Der Pate II – Review

Getestet von | 16.08.2009 um 00:00 Uhr

Am 9. April 2009 war es endlich soweit. Die zweite Umsetzung des Kultfilms von 1974 landete in den Regalen der europäischen Game-Stores. Ob das Spiel zum Film den grandiosen Erfolg teilen kann, oder ob es mit Betonschuhen im Hudson River landet lest ihr in diesem Test!

Screenshot

Ein Angebot, das wir nicht ablehnen können
Die Handlung des Gangster Dramas beginnt 15 Jahre nach den Geschehnissen des ersten Teils. Wir schlüpfen in die Rolle von Dominic. Dieser ist die Rechte Hand von Aldo Trapani, dem Helden des Prequels. Zu Beginn des Spiels wählen wir erst einmal aus, wie Dominic denn genau aussehen soll. Der Editor ist ziemlich umfangreich und man kann viele verschiedene Gesichter erstellen. Nach dem Ende dieser kreativen Phase lauschen wir einer Ansprache des jüdischen Gangster Bosses Hyman Roth auf seinem Anwesen in Kuba. Was Mr. Roth uns da erzählt, gefällt! So soll bald ganz Kuba die Werkstätte unserer kriminellen Machenschaften werden. Was der alte Herr nicht weiß: In Kuba beginnt gerade die Revolution. Kurze Zeit später springt ein solcher Revolutionär auf die Bühne des Festsaals und spricht eine Bombendrohung aus. Nichts wie raus hier! Nun müssen wir uns durch die Küche nach draußen durchschlagen. Dabei begegnen dem Spieler eine handvoll kubanische Polizisten. Zack! Ein paar gekonnte Hiebe und die Männer in Grün liegen am Boden. Das Zusammenschlagen der Feinde erfolgt nach einem kurzen Tutorial recht intuitiv. Draußen angekommen gilt es nun sich bis zum Flughafen durchzuschlagen um dem Revoltierenden Volk und den wild um sich schießenden Einsatzkräften zu entkommen. Von unserem Boss Aldo erhalten wir eine Pistole, die sogleich genutzt werden sollte. Wir schießen uns durch mehrere Straßen und Seitengassen hindurch bis zum Flughafen. Dort angekommen behindert aber ein Maschendrahtzaun unsere Flucht. Chefsache: Aldo holt einen Schweißbrenner hervor und schneidet ein Loch in das Hindernis. Die Flucht ist so gut wie gesichert, doch im letzten Moment erwischt ein Scharfschütze unseren Boss. Es hilft nichts. Schnell ins Flugzeug und zurück nach New York. Aldo ist tot. Jetzt ist Dominic am Zug den Platz seines Dons einzunehmen und selbst einer zu werden. Sogleich gilt es das erste Familienmitglied zu rekrutieren und sich auf Schutzgelderpressung zu begeben. Nun liegt es am Spieler New York unter die Kontrolle der Corleones zu bringen.
Das virtuelle New York ist nicht besonders groß und steht somit in keinem Vergleich zu Genre Konkurrenten alà GTA IV. Was allerdings gefällt ist das typische Ambiente des New Yorks der 50er Jahre. Glücksspieler versuchen auf der Straße das große Geld zu machen und an jeder Ecke tummeln sich zwielichtige Gestalten. Bordelle und Strip-Clubs gibt es natürlich auch. Nicht nur in New York. Auch in den beiden anderen Metropolen Miami, Florida und Havanna, Kuba gilt es einiges zu erkunden. Es gilt nun also die schlaflose Stadt, bzw. ihre Bordelle, Waffengeschäfte und andere Orte wieder in den Besitz der Corleones zu bringen. Ab geht’s in Richtung des ersten Etablissements. Unseren frisch rekrutierten Handlanger stets an der Seite halten wir mit quitschenden Reifen vor einer Bäckerei. Sofort stürmen erste Gangster auf uns zu, um uns mit schlagkräftigen Argumenten davon zu überzeugen hier doch lieber nicht zu parken. Zu spät. Fleischhämmer ausgepackt und los geht die wilde Klopperei. Das Zielsystem in Der Pate II ist recht gut gelungen. Es wird stets der nächststehendste Gegner anvisiert. Per Zug am rechten Analogstick kann zwischen den Zielen gewechselt werden. Das ist auch dringend notwendig, denn im späteren Spielverlauf gibt es die eine oder andere Situation, die ausgesprochen viel Waffengewalt erfordert. Ein kleiner Negativpunkt in, denn obwohl es die Möglichkeit eines Silentkills via Klavierseite gibt, existieren faktisch viel zu wenige solche Missionen. Stattdessen liegt der Fokus auf Ballern, Ballern, Ballern! Ein wenig abwechslungsarm. Denn auch das obligatorische „Hey, ich will Schutzgeld von dir!“ ist immer das gleiche. Zwar gibt es mehrere Varianten um an das geforderte Geld zu kommen, doch auf die Dauer gleichen sich diese doch immer sehr. Spurt der Bordellbesitzer nicht, so müssen ihm und seinen Kunden einige Schläge und Tritte verpasst, sowie der eine oder andere Tisch zerstört werden. Übertreibt man es jedoch mit der Gewalt, so ist dem Besitzer bald alles gleichgültig und er kooperiert nicht mehr. In diesem fall darf man später wiederkommen und sein Glück erneut versuchen. Ist ein Geschäft aber erst mal übernommen, können Wachen platziert werden um das eigene hab und Gut zu vor einem Angriff einer verfeindeten Familie zu schützen. Das geschieht im sogenannten „The Don’s View“, der per Druck auf die Start-Taste aufgerufen werden kann. Hier können Statistiken angeschaut, von Beamten erhaltene Gefallen eingelöst, oder einfach unlieb gewordene Familienmitglieder zum Abschuss freigegeben werden. Der Don’s View ist sozusagen der planerische Aspekt in Der Pate II. Lange planen kann man allerdings nicht, denn ein geübter Spieler kann das Spiel in unter 10 Stunden beenden. Die drei Städte sind nebenbei bemerkt auch nicht besonders groß und besonders New York mutet nicht gerade an, wie eine Millionenstadt. Um die Spielzeit zu verlängern kann man sich allerdings auf Trophäenjagd begeben, denn Der Pate II hat Trophysupport. Vier mal Gold, neun mal Silber und ganze 28 Bronze Trophäen, sowie die Platin Trophy warten darauf erspielt zu werden. Das verschafft dem Spiel immerhin fünf zusätzliche Stunden. Trotzdem sind wir von der Spieldauer eines Sandbox-Titels anderes gewohnt.

