Destiny im Test – Wie gut ist es wirklich?

Getestet von | 21.09.2014 um 20:00 Uhr

Wenn man sich die Verkaufszahlen ansieht, sollte man meinen, dass die Meisten das Spiel ja bereits haben. Eine Testbericht ist dennoch notwendig, besonders da man sich sicherlich eine Meinung gebildet hat und sehen will ob man da alleine steht oder eben nicht. Und wer sich noch überlegt, ob er sich das kaufen soll, kann sicher auch Gebrauch davon machen.

Warum der Test so spät kommt? Weil einer der Interessantesten Modi, der Raid, erst zum 16. September verfügbar war und das sollte definitiv im Test enthalten sein. Dazu später jedoch mehr.

Was wir hier unbedingt noch stehen lassen wollen, bevor die einzelnen Bereiche des Tests durchgehen, ist die Herangehensweise. Wie beurteilt man ein Spiel, dass kein eindeutiges Genre hat und auch typische Vergleiche zu anderen Spielen nur begrenzt Gültigkeit haben? Und wie geht man mit den Erwartungshaltungen nach der Alpha und Beta um? Diese beeinflussen eine Review mit Sicherheit, gerade nachdem diese richtig gefeiert wurden und zum Hype der Marketingmaschinerie nicht unerheblich beigetragen haben. Nach gründlicher Überlegung sind wir dazu gekommen, dass, auch wenn es im Optimalfall keinen Einfluss haben sollte und so neutral wie möglich bleiben müsste, es einfach nicht vermeidbar ist und besonders in Bezug auf die Erwartungshaltung sogar gerechtfertigt. Doch dazu noch mehr später.

Folge dem kleinen Licht

Zu Beginn der Story seht ihr einen Ghost, nein nicht ein übernatürliches Wesen, sondern eine kleine schwebende Künstliche Intelligenz, die für den Rest des Spiels euer ständiger Begleiter ist und euch mit Informationen versorgt. Der Ghost findet euch in den Ruinen von Alt Russland. Besser gesagt eure Leiche und er belebt euch wieder. Offenbar nach einer langen Zeit im Reich der Toten werdet ihr auserwählt, um als Hüter der Menschheit und des Reisenden, den Kampf gegen die Dunkelheit aufzunehmen. Der Reisende ist eine Riesige Kugel, die offensichtlich ein Wesen des Lichts ist und überall wo er auftaucht die Evolution vorantreibt und das Leben florieren lässt. Zum Zeitpunkt eurer Wiederbelebung ist der Reisende aber bereits stark geschwächt. Ihr betretet die Geschichte zu einem Zeitpunkt, zu dem der Konflikt zwischen dem Licht und der Dunkelheit bereits weit vorangeschritten ist. Ein Grossteil der Erde liegt in Schutt und Asche und nur eine einzelne Stadt stellt die letzte Instanz der Menschheit dar. Der Reisende selbst hat seine Stimme verloren. Wie ein Gott im Koma schwebt er über dieser Stadt ohne Namen und bis zu seinem Erwachen ist der „Sprecher“, eine Art Papst, die Vertretung des Reisenden. Während dem Verlauf des Spiels, erkundet ihr die Erde und umliegende Himmelskörper wie Mond Venus und Mars um mehr Informationen über die Handlanger der Dunkelheit und Ihrer Pläne zu erlangen und gleichzeitig eine Chance zur Verteidigung des Lichts zu erhalten.

Dies klingt im ersten Moment nach einer grossartigen Grundlage im klassischen Kampf Gut gegen Böse. Aber auch wenn es viele Fraktionen auf beiden Seiten gibt, und mit den Awoken eine Grauzone dazwischen existiert, bleibt die Geschichte erstaunlich fad. Viel mehr als in dieser Zusammenfassung erfahrt ihr im Spiel nämlich nicht. Die Story ist eindeutig ein grosser Schwachpunkt von Destiny. Euer Begleiter, der mit euch als Neuling die Aufgabe besitzt dem Spieler die Story nahezubringen, beschränkt sich darauf, mit Begriffen um sich zu schmeissen ohne diese genauer zu erklären. Man muss es schon fast als schändlich sehen, dass man die meisten Infos zur Hintergrundgeschichte über die Grimoire Karten erlesen muss. Diese sind Sammelkarten die Ihr durch Spielfortschritt, verstreut über alle Spielmodi, erhaltet. Und obendrein geht das nur über die Bungie Webseite oder die begleitende App und nicht im Game selbst. Ausserdem sollte man meinen, dass bei einem Szenario, indem ihr die letzte Instanz seit, und alles davon bedroht ist, von der Dunkelheit konsumiert zu werden, die imminente Hilflosigkeit deutlich spürbar sei. Sagen wir, wie in Star Wars oder Mass Effect. Leider ist das aber gar nicht so. Man sieht überall andere Hüter und fühlt sich nie auf sich allein gestellt. Und selbst wenn man alleine spielt, kann man als einzelne Person, Hundertschaften an Gegnern einfach so niedermetzeln.

