Einmal Geschnetzeltes bitte – unser Test zu Metal Gear Rising: Revengeance

Getestet von | 30.03.2013 um 11:59 Uhr

Wenn die Entwickler-Legende Hideo Kojima ein neues Spiel ankündigt, steht die Videospielwelt auf dem Kopf. Noch genauer schauen wir hin, wenn sich das Spiel von den Wurzeln der Serie entfernt. Mit Metal Gear Rising hat Konami sich zu viel vorgenommen, doch freundlicherweise erklärte sich das japanische Studio von Platinum Games dazu bereit, den Metal Gear Titel mit Raiden in der Hauptrolle zu entwickeln. Dass die Entwickler tolle Spiele entwerfen können, haben sie bereits mit verrückten Titeln wie Bayonetta oder Vanquish unter Beweis gestellt. Aber kann das Team auch ein würdiges Metal Gear Abenteuer auf die Beine stellen? Und wie viel Metal Gear steckt in diesem Spinoff tatsächlich drin? Wir haben uns für euch durch jede Menge Cyborgs und coole Bosse geschnetzelt und präsentieren euch unsere Meinung.

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Raiden und sein „scharfes“ Baby

Mal wieder eine Bedrohung für die Welt

 
Metal Gear Rising: Revengeance steckt euch in die Rolle vom Cyborg-Krieger Raiden, der bereits in MGS2 und MGS4 seine Auftritte hatte. An letzteres Metal Gear setzt der neue Teil an, genauer gesagt findet es 4 Jahre nach dem epischen Abenteuer von Old Snake statt. Raiden arbeitet für die Private Military Company Maverick, die sich darauf konzentriert, hohen Tieren der Politik den nötigen Schutz zu gewähren. Als die Handlanger von Desperado LLC, ebenfalls eine PMC, Raiden zu Grunde demütigen und eine afrikanische Führungskraft ermorden, die Raiden beschützen sollte, machen wir uns auf den Weg, die kriminellen Machenschaften der Organisation aufzudecken. Schnell macht sich bemerkbar, worum es in Revengeance wirklich geht. Obdachlose Kinder werden von Desperado LLC entführt, wonach ihre Gehirne entnommen, in kybernetische Körper gesteckt und durch VR-Training zu Supersoldaten ausgebildet werden – das schreit förmlich nach Kojima. Bei der Story ist die Arbeit von Konami unverkennbar. Die Thematik um Kriegsherrschaft und Kindessoldaten fügt sich wunderbar in die Metal Gear Reihe ein, dennoch hebt sich die Geschichte von Rising von den Haupt-MG-Teilen ab. Das liegt unter Anderem an der Präsentation, wie Charaktere und Handlungen rübergebracht werden. Die Story ist bei Weitem nicht so verworren wie wir es von den anderen Teilen gewohnt sind. Die Zwischensequenzen sind leider nicht ganz so episch und auch fehlt es an markanten, interessanten Charakteren. Das Spiel wartet zwar mit coolen Bösewichten auf den Spieler, doch die sind zu austauschbar und gelangen schnell in Vergessenheit. Auch der Protagonist Raiden zieht uns nicht so in den Bann, wie es Big Boss und seine Klöne können. Dass sich Raiden mit seiner emotionalen Seite beschäftigt, weil ihn das Schicksal der Kindessoldaten an seine eigene Kindheit erinnert, verleiht der Story zwar etwas Tiefgang, aber was wir in anderen Metal Gear Teilen schon erlebt haben, kann Rising nicht einmal ansatzweise präsentieren. Vielleicht suchen wir in der Geschichte zu viel Metal Gear, es ist aber nicht von der Hand zu weisen, dass der Storyaspekt nicht die größte Stärke des Spiels ist. Man sollte sich auf jeden Fall nicht in das Spiel stürzen und einen klassischen Hideo Kojima Titel erwarten. Die Handlung ist leider nicht das große Epos geworden, das Raiden verdient hätte. Ganz großes Kino bekommen wir trotzdem geboten, denn das Gameplay kann auf voller Linie punkten.

