Disney Sing It: Pop Party – Review

Getestet von | 25.10.2010 um 00:00 Uhr

Spätestens im Jahre 2004 wurde der aus Japan-Stammende Unterhaltungshit Karaoke wohnzimmertauglich gemacht. Grund dafür ist einzig und allein die ‚Singstar’-Reihe aus dem Hause Sony. Wie gewöhnlich wollen aber auch andere Publisher & Entwickler ein Stück vom leckeren Profit-Kuchen abhaben und veröffentlichen ihre eigenen – oftmals qualitativ eher schlechten als rechten – Musikspiele. Neben mehr als genug One-Hit-Wonder konnte sich aber zu mindestens ein Kandidat etablieren. Disney’s dritter Teil der ‚Sing It’-Reihe hört auf den Namen ‚Pop Party’ und soll erneut Sing-Spaß für jung und alt bieten. Ob den Entwicklern dies gelungen ist, erfahrt ihr in unserem Review.

Screenshot

Sing It!

Wie bereits erwähnt handelt es sich beim neuesten Ableger bereits um den dritten Teil der jungen Karaoke-Spieleserie. Wie schon bei den beiden Vorgängern erkennt man auch bei ‚Pop Party’ bereits an der Tracklist des Spiels, welche Zielgruppe angesprochen werden soll. Gemäß dem Titel konzentriert man sich bei Disney mittlerweile aber nicht mehr lediglich auf die eigenen Stars wie Miley Cyrus oder Demi Lovato, sondern verbindet die Tracks von diesem geschickt mit angesagten Chart-Hits. Während im ersten Teil ausschließlich Disney-Künstler vertreten waren und im Nachfolger diese immer noch den größten Teil der Songliste ausmachten, herrscht beim neuen Spiel ein ausgeglichenes 1:1 Verhältnis. Insgesamt 28 Songs bietet das Sing-Spiel.
Wer allerdings auf eine gute Mischung aus verschiedenen Genres und Dekaden hofft, so wie es meist bei Singstar der Fall ist, wird bei diesem Spiel wohl bitter enttäuscht sein. Kommt ein Karaoke-Spiel von Disney, sollte die Zielgruppe klar sein: Sechs Songs aus dem neuen Disney-Streifen ‚Camp Rock 2’, drei Lieder der Pop-Künstlerin Selena Gomez und zwei Songs vom aktuell angesagtesten Teenie-Star Justin Bieber sind nur einige Beispiele für die musikalische Sparte, in die dieses Spiel einschlägt. Doch kein Grund zur Sorge. Auch weltweit bekannte Chart-Künstler, die den Käuferkreis scheinbar erweitern sollen, sind vertreten. So sind neben ‚Owl City’ mit ihrem Song ‚Fireflies’ auch die Emo-Rocker Paramore und der im Vergleich bereits alte Song ‚I’m Yours’von Jason Mraz mit von der Partie. Während die Überzahl der Künstler einen großen Namen hat, hat man sich aber leider viel zu oft für die falschen Titel entschieden. Ein ‚All The Right Moves’ von OneRepublic hatte möglicherweise kommerziellen Erfolg, ist zum Nachsingen allerdings nicht allzu geeignet. Und teilweise wählte man eher unbekannte Songs von bekannten Artisten, so wie beispielsweise im Fall Kelly Clarkson. Eine weitere Möglichkeit wäre auch gewesen, die Trackliste zum Teil regional anzupassen und somit hierzulande unbekannte Titel gegen nationale Hits zu tauschen. Alles in allem bleibt wohl zu sagen, dass die Liste an Songs, die einen viel zu kleinen Käuferkreis anspricht, eher durchwachsen ist und deutliche Defizite aufweist. Wie immer ist dieser Part eines Musikspiels aber zu 100 Prozent Geschmackssache und sollte vor Kauf auf jeden Fall beachtet werden.

