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Digimon Story: Cyber Sleuth – Hacker’s Memory im Test

Artikel von | 01.02.2018 um 18:33 Uhr

Ein neues Jahr und ein neues Digimon Videospiel. So langsam haben sich Fans der digitalen Kreaturen daran gewöhnt, jährlich ein Digimon Abenteuer von Bandai Namco spendiert zu bekommen. Während es im vergangenen Jahr mit Digimon World eine Art Lebens-Simulation a la Tamagotchi gab, gibt es nun mit Digimon Story: Cyber Sleuth – Hacker’s Memory die Fortsetzung des vorletzten Spiels und damit wieder ein klassisches, japanisches Rollenspiel a la Pokémon. Was sich nach zwei Jahren mit dem neuen Teil geändert hat, erfahrt ihr hier in unserem Test.

Neues Spiel, neue Geschichte und auch neue Charaktere

Zum neuen Ableger gibt es auch direkt einen neuen Hauptprotagonisten, Keisuke Amazawa. Dieser ist zum Start des Spiels eigentlich ein recht unauffälliger und normaler Schüler. Doch dann wird ihm sein Account für die virtuelle Welt gestohlen. Da nun alle davon ausgehen, dass er selbst ein Hacker ist, verlässt er die Schule und will den Täter finden und seinen Ruf wiederherstellen. Doch damit beginnt die Reise erst, denn es dauert nicht lange bis er bei seinem Abenteuer auf die ersten Gefahren stößt, in Form von Digimon. Ihm wird dann wiederum von einem Hacker geholfen. Dieser bietet ihn an, seiner Gruppe beizutreten und gemeinsam nach seinem Account zu suchen. Doch das ist erst der Beginn, denn es ist nicht so einfach wie es anfangs scheint und Keisuke verstrickt sich immer tiefer in die Cyber-Welt Geschehnisse. Neben einiger Zwischensequenzen wird der Großteil durch Dialoge im Light Novel Stil erzählt, bei dem beide Charaktere einfach da stehen und sich hier und da etwas bewegen.

Hinzu kommen natürlich noch Auftritte und Geschichten von anderen Charakteren, auch bereits Bekannte aus dem Vorgänger, die immer mal wieder einen Gastauftritt bekommen. Neben der Geschichte, gibt es auch diesmal natürlich einige Nebenquests. Diese laufen jedoch nach Schema X ab. Eine Person hat ein Problem mit irgendwas und stellt einen Auftrag an die Hackergruppe, der Spieler führt einen kurzen Dialog mit dem Klienten, begibt sich an den Ort des Geschehens und findet in den meisten Fällen heraus, dass ein Digimon die Ursache dafür ist. Also erstmal ein paar Schläge austauschen und danach ist alles wieder gut. Manchmal sind es aber auch böse Menschen mit Digimon, die dafür verantwortlich sind, also tauscht man erst Schläge mit deren Digimon und danach Worte mit ihnen aus. Während man anfangs noch recht interessiert zuhört, merkt man schnell dieses Muster und wie banal die Missionen eigentlich sind. Sie sind zwar nett erzählt und haben einen guten Ansatz, aber der Twist mit den Digimon zum Schluss, gefolgt von einem Kampf, bleibt stets derselbe. Was aus dem Vorgänger übernommen wurde, ist auch der Digiline bei dem man Dialoge mit anderen Charakteren oder Digimon führen kann, was manchmal mit einem Quiz ganz nett aber bei Gesprächen eher weniger sinnvoll ist.

→ Nach einer bestimmten Anzahl an Story-Missionen muss man dann wieder ein paar Nebenaufgaben lösen, um wieder Fortschritt zu machen – dieser Ablauf war auch bereits im Vorgänger ähnlich. Während der Geschichte erfährt man dann auch immer mehr zur Persönlichkeit des Hackers und der Digiwelt, wobei abgesehen von ein paar Highlights die Story im gesamten eher mau ist und eher wenig bietet. Aber zum Glück bietet das Spiel selbst deutlich mehr.