Euer Schicksal liegt in weiter Ferne

Das Gameplay, die Spielmechanik, von Destiny ist ein zweischneidiges Schwert. Oder sollte man sagen, eine Angelegenheit von Licht und Dunkelheit?

Zu Beginn des Spiels entscheidet ihr euch für eine von drei Hauptklassen. Titan, Jäger und Warlock. Im Laufe des Spiels, genauer gesagt ab Level 15, könnt ihr euch noch für eine Subklasse entscheiden. Natürlich habt ihr die Wahl ob ihr männlich oder weiblich sein wollt und könnt eine von drei Rassen auswählen. Mensch, Awoken und Exo. Leider gibt es dazu wieder nicht besonders viele Infos. Alle drei scheinen Menschlichen Ursprungs zu sein, während die klassischen keine genauere Erklärung benötigen, sind wir bei den Awoken schon etwas im Dunkeln. Die einzige Beschreibung besagt, dass die Ahnen der Awoken, eine Heimat in den Tiefen des Alls gefunden haben, und durch für immer verändert wurde. Exos sind da schon einfacher zu erklären. Es sind Kriegsmaschinen mit eigenem Bewusstsein, geschaffen um in einem inzwischen lange vergessenem Konflikt zu streiten. Hier zeigt sich wieder, wie viel Geschichte der Fantasie des Spielers überlassen wird. Generell hilft so etwas natürlich der Legendenbildung und Schaffung von Mythen. Allerdings ist das die Regel und nicht die Ausnahme.

Mit dem erstellten Charakter kann man nun verschiedene Spielmodi bestreiten. Wobei einige erst freigeschalten werden, nachdem ihr ein bestimmtes Level erreicht habt. Am besten fangt ihr also mit der Story an. Die Story spielt sich überwiegend in der Egoperspektive und kann entweder alleine bestritten werden oder in einem sogenannten Fireteam, bestehend aus bis zu drei Personen. Tatsächlich lässt sich jeder Spielmodus im Team bestreiten, wobei der Raid besondere Voraussetzungen hat. Aber auch an dieser Stelle wird noch nicht darüber gesprochen.

Die Story ist generell ein Shooter mit MMO Anteil. Mann kann nämlich Leveln und neue Fähigkeiten freischalten. Ausserdem gibt es Ausrüstungsgegenstände und Waffen die als Loot erhältlich sind. Auch diese kann man aufrüsten. Das Aufrüsten geschieht im Menü, welches durch euren Ghost aufgerufen wird oder im Turm. Der Sturm ist die einzige Örtlichkeit, in der letzten Stadt der Menschheit, zu der Ihr Zugang habt. Im Turm erlebt ihr alles aus der Third Person Perspektive, dies erweckt noch mehr das Gefühl sich in einem Rollenspiel zu befinden und auch Interaktionsmöglichkeiten, wie Winken, Zeigen, Setzen oder Tanzen sind verfügbar. Diese sind sogar in allen anderen Modi vorhanden, was dazu führt, dass man kurzfristig die Perspektive wechselt, was einem einen taktischen Vorteil verschafft, da man so besser um Ecken sehen kann. Mehr davon gibt es aber nicht und man wünscht sich, dass da noch nachgebessert wird. Im Turm habt ihr Zugang zu verschiedenen Händlern und Vertretern der Fraktionen. Dort bekommt man also auch bessere Ausrüstung und Waffen bzw. Gefährte. Die Vehikel haben aber keine grosse Auswirkung auf euer Spiel, mit Ausnahme des Sparrow, einen Speeder der stark an die Star Wars Speederbikes auf Endor erinnert und auch vom Sound sich stark daran bedient.

Die Fähigkeiten die ihr Leveln könnt, sind abhängig von der Klasse bzw. Subklasse die Ihr ausgewählt habt. Die Waffen und Ausrüstungsgegenstände sind nach Seltenheit und Typ sortiert. So gibt es drei Waffenklassen und Ausrüstungsgegenstände, für Kopf, Arm, Bein und Oberkörper, plus einen klassenspezifischen Gegenstand. Die Seltenheitslevel reichen von Standard (weisse Farbe), Ungewöhnlich (grüne Farbe), Selten (blaue Farbe), Legendär (lila Farbe) bis hin zu Exotisch (Gelbe Farbe). All dies kann in alle Spielmodi erhalten werden.

