Dragon’s Dogma – Review

Getestet von | 31.05.2012 um 00:00 Uhr

Ein japanisches Entwicklerstudio möchte, ein auf westliche Spieler zugeschnittenes, Fantasy Action- Rollenspiel produzieren. Fragezeichen ploppten bei der Ankündigung Anfang 2011 über den Köpfen der Zocker auf. Kann das gut gehen? Das Kultstudio Capcom ließ ein erfahrenes Team an das Projekt ran, das u.a. verantwortlich für Resident Evil 4 und Devil May Cry 3 war. Beide Spiele wurden hoch gelobt und da ist die Hoffnung groß, dass auch Dragons Dogma ein Hit wird. Wir haben uns ins Abenteuer gestürzt um genau das herauszufinden.

Screenshot

Herzschmerz

Der Prolog beginnt mit einem namenlosen Helden in einer dunklen Höhle. Eure Begleiter nennen euch nur „ den Erweckten“. In guter Third- Person Sicht mit frei schwenkbarer Kamera steuert ihr den Erweckten durch die Gänge. Nach ein paar Kämpfen mit Goblins verinnerlicht ihr die Steuerung. Blocken mit Schild oder verschieden Angriffsarten mit dem Schwert sind möglich. Rollenspiel untypisch ist das Springen und klettern. In einer großen Halle angekommen erwartet die erste echte Herausforderung: eine Chimäre! Es ist ein Mischwesen aus Löwe und Ziege mit einer überaus giftigen Schlange als Schwanz. Dieser Gegner verlangt taktisches Vorgehen und es dauert eine Weile bis er am Boden liegt. Bei dieser Größe des Gegners ist es äußerst wichtig die Schwachstelle zu finden. Hier kommt das klettern ins Spiel. Wie bei Shadow of Collossus klettert ihr zu bestimmten Stellen und bearbeitet diese mit der Waffe. Ist das Untier bezwungen endet auch schon der Prolog. Jetzt erwartet einen Rollenspieler das was kommen musste: Das kreieren eures Helden. Namensgebung, Geschlecht, Statur, der Kreativität sind keine Grenzen gesetzt. Bedenkt aber das Statur und Geschlecht einen Einfluss auf das Spielgeschehen haben. Bei zu kurzen Beinen und Übergewicht fällt das Laufen besonders schwer. Habt ihr euren Alter- Ego erstellt, erwartet euch die Erschaffung des Haupt- Vasallen. Vasallen sind eure Begleiter in diesem Abenteuer und unerlässlich für den Kampf. Ist der ständige Begleiter fertig befindet sich der Held in seinem, am Meer gelegenem, Heimatdorf wieder. Die idyllische Ruhe hält nicht lange an. Ein Drache erscheint am Himmel aus einer anderen Welt. Er greift das kleine Fischerdorf an und ihr versucht den Angreifer abzuwehren. Dabei werdet ihr verletzt zu Boden gestoßen. Diese Chance nutzt der Drache und entreißt euch euer Herz, um es zu verschlingen. Trotz des Verlustes lebt ihr weiter. Die Stimme des Drachen ertönt, mit der Aufforderung ihn zu suchen und zu bekämpfen. Von nun an seid ihr „der Erweckte“.

