Def Jam: Rapstar – Review

Getestet von | 22.12.2010 um 00:00 Uhr

Während böse Zungen behaupten, dass die Glanzzeit der Musikgames abgelaufen ist und Spiele wie Singstar, Guitar Hero und Rock Band sowieso kein Land mehr beim Publikum sehen können, versucht sich das Entwicklerteam von 4mm Games trotzdem noch einmal, das musikalische Publikum in den Bann zu ziehen. Wannabe-Popstars von Morgen haben im neuesten Karaoke-Titel allerdings nichts verloren. DefJam Rapstar ist – wie der Name vermuten lässt – ein Nachsingspiel für alle knallharten Rapper! Ob diese ihren Spaß mit dem Spiel haben können oder ob die „bösen Zungen“ Recht behalten sollen, erfahrt ihr in unserem Review!

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Die Bühne gehört dir

Als das DefJam-Label ankündigte, ein neues Videospiel auf den Markt zu werfen, war die Freude groß: Mit großen Augen hofften die treue Kundschaft auf einen Nachfolger zum PS2-Prügler „Fight for NY“. Doch es sollte anders kommen, als gedacht – kein Kampfspiel, keine Gewalt, sondern ein partytaugliches Karaoke-Spiel, welches auf den (vielleicht schon längst abgefahrenden?) Zug der Musikspiele mit aufspringt. Und auch wenn die Enttäuschung einiger Spieler vielleicht groß war, so darf man Publisher Konami und Entwickler 4mm Games nicht allzu viel vorwerfen. „DefJam Rapstar“ ist das erste Sing-Spiel, das sich auf Hip-Hop und Rap-Tracks konzentriert. Und während alle Fans jahrelang auf einen Singstar-Ableger hofften, der sich dieser Musikrichtung annimmt, versucht es jetzt eben die Konkurrenz. Entwickler 4mm Games ist gänzlich neu in der Videospielwelt, „Rapstar“ ist ihr Debutwerk. Doch zu mindestens Konami hat mehr Erfahrung als genug in dem Genre der Musikspiele und hatte während der Entwicklungszeit höchstwahrscheinlich immer ein wachsames Auge auf die Newcomer gerichtet.
Herausgekommen ist letztendlich ein Spiel, welches thematisch hält was es verspricht: 45 Songs von den verschiedensten Künstler der Szene sind enthalten. Egal ob der Wu Tang Clan, Run D.M.C., Snoop Dog oder 50 Cent – bei der für Spiele dieser Art üblich umfangreichen Trackliste sollte für jeden etwas dabei sein. Dass nicht alle Songs jeden Geschmack treffen können, sollte klar sein. Doch entschied man sich bei „Rapstar“ im Endeffekt für eine gute Mischung aus Old School und neueren Tracks. Für deutsche Rapper von Morgen ist auch recht viel nationaler Kram dabei: Azad, Kool Savas oder Samy Deluxe sind beispielsweise drei von den insgesamt zehn Künstlern, die es auf die deutsche Verkaufsversion geschafft haben. Schön ist dabei auch, dass neben dem offiziellen Musikclip auch zu jedem Song ein kleiner Infotext kreiert wurde, der einen die verschiedenen – und vielleicht zum Teil auch unbekannten – Tracks näher bringt. Möglichst vor Kauf sollte allerdings überhaupt entschieden werden, ob die Songlist für einen selber was taugt: Besonders bei diesem Genre ist es teilweise wichtig, die Lieder auch im Vorfeld schon gekannt zu haben – ein Mitrappen könnte sonst im Großen und Ganzen doch Recht problematisch werden.

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Become a True Legend!

In Punkto Spielmodi kann das Rapspiel mit den üblichen Verdächtigen punkten. Neben einem Party-Modus steht euch unter anderem auch ein Singleplayer-Modus zur Verfügung. Während dieser bei der Sony-exklusiven Konkurrenz immer für gähnende Langeweile sorgte, versuchte man sich bei „Rapstar“ an einer motivierenden Karriere – mit mäßigem Erfolg. Im Laufe der Zeit schaltet ihr immer neue Songs frei. Dies hält einen zwar relativ lang an der Stange und einfallsreicher und motivierender als bei Singstar & Konsorten ist es auf jeden Fall, im Endeffekt ist es aber leider auch nicht viel mehr wie ein stinknormaler Einzelspielermodus in einer recht hübschen Verpackung. Erwähnenswerter ist da vielleicht schon der Freestyle-Modus. In diesem können Nachwuchs-Rapper ihr eigenen Stuff einüben. Zur Verfügung stehen dabei verschiedene Beats, um eure Darstellung zu unterstützen. Auf eurer heimischen Playstation könnt ihr eure Darbietungen zwar leider nicht speichern, allerdings ist es möglich, euren Auftritt in den großen Weiten des Internets zu veröffentlichen – und womöglich einer der großen Rapstars der Zukunft werden.

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Hast du den Rhythmus im Blut?

