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Deponia für die PS4 im Test – Nur ein Haufen Müll?

Artikel von | 16.11.2016 um 19:10 Uhr

Als PC Spieler kennt man den deutschen Entwickler Daedalic Entertainment mit Sitz in Hamburg allem voran durch ihre Adventures. Als Konsolenspieler hat man vermutlich höchstens hier und da mal etwas von den Lokalmatadoren aufgeschnappt. Das möchten sie ändern und haben mit Deponia ihr bekanntestes Adventure nun auch für die PlayStation 4 veröffentlicht. Dabei setzt es auf altbekannte Stärken, wie beispielsweise knifflige Rätsel, eine packende Geschichte und Müll. Das letzte kommt euch komisch vor? Wenig verwunderlich, denn sowohl Müll, als auch der hinzukommende Humor, spielen eine große Rolle im Spiel. Doch wie gut kann der Titel nun auf Konsole sein – oder handelt es sich dabei wirklich nur um Müll? Das erfahrt ihr in unserem Test.

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Wir schlafen im Müll, wir baden im Müll, wir essen Müll

Die Hauptrolle in Deponia spielt wenig verwunderlich ein haufen Müll. Ebenso wichtig ist unser selbsternannter Held Rufus. Dieser wohnt im gleichnamigen Schrottplaneten Deponia und treibt dort sein unwesen. Auf der Suche nach der Erfüllung seines Lebens und der Flucht von Müll, Hausarbeit und Toni, seiner Ex, strebt er nach größerem. Die weit entfernte Himmelsstadt Elysium. Wäre da nicht ein kleines Problem. Wie erwähnt, ist diese weit entfernt und nur die Raffinesse eines Rufus kann hier helfen. Einige Pläne haben bereits versagt, doch das soll der Geschichte angehören. Nun hat er einen einfachen, wie genialen Plan. Eine Rakete an einen Transportbehälter koppeln, diesen zu einem Transporter schießen und damit nach Elysium zu gelangen. Klingt einfach, ist einfach und geht einfach nur in die Hose. Zumindest zum Teil. Sein sicherer Platz hat sich nämlich in seine Einzelteile verabschiedet, wie auch Rufus sich von Deponia. Statt des Behälters ist nun Rufus mit der Kette auf dem Weg zum Transporter. Dort angekommen dauert es nicht lange bis er Goal sieht. Eine hübsche Elyssianerin. Sie wird aber von der Regierungsorganisation Organon bedroht und nur Rufus kann sie retten. Das schafft er aber nur zum Teil, denn sowohl sie als auch er fallen wieder hinunter nach Deponia. Erneut macht sich Rufus also auf den Weg nach Elysium, nur diesmal mit der bewusstlosen Goal im Schlepptau. Auf dem Weg dahin, falls er es schaffen sollte, erwarten ihn einige Hindernisse und schräge Situationen. Doch er wäre nicht Rufus, wenn er nicht immer einen Ausweg parat hätte.

Das wäre im ganz groben die Geschichte von Deponia, beziehungsweise der Anfang dieser. Allerdings wird der Spieler dabei ganz behutsam herangeführt. Zuerst kommt ein Tutorial bei dem dieser lernt wie er sich bewegt und das Inventar benutzt. Das ist auch notwendig, denn Point n’ Click Adventures sind doch eher die seltenheit auf einer Konsole. Schnell kommt aber die erste große Mission. Bevor Rufus nämlich seinen ersten Plan verfolgen kann, muss er seinen Koffer packen und hier beginnt bereits die erste Herausforderung. In einem geschlossenen Haus muss man sich durch die Rätsel arbeiten und Zahnbürste, ein paar Socken, Proviant und einen Seitenschneider finden. Ja genau, ein Seitenschneider. Solche Momente gehören zu Deponia und sorgen für den speziellen Humor, der auch super in das Spiel passt – genau wie Rufus zu Goal. Er zieht sich auch durch das ganze Abenteuer und besonders die komplett unterschiedlichen Charaktere, speziell natürlich Rufus, unterhalten den Spieler stets. Viel Interaktion und Text ist auch nötig, denn die Rätsel sind knackig und meist auch etwas speziell. Eine einfache Lösung wie: Oh eine Schraube, ich brauch einen Schraubenschlüssel – findet ihr hier weniger. Dafür dann eher sowas wie: Kombiniert Trichter, Dartpfeil und Gift um ein gefährliches Geschoss zu erhalten. Die Rätsel, wie auch die Charaktere und der damit verbundene Humor, sind die klaren Stärken des Titels. Wer aber clever ist und viele Rätsel auf anhieb Lösen kann, der könnte eventuell relativ schnell durch die Story fliegen und nach wenigen Stunden bereits fertig sein. Das liegt auch daran, dass das Ende doch etwas abrupt kommt. Doch insgesamt bietet die Deponia Reihe mittlerweile ja sogar vier Teile und alle werden noch für die PS4 kommen, wer somit noch mehr Hunger auf Müll hat, der bekommt sein Futter noch ab und bekommt einen passenden Abschluss zum eher offenen Ende des ersten Teils.

