EA Sports: MMA – Review

Getestet von | 24.10.2010 um 00:00 Uhr

EA Sports widmet sich nach anfänglichem Zweifel nun auch der wohl männlichsten Sportart. Vom Erfolg von UFC Undisputed geleitet, entwickelte das EA Studio von Tiburon ebenfalls einen Titel um Mixed Martial Arts. EA’s MMA machte vorerst keine positiven Schlagzeilen, da es diverse Lizenzprobleme mit der UFC gab. Jetzt endlich bittet das Spiel zum Ring, die Kämpfe laufen auf Hochtouren. Doch kann sich EA gegen den Referenztitel von THQ behaupten? Wir verraten es in unserer Review.

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Let’s get ready to… rumble?

Nachdem eine Festplatteninstallation und eine wirklich lange Ladesequenz überstanden wurden, findet sich der Spieler im Hauptmenü wieder. Dort bietet EA die Möglichkeit, in einen Schnellkampf einzusteigen. Sind die Kämpfer ausgewählt, geht es sofort los. Für Neuanfänger, die mit der Demo aus dem Store nichts am Hut hatten, ist das ausführliche Tutorial zu empfehlen. Im „MMA-Einmaleins“ werden ausführlich sowohl die Grundlage des Mixed Martial Arts als auch die verschiedenen Kampftechniken erläutert. Nach jeder bestandenen Übung lässt sich das Gelernte im Sparring festigen. Das Einmaleins ist eine tolle Chance, in die Welt des Mixed Martial Arts und in das Spielgeschehen zu schnuppern. Neben einigen Optionen, Extras und verschiedenen Onlinefunktionen, die wir später ansprechen, ist die Karriere ein weiteres Augenmerk im Spiel. In diese wurde das Einmaleins ebenfalls implementiert. Wer den Spielmodus des Einmaleins noch nicht absolviert hat, holt dies in der Karriere nach. Zuvor kann ein eigener Kämpfer erstellt werden. EA legt hier auf altbekannte Möglichkeiten, wie z.B. den Photo Game Face Editor. Mit Hilfe von Frontal- und Seitenbildern oder einer PS Eye Kamera lässt sich das eigene Gesicht ins Spiel integrieren. Das funktioniert bei beachteten Vorschriften recht gut. Andernfalls kann ein Gesicht durch eine Auswahl an mehreren Merkmalen konfiguriert werden. Wer den Aufwand scheut, nimmt ein vorgefertigtes Gesicht. Leider hat EA dem Spiel nur eine Liste an vorgegebenen (englischen) Namen spendiert. Auf deutsche Vor- und Nachnamen muss größtenteils verzichtet werden. Die Wahl der Kleidung, des Kampfstils und des Auftretens steht an. Die verschiedenen Stile wie Boxen oder Muay Thai sind mit Vor- und Nachteilen aufgelistet. Weiterhin ist es möglich, die Haltung während und die Pose nach einem einem Kampf zu bestimmen. Nach der typischen Vergabe von Skillpunkten geht es wahlweise mit dem Einmaleins-Tutorial oder mit dem ersten Amateurkampf weiter. Der Kämpfer Bas Rutten führt den Spieler durch die Karriere, arrangiert Kämpfe und schickt euch ins Training. Zwischen den Schlachten im Ring können acht Einheiten absolviert werden, die die Fähigkeiten verbessern. Je nach gewünschtem Bereich stehen einige Einheiten zur Verfügung. So muss zum Beispiel eine bestimmte Anzahl an Kombos vollführt oder sich am Boden behauptet werden. Um das Ganze nicht ganz so zäh zu gestalten, können die Einheiten auch simuliert werden, was natürlich eine Menge Zeit spart. Steht durch Kämpfe genug Geld zur Verfügung, kann auch in internationale Gyms gereist werden. Dort stehen bekannte Kämpfer und Lehrer bereit, die einige Special-Moves auf Lager haben. Wird eine bestimmte Herausforderung bestanden, erlernt der Spieler die zuvor bestimmte Aktion. Das Training gestaltet sich recht abwechslungreich, bietet aber kaum Tiefgang. Nach wenigen Kämpfen werden die meisten zur Simulation greifen. Die Kämpfe an sich fallen spaßig aus, zum Gameplay gleich mehr. In der Karriere steigt der Schwierigkeitsgrad vorerst rapide an. Anfangs ist fast immer in der ersten Runde nach einer Minute Schluss, doch schon bald streckt sich der Kampf über mehrere Runden und verlangt dem Spieler einiges ab. Nachdem diese „Phase“ aber bestanden wurde, bleiben die Gegner auf der gleichen Stufe. Wer den Dreh raus hat, wird hier schon bald nicht mehr gefordert. Leider hat die eigene Statistik keine Auswirkung auf das Verhalten der Gegner. Wenn der Spieler eine hohe Rate an Submissions hat, sollten die Gegner den Bodenkampf meiden – machen sie aber nicht. Die Karriere hilft, das Spielgeschehen zu erlernen und zu üben. Die Luft ist aber schnell raus.

