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Disney Universe – Review

Artikel von | 09.11.2011 um 00:00 Uhr

Manchmal ist der Titel doch nicht Programm: Disney Universe öffnet leider nicht das komplette Universum des Walt Disney Animation Studios sondern bietet leichte Unterhaltung für ganz junge Spieler und Familienabende in hektischer Viersamkeit. Dabei haben sich die Entwickler offensichtlich vieles abgeschaut, doch ist am Ende die Mischung gelungen oder gibt es diesmal keine Magic Moments und Happy End?

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Ein Kinderspiel

Vielmehr ist das so genannte Disney Universe ein von der Firma Wonder Labs erdachter virtueller Vergnügungspark, in denen die Welten von Fluch der Karibik, König der Löwen, Alice im Wunderland, Monster AG, Aladdin sowie Wall-E zusammentreffen – allesamt natürlich bekannte Disney- und Pixar-Geschichten. Als farbige Figur mit über 40 Kostümierungsmöglichkeiten findet sich der Spieler schließlich in diesen Welten wieder. Wie wir aber bereits aus anderen, Disney-fremden Geschichten wie Jurassic Park wissen, läuft in Vergnügungspark nicht alles nach Plan. Nimmt man die allgegenwärtigen Hacker-Angriffe bestimmter Gruppierungen noch hinzu, hat man eine gefährliche Mischung. Und so kommt es fast schon zwangsläufig so wie es kommen musste: Unser virtueller Informationswürfel (kurz: VIC) wird gehackt, sein böses Ego namens HEX bringt reichlich Unordnung in die bunten Welten. Von Anfang an wird unmissverständlich klar, dass sich Disney Universe in erster Linie an Kinder richtet. Dementsprechend kommt die Aufmachung ohne brutale Gewalt aus und präsentiert sich jederzeit kunterbunt, kurze Zwischensequenzen zwischen Levels zeigen eher zusammenhanglos mehr oder weniger lustige Situationen der Gegenseite. Leider kommt das gewohnte Disney-Gefühl irgendwie viel zu selten auf. Der Wiedererkennungswert von bekannten Schauplätzen ist zwar gegeben, diese kratzen aber nur an der Oberfläche des reichhaltigen Potenzials und wirken zudem völlig überladen wie ein unaufgeräumtes Zimmer, was auch dann vereinzelten Teilen der Zielgruppe zu ihrer Enttäuschung nicht verborgen bleiben dürfte.

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Little Big Lego Disney Pixar Universe

Auch spielerisch bleibt Disney Universe ein uninspirierter Misch-Masch aus bekannten Titeln wie Little Big Planet oder diversen Lego-Abenteuern ohne allerdings auch nur ansatzweise an deren Spielwitz heranzureichen. Alleine vor der Konsole stellt sich schnell Langweile ein und die vorhandene Grundhektik wird mit mehreren Mitspielern an einem Bildschirm noch chaotischer – bis hin zu unangenehmen Übersichtsproblemen, trotz eigentlich hilfreicher blauer Zielpfeile. Diese zeigen jeweils den Weg zu aktuellen Interaktionspunkten, die optional neben eingeblendeten Hinweisen im Menü jederzeit deaktiviert sowie aktiviert werden können. Wir empfehlen eine Aktivierung, denn trotz weniger Interaktionsmöglichkeiten ist nicht immer auf den ersten Blick ersichtlich, was zu tun ist. Des Rätsels Lösung ist im Regelfall ziemlich simpel, zeitweilig auch mal etwas abwechslungsreicher als die eintönigen Kloppereien und Schalterrätseln. Witzige Elemente gibt es aber nicht nur in Form von kurzzeitigen Power-Ups (z.B. Wirbelstürme, Riesen-Stiefel, Gewehr, Stromschläge, usw.): In der Welt von Fluch der Karibik verwandelt sich der Spieler kurzerhand zum untoten Piraten, der über den Meeresgrund spaziert und so Hindernisse dahingehend manipuliert, dass man so als zurückverwandelte Figur auf einem Quietsche-Entchen zum rettenden Ufer paddelt. Solche Situationen retten Disney Universe letztendlich vor dem Fall in tiefere Wertungsabgründe. Ein klassisches Game Over bleibt glücklicherweise aus, stattdessen wird die Spielfigur nach kurzer Wartezeit wieder in die Spielumgebung geladen. Das kurzzeitige Ableben kommt mangels nachvollziehbarer Gesundheitsanzeige genauso unverhofft wie oft. Der kooperative Aspekt wird auch nicht so richtig ausgespielt, meist geht’s einfach nur etwas schneller oder unkomplizierter voran in den sechs Welten, die jeweils aus neun kleineren Einzelabschnitten bestehen. In diesen Abschnitten gesammelte Münzen lassen sich in die Freischaltung anderer Welten sowie Kostüme investieren. Das vorhandene Grundangebot soll zukünftig in regelmäßigen Zeitabständen durch Download-Content mit neuen Inhalten erweitert werden, denn insgesamt ist der Umfang des Grundspiels ziemlich mager.

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Technisch weit weg von den Originalen

Auf der technischen Seite fragt man sich bei Videospielen aus dem Hause Disney-Pixar immer eines: Wann ist der Zeitpunkt gekommen, wo Unterschiede zwischen animierter bzw. gezeichneter Filmvorlage und den Spielen nicht mehr derartig frappierend sind? Zwischen Vorbildern und Realität klaffen weiterhin große Abgründe, technisch präsentiert sich Disney Universe zweckmäßig und vermischt Grafikstile aus LittleBig Planet, Lego und einer ganz eigenen Interpretation zu einem Gesamtpaket. Das Ergebnis ist zwar kunterbunt, aber leider viel zu eintönig, nicht selten sogar etwas lieblos, auch Figuren-Animationen könnten etwas geschmeidiger sein. Unschön und eine Randnotiz wert: Einen kompletten Abschnitt mussten wir auf unserer Konsole wegen schwerwiegender Grafikfehler neu starten, das Darstellungsproblem kam danach nicht mehr vor. Richtige Sprachausgabe gibt es in dem Sinne nicht, dafür sind Texte in hervorragender deutscher Übersetzung immer gut lesbar. Erfreulicherweise hat die Kamera das gesamte Geschehen immer gut im Blickpunkt, dadurch ergeben sich Steuerungsschwächen fast ausschließlich aus hektischen Unübersichtlichkeiten heraus.

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Großer Name, nicht ganz so großer Spaß: Das Fazit

Vom großen Namen sollte man sich bei der Kaufentscheidung nicht allzu sehr blenden lassen: Disney Universe ist ein kurzweiliges, zuweilen etwas hektisches Kinderspielchen für zwischendurch in ziemlich kleinen Welten. Selbst für die angepeilte Zielgruppe gibt es deutlich bessere Alternativen, z.B. Toy Story 3 oder Madagascar. Unter dem Strich bleibt ein über weite Strecken uninspiriertes Action-Abenteuer – ganz frei von magischen Momenten oder Happy End.

Disney Universe Testbericht

Disney Universe

  • Release: 26.10.2011
  • Genre: Adventure
  • Entwickler: Disney Interactive
  • Publisher: Disney Interactive

Gutes

+ unkomplizierter Spielablauf
+ 45 Kostüme
+ Multiplayer an einem Bildschirm
+ gute deutsche Texte und Hilfen

Schlechtes

- alleine wirds langweilig
- mit mehreren Spielern sehr chaotisch
- relativ kleines Universum
- schnell vorbei

6.0 / 10 Nicht so gut

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