Screenshot

Eine gefährliche Welt

Bevor es losgeht und ihr in die weite Welt zieht, solltet ihr eure Klasse bestimmen. Zur Auswahl stehen der Kämpfer, der Magier und der Jäger. Wie immer unterscheiden sich diese Klassen in unterschiedlicher Bewaffnung, Rüstung und Attributen. Im weiteren Verlauf kommen noch einige andere hinzu, aber dazu später mehr. Die Minimap unten links zeigt das erste Ziel. Es ist ein Soldatenlager in dem weitere Grundlagen des Spiels dargelegt werden. Hier wird euch das Vasallensystem erklärt. Neben eurem Haupt- Vasallen dürft ihr zwei weitere in eurer Gruppe aufnehmen. Diese findet ihr entweder unterwegs auf den Wegen der Welt oder in sogenannten Rifts. Rifts sind Spalten in eine andere Dimension in denen offline vorgefertigte Vasallen umherwandern. Dieses System funktioniert auch online. Es besteht die Möglichkeit Vasallen von anderen Mitspielern anzuheuern und euer eigener kann ausgeliehen werden. Das leihen der Begleiter kostet allerdings Riftpunkte, die ihr z.B. aus erfolgreich beendeten Quests erhaltet. Wenn euer Vasall angeworben wurde, bekommt ihr eine entsprechende Entlohnung. Jeder der treuen Begleiter besitzt eine eigene Klasse. Durch einfache, vorgefertigte Befehle die vom Steuerkreuz abgegeben werden, geben sie Unterstützung oder starten die Flucht. Geht die Energie des Begleiters auf null, so habt ihr eine gewisse Zeit ihm wieder auf die Beine zu helfen. Ansonsten geht er unwiderruflich ins Rift zurück. Passiert es dem Erweckten dann heißt es „Game Over“. Ab jetzt sind die Grundlagen erklärt und die Reise kann beginnen. Die Welt Gransys steht offen zur freien Erkundung. Sie ist im Vergleich zu Skyrim annähernd gleich groß, nur die Anzahl der Orte ist geringer. Orte lassen sich zudem nicht mit Schnellreisen erreichen. Es gibt zwar Reisekristalle aber die führen nur in die Hauptstadt Gran Soren. Zusätzlich kann man Zielkristalle an verschiedenen Orten der Welt platzieren, damit lässt sich der Stein immer wieder anreisen. Beide Kristalle sind selten oder mit einem sehr hohen Goldbetrag zu erstehen, somit seid ihr hauptsächlich zu Fuß unterwegs. Noch eine Warnung für Entdecker vorweg, es ist nicht ratsam mit einem untrainierten Kameraden unterwegs zu sein. Der Schwierigkeitsgrad ist auf erhöhtem Niveau und das bedeutet regelmäßiges Training. Auch solltet ihr die volle Anzahl eurer Vasallen dabei haben. Die Zusammensetzung der Gruppe mit den verschiedenen Klassen ist der Schlüssel für einen erfolgreichen Kampf. Die Vegetation Gransys ist abwechslungsreich. Zu den Gegnern zählen z.B. Untote, Goblins, Banditen und Wölfe. Einzeln nicht gefährlich aber in der Gruppe nicht zu unterschätzen. Zu den wirklich großen Gegnern gehören die Trolle, Golems oder Greife. Der Kampf gegen diese Art der Monster erfordert einen gut trainierten Charakter.

Screenshot

Klassenbester

Das Levelsystem ist einfach. Durch das besiegen von Gegnern und das erfolgreiche beenden einer Quest erhaltet ihr Erfahrungspunkte, Gold und Disziplinpunkte. Für reichliche Nebenaufgaben sorgen die Bewohner der Städte oder die vielen schwarzen Bretter. Von der Tötungsquest bis zur Eskorte gibt es eine Vielfalt an Aufgaben. Das sorgt für eine ordentliche Langzeitmotivation. Mit den Erfahrungspunkten steigt ihr ein Level auf damit erhöhen sich Gesundheit, Ausdauer und die maximale Tragkraft. Das Gold gebt ihr in den unterschiedlichen Läden aus. Beim Schmied erhaltet ihr neue Ausrüstung und verbessert die, die schon in eurem Besitz ist. Die Materialien zum Verbessern erhalten wir von erlegten Gegnern oder vom Erzabbau in Höhlen. In den Gaststätten ruht ihr euch aus, wechselt die Klasse des Charakters, kauft neue Fertigkeiten und verwaltet das eigene Lager. Es gibt neun verschiedene Klassen, darunter z.B. der Erzmagier, Assassine, mystischer Ritter und Kämpfer. Der Erzmagier unterstützt euch mit starken Magieangriffen während der Kämpfer sich auf Zweihandwaffen spezialisiert hat und den direkten Kontakt zum Gegner sucht. In der aktuell angelegten Klasse steigt ihr mit jedem Kampf einen Rang auf. Dadurch werden Fertigkeiten freigespielt und die kauft ihr mit Disziplinpunkten. In Grunde genommen kann euer Held alles an Klassen annehmen bis er alles gelernt hat. Die verschiedenen Angriffsfertigkeiten legt ihr auf eine begrenzte Anzahl von Tasten fest. Auch bei den Kernfertigkeiten gibt es einen begrenzten Platz. Die Auswahl sollte gut bedacht werden. Die ausgewählten Angriffe verbrauchen, genauso wie das Klettern, Ausdauer. Auch hier sollte immer ein Auge auf der Ausdauerleiste bleiben sonst macht ihr schlapp und es braucht ein wenig Zeit bis ihr wieder einsatzbereit seid. In eurem Lager sammelt ihr die gefundenen Materialien, denn die Tragkraft ist begrenzt. Das Spieler- Inventar ist übersichtlich in Kategorien aufgeteilt. Waffen, Rüstungen und Questgegenstände sind ordentlich verstaut. Das gesammelte Gut kann kombiniert werden und so z.B. kann ein Heilkraut kombiniert mit einem Anderen einen stärkeren Heileffekt bekommen. Herum experimentieren ist angesagt. Im Pausenmenü können Statistiken abgerufen und das erlebte nochmals nachgelesen werden.

