Der Herr der Ringe: Die Abenteuer von Aragorn – Review

Getestet von | 17.11.2010 um 00:00 Uhr

Vor 66 Jahren hat J.R.R. Tolkien die Bücher „The Lord of the Rings“ im englischen Original in die Buchregale gebracht. Im Sommer 2010 sollte „Der Herr der Ringe: Die Abenteuer von Aragorn“ auf der Wii veröffentlicht werden. Nintendo-Anhänger wurden jedoch zu Geduld gezwungen. Als Warner Interactive realisierte, dass Sony mit Playstation Move ein Nintendo-ähnliches Steuerungskonzept auf die Playstation 3 bringt, wurden die Disc-Pressen angehalten und der gemeinsame Release auf den Herbst verschoben. Jetzt ist „Der Herr der Ringe: Die Abenteuer von Aragorn“ auf Blu-ray verewigt und ps3inside testet für euch das Abenteuer aus Mittelerde.

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Ein Ring, sie zu knechten…

sie alle zu finden, ins Dunkel zu treiben und ewig zu binden. Es sind Jahre vergangen, seit Frodo Beutlin und seine Gefährten den Einen Ring des dunklen Herrschers Sauron in den Feuern des Schicksalsberges vernichtet haben. Die Geschichte endet mit der Königszeremonie des neuen Herrschers von Gondor und einem Helden, der zusammen mit den Elben das Land verlässt. Die Geschichte verblasst und das Leben im Auenland, der Heimat der Hobbits, geht seitdem wieder seinen gewohnten Weg. Samweis Gamdschie, einer von Frodos Gefährten auf seinen gefährlichen Abenteuern, hat in seiner Heimat eine Familie gegründet. Sein Sohn Frodo Gamdschie wächst in unbekümmerter Kindheit auf und ist geradezu gelangweilt vom Alltag in Hobbingen. Er möchte mehr wissen über die vergangenen Abenteuer von Frodo Beutlin und seinen Gefährten und selbstverständlich auch jede Heldentat seines Vaters wieder und wieder erzählt bekommen. Sam Gamdschie hat jedoch andere Sachen um die Ohren. Als Bürgermeister von Hobbingen muss er ein Fest zu Ehren des Königs von Gondor vorbereiten. Der Besuch von König Aragorn steht unmittelbar bevor und eigentlich hat der eifrige Hobbit keine Zeit, in Erinnerungen zu schwelgen. Aber so sind die Kinder. Mit genügend Gequengel wird auch der hartgesottenste Bürgermeister weich und erzählt von längst vergangenen Tagen.

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Der Nachwuchs ist dran

In Der Herr der Ringe: Die Abenteuer von Aragorn schlüpft der Spieler in die Rolle des kleinen Frodo Gamdschie. Zur Vorbereitung des großen Festes müssen in Hobbingen jede Menge Vorbereitungen getroffen werden. Und damit Papa von seinen Heldentaten erzählt, muss Sohnemann arbeiten. So bekommt der Spieler in der mehr oder weniger freien Spielumgebung des Auenlands immer wieder neue, kindgerechte Aufgaben. Beim Streunern über den Festplatz sind die anderen Anwohner Hobbingens ebenfalls auf Frodos Hilfe angewiesen und für die Erledigung der Mini-Quests wird das Taschengeld aufgebessert. Im Anschluß folgt regelmäßig der Geschichtsunterricht bei Papa Samweis. Der erzählt seinem Sohn mit strahlenden Augen von den Heldentaten Aragorns. Der Spieler schlüpft in diesen Momenten in die Rolle von Streicher und spielt praktisch die komplette Herr der Ringe-Geschichte durch. Die Aufteilung zwischen Frodo und Aragorn ist grundsätzlich eine feine Idee. Der Wechsel zwischen ländlicher Idylle und knallhartem Troll-Gemetzel zerreist aber den Spielfluss leider ein wenig. Die Nacherzählung der Storyline ist gut gelungen und alle Schlüsselszenen sind zu bewältigen. Am Anfang des Spiels muss Aragorn die Hobbits in Bree vor den Ringgeistern und fiesen Anhängern Saurons beschützen. Der weitere Verlauf führt uns dann an die Settings von Rohan, Helms Klamm, die Minen von Moria und wo es die neun Gefährten sonst noch so hinverschlagen hat. Spielerisch wird eine gute Zusammenfassung von Herr der Ringe geboten. Nur die immer wieder kehrenden Abbrüche in die Gegenwart des sonnendurchfluteten Hobbingen stören den erfahrenen Herr der Ringe-Fan. Für unbefangene Tolkien-Neulinge und jüngere Spieler macht aber genau das den Charme des Spiels aus. Die Storyline kann auch im Koop-Modus absolviert werden. Der zweite Spieler schlüpft dann in die Rolle von Gandalf. Leider ist das nicht immer möglich und so sind für den Spielpartner immer wiederkehrende Wartezeiten einzuplanen. Hier scheint Der Herr der Ringe: Die Abenteuer von Aragorn nicht so ganz fertig gedacht.

