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Dead to Rights: Retribution – Review

Artikel von | 24.05.2010 um 00:00 Uhr

Alles begann vor acht Jahren als Namco ihr Action-Spiel „Dead to Rights“ veröffentlichten. Der Nischentitel bekam nie wirklich Aufmerksamkeit und blieb auch in der Fachpresse hinter den Erwartungen zurück. Auch die drei Jahre später erschienenden Nachfolger für Konsole & PSP konnten die Reihe kommerziell nicht vorwärts bringen und Dead to Rights schaufelte sich sein eigenes Grab auf dem Spiele-Friedhof.
Fünf Jahre seit der Veröffentlichung des letzten Ablegers versucht es Namco nun mit neuem Entwicklerstudio erneut. Ob der Action-Titel rund um Bulle Jack Slate und seinen Partner mit der kalten Schnauze überzeugen kann, oder ob sich das Duo direkt zurück in’s Grab legen kann, erfahrt ihr in unserem Review.

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Die Rache ist Mein

Während in den hierzulande eher unbekannten Vorgängern viel Wert auf die Geschichte und ausgearbeitete Charaktere gelegt wurde, sucht man in „Dead to Rights: Restribution“ vergebens nach solch Vorzügen. Die Story selbst ist schnell erklärt: Jack Slate, ein skrupelloser und gerechtigkeitsfanatischer Polizist der Stadt Grant City, muss während eines entscheidenden Auftrags miterleben, wie sein Vater in seinen Armen verblutet. Überrumpelt von seinen Gefühlen macht er es sich zur Aufgabe – zusammen mit seinem Partner auf vier Pfoten – den Mörder seines Vaters zu finden und an ihn Rache zu nehmen. Während des Spiels wird die Story von Jack in Monologen nacherzählt, so sollen die – doch eher nicht sehr tiefgründige – Geschehnisse dem Spieler nahe gebracht werden.
Das gesamte Spiel erinnert inhaltlich und atmosphärisch stark an altbekannte „Bad Cop-Movies“. Das fängt bei der Storyline an. Diese ist im Großen und Ganzen sehr oberflächlich erzählt und stellt definitiv auch nicht das Herzstück des Spiels dar. Das Motiv für sein Handeln bleibt zwar während des Spielverlaufs deutlich, die Geschichte rückt aber in den Hintergrund. Dem Spielspaß und vor allem der Atmosphäre tut dies allerdings keinen Abbruch. Das Hauptaugenmerk wurde auf die Action gelegt. Selten findet man Momente im Spiel, in denen ihr nicht in große Massenschlachten verwickelt seid. Meistens bezieht sich das „Massen“ allerdings nur auf eure Gegnerschaft. Bis auf einige Ausnahmen ist der Spieler auf sich allein gestellt. So kämpft ihr euch das gesamte Spiel alleine, beziehungsweise nur zusammen mit Hund Shadow, durch. Atmosphärisch bleibt ‚Dead to Rights’ während des gesamten Spiels über auf einem hohen Level. Die Kälte und Skrupellosigkeit wird dem Spieler perfekt übermittelt, sodass man so gut wie immer mitten drin anstatt nur dabei ist. Dass das Spiel fast ausschließlich nur nachts angesiedelt ist, scheint verständlich. Kriminalität und Tageslicht passen schlecht zusammen.
Während Volatile Games im Bezug auf Action und Atmosphäre überzeugen können, versagen sie wieder komplett in Punkto Charaktergestaltung. Die Emotionen und Gefühle der Hauptfigur können zu mindestens ansatzweise gut dargestellt werden. Andere Personen – von denen ohne hin kaum welche zu finden sind – sind hingegen total charakterlos gestaltet. Emotionslosigkeit trifft das Thema des Spiels möglicherweise gut, lässt es stellenweise aber ein wenig kahl wirken.

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Action meets Intelligence?

