Devil May Cry: HD Collection – Review

Getestet von | 28.04.2012 um 00:00 Uhr

Dass die HD-Collections – Sammlungen von PS2-Klassikern, die technisch aufgewertet werden und neu für Next Gen-Konsolen erscheinen – hoch im Kurs stehen und mittlerweile schon fast am laufenden Band erscheinen, sollte auch der letzte PS3-Spieler bereits mitbekommen haben. Nun steigt auch Capcom ins Geschäft ein und veröffentlicht die ersten drei Teile der „Devil May Cry“-Saga, einer der ganz großen Wunschkandidaten für ein HD-Remake für Gamer auf der ganzen Welt. Inwiefern der Publisher die Erwartungen erfüllen kann und für wen sich besonders ein Blick auf die Kollektion lohnt, erfahrt ihr in unserem Review.

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Auf zur Dämonenjagd!

Vorweg: Wir wollen in unserem Review zur HD-Collection keineswegs alte Kamellen aufwärmen oder euch eine differenzierte, detaillierte Darstellung aller drei Teile präsentieren. Viel mehr wollen wir geschichtliche und spielerische Aspekte eher kurz anschneiden und uns auf das beschränken, was bei einem HD-Remake ausschlaggebend ist: Die technischen Neuerungen und die Anpassung an die neueste Generation.
Die „Devil May Cry“-Collection weicht vom Konzept her in keiner Weise von anderen bisher veröffentlichten Remakes dieser Art ab. An den Spielen selbst wurde nichts verändert, nur technisch verbesserte man das Spielerlebnis ein wenig. Noch immer geht es um den Dämonenjäger Dante, der in allen drei Teilen mit ganz besonderen Herausforderungen konfrontiert wird. Im Debut-Spiel gilt es so beispielsweise, dass Tor von der Menschen- zur Dämonenwelt zu verschließen und somit die Welt vor einer anstehenden Katastrophe zu bewahren. Im zweiten Teil der Saga geht Dante noch einen Schritt weiter und macht sich auf den Weg zum Dämonenkönig, um diesen endgültig zu vernichten. Dass dies nicht ganz ungestört vonstattengeht, versteht sich von alleine. Der dritte – und für die Playstation 2 letzte – Teil führt den Spieler ein Stückchen weiter in die Vergangenheit und erzählt die Geschichte zwischen Dante und seinem Zwillingsbruder Virgil, der im Gegensatz zu Dante keineswegs gegen das Böse agiert und alles daran setzt, Dantes Pläne zu durchkreuzen.
Selbstverständlich sind dies nur die gröbsten aller Story-Schnipsel. Doch alldiejenigen, für die „Devil May Cry“ komplettes Neuland ist, denen sei gesagt, dass sie in ihrer ganzen Hülle und Fülle definitiv zu überzeugen weiß. Auch nach über zehn Jahren – der erste Teil der DMC-Saga erschien im Jahre 2001 – hat die Geschichte keinesfalls an Charme verloren. Dante ist ein durch und durch mysteriöser, aber eben auch dadurch ein sehr interessanter Charakter, der die Spielerfahrung auf ein noch höheres Level hebt. Beim erstmaligen Durchspielen benötigt man für jeden der drei Teile circa zehn Stunden. Möchte man allerdings das komplette Repertoire an Extras und Moves freischalten, so kann man definitiv noch einige Spielstunden obendrauf rechnen.

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Action Hoch 3

„Devil May Cry“ bietet Hack’n Slay Action par excellence. Zu seiner Zeit hat die Saga das Genre noch im Alleingang bestimmt und sämtliche Nachfahren – sei es God of War oder Bayonetta – wurden maßgeblich von den Einflüssen des Halbdämons geprägt. Ausgestattet mit zwei schlagkräftigen Pistolen und einem entsprechend mächtigen Schwert geht es quer durch die einzelnen Levels. Diese sind zwar nahezu linear aufgebaut, unterstreichen aber die große Stärke des Spiels. „DMC“ legt den Fokus komplett auf die Action und kaum ein Moment vergeht ohne kolossale Kämpfe. Der Spieler muss dabei so abwechslungsreiche Kombi wie möglich durchführen und somit den Gegnern das Handwerk legen. Das komplette Spiel – in diesem Fall letztendlich sogar die gesamte Trilogie – über funktioniert dieses Prinzip, da die Entwickler durch einfache, aber genial Kniffe die Motivation des Spielers aufrechterhalten. Zum einen gelingt dies durch das ausgefallene Gegnerdesign, das immer wieder aufs Neue überrascht und die bizarrsten Kreaturen mit sich bringt. Zum anderen birgt das Kombosystem eine echte Herausforderung, immer die interessantesten, effektivsten und bestaussehenden Angriffe durchzuführen. Unterstützt wird dies noch durch die Aufwertung der eigenen Waffen, durch die ein immer flexibleres und abwechslungsreicheres Kämpfen möglich gemacht wurde.
Im Laufe der Saga hat sich nicht viel verändert, das Grundgerüst blieb in der traditionellen Form stehen. Dieses Gerüst fällt aber zu keinem Zeitpunkt zusammen und kann immer wieder neu anspornen. Der anspruchsvolle Schwierigkeitsgrad und die kleinen, aber feinen Verbesserungen, die von Teil zu Teil vollzogen wurden, runden das Spielerlebnis perfekt ab. Die Spielumgebungen wurden beispielsweise immer ansprechender gestaltet und die Bosskämpfe sind jedes Mal aufs Neue eine knackige Herausforderung.

