Dead Space 3 – Review

Getestet von | 10.02.2013 um 00:00 Uhr

Wie viel Ängste oder Schicksale erträgt ein Mensch, frage ich euch? Wann bricht jemand zusammen wenn seine Welt aus den Fugen gehoben wird? Ein Name steht seit dem Jahr 2008 für genau diese Fragen. Der Mechaniker Isaac Clark hat Dinge gesehen und erlebt, die alles übertreffen. Visceral Games verfolgt eine klare Schiene. Die Dead Space Serie erscheint nicht EA typisch mindestens einmal im Jahr, denn hier zählt Qualität anstatt Quantität. Jeder neue Teil verspricht eine Neuerung und lässt, technisch gesehen, die Herzen der Spieler höher schlagen. Wo der zweite Teil mit einem Multiplayer als neuem Element erschien, wartet der neuste Ableger mit einem Koop Modus auf euch. Wie viel Grauen für jeden Einzelnen dann noch übrig bleibt und wie sich der dritte Horror-Trip spielen lässt, erfahrt ihr hier.

Screenshot

Der Marker Wahnsinn

Es begann als ein normaler Auftrag. Der Funkkontakt zum Mineralbergungsschiff ISS Ishimura ist abgebrochen und dieses treibt manövrierunfähig im All herum. An Bord des Schiffes erfuhr Isaac später den wahren Grund, denn die Besatzung wurde fast komplett ausgelöscht. Eine noch unbekannte Spezies, die Necromorphs, waren für das Massaker verantwortlich. Der damals noch emotionslose und stumme Protagonist musste einiges an Qualen erleiden, aber er überlebte. Ein sogenannter Marker, ein Alien Artefakt, beherbergt eine große Macht. Leider nicht zum Vorteil der Menschheit. Die Aufgabe war klar, der Marker musste zerstört werden. Nach der Zerstörung des Markers und nach diesen Ereignissen, wird Isaac von der Organisation EarthGov auf die Raumstation Sprawl gebracht. Dort erleidet er Monate lang Leid und Schmerz, denn die EarthGov foltert ihn, um mehr über das Erlebte zu erfahren, mehr über die Marker zu erfahren. Unter der Manipulation der Organisation musste er selbst einen bauen, ohne es bewusst mitbekommen zu haben. Die Forschungen gingen also weiter und das auf der Station selbst. Das Geschenk des Markers an Isaac war ein mentaler Plan über dessen Herkunft, Erbauung und Zerstörung. Vor Millionen von Jahren stürzte der erste schwarze Marker auf die Erde. Entdeckt wurde er aber erst viel später. Das erste Opfer der Manipulation des Markers war der Wissenschaftler Micheal Altman. Er gründete die Religion Unitology und verbreitete den Glauben an die Konvergenz. Der Marker soll die Macht besitzen, die Menschheit, oder besser gesagt die Anhänger dieser Gemeinschaft, auf die nächste Stufe der Evolution zu bringen. Doch die ernüchternde Wahrheit ist, dass die Menschen um den Marker herum manipuliert und in den Wahnsinn getrieben werden. Der Plan der Necromorphs ist, durch den Massensuizid der Menschen an mehr Nährstoff für die Ausbreitung ihrer Art zu kommen. Die Kirche ist also darauf ausgelegt mehr und mehr Anhänger zu rekrutieren. Natürlich überlebt Isaac auch dieses Desaster, aber dieses Mal mit einem Leidensgenossen, Elli Langford. Mit der Flucht und der Zerstörung der Sprawl endet dieser Horrorausflug.

Screenshot

Ein Neubeginn?

Jahre nach dem Sprawlunglück, distanziert Isaac sich mehr und mehr von dem, was ihn so plagt und quält. Aber ein normales Leben ist ihm nicht gegönnt. Noch immer bewegt sich der mentale Plan in seinem Kopf, lässt ihn Visionen erleben. Damit nicht genug, auch seine Beziehung mit Elli ist vorbei. Der Schmerz sitzt tief. Aber das Vergangene holt ihn ein, denn die Unitology baut insgeheim Marker, um immer neue Anhänger zu bekommen. Elli arbeitet mittlerweile für die Regierung und ist auf einer Mission unterwegs, um diesen Markerwahnsinn zu stoppen. Es gab vor 200 Jahren auf dem Eisplaneten Tau Volantis einen Necromorph Ausbruch, der erfolgreich eingedämmt wurde. Dort wollen sie herausfinden, wie das den Menschen damals gelungen ist. Alles was von ihr und ihrem Team übrig bleibt, ist ein Notrufsignal. Die Regierung legt die letzte Hoffnung auf Isaac. Er willigt unfreiwillig ein, nach Elli zu suchen, denn sie bedeutet ihm viel. Die Story ist spannend erzählt und so viel sei gesagt, es stehen einige Storytwists an und das letzte Viertel des Spiels überrascht mit einer nicht erwarteten Wendung. Jetzt heißt es wieder: Willkommen zurück im Wahnsinn.

Altbewährtes im neuen R.I.G.