Ein großer Minuspunkt des Spiels ist für viele wohl die geringe Spieldauer. Mit gerade Mal sechs Stunden ist ‚Dead to Rights’ definitiv ein kurzes Abenteuer. Fest steht allerdings, dass diese sechs Stunden auch ein intensives Abenteuer sind und man jede Minute des Spiels genießen kann, vorausgesetzt, man kann mit den vielen und kleinen Mängeln leben. Solltet ihr nicht genug vom Spiel bekommen, so steht die Chance offen, das Spiel auf insgesamt drei Schwierigkeitsstufen durchzuspielen. Während der Spieler auf den leichteren Stufen keineswegs gefordert wird und das Spiel im Bezug auf den Schwierigkeitsgrad an ein Kinderspiel erinnert, hat es die höchste Stufe in sich und verlangt einen einiges ab. Nicht selten müsst ihr auf Grund von Unachtsamkeiten einige Stellen wiederholen. Habt ihr Pech, verliert ihr euer Leben an eine der Stellen im Spiel, an denen die Platzierung der Checkpoints sehr unhuman wirkt.
Dass die KI der Gegner mit der Schwierigkeitsstufe ansteigt, kann leider nicht behauptet werden. Eure Feinde verhalten sich stellenweise wie Spielfiguren aus den Anfangszeiten der Videospielgeschichte. Sie rennen ohne Sinn und Verstand auf euch zu oder ignorieren auch ihre im Sterben liegenden Companions. Wachen interessiert es beispielsweise überhaupt nicht, dass ihre Kollegen einige Meter von ihnen entfernt hinterrücks vom Spieler geschlachtet werden.
Die verhältnismäßig schlauchförmigen Levels fallen zwar auf, schaden dem Spiel aber in keinem Falle. Im Gegenteil: Durch die genaue Festlegung des Weges kann der Spieler sich noch besser auf die Action und Gefechte konzentrieren.

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Der beste Freund des Menschen

Aus der Sicht des Gameplays kann man das Spiel grob in zwei verschiedene Aspekte unterteilen. Auf der einen Seite steht das traditionelle Spielerlebnis, in welchen ihr den Hauptcharakter Jack Slate steuert. Der andere Aspekt ist der „innovative“ Teil, welcher ganz Shadow, Jacks tierischem Partner, gewidmet ist.
Diese spielbaren Parts mit Shadow machen eindeutig eine Minderheit aus. Anfangs scheint das Gameplay rund um den Hund auch noch recht neu und innovativ, umso weiter man aber im Spiel vorankommt, desto eintöniger werden diese. Das Konzept eines „Sam Fisher auf vier Pfoten“ geht zwar durchaus auf, aber lässt an spielerischer Abwechslung zu wünschen übrig. In den sehr überschaubaren Abschnitten mit Shadow geht der Spieler immer ähnlich vor. Zum einen hat er die Möglichkeit, Gegner flink entgegen zu rennen, anzuspringen und zu zerfleischen. Dass er dadurch die Aufmerksamkeit der übrigen Feinde auf sich zieht, ist selbstverständlich. Durch die Empfindlichkeit Shadow’s kann aber genau dies blitzschnell zum Tode führen. Die zweite – und im Großteil der Fälle sinnvollere – Variante ist das angesprochene Stealth-Action-Konzept. In bester Splinter Cell-Manier schleicht ihr euch von hinten an einen Bösewicht ran, tötet ihn still und heimlich und schleppt ihn letztendlich hinter die nächste Ecke, damit sein Ableben möglichst nicht von seinen Kollegen wahrgenommen wird. Wie bereits erwähnt, machen diese gut gelungenen Stealth-Action-Einlagen Spaß, werden mit der Zeit allerdings zu eintönig. Weitere Variationen und Freiheiten in Bezug auf das Agieren hätten dem System gut getan. Die Steuerung selber geht bei den Shadow-Passagen allerdings gut von der Hand. Dank des anfänglichen Tutorials und den Zwischenhinweisen während des Spiels geht die Tastenbelegung gut über. Die zwischenzeitlich eintretenden Fehlaktionen mindern den Spielspaß allerdings unnötig. So springt Shadow mal den Gegner nicht dann an, wann ihr es für richtig haltet, oder steht nicht richtig in seiner Stellung, in den Genuss eines Deckungssystem, so wie Herrchen es kennt, kommt Shadow nämlich nicht.

