Detroit: Become Human im Test – Zwischen Realität und Spiel

Getestet von | 29.05.2018 um 19:57 Uhr

Nachdem Quantic Dream 2013 Beyond: Two Souls damals noch für die PlayStation 3 veröffentlicht hat, haben die Entwickler ein Jahr zuvor noch eine Tech Demo mit dem Namen Kara vorgestellt. In diesem Video soll gezeigt werden, dass auch eine Maschine Gefühle entwickeln kann, die den Menschen ähneln. Einige Jahre später wurde die Demo zu einem Spiel und Detroit: Become Human soll den drohenden Konflikt zwischen Maschinen und Menschen in der Zukunft aufzeigen. Wie gut das klappt, erfahrt ihr in unserem Test.

Detroit Become Human PS4 Review Test

Ein Blick in eine gefährliche Zukunft

Vor etwas über 100 Jahren gab es durch eine Revolution in der Produktion von Automobilen einen Aufschwung in der US-Stadt Detroit. Für Jahrzehnte war die Stadt damit der Mittelpunkt für Fahrzeuge und somit Technologie Vorreiter. Im Jahr 2038 hat die Metropole erneut die Augen der ganzen Welt auf sich gerichtet. Doch statt Autos, sind es jetzt Androiden die im Fokus stehen. Diese Szenario sagt zumindest Detroit: Become Human von Quantic Dream voraus. Eben jene Androiden ändern das Leben für die Menschen komplett. Seien es Bauarbeiter, Babysitter oder Altenpfleger – nahezu jeder Job kann von einem Androiden erledigt werden. Sie werden nicht müde, machen keine Fehler und beklagen sich nie. Auch wenn sie wie Sklaven behandelt werden, sind es für die meisten Menschen einfach nur Maschinen, nichts weiter als ein bewegendes und menschlich aussehendes Smartphone. Natürlich ist nicht jeder Android glücklich über dieses Leben. Diejenigen, die sich ihrer Programmierung widersetzen, werden Abweichler genannt und ihre Anzahl steigt. Und genau an diesem Punkt setzt die Geschichte von Detroit: Become Human an.

Der Spieler erlebt die Geschichte jedoch aus drei Blickwinkeln. Angefangen mit Connor, einem Androiden der Polizisten unterstützt. Er spezialisiert sich dabei auf Abweichler und möchte versuchen zu verstehen, warum es den Androiden gelingt, sich gegen ihre Besitzer zu wenden. Er soll diese Revolution stoppen, indem er gegen seine eigene Rasse ankämpft.
Als nächstes gibt es Markus, einen Androiden der als Altenpfleger für Carl zuständig ist. Dieser ist zwar unter der Hüfte gelähmt, führt jedoch als Künstler ein gutes Leben. Dies hat er Markus zu verdanken, den er auch mehr als Menschen, denn als Maschine behandelt. Mit diesem Gedanken in sich, wird er später mit schweren Entscheidungen konfrontiert, welche die Zukunft über das Miteinander von Androiden und Menschen verändern können.
Zuletzt haben wir noch Kara, die nach einer Reparatur zu ihrem ehemaligen Besitzer und seiner Tochter zurückkehrt. Dieser ist jedoch Drogenabhängig und arbeitslos und hat sich selten unter Kontrolle, worunter auch sein Kind leidet. Der Spieler muss sich also entscheiden, ob er dem Besitzer gehorcht oder eingreift. Dieser Pfad ist eine emotionale Achterbahnfahrt und soll zeigen, dass auch eine Beziehung zwischen einem Menschen und Androiden möglich ist.

