EA Sports Active 2 – Review

Getestet von | 04.12.2010 um 00:00 Uhr

Spieler von Videospielen sind nach weit verbreiteter Meinung nicht nur potentielle Amokläufer sondern zusätzlich auch fett, faul und gefräßig. Diesem Klischee will EA Sports jetzt nicht nur durch Marketing-Geschwafel abhelfen. Zusätzlich zu Sonys Move setzt der Software-Riese auf ein eigenes Sportprodukt für Playstation 3 und Konkurrenz-Konsolen. Mit EA Sports Active 2 soll jetzt den Fettpölsterchen der Garaus gemacht werden. Wir tauschen für euch Bademantel und Hausschuhe gegen Pulsmessgerät und Marathon-Bereifung und testen, ob Electronic Arts mit EA Sports Active 2 wirklich etwas zur Fettverbrennung beitragen kann oder ob es letztendlich nur zur Beseitigung der Meinung über Computerspieler seinen Beitrag leistet.

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Runter vom Sofa

EA Sports Active 2 ist ein digitaler Personal Trainer, der gleichzeitig die Vitalfunktionen des Spielers überwacht und Fortschritte bei absolvierten Übungen genauestens notiert. Ein 9 Wochen Programm dient dazu, die zuvor persönlich angestrebten Ziele nach einem von Fitnesstrainern zertifizierten Trainingsplan zu erreichen. Davon scheint zumindest Katarina Witt überzeugt zu sein. Denn das Konterfei der Eisprinzessin ziert die Verpackung von EA Sports Active 2. Das markanteste Merkmal des Sportsspiels ist erst einmal, dass wir unseren Schwerpunkt von der Horizontalen in die Vertikale verlagern müssen. Bevor aber die Schweissperlen über das Gesicht rinnen, muss ein wenig Vorarbeit geleistet werden. Die ersten Kalorien verbrennt der willensstarke Sportler schon beim Anlegen der Ausrüstung und dem dazugehörigen Möbelrücken. EA Sports Active 2 kommt nämlich in einem dicken Paket mit jeder Menge Zubehör daher. Neben Disc und ausführlicher Bedienungsanleitung liegen noch diverse Messinstrumente der Verpackung bei. Jeder Arm und das rechte Bein werden mit Bewegungssensoren ausgestattet, die absolute Bewegungsfreiheit während des Trainings garantieren sollen. Im linken Arm-Sensor ist gleichzeitig ein Pulsmessgerät zur Überwachung der Herzfrequenz integriert. Für das Workout benötigen wir zusätzlich Platz. Wenn der Couchtisch dann beiseite geräumt und die Messinstrumente ordnungsgemäß angebracht wurden, kann das Training beginnen.

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Rein in die Radlerhose

Mehr als 70 Übungen präsentiert uns EA Sports Active 2. Daraus kann sich jeder sein ganz persönliches Workout zusammenstellen. Neben klassischen Bizeps-Curls und Squats kann auch eine Vielzahl von Fun-Sport-Aktivitäten miteinander kombiniert werden. Boxen und Basketball sorgen zwischendurch für Abwechslung gegenüber den ansonsten eher trockenen Standard-Übungen. Für manche Übungen wird aber zusätzliches Zubehör benötigt. Ein Aerobic-Band liegt der Verpackung zwar bei, für Step-Aerobics muss aber ein Step hervorgezaubert werden. Wer einen solchen nicht sein eigen nennt, muss auf die Übung verzichten oder handwerkliches Talent bei Beschaffung einer Alternative besitzen. Aus der Vielzahl an Übungen kann nach persönlichem Geschmack eine individuelle Auswahl zur Erreichung der Wochenziele getroffen werden. Wem das zu anstrengend ist oder wer einfach noch nicht weiß, was Lunges, Front-Squats, Hip Bridges oder Curls sind, der bedient sich lieber eines der vorgefertigten Trainings-Programme. Alle Aktivitäten werden unter Hinweisen auf Körperhaltung und Beschreibung des Übungsablaufs genau beschrieben. Das verringert nicht nur das Verletzungsrisiko sondern sorgt gleichzeitig für maximale Effektivität und den dazugehörigen „Spielspaß“. Allerdings sollte man sich bewusst machen, dass niemand die korrekte Ausführung der Übungen überwacht. Wer also intensiv mit EA Sports Active 2 trainiert, sollte ein gutes Körpergefühl haben und sicher sein, dass die sauber gezeigten Übungen auch korrekt umgesetzt werden können. Die Sensoren erfassen den Körper leider nur in seinen Grundzügen. Haltung von Kopf, Hals und anderen Körperteilen werden nicht überwacht. Das von EA betitelte „Total Body Tracking System“ wird seinem Namen also nur teilweise gerecht. Hier hätte eine Einbindungen von Playstation Eye vielleicht etwas mehr Kontrolle garantieren können. Die Umsetzung des Programms scheint in dieser Form eher für Systeme wie Microsofts Kinect geeignet zu sein. Wer allerdings dem Sport nicht völlig fremd ist, kann die Übungen ruhigen Gewissens ausprobieren. Spätestens wenn irgendwo ein stechender Schmerz zu spüren ist, sollte aber allein der gesunde Menschenverstand dem Spieler sagen, dass die gerade praktizierte Übung vermutlich nicht richtig ausgeführt wird. Der fortgeschrittene Spieler kann die Erklärungen der Trainingseinheiten auch abbrechen oder überspringen. Dazu wird allerdings immer der Controller benötigt, der daher in Griffweite verbleiben sollte. Wir hatten leider nicht die Möglichkeit, das 9-Wochen-Programm vom ersten bis zum letzten Tag zu testen. Der Aufbau macht jedoch Sinn und erste Fortschritte bei den Ergebnissen sind schon nach ein paar Tagen zu verzeichnen. Diese können online verwaltet und zum Prahlen in der Community missbraucht werden. Das Online-Profil speichert auf Wunsch den Fortschritt und ermöglicht, sich zu Gruppen zusammenzuschließen. Das Gesamtpaket von EA Sports Active 2 bietet also ein vielseitiges Sportprogramm, das für jeden Geschmack die passenden Übungen dabei hat.