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Nimm das Schwert in die Hand

Das Spiel ist ursprünglich exklusiv für die Wii geschrieben worden. Die Steuerung ist auf Bewegung ausgelegt. Das komplette Abenteuer lässt sich zwar mit dem normalen Controller ebenfalls spielen. Richtiges Schwertkampf-Feeling kommt aber nur mit dem Move-Controller auf. Dieser reagiert aber leider etwas zeitversetzt und so kommt so mancher Hieb verspätet an und trifft nur noch den Schild des garstigen Orcs. Über das Pad reagiert die Steuerung besser. Auch hier sind Hiebe, Blocks und mehrere Kombos möglich. Letztere sind aber schlecht zu dosieren und genauso unnötig. Die Gegner-KI ist darauf ausgelegt, sich bei stumpfem Schwert-Gefuchtel sofort zu ergeben und dem Gegner zu unterliegen. Der Schwierigkeitsgrad ist dementsprechend niedrig und eine richtige Herausforderung ist Der Herr der Ringe: Die Abenteuer von Aragorn zu keiner Zeit. Allenfalls die Kämpfe gegen mächtige Uruc-hai oder fette Trolle müssen gelegentlich auch mal einen Block beinhalten. Ansonsten immer draufhämmern, das reicht! Die Kameraführung ist ebenfalls unpraktisch und führt in so mancher Kampfsituation zu Unübersichtlichkeit. Das ist zwar nervig, angesichts des nicht vorhandenen Schwierigkeitsgrades aber auch verschmerzbar. Das Action-Abenteuer ist steuerungstechnisch weder Fisch noch Fleisch. Die Umsetzung auf das Pad ist einigermaßen gelungen. Spielfreude soll aber Move vermitteln und hier hat Warner vermutlich unter Zeitdruck gehandelt, denn so richtig funktioniert das ganze leider noch nicht.

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Die Grafik wirds schon richten?!

Passend zur Playstation 3 wurde Der Herr der Ringe: Die Abenteuer von Aragorn selbstverständlich in HD aufgelegt. Aber auch in hochauflösender Darstellung kann das Abenteuer nicht überzeugen. Regelmäßige Bildfehler gibt es zu massiven Framerate-Einbrüchen dazu. Die Bildrate geht erfahrungsgemäß dann in den Keller, wenn sich Aragorn ganzen Scharen von Feinden stellen muss. Das ist grundsätzlich bei solchen Spielen auch keine Besonderheit. Leider bedeutet „Scharen von Feinden“ in diesem Fall, dass zehn Gegner in großzügigen Abständen wild fuchtelnd um den Hauptdarsteller herum stehen und auf den Todesstoß warten während im Hintergrund eine nicht erreichbare Masse sowas wie epische Kampf-Feeling aufkommen lassen soll. Hier paaren sich also mangelhafte Atmosphäre und dilletantische Technik. Gut gelungen ist der Soundtrack. Dieser vermittelt eine gelungene Herr der Ringe-Atmosphäre und zusammen mit der Originalstimme von Sam hebt sich der Sound von der ansonsten gebotenen Mittelmäßigkeit ab.

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Was würde Tolkien wohl sagen?

Dem Playstation 3 Spieler wird genau das geboten, was jedem Entwicklerstudio passiert, wenn es unter Zeitdruck schnell noch eine Portierung raushauen will: Das Spiel geht in die Hose. Dabei bietet die Lizenz soviel Potential. Die Idee, das Geschehen der Trilogie im Nachhinein nocheinmal durch die Nachkommen erleben zu lassen ist ebenfalls gar nicht so verkehrt. Nur die technische Umsetzung ist kaum noch tragbar. Es bleibt nur zu hoffen, dass Move nicht zukünftig dafür sorgen wird, dass der Playstation 3 Markt von mittelmäßigen Wii-Abklatschen überflutet wird. Für Der Herr der Ringe: Die Abenteuer von Aragorn ist dieser Zug leider abgefahren und so können wir dieses Abenteuer leider keinem Spieler wirklich empfehlen.

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Gutes

Gelungene Geschichte
Originalstimme von Sam

Schlechtes

Mangelhafte Grafik
Ungenaue Move-Steuerung
Unbefriedigender Koop-Modus

5.5 Fans only

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