Von Sonnenauf- bis Sonnenuntergang

Das ist wohl das mit beeindruckteste Schauspiel bei Dragons Dogma. Der Tag-Nacht Wechsel und die verschiedenen Tagesabschnitte sind wunderschön anzusehen. Auch ohne Zeitanzeige erkennt ihr wann Mittagszeit ist oder die Nacht einbricht. Die ganze Umgebung ist am Leben. Bäume bewegen sich im Wind, es gibt Tagesabschnitte in denen der Himmel Wolken verhangen ist und überall wuselt Kleintier. Die Bewohner Gransys sehen ordentlich aus und das Bewegungsmuster ist gelungen. Ein besonderer Eyecatcher ist das Monsterdesign. Gerade der mächtige Greif sieht auch bei näherer Betrachtung super aus. Nicht so schön ist das gelegentliche nachladen der Umgebung und Menschen sowie die schwache Textur und die verwaschenen Farben. Als störend empfinden wir auch die schwarzen Balken an dem oberen und unter Bildschirmrand. Die Vertonung gibt es nur auf Englisch mit deutschem Untertitel. Episch ist wohl das richtige Wort für die musikalische Untermalung. In Bossfights wird diese besonders hervorgehoben. Der Rock- Pop Titel im Intro ist da die Ausnahme, gefällt aber.

Screenshot

Held oder Fischer?

Dragons Dogma ist der Urtyp eines Rollenspiels. Es ist auf das wesentliche reduziert. Die Story ist nicht überragend aber erfüllt seinen Zweck. Die Grafik ist gutes Mittelmaß reicht aber nicht an Skyrim ran. Dafür überzeugt das taktische Kampfsystem im Zusammenhang mit den Vasallen. Die zahlreichen Aufgaben sorgen für eine lange Spielzeit. Schade ist nur, dass es einen automatischen Speicherpunkt gibt. Solltet ihr also ein neues Spiel anfangen wird das Alte gelöscht. Dazu kommt auch das es keinen Ko-op Modus gibt. Gerade wenn ihr immer in einer Gruppe von vier Leuten unterwegs seid hätte sich das wunderbar angeboten. Alles in allem bleibt Dragons Dogma nicht Fehlerfrei aber es geht in die richtige Richtung. Rollenspiel Fans sollten das Spiel unbedingt antesten.

Gutes

+ Kampf- und Vasallensystem
+ Fordender Schwierigkeitsgrad
+ Lange Spielzeit durch viel Nebenaufgaben
+ Das Monsterdesign

Schlechtes

- Verwaschene Farben, Texturen und aufploppender Hintergrund/ Personen
- Nur ein automatischer Speicherstand
- Kein Koop Modus

8.0 Sehr gut

Kommentare

Das könnte dich auch interessieren