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Dissidia Final Fantasy NT im Test

Artikel von | 03.02.2018 um 12:08 Uhr

2008 erschien das erste Dissidia Final Fantasy zur Feier des 20-jährigen Jubiläums der Final Fantasy Reihe. Erstmals traten Charaktere aus allen Final Fantasy Teilen gegeneinander an und den Fans gefiel das. Knapp zwei Jahre später erschien die Fortsetzung und hatte ähnlichen Erfolg. Heute, 7 Jahre später, ist mit Dissidia Final Fantasy NT der dritte Teil erschienen und findet damit erstmals seinen Weg auf eine Heimkonsole. Wir haben uns den Titel genauer angesehen und verraten euch, ob er an den Erfolg der Handheld Vorgänger anknüpfen kann.

Die alte Leier

Dissidia Final Fantasy NT spielt einige Zeit nach den Vorgängern. Damals kämpften noch Cosmos und Chaos um die Herrschaft über die Welt B, eine Spiegelwelt der Final Fantasy Welten. Als die ewigen Schlachten ein Ende fanden, konnten die Krieger wieder in ihre Welten zurückkehren. Doch nun tauchen zwei neue Parteien in der Welt B auf. Da wäre einmal Materia, welche die Göttin des Schutzes ist und Spiritus, welcher der Gott der Zerstörung ist. Diese beiden wollen nun die Welt für sich selbst und rufen hierzu erneut die Helden und Schurken aus den Final Fantasy Welten. Anders als bei den ersten Teilen, behalten die Charaktere jedoch die Erinnerungen an ihre Welt und an die Schlachten aus den ersten beiden Dissidias. Ohne viel trara machen sich Cloud und Co dann auf den Weg die Bösen zu besiegen und Spiritus das Handwerk zu legen. Genauso simpel und plump, wie sich das Ganze anhört, ist es leider auch. Zwar gibt es noch einen Twist, der die Handlung ein wenig anheizt, doch im Großen und Ganzen ist es eigentlich nur eine 08/15 Gut gegen Böse Story. Erschwerend kommt hinzu, dass dem ganzen einfach das Fleisch und der Tiefgang fehlt . Man kann es sich so vorstellen, dass eine Handlung von einer 30 Episoden Serie in einen 2-Stunden Film gequetscht wird, die Story ist übrigens wirklich nicht viel länger. Der Ablauf und das Ziel sind zwar gleich, doch das drumherum fehlt einfach. So erfahren die Kämpfer nie was wirklich vor sich geht und direkt danach beginnt auch schon die Endschlacht. Kein dramatischer Aufbau, keine großen Einführungen von Bösewichten, auf los geht’s los.

Noch schlimmer wird das alles dadurch gemacht, dass so unendlich viel Potential in der Prämisse steckt. Allein manche Charaktere zusammen zu sehen und wie sie interagieren, zaubert einem ein lächeln aufs Gesicht. Wenn Squall (FF8) alleine losziehen will und dann von Y’shtola (FF11) verfolgt wird und sich dabei die üblichen Gedanken macht: “Was will die von mir? Kann die mich nicht einfach in Ruhe lassen? Was ist hier eigentlich schon wieder los?” ist das einfach toll. Doch von diesen Momenten gibt es einfach viel zu wenige, dabei wünscht sich das jeder Final Fantasy Fan. Das schlimmste am Story Modus haben wir aber noch gar nicht erwähnt. Dieser ist nämlich in Events aufgeteilt. Ein Event, beziehungsweise ein Event Strang, kostet eine Memoria. Diese Memoria muss man sich aber erstmal erspielen. Wer also die Story an einem Stück spielen will, muss entweder erstmal ordentlich Memoria farmen oder legt zwischendrin dauernd Pausen ein. Optimal ist keine der beiden Methoden und ehrlich gesagt wissen wir nicht wirklich, warum man sich für so einen Ablauf entschieden hat. Dadurch wird der sowieso schon dünne Story Modus richtig ausgebremst und es kann nie richtig Fahrt oder Spannung aufkommen. Aber hey, dass ist noch nicht alles. Leider kann an die Story nur aus der Sicht der Helden spielen. Wer also mit Sephiroth oder Jekkt in die Story eintauchen will, der hat Pech gehabt. Kommen wir nun dazu, wie ihr an die besagten Memoria kommt.

