DJ Hero 2 – Review

Getestet von | 04.11.2010 um 00:00 Uhr

Mit Guitar Hero revolutionierte Harmonix das Genre der Musik- und Rhythmus-Spiele bereits zu Zeiten der PS2. Activision sicherte sich kurz darauf die Rechte an Hero-Titeln und führt die Serie bis heute mit etlichen Ablegern fort. Letztes Jahr versuchte sich der Publisher mit DJ Hero an einem neuen Konzept – als DJ legt der Spieler im heimischen Wohnzimmer aktuelle und klassische Lieder als “Mash-Ups”/Remixes auf. Mit Hilfe eines Plattenteller-Zubehörs werden die Songs nachperformt und die Menge zum Kochen gebracht. Leider leidet der Erstling an einigen spielerischen Schwächen, die sich die Entwickler von FreeStlye Games zu Herzen genommen haben. Haben sie mit DJ Hero 2 alles richtig gemacht? Bietet der Nachfolger mehr Freiheit? Wir waren für euch virtuell in den heißesten Club-Metropolen und erzählen von unserem Ausflug in die DJ Welt.

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Plattenteller-Zubehör

Das Grundkonzept des Spiels wurde vom Vorgänger übernommen. Der Spieler mimt die vorgegebenen Aktionen nach und erhält dafür Punkte bzw. Sterne. Fehlerfreie Phasen werden mit Punktemultiplikatoren belohnt. Am recht edlen Turntable befinden sich eine Platte mitsamt sogenannter Taps, ein Crossfader, ein Effekteregler, der “Euphorie-Knopf” sowie die wichtigsten Tasten des PS3-Controllers. In jedem Song/Mash-Up müssen die Taps im Takt und Rhythmus betätigt werden. Auch das Scratchen als Markenzeichen von Hip Hop Djs darf nicht fehlen. Bei gedrücktem Tap wird der Turntable bewegt. Der Crossfader wechselt zwischen den zwei Tonspuren. Euphorie wird in bestimmten Situationen zur Multiplikatorvergabe benutzt. Weiterhin wird dabei die Reglung des Crossfaders für kurze Zeit automatisch übernommen. Der Effektedrehregler bietet noch dazu die Möglichkeit, bestimmte Stellen einer oder aller Spuren zu verzerren oder den Klang zu verändern. Wird die Gesangsspur verändert, kann es zu Halleffekten oder Ähnlichem kommen. Das Zurückspulen rundet das Grundprinzip ab. Eine erfolgreiche Serie wird mit einem Backspin belohnt. Wird der Turntable um 180° zurückgedreht, kann der vorherige Teil erneut gespielt werden, um noch mehr Punkte zu ergattern. Der wohl größte Kritikpunkt an DJ Hero ist die mangelnde Freiheit. Die oben genannten Aktionen werden in den Liedern vorgegeben, der Spieler muss sie nur nachspielen. Abgesehen vom Einsatz des Drehreglers – auch nur in vom Spiel bestimmten Momenten – lässt das Spiel kaum Optionen für die Kreativität frei. Genau das zeichnet einen DJ doch aber aus: Mit der Songauswahl die Menge zu unterhalten und den Liedern eine eigene Note durch Kreativität zu verleihen. DJ Hero ist natürlich nur ein Rhythmusspiel und keine vollwertige Disc-Jockey Simulation. Mehr Freiheit wäre bei der Thematik aber wünschenswert gewesen. Der Nachfolger, DJ Hero 2, gibt dem Spieler in diesem Punkt mehr Freiraum.

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Kreativität erwünscht?!

