemischten Eindruck zurückbleiben. Wär das Potenzial besser genutzt worden, so hätte die Story eine der tragenden Säulen des Spiels werden können. So ist sie nur eine nette Idee ohne viel Tiefgang.

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Himmlische Kämpfe oder auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt?

„El Shaddai“ ist ein Actionspiel, wie es im Buche steht: Kenner des Genres werden sich wohlfühlen und sich entsprechend schnell in die Steuerung und das Gameplay hereinfinden. Im Grunde ist es eine Mischung aus Action-Adventure, Jump & Run und Hack’n Slay a la „God of War“. Die meiste Zeit seid ihr allerdings mit letzterem beschäftigt. Immer wieder kommen neue Gegnerwellen auf, die es zu besiegen gilt. Eine ausreichende Aktionsvielfalt wird dabei trotz simpler Steuerung geboten. Ihr könnt Sprünge ausführen, Angriffe parieren oder eben selbst zuschlagen. Für einen Angriff steht euch dabei lediglich nur eine einzige Taste zur Verfügung. Durch Verbindungen mit anderen Aktionen wird aber die Möglichkeit geboten, die verschiedensten Kombi auszuführen. Das sieht alles sehr nett aus und es ist auch durchaus erstaunlich, dass man durch solch eine simple Tastenbelegung so viel erreichen kann. Die Kämpfe sind aber in keinem der Schwierigkeitsstufen eine echte Herausforderung, wenn man sich einmal eingespielt hat. Zu leicht geht alles von der Hand und zu schnell verfällt man in ein eintöniges Muster, trotz Kombi und Spezialattacken. Ganze drei Waffen erhaltet ihr auf eurer Reise, aber zu selten wird gefordert, sie während des Kampfes zu wechseln umso eine taktische Vielfalt zu schaffen. Interessant ist aber, dass diese Waffen auch außerhalb des Kampfes zum Einsatz kommen. Ab und an werden sie dafür benötigt, um euch durch die Action-Adventure-Passagen des Spiels zu kämpfen und gewisse Hindernisse aus dem Weg zu räumen. Einen tieferen Sinn erhalten die Waffen dann, wenn es auf die Bosskämpfe zugeht. Diese sind um einiges anspruchsvoller und verlangen von dem Spieler verhältnismäßig viel ab. Selbstverständlich bilden diese Kämpfe die Ausnahme. Genau deswegen sind sie aber wohl eines der spielerischen Highlights in „El Shaddai“

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Fulminantes Design-Sound Duo

Wie wir nun bereits durchleuchtet haben, ist „El Shaddai“ scheinbar nicht das, was es sein will. Mit Innovationen und einen neuen Spielgefühl wollte es beeindrucken, spielerisch ist es aber eher altbacken. Zeit also dafür, den offensichtlichsten Part dieser „Revolution“ unter die Lupe zu nehmen. In das Artdesign haben die Entwickler merkbar ihr gesamtes Herzblut gesteckt. Von vorne bis hinten ist das Design komplett durchdacht und nicht selten kommt man auf Grund des Ideenreichtums ins Staunen. Der Stil selbst ist schwer zu beschreiben. Die kompletten Umgebungen sind in einer schrillen und bunten Art komplett gezeichnet, jedes Grafikelement hat dabei seinen eigenen, hohen Wiedererkennungswert. Hinzu kommen dann noch grafische Effekte, die zum Teil zwar irritieren, aber perfekt zum Stil passen. Ähnlich verhält es sich mit den Gegnertypen. Die Auswahl beschränkt sich hier zwar auf einige wenige, diese sehen aber zweifellos genauso bizarr aus, wie der Rest der Spielwelt. Wichtig ist nur, dass potentielle Käufer bereits vorher einen Blick auf den extraordinären Grafikstil werfen. Es sollte nicht verwundern, dass solch ein individuelles Prachtstück nicht jedem gefällt und wahrlich auch den Großteil der Käufer wohl eher abschreckt. Sicher ist aber: Lässt man sich auf das Artdesign ein, so kann ein interessanter Ausflug durch eine faszinierende Welt erwartet werden.
Ähnlich wie mit der Grafik verhält es sich mit der musikalischen Untermalung. Begleitet wird man die meiste Zeit von einem fulminanten Orchester, dass die Stimmung, die in der Spielwelt herrscht, perfekt einfängt. Diese Idee passt zum einen gut zum biblischen Hintergrund der Geschichte, als auch eben zum markanten Grafikstil. Selbstverständlich wird man auch mal mit dem ein oder anderen Patzer konfrontiert, im Großen und Ganzen ist wirkt es aber dann doch sehr episch.

Die kleinen Macken des Spiels

Weniger episch sind die technischen Macken des Spiels. Mit Framerate-Einbrüchen oder anderen größeren Patzern hat das Spiel zwar nicht zu kämpfen, aber es sind die kleinen Dinge, die stören. Zum einen wäre das die Kameraführung, die oft ihr Eigenleben führt und nicht selten eine kleine Sprungpassage zu einer großen Nervenprüfung macht. Ähnliches gilt bei den Kämpfen: Wird eine große und umfangreiche Gegnerwelle bekämpft und Enoch befindet sich mitten im Geschehen, so kann man sich des Öfteren sicher sein, dass die Kamera mal wieder ihren Dienst quittiert und herrenlos durch die Gegend gleitet. Natürlich ist das etwas überspitzt ausgedrückt, hemmend auf die Spielfreude wirkt es sich aber allemal aus. Das andere Hauptproblem von „El Shaddai“ ist die Synchronisierung. Zum einen wirken die englischsprachigen Sprecher oft recht gelangweilt und emotionslos. Zum anderen passen die getätigten Aussagen oftmals gar nicht zur deutschen Übersetzung in Form von Untertiteln. Wer der englischen Sprache mächtig ist, sollte die Untertitel ganz ausschalten und lediglich den Sprechern lauschen.

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Die große Action-Innovation…

…ist „El Shaddai“ wahrlich nicht. Nach Abschluss des Spiels bleiben gemischte Gefühle bestehen und es dauert wahrscheinlich eine Zeit, bis man sich selbst klar gemacht hat, was nun in dieser Produktion steckt. Klar ist: Das komplette Artdesign ist ein Meisterwerk, das keineswegs Mainstream ist und nicht jedem gefällt. Passend dazu wird eine musikalische Untermalung geboten, die ebenfalls ihresgleichen sucht. Klar ist: Die Geschichte des Spiels zerstört diesen epischen Eindruck. Die Idee hinter diesen biblischen Geschehnissen ist gut, aber mangelhaft umgesetzt. Mit mehr Tiefgang wäre hier viel mehr drin gewesen. Unklar ist allerdings, was man vom Gameplay halten soll. Im Endeffekt ist „El Shaddai“ ein 08/15-Actionspiel, welches keinerlei einzigartigen Features mit sich bringt und eher durch Eintönigkeit hervorsticht. Da hilft dann auch nicht mehr der auf dem Papier interessant klingende Genre-Mix. Viele Spieler werden aber wohl über das Spielprinzip auch erfreut sein, da man sich sofort reingefunden hat und keine Zeit mit Verständnisproblemen vergeudet. „El Shaddai“ ist also ein durchschnittliches Actionspiel mit einer unterdurchschnittlichen Story, sowie einem innovativen Artdesign.

Gutes

- grundsätzlich interessantes Szenario...
- hervorragendes Artdesign
- fulminante Soundkulisse

Schlechtes

- das nicht tiefgründig genug ist
- eintöniges Kampfsystem
- teilweise störende Kameraführung

7.5 Gut

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