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Die Säulen der Erde im Test – Interaktives Spiel zum Roman

Artikel von | 28.08.2017 um 19:00 Uhr

Im Jahr 1989 erschien der Roman “Die Säulen der Erde” vom britischen Schriftsteller Ken Follett. In der Geschichte des mittelalterlichen Englands folgt man mehreren Personen bei ihrem Leben, während sie ihre Ziele erreichen möchten, jedoch zwischen Machtkämpfen, Ausbeutung und Gewalt gefangen sind. Nach einer Fortsetzung des Romans, folgte ein mehrteiliger Kinofilm und nun, knapp 30 Jahre später, folgt auch das passende Videospiel und wir verraten euch, wie gut der Roman als interaktiver Film funktioniert.

Entwickelt wurde das Videospiel vom deutschen Entwickler Daedalic Entertainment, die allem voran durch ihre Point n Click Adventures bekannt sind und nun einige neue Dinge ausprobieren möchten. Allem voran ist der Titel, wie erwähnt, eher ein interaktiver Film als ein klassisches Spiel. Deshalb ähnelt es in vielerlei Hinsicht den bekannten Adventure Spielen von Telltale. Wir folgen den verschiedenen Charakteren durch unterschiedliche Zeitstränge, bis wir einen Überblick über alles bekommen haben. Ähnlich wie bei Telltale Spielen, erscheint auch Die Säulen der Erde in Episoden. Verfügbar ist das erste von drei Büchern (Episoden), die wiederum in sieben Kapitel unterteilt sind. Wer die erste Episode kauft, bekommt dann auch die anderen beiden hinterher nachgereicht.

Die Säulen der Erde Review Test

Aus der Asche

Wie hart das Mittelalter war, erfahren wir schon zu Beginn des Spiels, bei der die Familie Builder nach einer Reise in eine andere Stadt plötzlich ohne Nahrung und Arbeit in einem verschneiten Wald zu sehen ist. Der Vater, Tom Builder, möchte als Steinmetz seinen Lebenstraum erfüllen und eine Kathedrale und damit etwas für die Ewigkeit bauen. Aber seine Frau ist Schwanger und kurz vor der Geburt, was die Sache nicht einfacher macht.

Gleichzeitig begleiten wir den Mönch Philip bei seiner Reise nach Kingsbridge. Dort möchte er den Prior James sprechen, wird aber schon bei seiner Ankunft mit der Nachricht unterrichtet, dass dieser auf eine merkwürdige Art und Weise gestorben ist. Die Gemeinde ist führerlos und es dauert nicht lange bis Philip merkt, dass etwas nicht stimmt.
Zuletzt haben wir noch Jack, dieser ist ein sogenannter Outlander und ist somit außerhalb einer Stadt aufgewachsen, gerade auch weil seine Mutter nicht gerade positiv gegenüber der Kirche eingestellt ist.

Die Säulen der Erde Review Test

Die Wege kreuzen sich dann, bis letztlich alle beteiligten aufeinander getroffen sind. Auch schon in der ersten Episode des Spiels lernt man die harte Welt des Mittelalters kennen, indem wir von einer Intrige zur nächsten springen. Dabei gibt es allem voran zwischen Politik und Kirche eine Spannung, die für viel Tumult sorgt.

Schon zu Beginn gibt es jedoch erste Probleme, denn es werden Teils Namen und Titel in den Raum geschmissen, die man nicht kennt oder erst noch kennenlernen wird und deshalb etwas verwirrt ist. Allem voran wenn es mal Aufgaben wie „Gib Anhänger Paul den Gegenstand xyz“ gibt und man erst einmal nachdenken muss, wer den Paul ist, wieso hier Stroh liegt und was gerade vor sich geht. Man hält sich aber sehr an die Romanvorlage und erfährt alles Wichtige und muss etwas weniger lesen.

Ähnlich wie bei Telltale Spielen wird der Spieler bei Gesprächen auch öfter vor die Wahl gestellt und kann zwischen einigen Antworten wählen, die dann entweder Folgen haben oder eben nicht. Bei Gegenständen ist das ähnlich, gibt man den Leib Käse den man dabei hat Person Y oder lieber Person Z, weil diese netter ist? Am Ende gibt es dann eine Übersicht mit den getroffenen Entscheidungen und einem Feedback, was einen dann noch einmal über die Taten nachdenken lässt. Große Folgen von Entscheidungen gab es bisher noch nicht wirklich, doch falls das in Episode 2 und 3 Fortgesetzt wird, könnte wohl noch so einiges folgen. Ansonsten wirkt der Anfang wie eine große Einführung zu dem was noch kommen wird und macht einen heiß darauf, auch wenn es noch lange bis zur Fortsetzung dauern wird.