Auch 2018 kämpfen Greymon, WereGarurumon und co. noch gegen das Böse

Wer bereits den Vorgänger Cyber Sleuth gespielt hat, der muss sich nicht komplett umstellen, um auch in Hacker’s Memory durch die Cyberwelt zu reisen. Denn am Kerngameplay hat man wenig geändert. So gibt wie bei Pokémon zufällige Kämpfe, wenn man außerhalb der sicheren Gebiete ist. Dann wird der Reihe nach angegriffen, bis entweder ihr oder der Gegner besiegt seid. Als Option habt ihr entweder den klassischen Angriff, MP-verbrauchende Fähigkeiten, die Flucht, das Blocken, das Digimon austauschen, Items nutzen oder den Auto-Kampf – aber der Reihe nach. Der Angriff ist… der normale Angriff und damit genauso selbsterklärend wie Blocken, die Flucht oder das benutzen von Items. Bei den MP-Fähigkeiten wird es schon spannender. Je nach Digimon habt ihr eben unterschiedliche Fähigkeiten, von Angriffen bis hin zu zum heilen. Die MP sind aber wertvoll und können schon nach wenigen Attacken verbraucht sein, während der Gegner wie üblich natürlich unendlich davon hat.

Beim Auto-Angriff könnt ihr eben das Digimon selbst entscheiden lassen, welche Angriffe es ausführen soll. Und im Normalfall heißt das die stärkste Attacke mit den meisten MP-Kosten auf das schwächste Digimon zu hauen. Das ist zwar durchaus angenehm bei der Anzahl der Kämpfe, aber dementsprechend auch verschwenderisch. Zum Beginn des Spiels ist es jedoch recht egal, da die Kämpfe eher anspruchslos sind und man nach jedem Level-Up, frische HP und MP bekommt, was eben recht fix geht. Als weitere taktische Komponente gibt es auch die bekannten Elemente und Typen. Es gibt Serum, Virus und Datei. Während Virus stark gegen Serum ist, ist es wiederum schwach gegen Datei und so weiter. Hinzu kommt dann noch die Begrenzung der Digimon, man kann also nicht so viele mitnehmen wie man möchte. Man sollte sich also schon bei der Wahl der Digimon eine passende Strategie überlegen.

Neben den Kämpfen gibt es natürlich die oben erwähnten Haupt- und Nebenmissionen, bei denen man mit etwas Geschichte eben herumläuft und herumkämpft. Interessanter ist für einige sicherlich wie das mit den Digimon abläuft. Ihr startet nämlich mit einem und scannt bei jeder Begegnung die Werte des Gegenübers. Beispielsweise steigt der Wert bei Agumon pro Scan um 20%. Sobald ihr 100% erreicht habt, könnt ihr im Digilab dann aus den Daten das Digimon konvertieren und habt dann selbst Agumon, ohne Pokebälle oder ähnliches. Dieses könnt ihr dann entweder durch Kämpfe selbst leveln oder ihr steckt die Digimon in die Farm, bei der sie dann von selbst aufleveln und Zusatzaufgaben erledigen können (härteres Training, Fälle suchen oder Items bauen). Mit jedem Level steigen dann eure Werte und wenn ihr alle Herausforderungen erfüllt habt, könnt ihr es im Digilab entwickeln. Was anfangs schnell geht, wird später recht Zeitaufwändig. Da sich nicht jedes Digimon in jedes andere verwandeln kann, müsst ihr später durchaus planen und sammeln, um sie alle zu Besitzen – was in diesem Fall 320 Digimon sind. Im Gegensatz zum vorherigen Cyber Sleuth wurden einige neue hinzugefügt, auch wenn natürlich nicht alle dabei sind. Aber die bekanntesten wie Greymon, Garurumon, Leomon und Co. sind natürlich mit dabei. Eine Neuerung ist hier jedoch der Digishop, dort könnt ihr für etwas Geld ein paar Einsteiger Digimon erwerben und euch das farmen etwas ersparen.

