Dragons: Aufbruch neuer Reiter im Test – ein Drache im Tiefflug

Getestet von | 06.02.2019 um 18:17 Uhr

Kurz bevor der dritte Teil der Animationsfilm-Reihe Drachenzähmen leicht gemacht die Kinos stürmt, bringt Publisher Outright Games ein Action-Adventure aus dessen Universum auf die Konsole. Ob Dragons: Aufbruch neuer Reiter der Filmvorlage gerecht wird, oder lediglich eine lieblose Lizenzgurke ist, erfahrt ihr in unserem Test.

Heldenabenteuer aus der Klischeekiste

In Dragons: Aufbruch neuer Reiter schlüpfen wir in die Rolle des jungen Helden Scribbles. Der stößt auf der Trümmerinsel Havenholme zufällig auf ein Drachenei und beschützt dieses vor fiesen Banditen. Dem Ei entschlüpft ein sogenannter Chimeragon – ein junger Drache mit außergewöhnlichen Fähigkeiten. Unser kleiner Reptil-Buddy trägt den Name Patch und begleitet uns fortan auf unserer Reise. Dabei treffen wir auf die Widersacherin Eir. Die nimmt, von einem Wahn getrieben, zahlreiche Drachen gefangen, um sie für ihre Zwecke zu missbrauchen. Mutig stellen wir uns ihr entgegen und versuchen die Drachen aus der Gefangenschaft zu befreien.

Im Grunde ist damit auch schon mehr oder weniger die grundlegende Story erklärt. Dragons: Aufbruch neuer Reiter macht sich nicht die Mühe, eine komplexe Handlung zu erzählen. Was insofern okay ist, da die Filmvorlage aus dem Hause DreamWorks vor allem eine jüngere Zielgruppe ansprechen will. Eine halbwegs mitreißende Geschichte hätten wir uns trotzdem gewünscht. Allerdings scheint weder in die Narrative noch in die Inszenierung des Geschehens besonders viel Arbeit geflossen zu sein.

Zwar treten im Spiel auch immer wieder der Protagonist aus Drachenzähmen leicht gemacht und sein Drache Ohnezahn in Erscheinung, wirklichen Mehrwert hat das allerdings nicht – es fühlt sich vielmehr wie typischer Fanservice an.

Eine leblose Welt

Dass die Spielumsetzung visuell nicht viel mit den namensgebenden Animationsfilmen gemeinsam hat, ist auf den ersten Blick klar: Die Grafik ist, wohlwollend ausgedrückt, sehr minimalistisch. Wir blicken aus einer isometrischen Perspektive von oben auf das Geschehen, die Kamera ist dabei statisch.

Was zwar gewissen Retrocharme alter Zelda-Spiele hervorrufen könnte, scheitert leider an der sichtbaren Lieblosigkeit: Die geometrische Levelstruktur lässt nie das Gefühl einer glaubhaften Spielwelt aufkommen. Charaktere und Umgebung wirken wie aus einem Mobile-Game. Die Ästhetik der Filme findet sich hier nirgendwo wieder – vielmehr haben wir das Gefühl, mit lieblos zusammengeklöppelten Assets aus dem Standardbaukasten der Unity-Engine zu spielen. An den wenigen Gebieten im Spiel haben wir uns schnell sattgesehen – viel Abwechslung gibt es nämlich nicht.

Die Hub-Welt erreichen wir, wenn wir mit unserem Drachen in die Lüfte fliegen. Dann wechselt die Kamera in eine Third-Person-Perspektive. Ein schönes Fluggefühl kommt dabei allerdings nicht auf. Die Steuerung ist behäbig und die Spielwelt besteht aus unschön anzusehenden Polygonklumpen mit altbacken anmutenden Texturen. Schade. Es hätte so schön sein können, auf dem Rücken eines Drachen durch die Wolken zu sausen.

Hier rein, da raus

Dragons: Aufbruch neuer Reiter wird von instrumentaler Musik begleitet, die recht eingängig ins Ohr geht, aber auch keinen bleibenden Eindruck hinterlässt. Sie erfüllt ihren Zweck, ist aber weit weniger epochal als John Powells Score aus den Filmen. Auch das Sounddesign lässt zu wünschen übrig: Hiebe mit dem Hammer oder der Axt klingen nicht wuchtig, der Welt fehlt die atmosphärische Untermalung durch Umgebungsgeräusche.

Ganz besonders bedauerlich finden wir aber die fehlende Synchronisation: Statt vertonter Dialoge lesen wir Textfelder. Wenn sich die Entwickler hier schon eine beliebte Filmreihe als Vorlage nehmen, hätte es nicht geschadet, den Charakteren zumindest eine Stimme zu geben.

Gutes

- unkomplizierte Mechaniken
- kindgerechte Rätsel

Schlechtes

- billige Optik
- kurze Spielzeit
- fehlende Synchronisation
- wenig Abwechslung
- keine Herausforderung
- lieblose Story
- langweilige Kämpfe

4.0 Schlecht!

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