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Ein bisschen Spiel, etwas Roman und ganz viel Film

Kommen wir zum Gameplay. Die Säulen der Erde von Daedalic ist weder ihr klassisches Point n Click Adventure, noch der klassische Film. Wir steuern den jeweiligen Charakter durch die hübschen 2D Landschaften und können dabei mit Personen und Gegenständen interagieren. Dabei können wir entweder zu einem Objekt eine kurze Information vom Charakter erhalten oder den Gegenstand benutzen/ mit der Personen reden. Natürlich ist es auch möglich, Items aus dem Inventar mit jedem Objekt zu kombinieren. Haben wir das angesprochene Stück Käse, wählen das aus und interagieren mit dem Charakter, dann können wir eben den Käse geben oder ihm zum Käse ausfragen, man weiß ja nie welche Wahrheiten da alle herauskommen können.

Viel mehr Gameplay-Elemente gibt es jedoch nicht, klassische Rätsel somit auch nicht. Man muss höchstens mal alle Charaktere abfragen oder mit den Gegenständen interagieren um bei der Geschichte weiter zu kommen, was der klare Fokus des Spiels ist. Um es etwas leichter zu machen, kann der Spieler mit L2 auch alle Hotspots anzeigen lassen und somit sehen, wo er möglicherweise etwas vergessen hat. Somit ist Die Säulen der Erde für einen Action Liebhaber nichts, falls er alle paar Minuten Schusswechsel oder Explosionen sehen möchte, denn hier wird langsam und entspannt eine Geschichte erzählt. Man kann auch entspannt den Controller auf die Seite legen und der Geschichte zuhören und hier und da mal eingreifen, da es öfter mal längere Dialoge gibt und man nur kurz einen Dialog auswählen muss.

Die Säulen der Erde Review Test

Ein Kontrast zwischen bösen Menschen und hübschen Landschaften

Auch wenn Die Säulen der Erde rein Gameplay-technisch wenig beeindrucken kann, so ist die Optik ein echter Hingucker. Viele Hintergründe und Landschaften sind gezeichnet und sehen echt toll aus, was dem Spiel einen einzigartigen Look gibt. Zwar sehen manche Charaktere und andere Elemente etwas grob aus und eher zweckmäßig, doch alles in allem passt es zusammen und wirkt stimmungsvoll. Jedoch kommt hier auch eine weitere Parallele zu Telltale Spielen.

Rein technisch sind beide nicht wirklich das Beste, was Videospiele zu bieten haben. Manche Animationen sind wirklich alles andere hübsch und sind wirken stark hölzern. Besonders die Mundbewegungen passen nicht zum gesagten oder werden gar nicht abgefeuert. Auch von der Performance ist alles etwas träge und besonders der Schnee fällt unsauber herunter und zehrt wohl an der Performance. Beim Sound kann man jedoch wenig Kritik üben. Der Soundtrack ist super und besonders stimmig, auch die Synchronstimmen können größtenteils überzeugen – auch wenn sich die Münder eben nicht passend bewegen macht es die deutschen Stimmen selbst nicht schlechter.

Die Säulen der Erde Review Test

Fazit: Das Fundament ist etwas brüchig

Die erste der drei Episoden von Die Säulen der Erde gibt einen guten Ausblick darauf, was einen noch erwarten wird. Die Geschichte bietet natürlich ein gutes Fundament und es kann daraus noch viel gemacht werden. Bisher wirkt es wie eine große Einführung mit eher weniger Höhepunkten. Man hat schon einige Entscheidungen getroffen, doch die Auswirkungen werden sich dann wohl eher später zeigen, wenn man sie bis dahin nicht schon vergessen hat.

Rein vom Gameplay bietet das Spiel eher wenig und möchte eben den Roman durch ein anderes Medium bekannt machen. Optisch ist der Titel teilweise ein echter Hingucker, technisch eher weniger und nach etwa 5-6 Stunden hat man die erste Episode dann auch schon durch. Zwar bekommt man die anderen Episoden dafür mit dazu, aber vielleicht sollte man lieber etwas warten und danach zugreifen. Wer aber Roman und/oder Film mochte, der wird garantiert auch das Spiel mögen und kann zugreifen. Eine einfache Platin Trophäe sollte mit etwas Mehraufwand und gut platzierten Speicherständen jedoch ohne Probleme bekommen.

Die Säulen der Erde – Episode 1 Testbericht

Die Säulen der Erde – Episode 1

  • Release: 15.08.2017
  • Genre: Adventure
  • Entwickler: Daedalic Entertainment
  • Publisher: Daedalic Entertainment

Gutes

+ Geschichte erzählt und hält sich am Roman
+ Sound ist sehr stimmig
+ Landschaften und Optik sehr ansehnlich

Schlechtes

- Technisch doch eher etwas veraltet
- Spielzeit etwas mager und wenig wiederspielwert
- Entscheidungen haben bisher keinen großen Einfluss

6.8 / 10 Nicht so gut

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