Hauptsächlich wird Jack selber gesteuert. Innovationen wie in den Shadow-Parts findet man bei diesen Abschnitten überhaupt nicht. Nicht nur das, das Gameplay scheint zwar altbewährt, ist technisch allerdings nicht einwandfrei und wirkt teilweise auch etwas altbacken. Das größte Problem hierbei ist wohl, dass alle Aspekte einzeln gesehen in anderen Spielen deutlich besser funktionieren und somit ‚Dead to Rights’ im direkten Vergleich mit der Konkurrenz deutlich den Kürzeren zieht. Dies soll nicht heißen, dass der Spieler keinen Spaß auf seiner Rachemission hat, es kommt lediglich ab und zu das Gefühl eines leider nur mittelmäßigen Abenteuers auf.
Grundsätzlich beherrscht Jack zwei verschiedene Kampfarten. Zum einen der Nahkampf, auf der anderen Seite das Agieren mit Fernkampfwaffen. Die angesprochene Problematik beginnt bereits bei der Verwendung der Nahkampftechniken. Zu Anfang des Spiels bekommt man lediglich eine kurze Einführung in die Nutzung dessen. Während in genau dieser der Nahkampf noch vielseitig und aufregend wirkt, sieht das im ‚echten’ Spielgeschehen komplett anders aus. Das sich mit Schlagen zur Wehr setzen ist eintönig und endet viel zu schnell im reinen Button-Smashing. Die anfangs erwähnten Combos werden allemal durch Zufall angewendet, gezieltes Einsetzen ist im Kampf eher selten möglich. Ein spielerisches Highlight sollen die „Takedowns“ sein, mit denen es dem Spieler möglich ist, den Feind mit lediglich einem Knopfdruck endgültig hinzurichten. So erscheint nach einiger Zeit ein Symbol, welches euch anzeigt, dass solch ein finaler Schlag möglich ist. Leider ist es viel zu oft möglich, Takedowns auszuführen, sodass der Nahkampf so gut wie immer wirklich nur aus Button-Smashing mit anschließender Durchführung eines Takedowns besteht.
Auf der anderen Seite steht der Kampf mit Schusswaffen. Der Spieler ist nicht von Anfang an mit diesen bestückt, es ist aber möglich, Gegner im Nahkampf zu entwaffnen und so in den Besitz zu kommen. Zwei Waffen können zum gleichen Zeitpunkt mit sich transportiert werden, ein gleichzeitiges Schießen mit beiden Pistolen ist aber nicht möglich. Der Umgang mit den Schusswaffen geht aber selbstverständlich ähnlich leicht von der Hand, wie in allen anderen Spielen dieser Art. Ein großes Ärgernis hingegen stellt das Deckungssystem in einigen Momenten dar. Die Konkurrenz zeigt auch in diesem Falle einfach mal wieder, dass es besser funktionieren kann. So kann man sich nicht hinter jedem Hindernis verstecken, sondern nur ausgewählte Objekte und Möbelstücke werden als Deckung angeboten. Beispielsweise eine Säule, die sich regelrecht zum Decken anbietet, kann nicht angesteuert werden. Es ist keine Seltenheit, dass der Spieler auf der Suche nach einer geeigneten Deckung hinterrücks von der Gegnerschaft getötet wird und somit beim letzten Checkpoint neu anfangen muss.
Ein weiteres, unzufriedenstellendes Feature ist die spielerische Verbindung zwischen Jack und Shadow. Da Shadow so gut wie immer anwesend ist, wenn ihr mit Jack unterwegs seid, könnt ihr dem 4-Beiner verschiedene Befehle geben. Ihr könnt ihn auf einen Gegner eurer Wahl losjagen, ihn zurück zu euch holen oder ihm befehlen, euch auf Schritt und Tritt zu folgen. In der Theorie klingen all diese Kommandos noch plausibel und gut durchdacht, in der Praxis versagen sie aber. Stellenweise hört Köter Shadow einfach nicht, er bleibt stehen, obwohl er sich in die Schlacht stürzen soll, er sprintet los, nachdem man ihm den Befehl zum Stehen Bleiben gegeben hat. Oft genug kosten Shadow diese Späßchen das Leben, und auf Grund der Wiederbelebungsversuche eurerseits auch euer Eigenes. Die Verständigung während des gemeinsamen Tötens stimmt hingegen, mit vereinten Kräften kann der Spieler den einen oder anderen Gegner definitiv leichter eliminieren.

