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Die Sims 3 – Review

Artikel von | 31.10.2010 um 00:00 Uhr

Es ist eines der erfolgreichsten Computerspiele aller Zeiten. Dabei scheint es so simpel zu sein. Was ist realistischer als das Leben selbst? Eine Simulation aller Bedürfnisse und Dränge der Menschen bietet Die Sims seit vielen Jahren auf dem PC. Es hat drei Auskopplungen und unzählige Addons gebraucht, bis Electronic Arts die brabbelnden Vorstadtbewohner endlich auf der Konsole hat einziehen lassen. Ob die Befriedigung des Harndrangs ein ähnlich fesselndes Erlebnis sein kann wie auf dem PC, untersucht für euch PS3inside.

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Baukasten

Wir basteln uns einen Menschen. Wofür Gott nach alten Überlieferungen sechs Tage benötigt haben soll, braucht der versierte Konsolenspieler lediglich ein paar Minuten. Der Setzkasten lässt von Kopf bis Fuss alles verändern. Steht der Adonis-Körper, sind Kleidung und Accesoires zu einem stimmigen Outfit zu wählen. Nachdem die gefühlten letzten Stunden vor dem Kleiderschrank verbracht wurden, sind Bedürfnisse und Macken des Familienmitglieds festzulegen. Daran bemisst sich die Zukunft des Sims. Ein superintelligenter Workaholic hat erfahrungsgemäß bessere Karrierechancen als die stetig müde Couch-Potato. Vom Kleinkind bis zum alten Greiß kann jeder Lebensabschnitt erstellt werden. Zu Beginn sollte außerdem gewählt werden, ob die Pixel-Figuren altern und irgendwann unter der Erde landen sollen. Besonders bei sehr jungen Spielern könnte es sonst zu traumatischen Erlebnissen führen, die beim Abendbrot diskutiert werden müssen bis der Sprößling begreift, dass am Ende eben nicht der Sensenmann persönlich kommt. Mit diesen Grundeinstellungen kann also die Bilderbuchfamilie ihr Leben beginnen. Bis zu sechs Mitglieder können in einer Großfamilie zusammengefasst werden. Hier wird jedoch die erste Warnung ausgesprochen. Je mehr Mitglieder eine Familie hat, desto mehr Sims wollen verwaltet und gefüttert werden. Hier ähnelt Die Sims 3 dem wahren Leben detailgetreu. Dem Anfänger sei also erst einmal zu einem Single-Dasein geraten. Die fertige Familie muss jetzt noch sesshaft werden. Das persönliche Budget reicht zu Beginn des Spieles regelmäßig noch nicht für die Vorstadtvilla mit Blick auf den See. Frei nach der Redensart: „Zuhause ist, wo man sich wohlfüllt“, können die eigenen vier Wände umgestaltet und liebevoll mit Möbeln und jeder Menge Nippes zugestellt werden. Die Ausstattung an Kleidung und Gegenständen entspricht natürlich nicht einmal annährend der Möglichkeiten, derer sich die PC-Spieler bedienen können. Trotzdem kann sich die Grundausstattung sehen lassen. Der Spieler selbst kann außerdem eigene Kreationen erstellen und veröffentlichen. Gleichzeitig können die Werke anderer Sims-Fans heruntergeladen werden. Es bleibt also zu hoffen, dass sich Klamotten und Schuhe zukünftig anhäufen werden und so für genügend Nachschub gesorgt wird.