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Ab in den Ring

MMA verfügt über die Lizenzen der Strikeforce-Organisation. So lassen sich diverse Kämpfer des amerikanischen Konzerns im Ring blicken, aber auch offizielle Kommentatoren, Ringrichter und Arenen sind mit dabei. Das hat zur Folge, dass EA’s Spiel auf eher unbekannte Artisten zurückgreifen muss. Trotzdem gehören zu den rund 60 Kämpfern einige Akteure, die im Kampfsport schon für Aufsehen gesorgt haben. Randy Couture, Fedor Emelianenko, Brett Rogers, Bobby Lashley, Frank & Ken Shamrock, Jake Shields oder auch Jason „Mayhem“ Miller, der auf MTV eine eigene Sendung hat, sind mit von der Partie. Sie stehen in den fünf Standardgewichtklassen zur Verfügung. Einige Kämpfer können aber in mehreren Gewichtsklassen mitstreiten. Weitere berühmte Kämpfer können online kostenlos erworben werden, dazu gleich mehr. Wird ein Akteur ausgewählt, geht der Kampf endlich los. Die Steuerung erinnert an EA’s Fight Night Reihe. Das Standard-Kontrollschema bedient sich reichlich am rechten Analogstick. Schläge werden mit einer passenden Bewegung des Knüppels vollführt. Wird der R1-Knopf gehalten, landen die Punches auf Körperhöhe. Durch Halten von L2 werden die Beine mit dem rechten Stick bedient, auch hier lässt sich die Höhe mittels R1 regeln. Die Schultertaste R2 betätigt das Blocken/Abfangen, das mit richtigem Timing gelingt. Mit ruckartiger Bewegung des linken Sticks wird in die jeweilige Richtung ausgewichen. L1 gibt die Möglichkeit, Schläge/Kicks anzutäuschen, zu „faken“. Dies gestaltet sich aber nicht als besonders hilfreich. Gegner werden zu selten Opfer der Finten. Die Aktionen brechen auch zu schnell ab, um eine Kombo glaubwürdig anzuketten. Trotzdem bleibt das Kämpfen im Stand zu loben, die Anlehnung an Fight Night fällt gut aus. Clinches gehören zu den Highlights im MMA-Sport. Mit Dreieck wird der Gegner in eine günstige Lage gebracht und umklammert – für den Fall, dass der Clinch nicht geblockt oder gar gekontert wird. Im Clinch kann mit den Fäusten auf den Gegner eingeschlagen und die Beine in den Körper/Kopf gerammt werden. Auch ist es möglich, den Gegner im Clinch ans Käfig-/Ringgitter zu befördern. Auf einfacher Stufe lässt sich so schnell ein Kampf entscheiden. Leider schwächelt die Kamerafahrt bei den Clinches recht deutlich. Bei der Ausführung kommt für einen kurzen Augenblick eine Art Vogelperspektive zum Einsatz, die das Geschehen nicht gut wiedergibt. Wehrt sich der Gegner in diesem Moment, zieht der Spieler meist den Kürzeren. Auch spannende Auseinanersetzungen auf dem Boden dürfen nicht fehlen. Aus dem Stand und aus dem Clinch lässt sich ein Takedown ausführen. Dabei wird der gegnerische Kämpfer mit Wucht auf den Boden geschmissen, eine Art Ringen folgt. Schläge können dem Gegner Kraft rauben, wodurch man sich eine bessere Position auf dem Boden verschaffen kann. In der richtigen Lage ergibt sich die Möglichkeit, mit einer Submission den Kampf vorzeitig zu beenden. Dabei wird ein Arm, Bein oder der Nacken umklammert und gezogen, sodass der Gegner aufgeben muss. Dafür muss bei der Ausführung der Submission ein Knopf möglichst gleichmäßig und mit Gefühl gedrückt werden. Schlägt es fehl, ist es erneut möglich, eine weitere Submission Position einzunehmen. Beim zweiten Versuch kommt eine andere Steuerungsart zum Zug. Ein Kreis stellt die Submission dar. Beide Kämpfer müssen mit dem linken Stick den richtigen Punkt finden, mit dem sich beim Angreifer der Kreis entweder verringert, oder beim Opfer vergrößert, wenn dieser Erfolg hat. Besonders bei den Submissions sticht der Nervenkitzel heraus. Es geht nicht um wildes Button-Mashing, sondern und Gefühl und Taktik. Taktik im Gewand einer Ausdauer Anzeige. Bei jeder Aktion, sei es ein Punch, ein Positionswechsel am Boden oder bei der Suche des richtigen Punktes in der Submission, verringert sich die Ausdauer-Anzeige. Wer mehr Ausdauer hat, kann in fast jeder Lage einen Vorteil genießen. Sinnloses Button-Mashing hat also zu keinem Zeitpunkt einen Sinn.