Deponia Daedalic Entertainment PS4 Review Test

Ich bin hier, du bist hier, Schnabeltier? Nein, falscher Teil.

Kommen wir nun also zum Gameplay. Wie bereits erwähnt, stehen Rätsel und Interaktionen dabei im Vordergrund. In eurem Inventar habt ihr Platz für massig Gegenstände, die ihr auf eurer Reise einsammeln könnt. Diese könnt ihr aber nicht nur mit anderen Objekten in der Welt verbinden, sondern auch miteinander und auch mit Rufus. Das ist auch der Punkt, bei dem ein PC Spieler natürlich Vorzüge genießt. Denn eine Maus gibt es bekanntermaßen auf der PlayStation 4 nicht und somit wird das Pointen und Clicken doch etwas schwieriger. Deshalb hat sich Daedalic auch ein etwas anderes System überlegt. Und zwar steuert man mit dem linken Stick Rufus und mit dem rechten Stick quasi einen Mauszeiger, doch alternativ kann man mit den Schultertasten ganz speziell von einem Hotspot zum nächsten Wechseln. Das ist allein schon aufgrund der Geschwindigkeit notwendig und sorgt auch für den gewissen Komfort. Des Weiteren ist auch die Orientierung und das finden von Objekten deutlich einfacher, da sie stets durch Symbole zu sehen sind. Meistens kann man dann den Hotspot inspizieren um zusätzlich etwas zu erfahren, es versuchen aufzunehmen, einen Gegenstand aus dem Inventar damit zu kombinieren oder mit ihm zu reden, falls es eine Person ist.

Somit gibt es auch unzählige Möglichkeiten das Rätsel NICHT zu lösen und nur eine, um es zu lösen. Man sitzt an einigen Stellen sicherlich schon etwas länger, wenn man nicht Adventure erfahren ist oder ein glückliches Händchen hat. Gerade wenn man den etwas speziellen Gedankengängen von Rufus folgen und beispielsweise drei/ vier Gegenstände erst einmal finden und dann im Inventar miteinander kombinieren muss. Man kann dies auch als kleinen Negativpunkt sehen. Öfter einmal sind die Lösungen doch etwas abwegig und es kann an einem kleinen Detail scheitern, an das man nicht gedacht hätte. Dafür reicht auch schon das vergessen einer Frage gegenüber eines anderen Charakters oder dem übersehen eines kleines Objekts. Jedoch funktioniert alles in allem die Steuerung auf dem Gamepad super und man hätte sicherlich nicht gedacht, dass ein klassisches PC Genre doch so gut auf der Konsole funktionieren kann. Zwar gibt es einige Unstimmigkeiten was Hotspots, beziehungsweise dem anwählen dieser, angeht, doch kann man sie verschmerzen da man früher oder später, spätestens mit den Schultertasten, doch ran kommt. Ähnliches gilt auch beim Inventar-System. Es ist an sich schon verständlich und gut umgesetzt, läuft aber nicht ganz so perfekt wie man es vielleicht erhofft. Gerade weil das auswählen mancher Elemente und das kombinieren dieser etwas trotzig ist. Insgesamt wurde die Steuerung jedoch gut umgesetzt und das durchspielen ist auf der PlayStation 4 ohne weiteres möglich. Gerade weil man sich mit der Zeit rein arbeitet und damit arrangiert, kann man also sagen, dass Point n’ Click Adventures durchaus auf einer Konsole funktionieren können.