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Thats Life

Der Grundstein ist gelegt und von nun an muss Familie Mustermann im wahren Leben bestehen. Moonlight Bay ist der Name der fiktiven Stadt, in der die Sims schalten und walten. Im Live-Modus gehen die Familienmitglieder ihren alltäglichen Tätigkeiten nach. Während traditionell der Mann des Hauses für den Lebensunterhalt sorgt, kümmert sich die Frau um die Kinder, das Essen und den Haushalt. Die Freizeit verbringen alle wieder fröhlich miteinander und so kann das Spießbürger-Dasein bis zum Lebensende oder alternativ unendlich fortgeführt werden. Die Karriere-Leiter wird erklommen, im Bau- und Kauf-Modus können bei steigender Liquidität die Annehmlichkeiten des Lebens erworben und das Heim verschönert werden. Auf dem Höhepunkt der Karriere wird ein neues Haus gekauft und die Familie knüpft neue Kontakte zu Nachbarn und der High Society von Moonlight Bay. Es geht aber auch anders. Familie Flodder mit mottenzerfressenen Klamotten und schulpflichtigen Punkern ist ebenso möglich wie das lesbische Ehepaar ein paar Häuser weiter. Die sozialen Möglichkeiten sind schier unendlich. Und so kann in dem äußerlich aalglatten Städtchen ein Sündenpool aus Affären und Arbeitslosigkeit schlummern. Der Spieler hat es in der Hand. Wenn das berufstätige Familienoberhaupt beispielsweise eine Karriere als Schriftsteller einschlägt, werden seine Werke nach Veröffentlichung in der örtlichen Bibliothek angeboten. Sämtliche Aktionen wirken sich auf das Miteinander in dem beschaulichen Städtchen aus. Während der Spielspaß aufgrund der langen Familiengründungsphase zu Beginn noch eher schleppend aufkommt, entwickelt sich nach regelmäßiger Konsultation der virtuellen Lebenswelt ein regelrechter Suchtfaktor.

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Kommonsnala

Wer zum ersten mal das Sims-Universum betritt, wird vom merkwürdigen Gebrabbel der Kleinstadt-Bewohner vermutlich verwirrt sein. Eine Konversation der Darsteller hört sich an wie die Teletubbies auf Speed. Die eigens entwickelte Sprache ist eine Mischung aus verschiedenen Dialekten. Der Sinn der unverständlichen Auswürfe erschließt sich dem Spieler durch Tonfall und Gestik der Charaktere. Zusätzlich bebildert ein Symbol über dem Kopf des Redners seine persönlichen Empfindungen. So merkwürdig die Sprache zu Beginn auch sein mag. Nach einer gewissen Spieldauer ertappt man sich dann selbst dabei, die häufigsten Laute seiner digitalen Familie zum Besten zu geben. Der Sims-Slang ist witzig und hat inzwischen absoluten Kult-Faktor. Zusammen mit der Hintergrundmusik vergehen die Stunden in der virtuellen Nachbarschaft wie im Flug. Die Grafik ist nicht ganz so revolutionär wie der Sound. Fotorealismus ist was anderes. Hier unterscheidet sich die Lebenssimulation tatsächlich von der Wirklichkeit. Die Grafik ist zweckmäßig, wie auch auf dem PC. Die Sims 3 ist darauf ausgelegt, flüssig zu laufen. Für feine Äderchen auf der Stirn der Figuranten und spiegelnde Wasseroberflächen ist kein Platz. Trotzdem ist das kein Negativ-Aspekt. Die Comic-Darstellung stellt den Spieler auf gute Laune ein. Lediglich gelegentlich auftauchende Ruckler und lange Ladezeiten trüben den Spielfluss.

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Nach dem Pinkeln Hände waschen!