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Von nackten Oberkörpern zu Schweiß und Blut

Beim optischen Aspekt kann EA mit MMA voll auftrumpfen. Bereits Fight Night Round 4 zeigte, wie Kampfsporttitel heutzutage auszusehen haben. MMA steht dem letzten Boxableger da in nichts nach. Die Kämpfer sind detailliert gestaltet. Die Gesichtszüge entsprechen zu meist denen ihrer realen Vorbilder. Die Körperproportionen sind einwandfrei umgesetzt worden. Die Hosen wirbeln umher und spiegeln die Bewegung wieder. Blut und Schweiß geben Grund zum Staunen. Der Schweiß perlt über den ganzen Körper. Das Licht in der Arena wird am Körper reflektiert. Das Blut verschmiert sich über die ganze Arena. Es zieht über alle Körperteile und ist auf dem Körper des Gegners zu sehen, wenn sich die Kämpfer im Nahkampf auf dem Boden berühren. Cuts sind ähnlich wie bei FNR4 realistisch dargestellt. Die Fratzen verziehen sich bei brutalen Situationen schmerzverzerrt, die Mimik wirkt einwandfrei. Ein Highlight von MMA sind die butterweichen Animationen. Fast alle Manöver sind abwechslungsreich, die Kämpfer haben verschiedene Haltungen beim Kämpfen. TKOs sind grandios und brutal zugleich inszeniert. Geht ein angeschlagener Kämpfer zu Boden, richtet sich die Kamera auf den überlegenen Fighter und zeigt, wie der meist liegende Gegner verdroschen wird. Auch beim Bodenkampf und Clinch gestaltet sich die Ansicht brachialer. Leider verdeckt sie aber oftmals das eigentliche Geschehen, weil die Oberhand schnell an den anderen Spieler übergehen kann. Die Kamera zieht dabei etwas hektisch mit. Die Arenen mitsamt ihrer Ringrichter und Zuschauer sind schön und recht abwechslungsreich präsentiert. Der akustische Aspekt kann leider nicht auf voller Linie punkten. Die Musikuntermalung mit hauptsächlich rockigen Klängen wirkt stimmig. Doch bereits beim Einzug in die Kampflocation langweilt der Ringsprecher mit einem öden Empfang. Die Kommentatoren wissen auch kaum zu überzeugen. Die eintönige Bewertung des Kampfes stört zwar nicht wirklich, kann aber auch nicht zur Atmosphäre beitragen. Gelegentliche Aussetzer des Publikums helfen da auch nicht. Die Stimmung geht in den Keller, wenn das Jubeln plötzlich zu bedrückender Stille wird.