Screenshot

Betonschuhe, oder Flügel?
Die Steuerung im Spiel gestaltet sich relativ einfach und ist schnell zu erlernen. Der linke Stick dient augenscheinlich der Fortbewegung, der rechte der Justierung des Blickwinkels und somit des Fadenkreuzes. L1 – zielen, R1- schießen; die übliche Standardbelegung für Shooter. Auf R2 wird nachgeladen und Hindernisse werden mit einem flinken Druck auf die Dreieck-Taste einfach übersprungen. Die Deckung sucht man mit R3 und die Waffenauswahl läuft über die Pfeiltasten. Nichts außergewöhnliches also. Gar nicht so gewöhnlich, sondern eher schlecht als Recht ist allerdings die Steuerung der Autos. Die Karossen reagien viel zu unsensibel auf Lenkbewegungen und fühlen sich an, wie Bobbycars mit Düsenantrieb. Kein Vergleich zur Genrekonkurrenz! Gut gelungen ist hingegen wieder die Steuerung zu fuß. Präzise lässt sich der Hauptcharakter auch um dichtgestellte, kubanische Marktstände herumlenken. Das Ganze ist auch bei hoher Laufgeschwindigkeit kein Problem. Insgesamt ist die Steuerung direkt und sauber.

Screenshot

Wie sieht’s aus Boss?
Was die grafische Präsentation von Der Pate II angeht, gibt es wirklich einiges zu meckern. Insgesamt kann man sagen, dass es PS2 Spiele gibt, die fast schon besser aussehen. Die Grafik ist also insgesamt sehr bescheiden. Das merkt man vor allem an den langweiligen blassen Texturen und an Dingen wie pixeligen Schatten und Explosionen, die aussehen, wie Silvesterkracher. Der Qualm, der bei einem beschädigten Auto aus dem Motorraum emporsteigt sieht genauso aus, wie der Qualm, den die durchdrehenden Reifen hervorrufen. Äußerst unnatürlich! Häufige Pop-Ups und immer gleich aussehende Passanten trüben das Bild weiterhin. Das Wasser sieht aus wie das „Folienwasser“ der Augsburger Puppenkiste. Und von „living envoirment“ kann auch nicht die Rede sein. Es gibt zwar einen dynamischen Tag- und Nachtwechsel und ab und zu fliegt ein Vogel vorbei, aber startende/landene Flugzeuge sucht man genauso vergebens, wie parkende Autos oder Verkehrsunfälle. Einzig und allein die Figuren sind recht gut modelliert und zeigen hohe Ähnlichkeiten zu ihren Originalen. Effekte wie Einschusslöcher oder einige(!) Explosionen gehen in Ordnung und sehen immerhin ganz nett aus. Was man beim Kritisieren der Grafik allerdings nicht vergessen sollte, ist die, im Umkehrschluss sehr gute Performance. Und tatsächlich, bei unserem Test, gab es nicht einen einzigen Zusammenbruch der Framerate. Angesichts der grafischen Trostlosigkeit ist das allerdings nur ein kleiner Lichtblick. Eine etwas schlechtere Framerate hätte man für ein paar grafische Finessen ruhig in Kauf nehmen können.

