Dungeon Defenders – Review

Getestet von | 29.01.2012 um 00:00 Uhr

Trendy Entertainment – so lautet der Name des US-amerikanischen Independentstudios, welches vor einiger Zeit „Dungeon Defenders“ im Playstation Store veröffentlicht. Das Tower-Defense-Abenteuer – bereits im Jahre 2010 für Smartphones erschienen – war der erste und ist noch immer der einzige Titel des Entwicklerteams. Bereits für mobile Geräte war das Spiel ein voller Erfolg und umso gespannter war die Spielergemeinschaft, ob man den bezaubernden Charme von „Dungeon Defenders“ auch auf die großen Konsolen übertragen kann. Wir von PS3inside haben uns das Spiel genauer angeschaut – die finalen Ergebnisse unserer endloswirkenden Spielsessions könnt ihr nun hier erfahren!

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Der Markt boomt

Tower Defense-Spiele haben eine lange Geschichte. Die Anfänge des Genres lassen sich auf die 90er-Jahre zurückführen, doch erst in den letzten Jahren gewann es maßgeblich an Popularität. Flashbasierte Browserspiele und kleinere Download-Games vertrieben über PC und Smartphones führten dazu, dass das Genre der breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht wurde und mittlerweile wird der Markt beinahe überschüttet mit Spielen dieser Art. Die Beliebtheit erklärt sich womöglich aus dem grundsätzlichen leicht zu verstehenden, aber doch tiefgehenden und komplexen Spielprinzip. Im Grunde ist es in jedem TD-Spiel die Aufgabe, verschiedene und unterschiedlich umfangreiche Gegnerwellen mit (aufwertbaren) Türmen davon abzuhalten, ein bestimmtes Zentrum zu erreichen. Dabei erwarten euch die unterschiedlichsten Gegnertypen und im Laufe der Zeit erhöht sich neben der Schwierigkeit auch das Repertoire an Türmen und Verbesserungen für diese. Soweit der theoretische Hintergedanke. Doch inwiefern bedient sich „Dungeon Defenders“ an diesem Grundkonzept und auf welche Art will es den Spieler langfristig motivieren und nicht nur ein 08/15-Tower Defenser bieten?