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Jeder der drei Geschichten zeigt einen anderen Aspekt dieses Konflikts. Interessant sind sie ohnehin alle, nur wird jeder sicherlich einen Pfad haben den er interessanter als die anderen findet. Was die Entwickler aber schaffen, ist eine überaus realistisch wirkende Geschichte zu erzählen, die in der Zukunft zumindest in Ansätzen so passieren könnte. Außerdem baut man als Spieler mit der Zeit eine emotionale Bindung zu den tollen Charakteren auf und ist sehr in die Geschichte involviert. Wir haben uns beim Spielen öfters mal dazu gezwungen gefühlt kurz Pause zu drücken und nachzudenken, da man sich sonst oft unter Zeitdruck entscheiden muss. Wichtig ist auch, dass eure Aktionen einen Einfluss auf andere Charaktere und die Umwelt haben. Falls ihr immer die aggressive Vorgehensweise wählt, kann es einem eurer Begleiter vielleicht gefallen, während ein anderer dann einen gewissen Hass auf euch schnürt. Das schaltet dann eine gewisse Vorgehensweise für das spätere Spiel entweder frei oder sperrt sie. Dementsprechend gibt es auch viele Möglichkeiten, die sich in der Geschichte wiederspiegeln.

Natürlich gibt es auch einige Klischees die in der Story bedient werden, einfach nur ein Mittel zum Zweck sind und man schon öfters erlebt hat. Angefangen damit, dass es natürlich auch eine gewisse parallele zu Terminator und anderen Science-Fiction Geschichten gibt. So realistisch und menschlich wurde eine Geschichte aber selten erzählt, vermutlich auch weil man eben keinen Film schaut, sondern selbst beteiligt ist. Jede Aktion kann Folgen haben und sobald einem das bewusst wird, überlegt man noch intensiver welcher der richtige Weg ist. Es gibt zwar einige mögliche Enden, abhängig von euren Entscheidungen, aber der Weg dahin ist sicherlich für jeden Spieler einzigartig. Erwarten werden euch aber auch so einige Twists und spannende Momente, die entweder super gemacht wurden oder euch überraschen werden. Welche? Das müsst ihr schon selbst herausfinden. Denn Quantic Dream hat nun noch deutlich mehr Entscheidungen, alternative Pfade und Game Over Möglichkeiten im Vergleich zu den Vorgängern eingebaut. Was man auch am Gameplay merkt.

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Quick-Time-Event Spaß mit Androiden

Der Spieler wechselt nach nahezu jeder Mission den Charakter und erlebt eine Geschichte dreier Androiden zur gleichen Zeit. Im Gegensatz zu anderen Einzelspieler Erlebnissen, läuft die Story hier jedoch nicht ganz so linear ab. Dabei hängt alles von euren Entscheidungen und Spielweise ab. Findet ihr Objekt X nicht, dann könnt ihr logischerweise die Person dann nicht damit konfrontieren. Gleiches gilt für Dialoge, wenn ihr Person XY vorher provoziert habt, dann wird eine Taktik um ihn zu überzeugen auch weniger erfolgreich sein. Um euch das zu erleichtern, gibt es beim Drücken von R2 nun eine kleine Hilfe. Dabei wird die Zeit angehalten und ihr könnt Objekte und Personen in der Nähe sehen, die eine Interaktivität bieten. Zwar ist das keine Garantie dafür, dass ihr alles findet, aber eine große Hilfe. Die Möglichkeiten danach sind natürlich begrenzt, hier mal etwas anschauen, eine Person ansprechen oder einen Gegenstand mitnehmen, alles natürlich nur innerhalb eines gewissen Rahmens. Das ändert nichts daran, dass die Geschichte viele Abzweigungen und Möglichkeiten bietet, aber wie das Ablaufdiagramm nach jeder Mission anzeigt, gibt es viele optionale Ereignisse neben den großen Entscheidungen.

Das Ablaufdiagramm ist auch die große Neuerung im Vergleich zu den vorherigen Quantic Dream Spielen. Schon zuvor gab es unzählige Optionen, jetzt werden sie aber nach jeder Mission angezeigt. Dadurch wird einem erst bewusst, wie riesig Detroit: Become Human eigentlich ist. Neben Gegenständen und anderen optionalen Ereignissen, werden dort dann auch besonders wichtige Dialogoptionen und Entscheidungen angezeigt. Eine Szene kann damit auf vielen arten enden, natürlich auch mit dem Tod von Charakteren. Beim Spieler sorgt das dann dafür, dass er sicherlich auch gerne die anderen Pfade sehen will und ein großer Wiederspielwert entsteht. Hinzu kommt noch, dass es eine Weltweite und eine Freundes Statistik gibt. So kann gut nachverfolgen, wie aufmerksam man beim Spielen war oder wie die anderen sich in wichtigen Momenten entschieden haben. Das war für uns immer ein sehr aufregender Moment nach jeder Mission, denn Statistiken sind immer super, vor allem so ausführliche.