Ratatatatatatatata!!!
Die akustische Untermalung in Der Pate II ist ähnlich durchwachsen, wie der grafische Teil. Auf der einen Seite stehen eine grandiose Sprachausgabe, mit absolut glaubwürdigen und atmosphärischen Sprechern (Testversion: Englische Sprachausgabe). Auf der anderen Seite unmotivierte Soundtechnik vom Langweiligsten: Das Quitschen der Autoreifen bei Betätigung der Handbremse beispielsweise ist kaum zu hören und Zusammenstöße mit Wänden, anderen Autos, Laternen oder Passanten klingen immer gleich. Auch die Motorengeräusche haben eher Matchbox-Qualität und muten an wie ein Elektrorasenmäher auf niedrigster Mähstufe. Sehr schön hingegen wieder die umfangreiche Auswahl an atmosphärischen Radiosendern, die für jeden Geschmack den passenden Sound der 50er-Jahre eingefangen haben. Auch die Waffengeräusche klingen mundig und passen zum jeweiligen Ballermann. Die Hintergrundmusik wirkt, wenn sie denn mal da ist, äußerst unterstreichend und lockert das Geballer ein wenig auf. Besonders die Zwischensequenzen machen so um einiges mehr her.

Screenshot

Für die Familie!
Der Online Modus von Der Pate II hat einen interessanten Ansatz. Der Spieler wird nicht in die Rolle des Protagonisten Dominic versetzt, sondern in einen seiner Männer. Im Team Deathmatch wird dann versucht, so viele Gegner wie möglich auf Eis zu legen. Dazu kann man sich vor Beginn der Schlacht eine Waffe aussuchen, die der Mafioso besitzt. Weiterhin kann auf alle Spezialfähigkeiten wie z.B. den Medic zurückgegriffen werden. Wird also ein Teamkamerad schwer verletzt, kann er geheilt werden und das gegnerische Team erhält keinen Punkt. Verletzte Gegner können, wie im Single Player auch durch Finishing-Moves ausgeschaltet werden. Das ist eine sehr blutige Angelegenheit und zeigt dem Gegner ganz klar, wer die dickste Kanone hat. Der Pate II ist nicht umsonst erst ab 18 Jahren freigegeben. Insgesamt ist der Spaß am Online Modus aber leider schnell verflogen, zumal er keine Trophäen beinhaltet. Darüber hinaus können die Familienmitglieder auch im normalen Spiel hinreichend verbessert werden. Trotzdem ist dieser Modus eine gelungene Abwechslung zum normalen Gangsteralltag.

Screenshot

Knast oder Gangster Paradies?
Alles in allem kann die zweite Versoftung des Paten durchaus überzeugen. Sieht man mal von einigen groben Mängeln, wie der laschen KI, der mauen Grafik und durchwachsenem Sound ab, präsentiert sich hier ein mehr als passables Sandbox Game, dessen Story sich wie eine rote Linie durch das ganze Spiel zieht und dieses positiv prägt. Die Höhepunkte des Spiels sind dabei ganz klar die vielen Wendungen in der Geschichte und das auf- und ausbauen des eigenen Gangster-Imperiums im Dons View. All das, plus Online Modus als kleines Schmankerl oben drauf machen „Der Pate II“ zu einem fesselnden Gangster Epos, das allerdings aufgrund technischer Mängel und verhältnismäßig wenig Freiheiten nicht das Zeug zum Genre-Thron hat.

Gutes

+ spannende Story
+ Gangster-Flair kommt auf
+ "The Dons view" verschafft guten Überblick
+ astreine Steuerung

Schlechtes

- miese Grafik
- durchwachsener Sound
- geringer Umfang
- Online Modus verbesserungsfähig

8.0 Sehr gut

Kommentare

Du hast etwas zu sagen?

Jetzt einloggen oder registrieren um ein Kommentar zu schreiben

Das könnte dich auch interessieren