Echtes Tower Defensing…

Mit „Dungeon Defenders“ kommt glücklicherweise keineswegs ein solches 08/15-Tower Defense Game auf euch zu. Vielmehr haben die Entwickler versucht, eine Mischung aus Tower Defense und Actionrollenspiel zu kreieren. Dies fällt bereits zu Beginn auf, wenn es gilt eure individuelle Spielfigur zu erstellen. Aus insgesamt vier Klassen – die in verschiedene Schwierigkeitsstufen gesplittet sind – kann gewählt werden. Wahlweise als Lehrling, Knappe, Jägerin oder Mönch zieht der Spieler in die Schlacht und hat dabei auch Zugriff auf ganz individuelle Fähigkeiten und Angriffsmöglichkeiten. Doch Schritt für Schritt: Nach Wahl der Klasse kann die Spielfigur optisch verfeinert werden und auch der hauseigene Kristall – das lebenswichtige Element einer jeden „Dungeon Defenders“-Partie – kann nach Belieben eingefärbt werden. Selbstverständlich sind das alles nur kleine Spielereien, die fürs Spiel nicht maßgeblich entscheidend sind, sie erleichtern aber durch das Auseinandersetzen mit diesen Elementen den Einstieg ins Spiel. Ist der eigene Charakter kreiert und der Kristall farblich angepasst, kann der Spaß mit einem gut erklärenden aber nicht zu langweilenden Tutorial beginnen. Die Grundzüge des Spiels werden kurz skizziert, der Spielablauf einmalig erklärend dargestellt. Und während dieser Einführung wird bereits deutlich: Die Entwickler scheinen ihre hochgesteckten Ziele erreicht zu haben. Der Aufbau einer jeden Partie ist auf dem ersten Blick zwar einfach gestrickt, offenbart letztendlich aber Vielfalt und Tiefgang. Im Grunde besteht ein Level in „Dungeon Defenders“ aus verschiedenen Wellen – bis hierhin vollkommen typisch für Tower Defense-Games. Neu und andersartig ist die Aufteilung in zwei verschiedene Phasen. Die Bau- und die Kampfphase erklären sich zwar womöglich von selbst, doch sind sie umfangreicher als man möglicherweise vermutet. Das Hauptaugenmerk in der Bauphase wird selbstverständlich auf das Erstellen von Türmen gerichtet, die die feindlichen Gegnerwellen abhalten den heimischen Kristall zu attackieren. Die Auswahl an unterschiedlichen Türmen ist zu Beginn zwar recht gering, im Laufe der Spielzeit werden aber immer mehr individuelle und auch recht verschiedene Turmarten freigeschaltet. Mit eurer Mana können diese Türme nicht nur beschwört werden, letztendlich ist es auch möglich entstandenen Schaden zu reparieren oder sie gehörig aufzuwerten, um sie noch effektiver zu machen. Die verschiedenen Kosten sind gut ausbalanciert, sodass es nicht zu einfach ist, sich eine mächtige Streitmacht aufzubauen und der Spieler immer gefragt ist, einen guten Ausgleich zu finden, inwiefern er seine Manapunkte investiert. Die Bauphase beschränkt sich allerdings nicht nur auf die Platzierung und Wartung der Türme, auch andere strategische Planungen sind zu treffen. Der Held entwickelte sich in seiner Stufe? Die gefundene Ausrüstung möchte angelegt werden? Der eigene Charakter soll gegen einen anderen ausgetauscht werden? Dies sind alles Fragen, die man sich während dieser ersten Phase stellen sollte, da taktische Grundüberlegungen nur dann möglich sind. Hilfreich für diese Strategieplanungen beispielsweise auch die Karte, die deutlich anzeigt, welcher Eingang von wie vielen Gegnern in Anspruch genommen wird. Mögliche Wege können ausreichend bedeckt werden und somit perfekte Ausgangsbedingungen für die zweite Phase geschaffen werden…

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…oder wahrer Rollenspielgenuss?

Während der Spieler in Phase Eins mit dem taktischen Geplänkel beschäftigt ist, spielt in der Kampfphase die aktive Beteiligung eine Rolle. Der Tower Defense-Gedanke tritt nun in den Hintergrund der Action-Rollenspiel Flair macht sich bemerkbar. Zum einen sind zuvor getroffene Entscheidungen selbstverständlich von großer Bedeutung – eine kleine Fehlplatzierung der Türme kann ein ganzes Spiel zugunsten der Feinde entscheiden – doch auch der Einsatz des Spielers in der Rolle seines Helden wirkt sich maßgeblich auf den Ausgang der Partie aus. Anders als in Konkurrenzspielen schlüpft ihr nämlich nun selbst in euren Charakter, sodass ihr ganz rollenspielgetreu eure Feinde selbst schlagen könnt. Während die Verteidigungstürme ihre Pflicht erfüllen, sammelt ihr Ausrüstung ein und bekämpft gemeinsam mit euren Anlagen die Kontrahenten. Zum Teil ähnelt dieses Kämpfen zwar eher einem stupiden Draufhauen ohne Sinn und Verstand, im Endeffekt frischt es aber das in letzter Zeit etwas eingestaubte Spielprinzip deutlich auf. Die Laufwege der Gegner können aktiv auf der Karte verfolgt werden und generell herrscht eine gute Übersicht auch während der Kampfphase. Lediglich wenn es Schlag auf Schlag geht und man sich von dutzenden Feinden umzingelt sieht, geht die sonst so überzeugende Übersicht den Bach runter. Schnell endet es in einem hektischen Durcheinander, welches den Spielspaß deutlich trübt.
Entscheidend für das Bestehen der Kampfphase ist auch die angesprochene Charakterentwicklung. Diese spielt in diesem Abschnitt eine tragende Rolle und es kommt nicht von ungefähr, dass Entscheidungen mit Bedacht getroffen werden sollten. Eine tiefgründige und komplexe Vielfalt wie in reinen Rollenspielen darf man bei diesem kleinen Spielchen nicht erwarten. Doch die Entwicklungsmöglichkeiten heben den Rollenspielcharakter des Spiels hervor und auch langfristig ist Spaß beim Powern der Figuren gesichert. In insgesamt vier Kategorien kann der Held verbessert werden: Gesundheit, Schaden, Geschwindigkeit und Wirkungsgeschwindigkeit. Diese Kategorien decken im Grunde alle wichtigen Bereiche ab, sodass für jeden Spielertyp die passenden Verbesserungsmöglichkeiten geboten sein sollten. Des Weiteren können einzelne Fähigkeiten erlernt werden und auch die Türme können in vier eigenen Kategorien gezielt gepusht werden. Lediglich das Ausrüsten der Charaktere – ebenfalls ein großer Bestandteil in Charakterentwicklung und Kampfphase – hinterlässt einen bitteren Nachgeschmack. Gefunden wird die Ausrüstung en masse und so entsteht ein teilweise sinnloses Anlegen dieser und schnell verliert dieser Spielaspekt an richtiger Bedeutung. Im Endeffekt scheint es auch egal, welche Waffe oder welchen Schutz man anlegt, hier wäre durch mehr Ordnung auch mehr Potenzial entstanden.