Gänzlich neu sind jedoch die Revierkämpfe und die Dominanzkämpfe. Beim ersten handelt es sich um einen kleinen Dungeon bei dem es verschiedene Gegner zu besiegen gilt. Aber es sind auch einige Flaggen in der Map verteilt, die es zu erobern gilt. Solange der Gegner nämlich diese unter Kontrolle hat, bekommt man selbst einen Malus wie beispielsweise weniger Schaden oder ähnliches. Nennt ihr alle Flaggen euer Eigen, bekommt eben der Gegner diesen Malus. Besiegt ihr dann noch den Boss des Gebiets, ist die Mission erfolgreich. Beim Dominanzkampf geht es etwas anders zu. Ihr könnt euch das so vorstellen, dass ihr wie bei einem Brettspiel unterschiedliche Felder mit Höhen und Tiefen habt. Im Normalfall könnt ihr pro Schritt zwei Felder überqueren oder eines nach oben. Die Felder haben dann noch eine Wertigkeit von 1, 5 oder 10. Zwei Teams versuchen dann die Felder zu erobern und damit Punkte zu ergattern. Natürlich könnt ihr auch die Felder der anderen erobern, müsst dafür aber alle Digimon des Gegenübers besiegen – jedoch pro Angriffsversuch nur mit je einer Attacke pro Digimon auf beiden Seiten. Diese Fights erfordern dann neben den Kämpfen auch etwas Strategie und sind eine schöne Neuerung. Natürlich ist auch ein online Modus, bei dem ihr gegen andere Spieler antreten könnt, mit dabei und bietet eben die klassischen PvP-Kämpfe im Standard Modus.

→ Digimon Story Cyber Sleuth: Hacker’s Memory ist im Kern ein klassisches, japanisches Rollenspiel mit den üblichen Elementen. Man ist stets dabei herum zu laufen für irgendwelche Quests und kämpft dabei gegen unzählige Gegner. Durch die verschiedenen Digimon hat man neben den Kämpfen auch viel zu sammeln. Aber auch das entwickeln und heranzüchten der Kreaturen macht schon durchaus Spaß und motiviert zum Weiterspielen. Für Spieler des ersten Cyber Sleuths bietet man hier aber nicht allzu viel neues.

Es hat sich nicht viel geändert in der digitalen Welt

Bevor wir zur eigentlichen Optik kommen, gibt es an dieser Stelle nochmal einen großen Kritikpunkt am zweiten Teil. Wer den ersten Teil nicht kennt, dem fällt das natürlich nicht auf, doch es wurden extrem viele Dinge recycelt. Sei es das Menü, die Digimon selbst, die Welt und einige Level inklusive Dungeons oder eben Charaktere. Also auch wenn man über das jährliche FIFA oder Call of Duty meckert, so bieten diese zumindest nicht solch große Parallelen im Jahr-zu-Jahr Vergleich, da ist Hacker’s Memory echt ein Negativbeispiel dafür, wie man als Entwickler Geld sparen kann. Bereits im ersten Teil ist man einige Gebiete mehrmals abgelaufen und auch da sahen sie jetzt nicht so Besonders gut oder Abwechslungsreich aus, aber diese 1:1 nochmal zu verwenden, inklusive dem drumherum, naja, dass ist in gewisser Hinsicht Arbeitsverweigerung – aber neue Spieler werden das sowieso nicht merken, dennoch nicht schön. Kurzum hätte es ein Addon für Teil 1 auch getan. Im Vergleich haben wir in einer kurzen Galerie mal ein Bild aus Cyber Sleuth (2016) und eines von Hacker’s Memory (2018) aneinander gelegt – findet selbst heraus welches welches ist.