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Eine grafische Trauerweide

Ein weiterer Aspekt, der die Durchschnittlichkeit von ‚Dead to Rights’ zu Tage fördert, ist die technische Seite des Spiels. Die Grafik zeigt, dass sich bei der Entwicklung auf andere Dinge konzentriert wurde. Das Setting lässt bezüglich Detailreichtum nicht viel Spielraum, allerdings wird deutlich, dass hier ungenau gearbeitet wurde. Im Groben überzeugt die Oberfläche, die Atmosphäre wird sogar noch unterstrichen. Grafikfetischisten und Freunde der hohen Kunst werden aber mit Sicherheit enttäuscht werden. Ähnliche Erfahrung macht man im Bezug auf die Animationen. Besonders in den Zwischensequenzen ist dies erkennbar. Die Figuren bewegen sich dort stockartig und zeigen keinen wahren Fluss. Während des Spiels sieht glücklicherweise alles einwandfrei aus. Höchstleistungen können zwar nicht erzielt werden, Jack & Co. wirken aber deutlich menschlicher.
Negativ anzumerken sei auch die unnötige Menge an fließenden Blut und der übertriebenen Ragdoll Effekte. Dass die Message des Spiels Brutalität beinhaltet, sollte klar sein. Dinge wie diese sind aber wohl Gründe, die das Spiel unnötigerweise schlechter dastehen lassen und die überzeugende Action zum Teil ins Lächerliche ziehen. Zum anderen langweilt die übertriebene Gewalt mit der Zeit und wirkt an einigen Stellen viel zu aufgesetzt. Nicht umsonst wurde auf Grund der Brutalität auch auf eine deutsche Version des Spiels verzichtet.

Der andere technische Teilbereich, der für viele Spieler wichtig ist, ist der Sound. Im Gegensatz zur grafischen Seite kann die Soundkulisse von ‚Dead to Rights’ vollends überzeugen. Waffengeräusche und Wutschreie der Gegner wirken zu keinem Zeitpunkt aufgesetzt und passen grundsätzlich sehr gut. Richtige Highlights vermisst man, aber zu mindestens in diesem Punkt kann sich das Spiel vom Durchschnitt abheben.
Ebenfalls ausgezeichnet ist die Sprachausgabe. Wie das komplette Spiel ist auch diese nur in der englischen Sprache vorhanden. Durch Untertitel und Grundkenntnisse in Englisch sollte dies aber kein Problem sein. Alle Sprecher, allen voran Jack Slate, wirken authentisch und sind sehr gut synchronisiert.

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Durchschnittskost oder Action-Feuerwerk?

Was für ein Fazit kann man nun schließen? ‚Dead to Rights’ ist keineswegs ein Überraschungshit, viel mehr ist es genau die Durchschnittskost, die wir erwartet haben. Nur in wenigen Aspekten kann das Spiel seine wirklich starken Seiten zeigen. Oft präsentiert es nur Dinge, die keineswegs schlecht sind, von der Konkurrenz aber einfach schon besser gelöst wurden, beispielsweise der Nahkampf, der im Laufe des Spiels an Eintönigkeit nicht zu überbieten ist. Die Shadow-Passagen zeigen gute Ansätze und versuchen innovativ zu sein, scheitern aber auch an den fehlenden Möglichkeiten und den immer wiederholenden Abläufen. Auch aus grafischer Sicht kann man diesem Werk nicht viel Positives abgewinnen. Wenig Details und nicht zufrieden stellende Animationen erfreuen nun mal kein Spielerherz.
Jede Medaille hat aber zwei Seiten. Neben der negativ-beschichteten Rückseite kann natürlich auch ‚DtR’ mit einer glänzenden Seite beeindrucken. Diese besteht hauptsächlich aus der atmosphärischen Spieldichte und der sehr guten Inszenierung der Action. Selten ist man alleine, immer wird das Konzept des „B-Movies“ perfekt übermittelt. Die Story hat zwar mit erzählerischen Schwächen zu kämpfen, taugt als Rahmenhandlung allerdings durchaus.
Im Endeffekt können wir ‚Dead to Rights’ jedem Action-Freund, der sich auch mit spielerischem Durchschnitt zufrieden gibt, empfehlen. Spaß und Action bietet es alle Mal.

Dead to Rights: Retribution Testbericht

Dead to Rights: Retribution

  • Release: 23.04.2010
  • Genre: 3rd Person Action, Action
  • Entwickler: Volatile Games
  • Publisher: Namco Bandai

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