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Dragon Ball: Raging Blast 2 – Review

Artikel von | 20.11.2010 um 00:00 Uhr

Fragt man auf der Straße 100 Leute, welche Anime-Serie ihnen als Erste einfiele, bekäme man wohl oft die gleiche Antwort: Dragon Ball. Kein Wunder: Seit bereits 24 Jahren läuft die Serie im Fernsehen. Dazu kommen mehr als 20 Kino- und Fernsehfilme und auch die Vielzahl der Videospiele auf den verschiedensten Konsolen und Handhelden sind nicht zu vergessen. Ein Beat’em Up zu solch einer Kracher-Franchise muss doch also ein Erfolgsgarant sein. Doch bedeutet Erfolg auch gleich Qualität? Das alles erfahrt ihr in unserem Review zum Spiel!

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Kame – Hame -Ha

„Dragon Ball: Raging Blast 2“ ist der direkte Nachfolger zum Lizenzspiel, welches vor ziemlich genau einem Jahr erschien. Damalige Kritiken fielen für Entwickler Spike nicht besonders rosig aus, etwas musste sich ändern. Der zweite Versuch hört sich im Vorhinein doch schon gut an: 90 verschiedene Charaktere, ein umfangreicher Editor für diese, sowie eine Vielzahl von Spielmodi. In Sachen Charaktere gibt es auch tatsächlich nichts zu bemängeln. So gut wie alle Figuren aus der Serie – mit Ausnahme derer, die in der GT-Reihe vorkommen – sind vertreten und unterscheiden sich sogar in ihren Attacken und Angriffsweisen. Genre-Typisch gilt es aber natürlich auch, einige dieser Charaktere im Laufe des Spielens erst frei zuschalten. Daraus schließt sich logischerweise auch ein längerer Spielspaß – meint man zu mindestens. Denn die erste große Enttäuschung offenbart sich nach der Betrachtung der Spielmodi. Dass aus verständlichen Gründen ein richtiger Story-Modus gestrichen und durch einen simpleren Einzelspieler-Modus ersetzt wurde, ist zu ertragen. Die „Vielzahl an Spielmodi“ wirkt aber schnell ernüchternd, wenn man die Einfallslosigkeit in Bezug dieser betrachtet. Die Modi unterscheiden sich nicht besonders voneinander und lange für Begeisterung sorgen können sie erst Recht nicht. Erwähnenswert wäre hierbei höchstens der Galaxis-Modus, der bereits genannte Ersatz für den gestrichenen Story-Modus. Hier kann der Spieler mit jedem Kämpfer auf der Liste eine Vielzahl an Kämpfen bestreiten. Zwar gibt es einiges an Bildern und Videos frei zuschalten, eine wahre Motivation für ein längeres Spielen dieses Modus gibt es allerdings allemal nicht. Ähnlich ist dies beim Kampfzonen-Modus, der als zweiter Einzelspielermodus-Ausgleich dienen soll. Wenigstens der Charakter-Editor, indem ihr alle Superangriffe managen könnt, lässt das Spiel im Punkto Umfang noch recht ordentlich da stehen. Und alle wahren Fans von Dragon Ball sollten auch mit zwei anderen Inhalten ihren Spaß haben. Zum einen wurde eine umfangreiche Charakter-Enzyklopädie geschaffen, die Infos und Auskunft über jede integrierte Spielfigur gibt und somit sowohl Neulinge als auch alteingesessenen Hasen tiefer ins Universum einsteigen lässt. Zum anderen wurde als Bonbon eine komplett überarbeitete Folge des Animes beigelegt, die einen für eine halbe Stunde sämtliche Schwächen des Spiels vergessen lässt und speziell Freunden der Serie gewohnte Unterhaltung bieten kann. Gezwungen wird natürlich niemand die Episode zu schauen, ein freizuschaltender Charakter im Spiel sollte aber wohl Anreiz genug sein.

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Setzen, Sechs!

Dass Spiele mit geringem Modi-Umfang durch ihr gutes Gameplay und ihre überzeugende Steuerung aber doch begeistern können, haben schon viele Spiele – und auch Konkurrenz-Beat’em Ups – beweisen können. Doch wenn das Kernelement eines Videospiels nicht richtig durchdacht zu sein scheint, können selbst die hart eingesottensten Fans schnell verscheucht werden. Allem Anschein nach haben sich die Jungs von Spike im Vorfeld darüber keine Gedanken gemacht. Anstatt die Fehler des Vorgängers auszumerzen und ein besseres Spiel auf den Markt zu werfen, haben sie erneut gezeigt, dass sie scheinbar einfach nicht in der Lage dazu sind, ein befriedigendes Spielerlebnis präsentieren zu können. Was Anhängern von Son Goku & Co. hier nämlich spielerisch erwartet, gleicht einem Albtraum. Die schier unendliche Auswahl an Charakteren nützt nichts, wenn es im Kampf selber dann nicht möglich ist, die Angriffe richtig zu koordinieren und gezielt zu kämpfen. Im Endeffekt endet eine Partie oft genug im sinnfreien, spaßlosen Button-Smashing. Da bringt es auch wenig, dem Spieler die Möglichkeit zu geben, seine Steuerungskonfigurationen nach eigenem Belieben anzupassen. Egal wie man es macht, am Ende ist es doch viel zu lahm. Dass absolute Außerachtlassen von irgendeiner Form von Einsteigerfreundlichkeit sollte des Weiteren auch erwähnt sein. Wer den Vorgänger nicht gespielt hat – oder womöglich komplett neu im Genre ist – sollte sich auf eine lange Einspielphase gefasst machen, bis er das Spiel beherrscht. Inwieweit dies überhaupt bei „Dragon Ball: Raging Blast 2“ möglich ist.