Screenshot

Das kennen wir doch irgendwo her…

Gefällt euch die Auswahl an musikalischen Leckerbissen und ist somit die größte Hürde überwunden, gilt es, einen näheren Blick auf das eigentliche Spiel zu werfen. Musik- und Karaoke-Spiel Veteranen dürften sich bereits bei der ersten Spielsession wie zu Hause fühlen. Nachdem ihr im übersichtlich gestalteten Menü den gewünschten Spielmodus und das zu singende Lied gewählt habt, kann es auch schon losgehen. Während im Hintergrund das offiziell lizenzierte Musikvideo abgespielt wird, findet sich am unteren Bildrand die für Karaoke typische Phrasenleiste wieder. Während eurer Perfomance erhaltet ihr dabei je nach eurem musikalischen Talent Bewertungen und eine dementsprechend hohe Anzahl von Punkten. Letztendlich werden eure Punkte zusammengezählt und ihr erhaltet ein abschließendes Feedback, wie gut – oder schlecht – ihr wart. Eben wie gewohnt und aus Titeln wie Singstar, Karaoke Revolution & Co. bekannt. Das alles klingt recht uninnovativ. Allerdings will das Spiel auch gar keine Innovationsbombe sein und macht zu mindestens beim simplen Spielprinzip keine größeren Fehler, so wie viele andere vor ihm. Trotz einigen überflüssigen Effekten in der Phrasenleiste ist der Text zu jeder Zeit gut lesbar, mitsingen auch bei Lyrikproblemen also kein Problem. Die Erkennung der Stimme funktioniert ebenfalls erschreckend gut und lässt keine Frustmomente aufkommen. Auch wenn der niedrigste und vor allem der mittlere Schwierigkeitsgrad noch zu einfach sind und das Gefühl aufkommen lassen, dass das System die Stimme automatisch korrigiert, klappt die Stimmerkennung auch im höchsten – wirklich sehr fordernden – Schwierigkeitsgrad noch problemlos.
Am Ende des Songs ist es dann in altbekannter Singstar-Manier möglich, sich das Gesungene noch mal in den Ohren zergehen zu lassen. Darüber hinaus bietet „Sing It“ dann auch noch eine handvoll Effekte, die man über die eigentliche Tonspur legen kann und den Gesang dadurch noch amüsanter darstellen lassen zu können. Soweit jedenfalls in der Theorie. In der Praxis macht das Experimentieren mit den Effekten nur wenig Spaß, unter anderem auch auf Grund der viel zu geringen Auswahl. Des Weiteren lassen sich die Aufnahmen auch leider nicht auf der Festplatte und somit für die Ewigkeit speichern.

Screenshot

Auf dem Weg zum Superstar

Doch immer noch bleibt die Frage offen, womit das Spiel wirklich punkten kann. Ein potentieller Kandidat dafür wäre das Gesangstraining. Dieses wird präsentiert und durchgeführt von Demi Lovato, einer von den angesprochenen Nachwuchs-Stars aus dem Hause Disney. Dieses ‚Gesangstraining’ bietet die ein oder andere interessante Information zu Gesangtechniken, kann aber selbstverständlich nicht wirklich ernst genommen werden. Viel mehr soll es wohl dazu dienen, um den Einzelnen länger an das Spiel zu fesseln. Dass solch ein Spiel nicht beim professionellen Gesangsunterricht helfen kann, sollte sich von selbst erklären. Doch kurz unterhalten kann dieses Programm alle mal. In allen Übungen, die ihr nachmachen dürft, gilt es, eine Platin-Auszeichnung zu erhalten. Für Leute, die gerne das komplette Spiel ausschöpfen, mit Sicherheit ein Grund, die ein oder andere Session auch mal alleine zu spielen.
Sonst kann der Singleplayer-Modus keinesfalls überzeugen. Ähnlich wie bei Singstar wurde der Fokus auf Mehrspieler- und Partysitzungen gesetzt und somit der Einzelspielermodus komplett vernachlässigt. Der Spieler hat die Möglichkeit, jeden der 28 Songs alleine in einem Schwierigkeitsgrad seiner Wahl zu singen und sich daran zu versuchen, in den Bestenlisten zu verewigen. Wahlweise auch im „Leistungsmodus“, in dem euch Text und Noten verschwiegen werden und ihr euch demnach ganz auf euch selber verlassen müsst. Dieser Modus ist allerdings auch für sämtliche Mehrspielergefechte verfügbar.