Mut ist entscheidend

Memoria gibt es durch das Aufsteigen in einem der drei Ränge: Charakter Rang (offline), Charakter Rang (online) und Spieler Rang. Während die Charakter Ränge durch das Nutzen der jeweiligen Charaktere steigt, online und offline separat, steigt der Spieler Rang durch alles was man tut. Durch die Ränge gibt es wie gesagt Memoria, aber auch noch mehr. Die Charakter Ränge schalten Chat-Kommentare und neue Fähigkeiten für die jeweiligen Charaktere frei. Spieler Ränge schalten zusätzlich Schatzsphären und neue Fähigkeiten für alle Charaktere frei, zu den Schatzsphären kommen wir gleich nochmal genauer. Um die verschiedenen Fähigkeiten zu erklären, müssen wir den allgemeinen Kampf erstmal näher erläutern. Im Kampf hat man Mut-Angriffe, HP-Angriffe und EX-Skills zur Verfügung, doch der Reihe nach. Mut-Angriffe sind die Standard Kombos, diese werdet ihr mit Abstand am häufigsten benutzen. Durch Treffer steigt euer Mut, durch Feindtreffer sinkt er, wirklichen Schaden kann man damit aber nicht anrichten. Hier kommt dann der HP-Angriff ins Spiel, denn nur diese machen wirklichen Schaden und können den Gegner tatsächlich besiegen. Umso höher euer angesammelter Mut ist, umso mehr Schaden macht ihr mit dem HP-Angriff. Anders als die Mut-Angriffe, sind die HP-Angriffe keine Kombos, sondern meist einzigartige, ikonische Angriffe. Cloud beispielsweise greift bei seinen HP-Angriffen auf den Omnislash zurück, während Squall den Schicksalszirkel nutzt. Jeder Charakter verfügt über mehrere HP-Angriffe, von denen jedoch nur einer im Kampf gewählt werden kann. Dabei sind ihre Einsatzbereiche unterschiedlich. Während der eine HP-Angriff viel Reichweite hat, aber nur einen kleinen Bereich abdeckt, kann ein anderer alles um den Charakter herum bedecken, jedoch nur aus nähster Nähe. Hier muss jeder für sich entscheiden, was am besten zum eigenen Spielstil passt.

Die Ex-Skills hingegen funktionieren ein wenig anders. Hierbei habt ihr einmal zwei normale zur Auswahl und einen einzigartigen. Während die normalen mehr Geschwindigkeit, mehr Angriff oder das kurze festsetzen des Gegners bieten, sind die einzigartigen bei jedem Charakter anders. Noctis beispielsweise kann dann seinen Warp nutzen und so Überraschungsangriffe starten, während Zidane seinen Trance Modus aktivieren kann. Jeder Charakter bietet hier etwas anderes, was seinem Pendant aus den Hauptspielen gleicht. Wo wir gerade bei den Unterschieden der Charaktere sind, diese sind teilweise enorm. Es gibt nämlich vier Klassen: Schützen, Assassinen, Spezialisten und Vorhut. Schützen sind Fernkämpfer/Zauber, Assassinen schnelle Charaktere die auf Kombos setzen, Vorhut sind etwas langsamer und hauen dafür härter zu und Spezialisten stecken mehr oder weniger zwischen den anderen. Da man ganze 28 Charaktere zur Auswahl hat, ist garantiert für jeden etwas dabei. Die Mischung sollte aber passen, da man zumeist 3v3 Kämpfe austrägt und drei schwerfällige Charaktere dürften es gegen drei Magier nicht allzu leicht haben. Neben den 3v3 Kämpfen gibt es selten auch mal 2v2 oder 3v1, aber das ist wirklich sehr selten. Der Vorteil der stark unterschiedlichen Charaktere liegt hier natürlich in der Abwechslung und dem Tiefgang. Der Nachteil ist jedoch, dass es schon sehr schwer fallen kann, wenn man nach vielen Stunden mit einem Assassinen, plötzlich einen Magier spielt. Da klappt erstmal gar nichts.

