Die Schlümpfe 2 – Review

Getestet von | 04.08.2013 um 17:50 Uhr

Sie dürften in den Kindheitserinnerungen vieler Leser abgespeichert sein: Les Schtroumpfs, The Smurfs oder eben auch Die Schlümpfe. Es gibt sie bereits seit den 1950er Jahren, doch sie verpassten keinen Trend und sind in diesem Jahr in ihrem zweiten 3D-Animationsfilm im Kino zu sehen. Ubisoft und Sony Pictures wollen Kinder und begeisterte Fans auch mit einem passenden Videospiel dazu beglücken. Bei dem amerikanischen Studio WayForward entstand die Versoftung, die wir genauer unter die Lupe genommen haben.

Aufruhr in Schlumpfhausen

Die Schluempfe 2Die Handlung von Die Schlümpfe 2 ist deutlich an den Kinofilm angelehnt: Der böse Zauberer Gargamel möchte an die magische Schlumpf-Essenz gelangen, wozu er Hauie und Zickie erschafft, die wie Schlümpfe aussehen, aber äußerst blass sind. Doch das genügt nicht, um an die Essenz zu kommen: Gargamel benötigt einen “echten” Schlumpf. Sein Opfer heißt Schlumpfine, die er zunächst nach New York und dann nach Paris entführt.
Wie im Film machen sich zunächst Papa Schlumpf, Clumsy, Muffi und Beauty auf den Weg, um Schlumpfine und auch die restlichen von Gargamel gefangenen Schlümpfe zu befreien. Auf diese Mission könnt ihr mit bis zu vier Spielern gehen. Im Verlauf des Spieles befreit ihr einerseits storybedingt weitere Schlümpfe, die ihr dann auch spielen dürft, wobei jeder Schlumpf eine eigene Sonderfertigkeit hat. Andererseits befreit ihr auch durch das Sammeln von Münzen, die in den Leveln verteilt sind, weitere Schlümpfe, die dann jedoch nur nach Schlumpfhausen zurückkehren und nicht spielbar sind.
Die Story wird in die Schlümpfe 2 durch Zwischensequenzen erzählt, die lediglich aus gezeichneten Standbildern bestehen, insgesamt aber dennoch ganz nett gemacht sind. Sie wurden dabei annehmbar in Deutsch synchronisiert, wobei man sich nicht wundern sollte, wenn die Schlümpfe anfangen Englisch zu sprechen: Hier haben wohl Zeit und Geld für die entsprechenden Synchronsprecher gefehlt. Etwas auffällig ist auch, dass sich die Geschichte teilweise selbst widerspricht, denn eigentlich gefangene Schlümpfe tauchen plätzlich doch in Zwischensequenzen auf.
Eure Reise führt euch durch sechs Welten, die teilweise dem Film entnommen sind. Darunter sind ein finsterer Wald, Paris und New York. Zumindest für die rein optische Abwechslung ist also gesorgt. Beim Gameplay sieht es leider nicht ganz so rosig aus.

Kindgerecht… Oder einfach nur lahm und nervig?

Die Schluempfe 2In seinem Gameplay lehnt sich Die Schlümpfe 2 ganz eindeutig an die klassischen 2D Plattformer bzw. Jump’n’Runs an. Wer weiß, wie Super Mario Bros. funktioniert, hat dieses Spiel schon verstanden: Ihr hüpft über Plattformen, Gegner aller Art werden per Draufspringen erledigt. Einsammeln könnt ihr Schlumpfbeeren, die eine Art Lebensanzeige sind und für deren Anzahl am Ende des Levels Punkte vergeben werden, Schlumpfbeerensaft, der nach der Aufnahme von fünf Portionen den Tiefblau-Modus aktiviert und euch die doppelte Anzahl an Schlumpfbeeren liefert, Münzen, mit denen ihr weitere Schlümpfe freischaltet, Pilze, die es euch ermöglichen, euch selbst oder eure Mitspieler wiederzubeleben, und Kronen, die euch für kurze Zeit unverwundbar machen.
Die Level sind so ausgelegt, dass ihr sie auf alle Fälle mehrfach und mit verschiedenen Schlümpfen (entweder nacheinander, wenn ihr alleine spielt oder gleichzeitig im Team) meistern müsst, denn sie enthalten allerlei Geheimnisse, die ihr teilweise nur mit Aufmerksamkeit findet oder für die ihr die Sonderfertigkeiten der Schlümpfe benötigt: Muffi kann beispielsweise Felsblöcke auf dem Boden zerstören, McTapfer zerstört die gleichen Blöcke, die sich seitlich oder oberhalb von euch befinden. Zudem gibt es auch noch Herausforderungen, die ihr für jedes Level bestehen könnt, beispielsweise keinen oder alle Gegner besiegen.
Die Schluempfe 2Das alles klingt nach einem gelungenen Abenteuer, doch leider ist alles nichtmal halb so spannend, wie es den Eindruck macht. Bei uns überwogen beim Spielen zwei Eindrücke des Spieles: Es ist lahm und langweilig. Die Spielfiguren bewegen sich mit unglaublicher Gemütlichkeit, und für ein Jump’n’Run muss man kaum etwas leisten, da man Gefahren immer rechtzeitig sieht und nie schnell reagieren muss. So langsam, wie sich die Schlümpfe bewegen, wäre das aber eben auch ziemlich unmöglich.
Man kann die oben genannten Punkte auch als “kindgerecht” interpretieren. In gewisser Weise ist das Spiel kindgerecht, denn auch die Steuerung ist wirklich einfach und schnell erlernt: Man braucht bloß den linken Stick zum Laufen, X zum Springen (was leider nicht immer einwandfrei funktioniert) und das Viereck zum Auslösen der Sonderfertigkeiten des jeweiligen Schlumpfes. So gar nicht kindgerecht ist dafür der Koop-Modus des Spieles, denn der brachte selbst uns mehrfach zur Weißglut.

