Dragons: Aufbruch neuer Reiter im Test – ein Drache im Tiefflug

Getestet von | 06.02.2019 um 18:17 Uhr

Kloppen und Knobeln

Spielerisch orientiert sich Dragons: Aufbruch neuer Reiter an den klassischen Teilen von The Legend of Zelda: Wir erkunden die Spielwelt, finden Schätze, bekämpfen Gegner und lösen Rätsel. Obwohl sich dieses Spielprinzip schon seit Jahrzehnten bewährt hat, sorgt es hier auf ganzer Linie für Enttäuschungen: Dem Spiel fehlt in jeder Hinsicht die Substanz.

In den Kämpfen stehen uns insgesamt drei verschiedene Waffentypen zur Verfügung, mit denen wir unsere Widersacher attackieren. Gegnerischen Angriffen entgehen wir mit einer Ausweichrolle oder indem wir sie mit dem Schild abblocken. Außerdem können wir die Kontrolle über unseren Drachen übernehmen, der uns mit drei verschiedenen Attacken im Kampf unterstützt. Fällt die Energieleiste unseres Helden oder seines Drachen ab, geht derjenige zu Boden – der jeweils andere hat die Möglichkeit, diesen wiederzubeleben. Außerdem stehen uns Items zur Verfügung, mit denen wir uns stärken oder heilen. Die verschiedenen Funktionen sind überschaubar, dafür aber auch angenehm unkompliziert. Wirklich gut fühlen sich die Kämpfe trotzdem zu keinem Zeitpunkt an. Die Animationen wirken unsauber und die Kollisionsabfrage ist anfällig für Fehler. Immer wieder weichen wir zum Beispiel mit einer geschickten Rolle hinter den Gegner aus und trotzdem trifft er uns mit einem frontalen Schwertschlag, obwohl er mit dem Rücken zu uns steht. Die Gegnertypen, die wir im Verlauf des Spiels bekämpfen, sind sehr begrenzt. Für etwas Abwechslung sorgen die wenigen Bosskämpfe – dabei müssen wir uns gegenüber Drachen, die uns verschiedene Fähigkeiten um die Ohren hauen, behaupten. Besonders episch sind diese allerdings nicht. Und eine Herausforderung stellen sie ebenfalls nicht dar.

Wenig gefordert fühlen wir uns auch bei den Rätseln: Die beschränken sich weitgehend darauf, in einer gewissen Reihenfolge verschiedene Schalter zu drücken. Und das immer und immer wieder. Kognitive Kopfnüsse gibt‘s also nicht. Vielleicht wollte man junge Spieler nicht überfordern – das rechtfertigt allerdings nicht, dass die Rätseleinlagen derartig eintönig und uninspiriert sind und uns somit schon nach kurzer Zeit die Lust daran vergeht.

Dabei hätte das grundlegende Konzept eigentlich Potenzial gehabt: Wir wechseln nämlich per Knopfdruck zu unserem Drachen Patch und können diesen steuern. Der wächst im Verlauf des Spiels immer weiter heran und lernt dabei neue Fähigkeiten. Mit ihm gefrieren wir beispielsweise Wasser, um auf der Eisfläche zu laufen. Oder wir verbrennen störende Rankenpflanzen, um neue Wege freizulegen. Mit einem Elektroball aktivieren wir Statuen, die zumeist irgendeinen Mechanismus in Gang setzen. Aber mehr als das passiert nicht. Wir lösen immer wieder dieselben einfachen Rätseleinlagen, um in den nächsten Abschnitt vorzudringen und dort exakt das Gleiche zu tun. Dadurch wirken die ausufernden Level noch eintöniger als sie ohnehin schon sind. Zudem erklärt uns das Spiel jede Kleinigkeit so aufdringlich, dass wir uns regelrecht bemuttert fühlen. Betreten wir zum ersten mal einen Raum mit glühendem Boden, weist uns das Spiel darauf hin, diesen mit dem Eisangriff zu löschen. Für die wenigen Hindernisse müssen wir also nicht einmal eigene Strategien finden. Stattdessen gibt uns das Spiel selbst offensichtliche Lösungen stets ungefragt an die Hand.

Zu einem Action-Adventure gehört natürlich auch das Stöbern nach versteckten Schätzen und Geheimnissen. Wollen wir diese finden, müssen wir allerdings nicht allzu genau danach suchen: Die wenigsten Schatztruhen sind wirklich versteckt. Im Prinzip müssen wir nur die verwinkelten Level lange genug ablaufen, um alle Sammelgegenstände zu finden. Neben unserer Standardausrüstung erhalten wir dabei Materialien, mit denen wir beim Schmied Rüstungen herstellen oder unsere Waffen verbessern können. Langfristig motiviert fühlen wir uns dadurch allerdings nicht: Relativ schnell haben wir alle Gegenstände erworben, die das Spiel hergibt. Außerdem finden wir überall in der Welt eingesperrte Drachen, die wir aus ihren Käfigen befreien. Als Belohnung dürfen wir sie in Kämpfen herbeirufen, um uns zu unterstützen. Wirklich Gebrauch davon machen, mussten wir aufgrund des niedrigen Schwierigkeitsgrads allerdings nicht.

Was wir uns außerdem gewünscht hätten, ist ein Koop-Modus. Eigentlich hätte es sich hervorragend angeboten, die beiden Charaktere optional auch zu zweit zu spielen – aber Fehlanzeige: Dragons: Aufbruch neuer Reiter ist eine reine Singleplayer-Erfahrung. Die ist übrigens sehr schnell wieder vorbei: Nach circa 3 Stunden haben wir die Hauptstory durchgespielt. Zwar können wir noch einige Inseln erkunden und die wenigen Schätze einsammeln, um unsere Waffen auf die höchste Stufe zu bringen – jedoch sehen wir darin wenig Sinn, nachdem wir bereits den stärksten Gegner des Spiels bezwungen haben.

Fazit: Ein liebloses Abenteuer

Als nach viel zu kurzer Spielzeit der Abspann läuft, sind wir eigentlich erleichtert, dass es vorbei ist. Die wenigen Stunden reichen aus, um des Spiels und seiner eintönigen Rätsel überdrüssig zu sein. Auch visuell gibt es hier wenig Schauwert – was in völligem Kontrast zu den modernen Animationsfilmen von DreamWorks steht. Dragons: Aufbruch neuer Reiter wirkt wie ein Schnellschuss, der zum Start von Drachenzähmen leicht gemacht 3 fertig sein musste, aber eigentlich noch ein paar Jahre mehr Entwicklungszeit vertragen hätte, um sich wie ein vollwertiges Spiel anzufühlen. Der Kaufpreis von 40€ fühlt sich dafür unverhältnismäßig hoch an.

 

 

 

 

 

Gutes

- unkomplizierte Mechaniken
- kindgerechte Rätsel

Schlechtes

- billige Optik
- kurze Spielzeit
- fehlende Synchronisation
- wenig Abwechslung
- keine Herausforderung
- lieblose Story
- langweilige Kämpfe

4.0 Schlecht!

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