Auch die verschiedenen Kampfarten sind nicht unerheblich für die Charakterwahl. Fangen wir mit dem normalen Kampf an. Hier hat jedes Team drei Leben und wer zuerst alle Leben verloren hat, tja, der hat natürlich gewonnen. Dann gibt es noch die Kristallschlacht. Hier hat jedes Team einen Kristall den es beschützen muss, Sieger ist das Team, dass den gegnerischen Kristall zuerst zerlegt. Dann wäre da noch der Bosskampf und hier kämpft ihr zu dritt gegen einen Boss, welcher meist eine Esper ist. Wo wir gerade bei den Esper sind, diese spielen auch eine wichtige Rolle im Kampf. Vor jedem Match darf man nämlich eine Wählen und wenn man dann bestimmte Kristalle im Standardkampf zerstört, kann man diese sogar rufen. Dabei setzen sie den Gegnern ordentlich zu und bieten eurem Team nette Vorteile, wie mehr HP, mehr Abwehr oder mehr Mut. Anfangs hat man nur eine Esper zur Auswahl, doch durch aufsteigen im Rang gibt es auch da mehr.

Bevor wir nun zum online Modus und dem Rest kommen, noch ein paar kritische Worte zum Standardkampf und zum Bosskampf. Wie gesagt ist beim Standardkampf schluss, wenn ein Team drei Leben verloren hat. Das dumme hier ist, dass so ein Match manchmal sehr sehr schnell vorbei sein kann. Wenn ein Team dem anderen einfach deutlich überlegen ist, kann so ein Kampf schon mal in einer Minute oder weniger vorbei sein. Wenn man dann online ein paar Minuten für das nächste Match warten muss, bevor man dann wieder nur 1-2 Minuten spielen kann, ist das sehr nervig. Aus unerklärlichen Gründen, gibt es auch immer nur drei Leben pro Kampf. Man hätte doch einfach einen Modus bieten können, bei dem man in 5, 6 oder mehr Minuten einfach kämpft und wer am Ende die meisten Kills hat, der hat gewonnen. So ist der Spaß meist schnell vorbei und dann darf man erstmal wieder warten.

Was den Bosskampf angeht, ist hier das Balancing ein wenig fragwürdig. Nicht nur greifen die Bosse unentwegt an, sie haben auch unglaubliche Reichweite, decken große Teile des Feldes ab und machen unglaublich Schaden. Erschwerend kommt hinzu, dass man in den meisten Story Bosskämpfen nur bestimmte Charaktere zur Auswahl hat und wenn diese einem nicht liegen, tja, dann hat man einfach pech gehabt und stirbt am laufenden Band, da kann der Level noch so hoch sein.

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Dissidia Final Fantasy Nt Testbericht

Dissidia Final Fantasy Nt

  • Release: 30.01.2018
  • Genre: Kampfspiel, Rollenspiel
  • Entwickler: Team Ninja
  • Publisher: Square Enix

Gutes

- Zahlreiche, vielseitige Charaktere
- Nette Momente zwischen bekannten Charakteren
- Optik und Musik sehr stimmig
- Viel zum freispielen

Schlechtes

- Wartezeiten zwischen Kämpfen zu lang (online)
- Story sehr dünn und kurz
- Kämpfe oft sehr unübersichtlich, hektisch und Chaotisch
- Nur 3v3 Kämpfe möglich
- Bosskämpfe übertrieben schwer und unfair

7.2 / 10 Gut

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