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Rauf mit den Knien

Im Vordergrund steht die Funktionalität und das sieht man. Die Grafik und der Sound sind nicht durch Edelbilder und krachenden Surround-Sound gekennzeichnet. Ohne Bling Bling wird nur das Nötigste auf dem Bildschirm präsentiert. Die technische Umsetzung der Sensoren stand bei Electronic Arts eindeutig im Vordergrund. Diese funktionieren in der Regel ausgezeichnet. Gelegentlich wollte der Pulssensor beim Anlegen nicht sofort erkannt werden. Die Messungen waren in dem Fall auch nicht immer wirklich logisch, sodass nach einem Neustart völlig andere und vernünftigere Daten gemessen wurden. Diese Ausfälle bilden aber die absolute Ausnahme und so bleibt bei der technischen Bewertung alleiniger Kritikpunkt, dass es eben nicht ein Pin-Up-Girl oder Mister Universum sind, die uns mit ihrer optischen Perfektion zum Nachahmen antreiben. Die zweckmäßigen Digital-Trainer lenken aber wenigstens nicht ab und nach einer halben Stunde Training hat der durchschnittlich trainierte User sowieso keine Augen mehr für grafische Feinheiten sondern ist damit beschäftigt, sich die Schweißtropfen aus den Augen zu entfernen. Und damit hat das Programm seinen Zweck erfüllt.

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Endlich duschen gehen

EA Sports Active 2 macht es nicht einfacher, den inneren Schweinehund zu überwinden. Wenn man aber erst einmal dabei ist, macht das Workout richtig Spaß und unter dem wachsamen Auge des virtuellen Personal Trainers ist das Verletzungsrisiko geringer, als wenn der ansonsten nicht so sportvertraute Spieler auf einmal ohne Plan beginnt, totes Eisen zu stemmen. Auch wenn niemand die korrekte Ausführung überwacht, so werden zumindest die Übungen ausführlich vorgeführt und durch die Vielzahl der unterschiedlichen Einheiten bleibt auch der Langzeitspielspaß nicht auf der Strecke. Die Vorbereitungszeit inklusive Möbelrücken und Anlegen des Rüstzeugs ist nervig. Letztendlich hat man das aber bei jeder Sportart und so kann EA Sports da kein Vorwurf gemacht werden. Die Übungen sind abwechslungsreich und allenfalls ein wenig Feintuning bei der Sensorik wäre noch wünschenswert. Ansonsten steht dem Traumbody 2011 nichts mehr im Wege.

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Gutes

Viele Übungen
Sauber erklärter Trainingsablauf
9 Wochen Programm

Schlechtes

Zeitaufwendige Vorbereitung
Unverständliche Benennung der Übungen
Technisch "nur zweckmäßig"
Durchführung wird nicht überwacht

7.5 Gut

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