Deponia Daedalic Entertainment PS4 Review Test

Hübsch, Charmant und Witzig auf der Suche nach einer verlorenen Prinzessin

Kommen wir nun zu den technischen Details des Spiels. Deponia hat einen sehr einzigartigen Look. Mit Hand gezeichnete Hintergründe treffen auf Comic-Artige Charaktere und ergeben so, ein tolles Gesamtbild. Die Optik stimmt einfach und gerade die seltenen, aber besonders hübschen, Zwischensequenzen stechen nochmal hervor. Auch jeder Charakter hat seinen eigenen Charme und weiß, wie er von sich überzeugen kann. Denn hier gleicht nahezu keiner dem anderen und hat dann doch irgendwie eine Besonderheit, sei es auch nur ein Muttermal. Natürlich sind die Animationen etwas einfacher gestrickt, passen jedoch zum Stil und das Original hat dann doch das ein oder andere Jährchen auf dem Buckel. Trotzdem läuft das Spiel auf der Konsole gut und es gibt keine merkbaren Leistungseinbrüche oder ähnliches. Andererseits gibt es durchaus einen Kritikpunkt den wir nicht unerwähnt lassen möchten. Wie bereits im Story Part erwähnt, kommt ein cleverer oder Adventure Erfahrener Spieler relativ schnell durch. Es kann also sein, dass man in nur wenigen Stunden bereits alles von Deponia gesehen hat und sich wundert, wieso einen plötzlich das Ende erwartet. In unserem Fall waren etwa 7-8 Stunden. Natürlich gibt es noch drei weitere Spiele die kommen werden, aber auch als Anfänger hat man sicherlich nach knapp 12-15 Stunden jedes Rätsel im ersten Ableger gelöst – abhängig davon wie geduldig oder wie schnell man eben zu einem Guide greift

Ein weiterer Pluspunkt von Deponia ist der Sound. Besonders die Stimmen wissen zu überzeugen und man merkt, dass es für die Synchronsprecher ebenso spaßig war, wie es für den Spieler wirkt. Auch an diesem Punkt möchten wir nochmal den Humor des Spiels hervorheben. Man wird sich sicherlich nicht am boden rollend zu Tode lachen, doch einige lustige Situationen und Sprüche sorgen mindestens einmal für einen Schmunzler. Was den Spieler wiederum gut packt, sind die Übergänge zum Spielstart und zwischen den Sequenzen. Denn an diesen Stellen hat sich der etwas bekanntere Game-Designer und Deponia Schöpfer Poki hingesetzt und bereitet euch für die kommenden Taten mit einem Song vor. Hier und da ein Wortspiel und eine tolle Melodie, sorgen für Lust auf ein Abenteuer rund um Müll und noch mehr Müll.

Deponia Daedalic Entertainment PS4 Review Test

Fazit: Erreicht Rufus Elysium oder bleibt er im Müll stecken?

Lange war für Konsolenspieler das Point n’ Click Adventure Mangelware oder wurde nicht ganz so gut umgesetzt. Mit Deponia ist Daedalic Entertainment die Portierung aber sehr gut gelungen und weiß zu überzeugen. Knifflige Rätsel, eine toll inszenierte Geschichte mit vielen Charakteren und jede menge Humor stehen da natürlich ganz oben auf der Liste. Auch bei der Steuerung hat man sich einige Gedanken gemacht und diese letztlich gut für einen Controller übersetzen können. Sowohl Sound, als auch Stil wissen zu gefallen und machen den Titel einzigartig. Lediglich kleinere Fehler in der Steuerung, die teilweise etwas abgedrehten Lösungen für Rätsel und der Umfang von nur wenigen Stunden sorgen für Kritik an Deponia. So sind 19,99 Euro für knapp 10 Stunden zwar ein stolzer, aber kann für viele sicherlich ein gerechtfertigter Preis sein. Alles in allem ist der Titel auf der PlayStation 4 gut gelungen und zeigt, dass sowohl das Genre auf der Konsole funktionieren kann, aber auch das Rätsel Spiele mit Story und Humor für Jung und Alt interessant sein können.

Getestet wurde Deponia auf der PlayStation 4 Pro | Für 19,99 € findet ihr es hier im PSN Store

Deponia Testbericht

Deponia

  • Release: 15.11.2016
  • Genre: Adventure
  • Entwickler: Daedalic Entertainment
  • Publisher: Daedalic Entertainment

Gutes

+ Unverbrauchtes Setting mit tollen Charakteren
+ Knackige Rätsel und viel Humor
+ Einzigartiger Grafikstil

Schlechtes

- Spiel kann nach wenigen Stunden fertig sein
- Manche Rätsel sind etwas abgedreht
- Steuerung im Inventar nicht ganz flüssig

7.7 / 10 Gut

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