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Umfangreiche Spielerfahrung

Für Statistikfreunde ist „Dungeon Defenders“ ein wahres Paradies. An jeder Ecke wartet eine neue Statistik und auch nach jeder Partie hat man die Möglichkeit, sein Verhalten anhand dieser genauestens zu studieren. Während dieser Umfang ja noch überzeugen mag, fällt es zum Teil aber schwer, sich durch die gleiche Masse an Menüs durchzuwühlen. Besonders zu Anfang fühlt wohl ein jeder sich erst einmal vollkommen überfordert. Wie an jeder Ecke eine interessante Statistik wartet, so versteckt sich überall auch ein weiterer – teilweise völlig unnötiger – Menüpunkt. Im Laufe des Spiels legt sich dieses Gefühl der Ahnungslosigkeit selbstverständlich, doch es demotiviert ungemein.
Die bisher genannten spielerischen Elemente gelten primär für den Kampagnenmodus, der wohl auch das Herzstück des Spiels ausmacht. Nichtsdestotrotz bemühten sich die Entwickler, eine gewisse Abwechslung zu schaffen. Dabei herausgekommen sind interessante Modi, die das Spielerlebnis um einige weitere Spielstunden erweitern kann. Im Herausforderungsmodus bleibt alles beim Alten, mit dem kleinen aber feinen Unterschied, dass ihr zeitweise bestimmte Aufgaben meistern müsst. So wird dem Spieler mal ein Bauverbot verhängt oder die Charaktere tauschen ihre Rolle. Des Weiteren wird ein Überlebensmodus mit endlosen Gegnerwellen und ein klassisches Tower Defense-Erlebnis geboten. In die zusätzlichen Spielmodi reinzuschauen schadet also definitiv auf keinen Fall.

Taucht ein in die Comicwelt!

„Dungeon Defenders“ punktet neben seinem spielerischen Reichtum auch mit dem gut zum Spiel passenden Comicstyle. Das TD-Game bietet gewiss keine hochauflösenden Texturen oder grafischen Finessen, auch über Detailarmut könne man sich beschweren, aber der ganze Stil wirkt recht liebevoll gemacht. Die unterschiedlichen Spiellevels sind recht individuell gestaltet, wenn auch vereinzelt Elemente 1zu1 übernommen werden. Dies tut der Grafik aber keinen Abbruch. Grafisch spielt „DD“ damit in einer ähnlichen Liga wie die Konkurrenz und weiß für ein PSN-Game durchaus zu überzeugen. Nerviger ist da schon die Kamera, die gelegentlich kleinere Aussetzer hat und auch scheinbar mal macht was sie will. Dies passiert selten, hätte aber dennoch vor Release gefixt werden können.
Die Soundkulisse ist dezent gehalten, erscheint in den richtigen Momenten aber auch kolossaler. In der Kampfphase unterstreicht die Musik die Action des Spiels im direkten Vergleich zur ruhigeren Bauphase. Wirklich nennenswert sind die Soundsets nicht wirklich, echte Höhepunkte sind in der musikalischen Untermalung eigentlich nie zu hören, doch sie fällt ebenso kaum negativ auf. Das Spiel bietet lediglich eine englische Sprachausgabe. Da aber ohnehin nicht viel geredet wird – Hauptakteur ist wohl der ambitionierte Sprecher zu Beginn im Tutorial – dürfte dies kein Problem darstellen. Die entsprechenden Übersetzungen in den Textboxen wirken größtenteils zwar recht amateurhaft, sind aber glücklicherweise noch immer verständlich, wenn man dem englischsprachigen Sprecher nicht folgen kann.