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Pimp my Devil May Cry

Spielerisch war „DMC“ das Maß aller Dinge – das wussten Veteranen der Serie schon lange und auch Neueinsteiger sollten sich dessen nun bewusst sein. Und auch heute funktioniert das simple Action-Spielprinzip noch einwandfrei, besonders da es dank der aktuellen Next Gen-Konkurrenz noch immer gut im Gedächtnis der Spieler ist. Technisch macht die Collection alles in allem auch eine gute Figur. Der neue, optimierte HD-Look inklusive 16:9 Bildformat steht der Trilogie sehr gut und nur einige wenige Texturen lassen letztendlich zu wünschen übrig. Dass solch eine Kollektion grafisch nicht mit aktuellen Titeln mithalten kann, ist klar, doch die Entwickler haben alles gegeben, um die Spielgrafik aufzupeppen. Fragwürdig ist die Entscheidung, Menüs und CG-Videos in ihrer alten Form zu belassen und keineswegs zu verbessern. Dass fängt in der reinen Optik an und hört im Bildformat auf. Keiner der drei Teile bietet wirklich angenehmes Popcorn-Kino für Zwischendurch. Auf weitere große Extras wie 3D-Support wurde ebenfalls verzichtet – lediglich kleine Boni wie eine Artwork-Sammlung werden dem Spieler vorgesetzt.
Man beschränkte sich bezüglich der Technik-Neuverwertung also auf das nötigste, setzte dies aber mehr als passabel um. Das Alter der Spiele – vor allem Teil 1 & 2, die grafisch bei weitem dem dritten Teil hinterherhängen – merkt man selbstverständlich auch in dieser Kollektion aus dem Jahre 2012 an. Doch alles wirkt ein wenig feiner, ein wenig detaillierter – ein wenig „Next Gen“ eben. Konsequentere Verbesserungen in Punkto Zwischensequenzen wären aber ebenfalls mehr als nötig gewesen, um den anspruchsvollen Spielern des 21. Jahrhunderts gerecht zu werden.

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Alter Schinken in neuem Gewand?

„Devil May Cry“ ist keineswegs als „alter Schinken“ abzustempeln. Viel mehr ist „DMC“ ein Stück Videospielgeschichte und Mitbegründer eines Videospielgenres, das von den Konsolen überhaupt nicht mehr wegzudenken ist. Eine HD-Collection war also nur eine Frage der Zeit und schon im Vorhinein war klar, dass da nicht viel falsch laufen kann. Der spielerische Grundstein war gelegt und nur die Technik musste sich einer wahren Prüfung unterziehen. Und die Fangemeinschaft sollte Recht behalten: Die Trilogie bietet weit mehr als 30 Stunden Hack’n Slay-Spielspaß mit anspruchsvollem Schwierigkeitsgrad und langanhaltender Motivationskurve. Selten erhält man für solch einen verhältnismäßig billigen Preis solch eine Unterhaltung. Grafisch und technisch muss sich „DMC“ aber der ein oder anderen bisher erschienenen Kollektion geschlagen geben. Die Spielgrafik selbst weiß zu überzeugen und passt sich gut dem Niveau an, was wir bereits von HD-Collections gewohnt sind. Unverständlich hingegen ist die Entscheidung, Menüs und Zwischensequenzen nicht anzutasten und auf altem Stand – inklusive veraltetem Format – zu belassen. Nicht selten trübt dies das Gesamtbild. Doch sowohl Fans der Saga rund um Dante, als auch Neueinsteiger sei gesagt: Die „DMC“-Collection darf in keiner Genre-Sammlung fehlen und macht vieles richtig und wenig falsch – so wie man es vom Dämonenjäger gewohnt ist.

Gutes

+ motivierender Spielverlauf
+ zeitloses Spielprinzip
+ knackiger Schwierigkeitsgrad
+ passable HD-Umsetzung...

Schlechtes

- ...die leider auch stärkere Schwächen mit sich bringt

8.5 Sehr gut

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