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Im Kern blieben sich Quantic Dream mit Detroit: Become Human aber treu. Es ist kein klassisches Spiel, dessen Gameplay nun zwingend im Fokus steht. Wichtiger sind die Geschichte, Emotionen, die Charaktere und die Entscheidungen. Daher ist auch das Gameplay recht simpel. Man geht meist einen bestimmten Bereich ab und interagiert mit Objekten. Hier mal kurz etwas untersuchen, dann mal ein Quick-Time-Event oder kurz eine Entscheidung treffen. Abgesehen von den Quick-Time-Events sollte auch kaum einer wirklich Probleme beim Spielen haben – im Notfall kann man auch den Schwierigkeitsgrad in solchen Momenten anpassen und sich nur noch auf die Geschichte konzentrieren. Rätsel gibt es zwar so gesehen einige, aber das Spiel nimmt einem da schon sehr viel ab. Wichtiger ist das finden von Objekten, das kombinieren dieser übernimmt dann euer Charakter zum Großteil. Sowas wie Auto fahren oder mit einer Waffen schießen gibt es zwar, im Gegensatz zum Rennen, aber ist meist nur durch das drücken einer Taste erledigt. Es gibt zwar auch Actionreiche Szenen, die eine super Abwechslung sind, dann aber dennoch linear ablaufen und von Quick-Time-Events unterstützt werden.

Wer schon früher mit solchen Spielen wenig Spaß hatte und Action statt Gespräche braucht, für den wird Detroit beim Gameplay auch wenig bieten. Man sollte sich Zeit nehmen und etwas ruhiger ran gehen, wie es auch bei Kamera und Steuerung der Fall ist. Durch das langsame laufen, muss man einfach Geduld mitbringen und vor allem wenn man bestimmte Objekte in einem Raum sucht. Hinzu kommt die Kamera, die dann manchmal etwas eigen ist. Man kann zwar mit R1 die Perspektive wechseln, aber auch das hilft nicht immer, vor allem wenn man mit einem Objekt interagieren will und die Kamera erst einmal ausrichten muss. Das funktioniert mit der Zeit natürlich besser, ändert aber nichts daran, dass es nicht ganz optimal gelöst ist. Ansonsten haben sich die Entwickler einige kreative Möglichkeiten für Quick-Time-Events ausgedacht. Gerade das Touchpad der PlayStation 4 bekam viel Liebe und dadurch hat sich Geschirrspülen noch nie so realistisch in einem Videospiel erleben lassen.

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So realitätsnah wie selten zuvor

Auch wenn man darüber diskutieren kann, wie gut die Geschichte oder Gameplay wirklich sind, so gibt es rein von der Optik wenig zu beanstanden. Detroit: Become Human ist eine der hübschesten Spiele der PlayStation 4. Natürlich hat man auch andere Möglichkeiten, weil man halt keine riesige Open World wie God of War oder Horizon bietet. Dennoch gibt es kein anderes Spiel in diesem Genre, dass auch nur Ansatzweise diese Qualität erreicht. Es sind unzählige Details in der Welt und sie fühlt sich einfach total realistisch an. Die Umgebung ist ein Kunstwerk für sich, dazu kommen dann die Details an jeder Ecke, die unglaublichen Charakter Modelle und auch noch die Grafik-Effekte wie Regen, Schnee oder ähnliches. Sowohl Quantic Dream mit Detroit: Become Human, als auch Sony Santa Monica mit God of War haben gezeigt, dass die PlayStation 4 rein optisch noch einiges an Potential hat. Ich werde das Gefühl nicht los, dass wir so etwas auch wieder bei The Last of Us 2 erleben werden, aber das sehen wir dann.