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Schon wieder muss Raiden zur Tat schreiten, weil eine nette Omi ihrem Köter falsches Futter gegeben hat

 

Cyborg versus Cyborg

 
Dass Rising: Revengeance ein Ableger ist, wird spätestens beim Spielgeschehen glasklar. Was Raiden bereits in MGS4 in mehreren Zwischensequenzen angedeutet hat, dürfen wir jetzt in Aktion selbst erleben. Er ist eine verdammt coole Sau, mit der man sich lieber nicht anlegen sollte. Platinum Games hat ein fantastisches Hack’n’Slay entworfen, das ein komplexes, aber sehr zufriedenstellendes Kampfsystem sein Eigen nennt. In äußert schlauchartigen Arealen dringt Raiden hervor und eilt von einer blutigen Schlacht zur nächsten. Viel zu Erkunden gibt’s nicht, in dieser Hinsicht wäre sicherlich mehr drin gewesen. Auch die möglichen Stealth-Einlagen sind ein Witz; sie kommen wirklich selten zur Geltung und mal ganz im Ernst – wer will schon möglichst leise vorgehen, wenn Raiden in bester Badass-Manier auch das Schwert schwingen kann, bis nur noch rote Suppe übrig ist? Während in den „regulären“ Metal Gears die taktische Überlegung darin bestand, wie das Schlachtfeld möglichst unentdeckt überwunden werden kann, geht es hier darum, wie der Gegenüber möglichst schnell in seine Einzelteile zerlegt werden kann. Auch wenn Raiden lediglich zwei Tasten zum Angriff zur Verfügung stehen, ist eine große Kombo-Vielfalt möglich. Die Abwechslung und Komplexität eines Bayonettas hat das Kampfsystem nicht, doch es macht unheimlichen Spaß, sämtliche Kombos der insgesamt vier spielbaren Waffen zu erlernen. Das Blocken stellt eine gesonderte Herausforderung dar, denn das gibt’s nicht auf simplen Knopfdruck. Es gilt, in die Richtung des Angreifers zu drücken und mit perfektem Timing selbst anzugreifen. Gelingt dies, wird der Angriff des Gegners gekontert – ein unglaublich befriedigendes Gefühl, da das besonders zu Beginn der Spielzeit recht selten gelingt. Übung macht den Meister lautet hier die Devise, und bei solch einem abwechslungsreichen und spaßigen Kampfsystem übt man doch gern! Als weniger effektiv erweist sich die Implementierung von zusätzlichen Objekten und Waffen wie EMP-Granaten und Raktenwerfern. Bei Bosskämpfen ist es sicherlich unerlässlich, seinen Gegner zu blenden, aber im natürlichen Spielverlauf kommen die Gegenstände eher selten zum Einsatz. Ganz anders verhält es sich mit der Möglichkeit des „free cutting“. Die wohl am größten beworbene Gameplayfunktion überzeugt voll und ganz. Nachdem eine Art Zeitlupe aktiviert wurde, stehen die Analog-Sticks zur Verfügung um die gegnerischen Cyborgs in tausende Einzelteile zu zerlegen. Sind einzelne Körperteile des Gegenübers ausreichend demoliert worden, leuchten sie auf. Nähert man sich mit Raiden genug an, lassen sich die entsprechenden Teile per 360-Grad Klingensteuerung zerstören oder gar abschneiden. Was der Protagonist auf dem Bildschirm mit den Cyborg Kriegern anstellt, ist wirklich nichts für schwache Mägen. Während bei der USK in der Vergangenheit das Abtrennen einzelner Glieder höchst unerwünscht war, ist hier die volle Zerstückelung möglich. Sind ja schließlich auch nur Cyborgs… Blut spritzt trotzdem und das sicherlich nicht zimperlich. Die Möglichkeit des free cutting stellt ein interessantes Gameplay-Feature dar. Nicht nur einmal habe ich mich dabei ertappt, sinnlos auf Palmen einzudreschen und sie in etliche Einzelteile zu zerlegen.

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Im Vergleich zu den richtigen Bossen ist der Metal Gear Ray ein Klacks

Gutes

+ komboreiches Kampfsystem mit 4 Waffen
+ im Blade Modus macht schnetzeln gleich doppelt Spaß
+ cooles Skill-System
+ fordernde Bosse
+ butterweich dank 60 FPS

Schlechtes

- geringer Umfang, Story schnell durch (zusätzlich kein Multiplayer)
- biedere Optik
- einige Synchronsprecher fragwürdig gewählt
- außer Charakter und Thematik nicht viel Metal Gear drin

7.5 Gut

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