  • Story Modus, bei dem ihr der sehr blassen Geschichte folgt.
  • Patrouille, ein Erkundungsmodus, der euch gewährt alle Winkel der offenen Bereiche auf den Verschiedenen Planeten ohne Vorgabe zu entdecken. Dort lassen sich auch Kisten und Rohstoffe finden, die ihr eventuell zum Leveln eurer Ausrüstung benötigt oder als eine Art Währung eingesetzt werden können.
  • Strike, eine bestimmte Abfolge von Aufgaben die euch zu besonderen Herausforderungen führt.
  • Raid, eine noch besondere Abfolge von Aufgaben die man erst in höheren Leveln Spielen kann und nur mit Leuten aus deiner Freundesliste bestreiten kann. Doch auch jetzt schreiben wir noch nichts genaueres dazu.
  • Schmelztiegel, der klassische Player Versus Player Bereich in dem ihr mit- und gegeneinander kämpfen könnt.

Soweit klingt das alles sehr vielversprechend und Umfangreich!Doch Destiny ist wie ein grandioses Fundament das für einen Palast gemacht wurde. Dieses Fundament beherbergt aber nur eine kleine Hütte.

Das Gunplay ist fabelhaft, wie es von Bungie, dem Macher von Halo, auch nicht anders zu erwarten ist. Die Unterschiede im Verhalten der Waffen, sind direkt für den Spieler spürbar. Und die Responsiveness am Gegner ist befriedigend. Ob er ins taumeln gerät oder an einem spektakulären Headshot zu Grunde geht ist etwas, dass man sofort wahrnimmt und extrem aufregend sein kann. Allerdings fehlt es eindeutig an taktischem und strategischem vorgehen. Mit wenigen Ausnahmen spielt sich alles nach dem gleichen Prinzip ab. Ihr tötet alles was auftaucht oder Scant irgendeinen Computer oder Bereich oder Relikt mit eurem Begleiter oder er öffnet eine Tür für euch. Bis er das geschafft hat, dürft ihr dann drei Wellen von Gegner abwehren, was bedeutet dass ihr diese töten müsst. Und zwar egal ob Story, Strike oder Patrouille. Irgendwann kommt dann mal ein Bossgegner. Der ist auch immer recht simpel. Er stellt eine Herausforderung dar, lediglich indem er einen extrem starken Lebensbalken hat. Damit das nicht zu langweilig wird, kommen wieder Horden von kleineren Gegner die Ihr nebenbei töten müsst. Das Macht beim ersten mal auch Spass, aber es wiederholt sich bis zum Übergeben. Dabei wäre es so einfach Abwechslung zu schaffen. Warum nicht einen Gegner in einen Bereich locken, wo man ihn mit der Umgebung ausschalten kann? Zum Beispiel etwas auf ihn fallen lassen, oder wo er von Elementen wie Wasser, Lava, Elektrizität etc., Schaden nehmen kann? Nun sowas gibt es jedenfalls nicht. Sogar einfache Situationen, wie Befreiung von Gefangenen oder Ähnlichem würde für mehr Abwechslung sorgen.

destiny-view

Während das Levelsystem der Klassenspezifischen Fähigkeiten zufriedenstellend ist, ist das Level- und Lootsystem in Destiny zwingend zu Patchen. Bis Level 20 kommt man recht schnell voran und bekommt regelmäßig Gegenstände die man austauschen kann um seine Werte zu verbessern. Aber Alles was über dieses Levelmaximum hinausgeht, ist katastrophal. Natürlich erwartet niemand, dass man Legendäre oder Exotische Gegenstände nachgeschmissen bekommt. Das wäre ebenso falsch. Aber es sollte Richtlinien geben. Für Endgegner bekommt man generell keinen Gegenstände, es sei denn, es ist das erste mal dass man das in der Mission macht, aber dann bekommt ihr den Gegenstand für das Abschliessen der Mission und nicht für den Gegner. Auf der anderen Seite habe ich bereits ein Legendäres Item bekommen weil ich einen Level 4 Gegner besiegt habe. Hier herrscht totaler Zufall und man ist somit dem Glück ausgesetzt. Dies ist nicht nur so in den Story- , Strike- oder Patroulliemodi sondern auch im Schmelztiegel. Hier kann es sein, dass ihr am Ende der Runde auf Platz 1 seit, mit der besten Kill Death Rate, aber ihr bekommt keinen Gegenstand dafür bekommt aber derjenige auf dem Letzten Platz zwei Gegenstände. Dies ist extremst demotivierend und belohnt in keiner Weise deinen Skill. Es wäre ja verständlich, wenn damit verhindert werden würde, dass Leute, die bereits bessere Fähigkeiten oder Ausrüstung haben dominieren und alle guten Gegenstände erhalten. Aber im Schmelztiegel sind die Waffenstats neutral.

Gutes

+ Solides Gameplay
+ Tolles Artdesign
+ Grandiose Musik

Schlechtes

- Katastrophales Lootsystem
- Eintönige Missionen
- Story wird nur angedeutet

7.4 Gut

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