Nun zur eigentlichen Optik. Also für ein PlayStation 4 Spiel ist die Optik eigentlich ganz gut und bietet das, was eben auch andere japanische Rollenspiele bieten. Der Fokus der Entwicklung lag wohl eher bei der Implementierung von neuen Digimon und spielbaren Content. Hinzu kommt, dass der Titel auch für PlayStation Vita erhältlich ist und sicherlich mit der gleichen Engine läuft. Es ist also bei weitem kein Augenschmaus wie Final Fantasy oder andere Hingucker aus Fernost, aber das legt dem Spielspaß auch keine Steine in den Weg und man gewöhnt sich nach gewisser Zeit daran. Die hin und wieder mal zu sehenden Zwischensequenzen sind dafür aber optische Hingucker und machen vieles wett.

Akkustisch ist der Titel passend zum Hacker-Setting und kommt daher mit elektronischen Sound und etwas moderner Melodien daher, was auch echt nicht schlecht klingt. Ansonsten gibt es wie üblich die japanischen oder englischen Stimmen mit deutschen Untertiteln zu hören, im Vorgänger musste man noch englische Texte lesen. Hacker’s Memory wäre auch perfekt als entspannendes Spiel für Zwischendurch, bei dem man einfach mal paar Digimon sammelt und andere erledigt und dabei Musik hört. Nur blöd, dass die Kämpfe stets die Musik unterbrechen und neu starten lassen und man daher 1000-mal nur den Anfang hört. Also ganz einfach die eigene Musik via Spotify oder USB-Stick hören? Nein. Denn es ist eines dieser Spiele, welche externe Quellen blockiert, was echt unverständlich ist für so ein Farm-Spiel und wenn man die Wahl zwischen Spiel-Sound und eigener Musik hat, dann fällt bei mir eindeutig die Wahl auf die eigene Musik, da man durch die Texte eh nichts vom Spiel verpassen kann. Ansonsten gibt gibt es mit 100+ Stunden sicherlich das ein oder andere zu tun im Spiel, sei es auch nur das Sammeln aller Digimon.

Fazit – Eine Kopie ist nicht immer unbedingt besser

Fans und Spieler des vorherigen Digimon: Cyber Sleuth wissen schon davor was einen erwarten wird, nur gibt es jetzt noch etwas mehr davon und die ein oder andere Neuerung. Die Geschichte ist zwar weder komplett neu, noch setzt sie irgendwelche Maßstäbe, aber ist dennoch interessant genug um dran zu bleiben. Beim Gameplay erwarten Fans von japanischen Rollenspielen eben genau das, was sie eben erwarten – nur vielleicht weniger anspruchsvoll als bei anderen Vertretern. Die Optik ist ganz gut, aber auch hier nichts unbedingt Besonderes. Das recyclen von vielen Elementen ist natürlich alles andere als schön und sollte hoffentlich im möglichen Nachfolger vermieden werden.

Insgesamt ist Digimon Story: Cyber Sleuth – Hacker’s Memory auch so wie es klingt: An sich nichts Besonderes und keine versteckte Videospiel Perle zum Anfang des Jahres. Fans von JRPGs oder Digimon Spielen können hier zugreifen und viele Stunden Spaß haben, alle anderen können sich getrost anderen Spielen widmen, so hart wie es auch klingt. Wenn ihr aber unbedingt Pokémon spielen wollt, aber keine Nintendo Konsole euer Eigen nennt, dann kommt ihr mit dem Spiel so nah wie sonst gar nicht.

Digimon Story: Cyber Sleuth – Hacker’s Memory Testbericht

Digimon Story: Cyber Sleuth – Hacker’s Memory

  • Release: 19.01.2018
  • Genre: 3rd Person Action, Rollenspiel
  • Entwickler: Bandai Namco, Media.Vision
  • Publisher: Bandai Namco

Gutes

+ Neue Geschichte mit vielen Aufgaben
+ Viele zusätzliche Digimon
+ Erweiterte Spielmodi

Schlechtes

- Nebenmissionen bieten wenig Mehrwert
- Optik nichts besonderes
- Viele Elemente aus dem Vorgänger recycelt

7.2 / 10 Gut

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