Doch wie spielt sich „Rapstar“ denn nun eigentlich? Wie für Spiele dieser Art üblich, muss der Spieler den Text, der zu jeder Zeit auf dem Bildschirm angezeigt wird, realitätsgetreu nachsingen, oder im Falle des Karaokegames des DefJam-Labels eher nachrappen. Denn bei „DefJam Rapstar“ steht selbstverständlich das Rhythmusgefühl und das richtige Timing im Vordergrund, auf die Tonhöhe kommt es nur in den eher seltenen Gesangspassagen an. Eine haargenaue Worterkennung des eigenen Rappens bietet das Spiel zwar nicht, allerdings geht das Konzept bei „Rapstar“ in die richtige Richtung und funktioniert schon deutlich besser als bei „Singstar“. Am Ende des Songs erhaltet ihr dann eine Wertung eures vermeintlichen Könnens. Zum einen zählt für diese Wertung natürlich die Qualität eures Sprechgesangs, zum anderen erhaltet ihr durch fehlerfreie Performances aber auch einen Multiplikator der eure Punkte in die Höhe schießen und euch letztendlich besser dastehen lässt.
An das Spiel wagen sollten sich aber auch nur die, die sich genügend zutrauen. Es besteht zwar die Möglichkeit, zwischen verschiedenen Schwierigkeitsstufen zu wählen, aber auch schon im Niedrigsten könnten erste Rapversuche böse enden. Während das Spiel an einigen Stellen kinderleicht ist, frustriert es anderen dagegen komplett – und nicht zu selten wird auch eure Geduld auf die Probe gestellt, wenn ihr es euch zum Ziel gesetzt habt, einen höchstmöglichsten Score zu erzielen. Mehr als ärgerlich sind auch die vielen Schnitte, die angesetzt wurde, um womöglich eine möglichst tiefe Alterseinstufung zu bekommen. In der Rapmusik kommt es nun mal nicht selten vor, dass auch etwas härtere Ausdrücke in den Lyrics verwendet werden. Dass dann extra zensiert wird, um auch die jüngeren Zocker in den Genuss des Spiels zu bringen, bleibt einfach unverständlich. Noch viel unverständlich ist dann aber die Inkonsequenz – einige „Schimpfwörter“ wie beispielsweise „ass“ sind zum Teil dann nämlich doch enthalten.

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Zeig es der Welt

Auch vom Äußeren her kann sich das Spiel sehen lassen. Die Menüs sind grundsätzlich recht übersichtlich gestaltet und auch das Gesamtdesign ist recht stimmig und passt zum Thema. Die Ladezeiten sind sehr kurz gehalten und fallen besonders zwischen den einzelnen Songs überhaupt nicht auf. Enttäuschend ist hingegen die Qualität der Musikvideos. Ein mal wieder hat es ein Entwicklerteam eines Karaokespiels nicht geschafft, die Clips qualitativ an die heutige Zeit anzupassen. Selbstverständlich befinden sie sich auf ein völlig akzeptablen Niveau, mehr erwarten darf man aber trotzdem.

Betrachtet man die verschiedenen Online-Features, so bietet sich ein weiteres Mal ein Vergleich mit der Konkurrenz an. Auf einen Online-Mehrspielermodus haben 4mm Games gänzlich verzichtet, angeboten werden einen aber verschiedene Community-Features, wie sie auch schon von Singstar bekannt sind. Seid ihr im Besitz einer PSEye, so dürft ihr – wie bereits erwähnt – eure Auftritte sowohl im normalen, als auch im Freestyle-Modus aufnehmen und diese anschließend online stellen. Im Nachhinein können diese hochgeladenen Werke von anderen Rappern begutachtet und bewertet werden. Die aufnehmbaren Videos dürfen allerdings nicht länger als 30 Sekunden sein. Trösten könnten lediglich die verschiedenen Sound- und Videoeffekte, die ihr über den Clip legen dürft. Ob die Community ähnlich explodiert wie die von Singstar, wird die Zukunft zeigen. Ein gewisses Potenzial ist aber auch durch die mögliche „Crew-Bildung“ auf jeden Fall vorhanden.

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Rapstar – Ein Star am Musikspielhimmel?

Was einem in „DefJam Rapstar“ geboten wird, ist schlichtweg sehr gut! Wer auf die enthaltenen Tracks steht – und nur diese Leute sollten selbstverständlich auch zugreifen – kann eine Menge Spaß mit diesem Spiel haben. Neben den 45 Songs aus den verschiedensten Untergenres wird einem auch ein einwandfreies Karaoke-Gameplay geboten, dass in einigen Aspekten die Konkurrenz definitiv hinter sich lässt. Solisten könnten trotz Karriere recht schnell vom Spiel gelangweilt werden, in der Gruppe macht das Rappen aber auch trotz Fehlen eines richtigen Party-Modus ordentlich Spaß. Eine Community, die in Zukunft möglicherweise genauso unterhaltsam werden kann, wie die von Singstar und der DLC-Shop, indem ihr neue Tracks laden könnt, runden das sehr gute Gesamtbild ab.

Gutes

- recht umfangreiche Tracklist, die Kenner des Genres ansprechen sollte
- sehr gut funktionierendes Gameplay
- zum Teil auch gute Erkennung der Wörter
- übersichtliches Design
- Community-Features

Schlechtes

- Karriere langweilt schnell
- kein richtiger Party-Modus
- kein HD-Material
- (inkonsequente) Zensierung

8.0 Sehr gut

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