Genau diese bieten allerdings auch keinerlei Neuerungen. Davon mal abgesehen, dass alle verfügbaren Modi bereits in den Vorgängern vorhanden sind, kennt man Dinge wie Duetts, Duelle und Partyspiele auch schon aus anderen Musikspielen. Negativ zu bewerten ist dies aber nicht. Bis zu acht Spieler können selbstverständlich trotzdem einige spaßige Stunden mit den enthaltenen Partymodus – indem alle Spieler einen Song singen und dabei immer wieder das Mikrofon abgeben müssen – und den Team-Spiel, indem zwei Teams gegeneinander singen müssen, haben. Der fehlende Online-Modus kann natürlich kritisiert werden, sollte er aber nicht. Schließlich handelt es sich bei „Sing It: Pop Party“ immer noch um ein Party-Spiel, in welchem ein Online-Modus grundlegend unangebracht ist.

Screenshot

Endlich mal HD-Videos?

Und schon sind wir wieder beim leidigen Thema ‚Grafik’ angekommen, welches bei Musikspielen dieser Art immer wieder aufs Neue schwer einzuschätzen ist. „Disney Sing It Pop Party“ bietet im Grunde genommen keine wirklichen Grafiken. Während des Singens werden keine virtuellen Bühnen und Performances eingeblendet, sondern in allen Fällen die Originalvideos zu den entsprechenden Songs. Qualitativ sind diese gleichwertig mit den Videos aus den Singstar-Teilen. HD ist scheinbar auch bei Disney ein Fremdwort. Hier kann man auch nur an die Vernunft der Entwickler appellieren und hoffen, dass in zukünftigen Ausgaben der Karaoke-Reihe die Videos – wenn machbar – grafisch aufgemotzt werden.
Die restliche grafische Aufmachung des Spiels ist gelungen. Die Menüs sind gut strukturiert, die Farben passen zusammen. Angehende Superstars merken auf jeden Fall, dass das Entwicklerteam in diesem Punkt ihre Hausaufgaben gemacht haben.
Viel wichtiger als die Grafik ist in einem Musikspiel aber nichts anderes als die Musik und der richtige Sound. Das perfekte Spiel nützt nichts, wenn die Songs qualitativ minderwertig ausgegeben werden. Dies ist bei „Pop Party“ definitiv nicht der Fall. Die Lautstärke ist richtig abgemischt und man hat nie das Gefühl, dass der gesungene Song zu leise oder unsauber klingt. Des Weiteren besteht die Möglichkeit, die eigene Stimme während des Songs lauter zu stellen. Besonders für Partys natürlich keine schlechte Option.

Screenshot

Party-Time!

Nun stellt sich natürlich nur noch eine Frage: Kaufen – Ja oder Nein? „Disney Sing It: Pop Party“ ist ein Karaoke-Spiel wie jedes andere und ist es mit Sicherheit Wert, gekauft zu werden. Eine extrem wichtige Voraussetzung gibt es aber: Dass ihr mit der Liste an Songs im Spiel zu 100 % D’accord seid. Diese ist nämlich sehr auf eine Zielgruppe zugeschnitten und bietet so gut wie keine musikalische Vielfalt. Genau dies ist auch das größte Manko des Spiels. Im Grunde handelt es sich bei dem Spiel um ein gutes und ausgereiftes Karaoke-Erlebnis, welches einige spaßige Stunden mit sich bringen kann. Über den mangelhaften Einzelspielermodus kann hierbei dann genauso hinweg gesehen werden wie über das Fehlen von HD-Musikvideos und Funktionen, seine Gesangs-Aufnahmen speichern zu können. Die Technik funktioniert einwandfrei und besonders der Sound lässt keine Wünsche offen. Für zukünftige Teile dieser Karaoke-Serie, die sich mittlerweile definitiv auch etabliert hat, kann man sich lediglich einige Innovationen wünschen, auf die man besonders bei der Konkurrenz aus dem Hause Sony in letzter Zeit lange warten kann. Doch heute kann man auf jeden Fall sagen: Gute Arbeit Disney!

Gutes

- sehr guter Sound
- übersichtliche & gut strukturierte Menüs
- Mehrspieler-Modus kann gut unterhalten
- gute technische Aspekte

Schlechtes

- Tracklist extreme Geschmackssache
- Einzelspieler-Modus ist mangelhaft
- altbekanntes Spielprinzip macht noch immer Spaß

8.0 Sehr gut

Kommentare

Du hast etwas zu sagen?

Jetzt einloggen oder registrieren um ein Kommentar zu schreiben

Das könnte dich auch interessieren