Der linke Analogstick ersetzt den Mauszeiger. Wird damit ein Bewohner oder Gegenstand durch Drücken der X-Taste markiert, öffnet sich ein Optionsmenü, worin alle derzeit möglichen Aktionen angezeigt werden. Mit dem rechten Analogstick werden Kamerawinkel und Zoom-Faktor frei geregelt. Mittels RB und LB kann zwischen den Bedürfnissen und Wünschen der Sims gewechselt werden, sodass relativ komfortabel alle Funktionen zu erreichen sind. Die Geschwindigkeit kann ebenfalls dem Stress-Faktor zwischen Pause und Vorlauf angepasst werden. Grundbedürfnisse wie Hunger, Schlafen, Spaß und Hygiene werden traditionell in Balkenform angezeigt. Sind alle Balken im grünen Bereich, kann sich einem anderen Bewohner gewidmet werden. Der erste Teil der Sims auf den PC war dadurch gekennzeichnet, dass wirklich jeder Handschlag vom Benutzer manuell ausgeführt werden musste. Bei Die Sims 3 ist das nicht mehr nötig. So drückt der Darsteller beispielsweise automatisch die Spülung nach dem Toiletten-Gang. Da sich danach der Hygiene-Balken im Abschwung befindet, sollten Wasser und Seife benutzt werden. Die Bewältigung des Alltags bedarf einer gewissen Eingewöhnung. Mit ein wenig Übung lassen sich die Sims aber komfortabel steuern und wenn das Handling erst einmal verinnerlicht ist, steht dem Spielspaß nichts mehr im Wege. Einschnitte gab es im Bereich der Online-Konnektivität. Bei der PC-Fassung können sich Spieler weltweit vernetzen. Gemeinsames Schach-Spielen, Chillen im Park, Tanzen auf den Parties und miteinander Chatten bleibt dem Konsolenspieler verwehrt. In Zeiten der sozialen Netzwerke bietet Die Sims dafür die optimale Plattform. Auf der Konsole ist das Spiel aber leider noch nicht so weit und so müssen wir uns mit stupiden Gesprächen der KI abgeben. Der Online-Part beschränkt sich darauf, die erstellten Gegenstände und Figuren hochzuladen. Electronic Arts hatte genug Zeit, diese Features einzubauen. Auch wenn Die Sims 3 insgesamt einen guten Eindruck macht, hinterlässt dieses Manko eine Lücke und wer die Wahl hat, wird den vollen Spielumfang am PC der Konsolenversion vermutlich vorziehen. Hier besteht Nachbesserungsbedarf, besonders weil EA dann wirklich ein Druckmittel hätte, seinen Online-Pass an den Mann zu bringen. So kann der Käufer einer gebrauchten Version der Sims bislang sein Geld sparen. Der Online-Part ist es noch nicht wert.

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Bereit für die Konsole

Es hat lang genug gedauert bis die Sims auf der Konsole angekommen sind. Jetzt ist es soweit und es ist wahrscheinlich, dass zukünftige Erweiterungen und Neuauflagen für ebensoviel Spielspaß sorgen werden, wie sie es bei der PC-Gamer-Gemeinde schon seit Jahren machen. Steuerungsbedingt mussten die Möglichkeiten auf der Playstation 3 ein wenig beschnitten werden und der Netzwerkpart würde die Fan-Community zusammenschweissen. Darauf hat EA aber vorerst verzichtet. Der Neueinsteiger wird aber nichts vermissen. Spieler, die seit Jahren mit den Sims auf dem PC ihr Leben gestalten, werden vermutlich nicht zur Konsolenversion greifen. Dafür ist die PC-Auskopplung fast schon zu perfekt. Der Einstieg auf der Konsole ist Electronic Arts allerdings gelungen. Und wenn das Spielprinzip beibehalten, stellenweise noch perfektioniert und mit mehr Netzwerkfunktionen komplettiert wird, könnte Die Sims in Zukunft auch auf der Konsole zu einer echten Erfolgsgeschichte werden.

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Die Sims 3 Testbericht

Die Sims 3

  • Release: 28.10.2010
  • Genre: Simulation
  • Entwickler: Electronic Arts Canada
  • Publisher: Electronic Arts

Gutes

Gute Portierung
Durchdachte Steuerung
Toller Sound

Schlechtes

Geringer Netzwerkpart
Verbesserungswürdige Grafik
Lange Ladezeiten

7.5 / 10 Gut

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