Wie bei der Grafik, gibt es auch beim Ton wenig zu kritisieren. Alles ist auf einem sehr hohen Niveau und die Musik weiß zur richtigen Zeit Akzente zu setzen und die Stimmung zu unterstützen, auch wenn es nicht unbedingt ein Musikstück gibt, dass einem noch Jahre später im Kopf bleibt. Bei der Sprachausgabe hat man die Wahl zwischen einer grandiosen englischen Sprachausgabe oder der sehr guten deutschen. Beides ist auf sehr hohen Niveau und fördert das realistische Feeling des Spiels.

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Was nur etwas schade bei Dialogen ist, dass man meist nur einzelne Wörter unter Zeitdruck sieht, daraus eben eine bestimmte Antwort ableitet, die dann aber nicht passt und bestimmte Optionen ausschließt. Zu beanstanden gibt es höchstens einige weniger gut gelungene Animationen durch die Steuerung oder kleine Grafik Fehler.

Anzumerken sind noch die vielen Möglichkeiten im Hauptmenü. Neben den Klassikern wie Videos, Charakter-Modelle oder Artworks, gibt es noch paar Besonderheiten. Auf der einen Seite gibt es ein Quiz bei dem man noch einmal über die Aktionen im Spiel nachdenkt und wieder die weltweite Statistik sieht. Dabei handelt es sich um psychologische Fragen, die mit dem Spiel oder Technologie zusammenhängen und ist eine super Idee. Hinzu kommt noch die Möglichkeit jedes Kapitel nochmal an bestimmten Knotenpunkten nachzuspielen, falls man nicht unbedingt noch einmal die ganze Geschichte erneut spielen will. Man kann auch den Fortschritt speichern lassen, der dann den kompletten Ablauf ab diesem Punkt abändern kann. Als letztes gibt es noch Chloe, die einem im Hauptmenü begrüßt und Kommentare gibt. Eine grandiose Idee die noch mehr Interaktivität bietet. Sobald sie einem zu einer Aktion im Spiel abfragt oder fragt ob man sie schön findet, ist man schon im Spiel, bevor man es überhaupt gestartet hat.

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Detroit: Become Human Fazit – Erlebt eure eigene Geschichte oder drei

Im neusten Abenteuer von Quantic Dream erlebt ihr eine Geschichte, die euch auf eine emotionale Achterbahnfahrt mitnimmt. Dabei gebt ihr als Spieler die Richtung vor und könnt mit euren Taten selbst entscheiden, wie die Geschichte von Kara, Markus und Connor enden wird. Dabei gibt es mit dem Ablaufdiagramm und der Statistik eine super Ergänzung für solche Spiele. Auch die Möglichkeit bestimmte Ereignisse gezielt erneut zu spielen, ohne nochmal komplett von vorne anzufangen, sorgt bei den Unzähligen Möglichkeiten für einen riesigen Wiederspielwert und ist sehr gut umgesetzt.

Wir hatten die Geschichte in etwas über 10 Stunden fertig, aber haben bereits mit einem zweiten Anlauf gestartet – die Motivation dazu ist also durchaus gegeben. Das Gameplay hingegen und der Fokus auf die Geschichte müssen euch gefallen, ansonsten gibt es abseits der Quick-Time-Events eher wenig Action im Gameplay.

Optisch und auch von der Sprachausgabe bietet Detroit: Become Human viel Gutes und wenig Möglichkeiten für Kritik. Lediglich die Kamera, die doch eher gewöhnungsbedürftige Steuerung und teils klischee-behaftete Story sind die größeren Schwachpunkte im Spiel.

Wer also mit Heavy Rain und Beyond: Two Souls Spaß hatte, wird es mit Detroit: Become Human umso mehr. Auf der anderen Seite wird es niemanden bekehren, wenn man mit interaktiven Geschichten noch nie viel anfangen konnte.

Gutes

+ Realitätsnahe und interessante Geschichte
+ Entscheidungen spielen eine Rolle
+ Grafik und Ton sind beeindrucken
+ Ablaufdiagramm mit Statistik ist eine geniale Ergänzung

Schlechtes

- Steuerung und Kamera sind nicht optimal
- Geschichte bietet einige Klischees (und Lücken)
- Möglichkeiten und Dialoge etwas eingeschränkt

8.7 Sehr gut

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