Wie gehabt laufen die regulären Taps über den Bildschirm. Das Highlight sind nun aber neue Gameplay-Mechaniken in Form von “Freestyle” Abschnitten. Mehrmals in einem Mix tauchen besonders gekennzeichnete Segmente auf, in denen sich der DJ-Laie auf der Couch austoben kann. Die Abschnitte erlauben alles, was die gespielte Mechanik hergibt. In Freestyle-Scratches scracht der Spieler nach eigenem Belieben – im Takt, stockend mit Pausen, schneller, langsamer. Freestyle-Taps erlauben, vom Spiel gewählte Gesangs-Samples oder Effekte einzuspielen. Der heimliche Star der Freestyle Neuerung ist die zwangfreie Kontrolle über den Crossfader. Der Wechsel zwischen den Tonspuren präsentiert die angewandte Kreativität am besten. Der Fokus liegt völlig auf den beiden Spuren, jeder Fehler lässt sich heraushören. Die Entwickler bieten dem Spieler hinter dem Plattenteller eine visuelle Hilfe. Bei den Tonspuren wird angezeigt, wann die Schläge und auf der anderen Seite der Gesang eine Pause einlegen, sodass der Wechsel reibungsloser und professioneller umgesetzt werden kann. Alle Freestylearten belohnen euch mit Punkten, deren Anzahl von Kreativität und einbehaltenem Rhythmus abhängen. Als letzte Neuerung im Gameplay erweisen sich langgezogene Taps. Eine solche Note wird durch das Halten des Taps gemeistert. Doch kann DJ Hero 2 die Wohnzimmer einheizen? Das konnte schon der erste Teil. Das Spielgeschehen wurde sinnvoll erweitert und macht noch mehr Spaß. Wer eine Rhythmus-Alternative zu Guitar Hero und Rock Band sucht, wird mit DJ Hero 2 die richtige Wahl treffen. Die Freestyle-Möglichkeiten sind für den Casual-Gamer eine Wohltat und ein deutlicher Schritt nach vorne. Wer sich aber fürs richtige Auflegen interessiert, kann mit dem Spiel womöglich eher weniger anfangen. Die Abschnitte, die Kreativität und Individualität erfordern, sind immer noch zu rar und begrenzt. Ideal wäre, wenn den gesamten Song lang alle Freestylemechaniken freistünden. Eine weitere Idee lautet, eine ähnliche Funktion wie die Euphorie einzubauen. Wird sich die Funktion durch fehlerfreies Spielen verdient, stünde es dem Spieler frei, zu jedem Zeitpunkt die Funktion zu aktivieren und alle Freestylearten zur Verfügung zu haben. Passend zur DJ-Thematik könnte auch die Erstellung eigener Mixes oder Übergänge für große Begeisterung sorgen. Inwiefern das Ganze umsetzbar wäre, und ob die Entwickler überhaupt die volle Kontrolle freistellen wollen, bleibt ein Rätsel. Denn letztendlich ist DJ Hero 2 “nur” ein Spiel. Und für ein Rhythmusspiel macht der Titel enorm viel – wenn nicht alles – richtig.