Schlumpfige Teamarbeit: Wer schubst jetzt wen?

Die Schluempfe 2Der Koop-Modus ist quasi so etwas wie das Herzstück von Die Schlümpfe 2, denn bis zu vier Spieler dürfen an einer Konsole gemeinsam spielen. Schade bloß, dass das schon zu zweit für Aggressionen sorgen kann, obwohl die Ansätze nichtmal schlecht sind: Im Gegensatz zu vielen anderen Spielen dieser Art rennen die Spielfiguren nicht durch die anderen durch, sondern stoßen aneinander. Zudem spürt man, selbst wenn man mit Sicherheitsabstand voneinander springt, den Luftstoß des anderen, der einen durchaus auch mal von einer Plattform stoßen kann.
Auch wenn das im Grunde ganz realistisch ist, tut die teilweise schlechte Kollisionsabfrage ihr Übriges dazu, dass der Spielspaß zum Teil gänzlich genommen wird. Wir hatten mehrfach während des Spielens das Problem, dass eine Spielfigur weggeschleudert wurde, weil die andere auf der anderen Seite des Bildschirms sprang. In engen Leveln und mit mehreren Gegnern sorgte das dann zudem dafür, dass eine Figur unbeabsichtigt in den Gegnern landete oder einen Abgrund hinterstürzte. Man kann sich ausmalen, wie das dann erst wird, sollte man tatsächlich zu viert unterwegs sein.
Zum Ärgernis hinzu treten diverse Spielemente, die weder im Einzel- noch im Koop-Teil wirklich sinnvoll sind. Tiefblau sorgt für einen netten blauen Rand um den Bildschirm, für den immer wieder gleichen, langweilig klingenden Anfang des Schlumpfliedes in “la-la-la” Form sowie dafür, dass ihr doppelt so viele Schlumpfbeeren erhaltet. Das war’s. Die Beeren wiederum sind nicht viel sinnvoller: Sie bilden eure Lebensanzeige, werdet ihr also angegriffen, braucht ihr mindestens eine, dass ihr nicht sterbt und das ganze Level nochmal machen müsst. Werdet ihr aber getroffen, verliert ihr alle, auch wenn ihr 200 davon hattet. Passiert euch das am Levelende, ist eure Punktzahl im Keller, egal, wie ihr euch vorher bemüht habt, alle zu sammeln.

Technisch ausgeschlumpft?

Die Schluempfe 2Das alles ist sehr schade, denn ganz grundsätzlich ist dem Spiel anzumerken, dass das Grundgerüst für ein gutes Jump’n’Run ganz tief versteckt da ist. Mit mehr Zeit und Budget wäre hier definitiv mehr drin gewesen.
Rein grafisch sorgt Die Schlümpfe 2 nicht für Begeisterung, ist aber auch kein Totalausfall. Die einzelnen Welten sind relativ hübsch gemacht, unterscheiden sich aber in nicht mehr als ihrem Design, das mit statischen Hintergründen auskommt. Insgesamt kommt das Bild ohne größere Fehler wie Flimmern oder Ähnlichem aus, ärgerlich ist aber, dass die Framerate ab und zu einbricht.
Eine ärgerliche Angelegenheit ist der Soundtrack, denn er ist immer gleich und insbesondere Elemente wie das Schlumpflied, das durch Tiefblau ausgelöst wird, geht nach einer Weile gehörig auf die Nerven! Die Synchronisation ist annehmbar, doch die Mischung aus Deutsch und Englisch kommt nicht gut an, zumal die englischen Elemente nicht einmal deutsche Untertitel bekommen haben.

Ein blaues Wunder?

Nein, ganz im Gegenteil: Die Schlümpfe 2 ist leider eine ziemlich traurige Vorstellung. Im Alleingang ist es ein unglaublich lahmes, statisches Jump’n’Run ohne Herausforderung. Im Team ist es wider Erwarten genau so lahm, aber noch dazu nervig, da man sich ständig in die Quere kommt. Die Story wirkt gekünstelt, die Gameplayelemente wie die Schlumpfbeeren oder Tiefblau sind beinahe überflüssig, da sie nicht ausgearbeitet wurden. Der durch die zahlreichen Levelherausforderungen relativ ansehnliche Umfang in den sechs Welten, die sich quasi nur durch ihr Design, nicht aber durch ihre Mechanik unterscheiden, bringt da auch wenig. Sehr schade, denn im Grunde merkt man dem Spiel an, dass das Grundgerüst für ein gutes Spiel da ist. Doch dazu hätte es eben mehr Budget und mehr Entwicklungszeit benötigt und nicht den Druck, einen Lizenzschnellschuss zu fabrizieren. Es ist kaum vorstellbar, dass Kindern dieses Spiel Spaß machen könnte. Wir würden Eltern aber auch nicht empfehlen, den derzeit angesetzten Preis von 40 Euro dafür auszugeben.

Gutes

+ Zahlreiche Levelherausforderungen
+ Spezialfertigkeiten der Schlümpfe
+ Einfache Steuerung
+ Lokaler Koop für bis zu vier Spieler...

Schlechtes

- ... der insgesamt für viel Frust sorgen kann
- Lahmes und statisches Gameplay
- Schlimmer Soundtrack
- Vermischung deutscher und englischer Synchronisierung
- Überflüssige Gameplayelemente
- Einbrüche der Framerate

3.5 Ist das eine Alpha?

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