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Zu zweit kloppen macht mehr Spaß

Durch die recht simple Steuerungsart können auch Freunde offline Spaß haben. Die Manöver sind schnell erklärt und nach wenigen Runden hat jeder eine eigene Strategie beim Kämpfen. Das Herzstück des Multiplayers ist natürlich aber der Onlineteil. Hier lassen sich einfache Spiele und Turniere bestreiten. Eine Rangliste und ein Rangsystem mit Erfahrungspunkten und Gürteln für die Gewichtsklassen sorgen für Tiefgang und Motivation. Das Highlight ist aber der „Live Broadcast“ Modus. Zum einen ist es möglich, ganze Kämpfe online zu speichern. Diese Videos können von Freunden auf der PS3 oder am PC über eine Website von EA bestaunt werden. Weiterhin veranstaltet EA des Öfteren Kämpfe, für die Spieler aus der ganzen Welt ausgewählt werden. Kriterien dabei sind unter Anderem die Online-Aktivität, der Ranglistenplatz etc. Die besagten Kämpfe werden ausgetragen und stehen als Live-Stream auf der EA MMA Website zur Verfügung. Als wäre das nicht genug, hat EA für solche Kämpfe echte Kommentatoren parat, die das Geschehen bewerten und mit Hintergrundinfos um sich werfen. Der Live Broadcast ist eine tolle und innovative Neuerung im Onlinepart. Bleibt zu hoffen, dass EA und auch andere Entwickler dieses Konzept für andere Spiele verwenden. Als nette Zugabe dient die Möglichkeit, von anderen Spielern erstellte Kämpfer herunterzuladen. Wie bei Fight Night Round 4 tummeln sich bereits etliche Stars auf den Servern, die es aufgrund Lizenzen nicht ins Spiel geschafft haben. So wurden bereits originalgetreue Akteure wie Chuck Liddell, Quinton „Rampage“ Jackson, Brock Lesnar, Anderson Silva und sogar Remy Bonjasky erstellt. Die Charaktere können off- und online in sämtlichen Modi verwendet werden.

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Durchstarter oder Verlierer?

EA Sports MMA fängt die Atmosphäre des Mixed Martial Arts Sports gut ein. Das Gameplay und die Steuerung ist stimmig, das Geschehen ist brutal inszeniert. Aktionen im Stand, Clinches, Schlachten auf dem Boden und Submissions wirken gut ausbalanciert. Das Spiel ist leicht zugänglich für Neulinge, der Online Modus bietet viel Tiefgang und Innovation. Die Optik macht einen sehr guten Eindruck. EA ist mit MMA ein guter Einstieg in das Genre gelungen – da ist aber noch Luft nach oben. Das Gameplay kann noch einige Feinschliffe vertragen, die Karriere fesselt nach wenigen Stunden kaum noch. Noch dazu hat EA das Problem mit fehlenden Kämpferlizenzen, das die inoffiziellen Kämpfer online etwas ausgleichen können. Noch scheint UFC Undisputed die Nase vorn zu haben, doch mit einem Nachfolger von MMA könnte sich dies ändern.

Gutes

Schlechtes

8.5 Sehr gut

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