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Bau dir dein Imperium auf

Was würden DJ-Durchstarter nicht dafür geben, in Ibiza ihre Karriere zu starten und dort als erstes aufzulegen. So startet der Solo-Modus, genannt “Empire”. Um sich ein solches Imperium in der Clubszene aufzubauen, reist der Spieler in die angesagtesten Locations und präsentiert sein Können. Bevor der Empire-Modus überhaupt gestartet wird, bietet das Spiel ein ausführliches Tutorial an. Hier lernen Neulinge das gesamte Spielgeschehen und begnadete DJ Heroes die neuen Mechaniken. Die Empirekarriere schmeißt den Frischling in Clubs nach Ibiza, wo er Mixes meistern und diesmal auch DJ-Battles bestehen muss. Die bekannten Setlists aus 3-4 Songs wurden mit Kopf-an-Kopf Mashups erweitert. Fiktionale DJs und echte Top-Stars versuchen, Songabschnitte besser zu spielen als der Spieler. Abwechselnd wird gescratcht und getappt was das Zeug hält, bis die Zeit um ist oder ein Teilnehmer die Höchstzahl an gewonnenen Abschnitten für sich behauptet. In einer Setlist oder einem Mix können pro Lied 5 Sterne ergattert werden. DJ Battles werden mit 3 davon belohnt. Nach und nach schalten sich immer mehr Events und auch neue Locations frei. In Berlin, London oder auch Amerika erwartet euch mindestens ein bekannter DJ mit einem Megamix. Hat sich der Spieler in Ibiza einen Ruf gemacht, lässt sich David Guetta in London blicken. Deadmau5, RZA und auch Tiesto zeigen sich hinter dem virtuellen Mischpult mit einem Megamix. In diesem gibt es endlich flüßige Übergänge zwischen den Songs. Die normalen Setlists kommen immer noch mit den Pausen als Stimmungskillern aus. Nicht nur für InGame Auftritte von “Legenden” aus House, Electro, Hip Hop und Trance hat Activision tief in die Tasche gegriffen. Selbst die Kleidung und die Mixer tragen bekannte Namen. Der eigene Charakter trägt Trainingsjacken von Puma, kriegt mit den Beats by Dr. Dre die feinsten Klänge auf die Ohren und legt mit dem Pioneer CDJ-350 auf. Es wird mit Produkten von bekannten Marken nur so um sich geworfen. Weiterhin haben sich viele Producer und DJs mit dem Publisher geeinigt, Mashups und Remixes für das Spiel anzufertigen. Neben Mixes der InGame-Figuren kriegen wir Konstellationen von A-Trak zu hören, der zurzeit im Duo mit Armand van Helden als “Duck Sauce” die Charts erobert (“Barbra Streisand”). Mit Diplo ist ein weiteres bekanntes Gesicht aus der House-Szene vertreten. Hip Hop Größen wie DJ Jazzy Jeff, RZA und DJ Shadow hat Activision ebenfalls an Land gezogen. Den Rest der knapp 80 Mashups und Remixes haben die talentierten Leute vom Entwickler FreeStyle Games angefertigt. Fast alle Lieder sind qualitativ hochwertig zusammengestellt und bieten große Vielfalt. Im Vorgänger war bereits für jeden etwas dabei, jetzt sind noch mehr Genres vertreten. Insgesamt bleibt aber zu sagen, dass der Anteil an Hip Hop Liedern deutlich gesunken ist. Der Trend geht in Richtung Pop und House/Electro. Positiv fällt auf, dass der Großteil der Songs von Anfang an im Schnellen Spiel verfügbar ist. Musste im Vorgänger noch jeder Mix freigespielt werden, trifft dies im zweiten Teil nur auf wenige und spezielle Mixes zu. Der Karriere-Modus ist besser gestaltet und bietet mehr Abwechslung als noch der von Teil 1, der eigentlich kaum vorhanden war. Besonders lange wird der Empire Modus aber nicht fesseln, nach wenigen Stunden ist Schluss. Der Schwierigkeitsgrad dient dafür als gute Herausforderung, da in jeder Stufe die Mechaniken zunehmen und sich so ein neues Spielgefühl ergibt. Die Songliste ist gewaltig und bietet genug für jeden Geschmack. Der Langzeitgarant ist aber der Mehrspielerpart, auf den wir gleich zu sprechen kommen.

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Und alle so: „Yeahh“?