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Zerstören macht so viel Spaß!

Technisch versagt das Spiel zwar nicht völlig, bewegt sich aber auf einem überschaubaren Niveau. Die Charaktere sind hierbei noch das grafische Highlight. Sie sind ihren Originalen aus Film & Fernsehen gut nachgebildet und erinnern durch den Cell-Shading Look sehr an diese. Da ist es schon fast traurig, dass man sich solch eine Mühe nicht auch bei der Umgebung, respektiv Arenen gegeben hat. Diese sehen nämlich extrem hässlich aus und sind schockierend detailarm. Es werden einem zwar einige verschiedene Schauplätze geboten, grafisch überzeugen kann allerdings kein einziger. Da ist es schon fast nicht mehr verwunderlich, dass einige der Effekte auch unterirdisch schlecht sind. Gemeint sind hiermit weniger die Angriffs-Effekte – diese sind grundsätzlich gut gelungen – als die Zerstörung der Umgebung. Dies sieht unfreiwillig komisch aus und stellt wohl den grafischen Tiefpunkt des Spiels dar.
Einige andere technische Kleinigkeiten fallen öfters auch negativ auf. Ein Beispiel: Die Kameraführung! Selten sah man wahrscheinlich in einem Spiel solch eine schlechte Kameraführung. Startet der Spieler einen epischen Angriff, kommt es öfters mal vor, dass er diesen überhaupt nicht mitbekommt, da die Kamera es für notwendiger hält, einen dieser grafisch imposanten Steine der Umgebung zu filmen.

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Musik ab

In Sachen Sound gibt es ausnahmsweise nichts zu kritisieren. Die Musikauswahl ist selbstverständlich Geschmackssache und wohl nicht für jeden die Offenbarung. Objektiv betrachtet ist der Soundtrack, der lediglich aus Japan-Pop-Nummern besteht, aber durchweg gelungen und gut an das Spiel angepasst. Fans dieser Musikrichtung werden mit dem Sound also wohl ihren Spaß haben. Und auch an der Sprachausgabe hapert es nicht. Sowohl die englischen als auch original japanischen Sprecher stehen zur Verfügung. Beide Varianten klingen sauber und einwandfrei und passen gut zu den einzelnen Figuren.

Let’s get Ready to Rumble!

Typisch für das Beat’em Up-Genre ist natürlich, dass das Kämpfen gegeneinander immer noch am Spaßigsten ist. Und so sehr wie „Dragon Ball: Raging Blast 2“ auch enttäuschen mag, für gepflegte Multiplayer-Action an einer Konsole ist es trotzdem gut. Auch wenn es wie bei vielen anderen Aspekten lange nicht mit der Konkurrenz mithalten kann, wird man kurzweilig gut unterhalten, wenn man gegen Freunde und Feinde kämpft. Da vergisst man dann auch schon gerne mal die grottige Umgebungsgrafik oder das mangelhafte Gameplay. Online hingegen ist es wieder ein Stück spaßfreier. Bis zu 16 Kämpfer können hierbei gegeneinander antreten. Spieler, die generell Spaß an dem Spiel haben, werden auch den Online-Modus ausgiebig nutzen. All diejenigen, die sowieso nichts mit „Raging Blast 2“ anfangen können, werden auch nicht mit diesem Modus länger an der Stange gehalten.

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Ein kompletter Reinfall?

Ein kompletter Reinfall ist „Dragon Ball: Raging Blast 2“ allemal nicht, auch wenn es teilweise sehr danach aussieht. Das komplette Gameplay – bei einem Beat’em Up das wohl wichtigste Element – versagt auf kompletter Linie und wurde im Vergleich zum Vorgänger nur marginal verbessert. Dazu kommt noch eine desaströse Gestaltung der Spielumgebung. Besonders im direkten Vergleich mit den grafisch gutgemachten Spielfiguren fällt dies extrem negativ auf. Von der Kameraführung – wenn man es so überhaupt noch nennen kann – und den schon fast peinlichen Zerstörungseffekten wollen wir erst gar nicht reden. Eine sonst gute Atmosphäre, ein großzügiger Umfang und ein musikalisch einwandfreies Erlebnis reißen den Titel allerdings nach oben in einen akzeptablen Wertungsbereich. Fans des Animes müssen für sich selbst entscheiden, ob sie mit solch vernichtenden Mängeln leben können. All die Gamer, die ein gutes Beat’em Up spielen wollen, sollten allerdings die Hände weglassen und zur Konkurrenz greifen.

Dragon Ball: Raging Blast 2 Testbericht

Dragon Ball: Raging Blast 2

  • Release: 05.11.2010
  • Genre: Beat 'em up
  • Entwickler: Bandai Namco
  • Publisher: Namco Bandai

Gutes

- großzügiger Umfang, besonders in Bezug auf Charaktere
- schöne Extras für Fans
- gut gestaltete Charaktere
- Soundtrack & Sprachausgabe überzeugen

Schlechtes

- Gameplay & Steuerung mehr als mangelhaft
- miese Kameraführung
- detailarme Umgebung
- billige Zerstörungeffekte
- variantenarme Spielmodi

6.0 / 10 Nicht so gut

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