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Gemeinsam in die Schlacht

Ein elementarer Bestandteil bei „Dungeon Defenders“ ist der Mehrspielermodus. Mit diesem wollten sich die Entwickler mit ihrem Debutspiel noch weiter von der Konkurrenz absetzen. Und schon schnell nach den ersten Solopartien zum Eingewöhnen wird deutlich: Dieser Mehrspielermodus bildet das Herz des Spiels und als Spieler wird man schon fast gezwungen, seine Spielstunden in diesem Modus abzusetzen. Als Solist verliert man nämlich auf Grund des hohen Schwierigkeitsgrades sämtliche Nerven und Hoffnung. „DD“ ist auf den Multiplayermodus ausgerichtet und für ein erfolgreiches Bestehen aller Level und Herausforderungen führt wohl kein Weg an diesem vorbei. Doch Obacht: Wir wollen den Koop-Modus keinesfalls großartig kritisieren, der im Splitscreen und Online verfügbare Modus für bis zu vier Spieler bereichert das Spielvergnügen definitiv und wenn man Spaß am gemeinsamen Taktieren und Vernichten hat, dann muss ohnehin ein Blick auf diesen Menüpunkt geworfen werden.

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Gelungener Mix oder schnöder Einheitsbrei?

Schon vor einiger Zeit hörte man laute Rufe, dass das Genre tot sei, bevor es überhaupt erst richtig zum Leben erwacht ist. Innerhalb kürzester Zeit wurde der Markt dermaßen mit Tower Defense-Spielen überfüllt und zu Recht bestand Zweifel, ob „Dungeon Defenders“ in solch einem hartumkämpften Geschäft echte Chancen hat. Die Entwickler traten mit erfrischenden Spielelementen gegen diese Zweifel und der Mix aus Tower Defense und Actionrollenspiel funktioniert nicht nur auf dem Papier. Trendy Entertainment haben ein Spiel geschaffen, welches auf der einen Seite klassische Tower Defense Elemente beinhaltet, auf der anderen Seite diese aber auch gut mit den Rollenspielelementen verknüpfen könnte. Selten scheint ein Aspekt wirklich vernachlässigt und womöglich können nur beschränkte Charakterentwicklungs- und Ausrüstungsmöglichkeiten ernsthaft kritisiert werden. Ansonsten meckert man bei „Dungeon Defenders“ auf hohem Niveau. Eine dürftige Rahmenhandlung, eine eher unbequeme Kameraführung und eine eher mittelprächtige Lokalisierung sind Kritikpunkte, die aber allesamt das aktive Spielen so gut wie gar nicht negativ beeinflussen. Der äußerst gelungene Koop-Modus erfüllt seine Pflicht und lässt den Spieler sowohl vor der Konsole als auch Online mit seinen Freunden zusammenkommen. Solisten werden ebenfalls ihren Spaß haben, müssen sich aber definitiv auf nervenaufreibendere Spielstunden gefasst machen. Trendy Entertainment haben mit ihrem Debutspiel eine wahre Punktlandung gemacht und für Genreliebhaber führt kein Weg an diesem Spiel vorbei.

Gutes

+ guter Mix aus Tower Defense und Actionrollenspiel
+ süchtig machende Spielerfahrung
+ gelungener 4-Spieler-Koop
+ sehr umfangreich

Schlechtes

- Rollenspielelemente kommen teils zu kurz
- Comicstyle, aber sehr detailarm
- nicht zufriedenstellende Kameraführung

8.0 Sehr gut

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