Optisch macht DJ Hero 2 einen großen Sprung nach vorne; jedenfalls in der Menügestaltung. Der angenehme Weißton fällt positiv auf. Im Zusammenspiel mit Effekten von roten Kabeln und Steckern wirkt die Menüführung sehr stylisch. Die einzelnen Spielmöglichkeiten sind übersichtlich präsentiert, im Gegensatz zum Vorgänger. Die Darstellung beim Auflegen und Spielen ähnelt der von DJ Hero. Die Bühnenpräsentation glänzt immer noch mit vielen Details. Die Lichteffekte verwandeln den Spielort in einen bunt beleuchteten Club. Die Animationen der Spielcharaktere sind schön anzusehen, passen aber viel zu oft nicht zu den gespielten Aktionen. Dem Spieler auf der Couch fällt beim Scratchen fast der Arm ab und der virtuelle Disc Jockey wedelt ununterbrochen mit den Händen in der Luft. Die Animationen der Gaststars sind toll nachempfunden. Der (recht jung aussehende) Guetta hüpft wie sein Vorbild mit individuellen Gesten rum. Die Menge im Club ist da leider nicht ganz so agil. Sieht man die Clubbesucher, kommt man nicht zum Entschluss, dass sie gerade Spaß beim Feiern hätten. Viel Zeit bleibt aber sowieso nicht, auf die ‘Crowd’ zu achten. Auf dem “Highway” laufen ununterbrochen Taps und Scratches, die gespielt werden wollen. Auf akustischer Ebene gibt es nichts zu bemängeln. Die Mixes überzeugen wie bereits erwähnt mit hoher Qualität. Da kommt Atmosphäre und (Feier-)Stimmung auf.

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Let’s party – and sing!

Multiplayerspaß wird bei FreeStyle Games offenbar groß geschrieben. Off- und Online lassen sich hier die meisten Modi wiederfinden. Neben dem simultanen Durchgang gibt es auch das DJ Battle, das auch beim Empire vorkommt. Weitere Variationen eines solchen Battles legen Wert auf Serien. Der Spieler erspielt sich möglichst viele fehlerfreie Phasen. Wird die Serie “gesichert”, werden die Punkte gutgeschrieben und es geht mit der nächsten Serie weiter. Überschätzt man sich aber und macht Fehler, bevor gesichert wird, sind die Punkte für die Serienzeit weg. Wer am Ende die meisten Punkte durch möglichst lange Serien hat, behauptet das Battle für sich. Mit einem zweiten Turntable kann sich auch offline gemessen werden. Noch dazu wurde der Gesang mit einem Mikrofon implementiert. Hierbei darf aber kein klassisches Karaoke erwartet werden. Die meisten Mixes bieten nicht unbedingt Vocals, die perfekt zum Nachsingen geeignet sind. Es gibt wenige Ausnahmen, aber im Großen und Ganzen erweist sich die Mikro-Unterstützung als nette, aber unnötige Idee. Schaden tut’s dem Mehrspieleraspekt aber nicht, die Modi bieten Abwechslung und sorgen für langfristigen Spaß.

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DJ Hero 2 hält was es verspricht. Das ohnehin gute Konzept des Vorgängers wurde schlau erweitert, wohl sogar perfektioniert. Die Freestyle-Einlagen regen die Kreativität an. Wer aber eine DJ-Simulation erwartet, wird vom Spiel enttäuscht werden. Die kreativen Phasen sind begrenzt und bieten kaum Raum um Songs eine individuelle Note zu verleihen. Es ist ebenfalls nicht möglich, eigene Mixes zu erstellen oder Übergänge zu kreieren. Mit Erwartungen an die Vollführung echter Tätigkeiten eines DJs wird der Titel mitsamt Turntable wohl schnell in die Ecke geschmissen und dort auch gelassen. Wer sich aber auf ein RhythmusSPIEL mit moderner Clubmusik und klassischen Hip Hop Klängen freut, ist mit DJ Hero 2 bestens bedient. Der Umfang wurde aufgestockt und kann vor allem (online) mit mehreren Leuten überzeugen. Auch die erfolgreichen Stars und bekannten Produkte tragen zum guten Eindruck bei. Da einige Händler auch gleich noch den ersten Teil bei Bestellung mit anbieten, kann über das Preis-Leistungsverhältnis nicht gemeckert werden. Interessierte Musikfans der angesprochenen Genres sollten zuschlagen.

Gutes

Schlechtes

8.5 Sehr gut

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