Jetzt kommt die große Frage: Was hat sich bei dem dritten Necromorph Ausflug gegenüber dem Vorgänger geändert? Fangen wir mal beim Gameplay an. Hier hat sich am wenigsten getan. Rennen, Schießen, Zielangabe und ganz wichtig, das Stampfen bleiben weiterhin wie gewohnt angeordnet. Isaac bewegt sich, wie seit dem ersten Teil, etwas steif durch die leeren, dunklen Gänge und während des Zielens mit der Waffe ist er eher träge in der Bewegung. Der Ausflug ins All ist immer wieder ein einmaliges Erlebnis, dabei bleibt die Steuerung die Gleiche. Eine neue unnütze Fähigkeit, wie wir finden, ist das Ducken. Isaac lehnt sich an keine Wand an, kann nicht schleichen und das würde auch nichts bringen, da die Gegner immer wie wild auf euch zu gestürmt kommen. Was wirklich hilfreich ist, ist das Abrollen. So lassen sich Angriffe leicht ausweichen und der eigene Körper verlässt, zumindesten für diesen Moment, die Trägheit. Weiterhin ist der R.I.G., euer Raumanzug und das eigentliche Interface, der beste Freund. Hier organisiert ihr euer Inventar, ruft Storyinfos auf und lest euch in optionale Quests ein. Ja, ihr habt richtig gelesen, es gibt optionale Aufgaben, die aber später weiter besprochen werden. Energie- Stase- Luft- und Körpertemperaturanzeige sind, wie wir es von Dead Space gewohnt sind, am Anzug integriert. Auch das Display für die verbleibende Munition ist direkt an der Waffe angebracht. Hier gibt es aber die nächste Änderung. Es wurden zwei Waffenslots entfernt und somit habt ihr nur noch zwei Hauptwaffen dabei. Das ist aber kein großer Einschnitt, denn Visceral Games hat ein sehr umfangreiches Waffen- Craftingsystem eingebaut. An den serientypischen Werkbänken könnt ihr eurer Waffenfantasie freien Lauf lassen. Natürlich abgebremst durch das Besitzen der richtigen Materialien und Bauplänen. Ist der Plasmacutter für euch zu langweilig? Dann baut ein weiteres Tool an, welches als Maschinengewehr fungiert. Oder wie wäre es mit einem Flammenwerfer mit Granatauswurffunktion? Schon besitzt ihr insgesamt vier Waffen zur Eindämmung dieser Brut. Das System macht Spaß und die Vielfalt ist groß.

Screenshot

Jede einzelne Waffe, lässt sich auch mit Upgrade-Platinen in ihrer Feuerkraft oder Nachladegeschwindigkeit upgraden. Materialien wie Halbleiter, Gele oder Wolfram findet ihr bei jedem getötetem Gegner und in jeder Kiste. Ist das R.I.G. Inventar voll, dann habt ihr die Möglichkeit, an der Werkbank die Items zu lagern. Eine weitere sehr hilfreiche Methode an Baumaterial zu kommen ist der Sucher- Bot. Isaac untersucht die Umgebung mit dem Radar und da wo der Ausschlag am größten ist, startet der Bot seine Suche. Nach einer gewissen Zeit könnt ihr dann an der Werkbank den Bot leeren. Die Station für den Wechsel des Raumanzuges steht, wie sonst gewohnt, wieder zur Verfügung. Bestimmte Knotenpunkte für die Verbesserungen gibt es nicht mehr. Auch hier benötigt ihr bestimmtes Material. Die Upgrades beziehen sich dann auch nicht mehr auf den einzelnen Anzug, sondern auf Isaac selbst. So verbessert ihr Trefferpunkte, Panzerung und Stasemodul. Letzteres ist wieder sehr hilfreich gegen schnellere Gegner oder unkontrollierte Türen, die zu schnell schließen. Es sei dann noch erwähnt, im Kampf gegen die Necromorphs hat sich die Abtrennung der Körperteile immer als zufriedenstellend erwiesen. Fies wird es nur, wenn der frisch abgetrennte Oberkörper des Monsters mutiert und euch weiter angreift. Aber auch das Abtrennen des letzten Körperteils bringt den gewünschten Erfolg. Isaac ist eigentlich immer alleine in den finsteren Räumen und Gängen unterwegs. Für die Abwechslung sorgen die jetzt häufigeren Außenaufenthalte im luftleeren Raum. Er trifft zwischendurch Teamkameraden, muss Triebwerke betanken und Steuermodule zusammenbauen, damit ihr zusammen weiterkommen könnt. Einfache bis knackige Rätsel sind dabei zu lösen. Die Stase hilft beim Einsetzten der richtigen Sicherung, öffnet Verriegelungen oder zieht bestimmte Bauteile in die richtige Öffnung. Für Abwechslung ist also gesorgt. Neben der Hauptstory gibt es, wie schon angesprochen, optionale Missionen. Diese bringen nicht nur weitere Story- Hintergründe mit sich, nein, auch so lässt sich einiges an Materialien, Upgrade-Platinen und Artefakte sammeln. Letzteres sind versteckte Statuen, die weitere Geheimnisse und Infos rund um Dead Space preisgeben. Keine Sorge, wenn ihr mal etwas übersehen habt, dann könnt ihr das Kapitel erneut spielen ohne ganz von vorne anfangen zu müssen. Der Aufbau eines jeden Kapitels bringt das Back-Tracking mit sich. Das bedeutet ihr kommt öfters mal in ein und demselben Raum vorbei. Teil eins lässt grüßen. Durch das ganze Gerenne, kommen gute 12 bis 14 Stunden Spielzeit zusammen. Wenn ihr aber alle optionalen Quests machen wollt, dann rechnet nochmal 6 Stunden drauf.

Mit Full HD und Surround Sound in den Tod

Dead Space macht in Sachen Grafik und Sound alles richtig. Selten sieht man so eine Detailverliebtheit. Es ruckelt nicht, es gibt kein Tearing oder Grafikeinbrüche. Auch nach dem dritten Ausflug in das All, um diese Schwerelosigkeit zu erleben, ist und bleibt ein besonderes Erlebnis. Der Sound untermalt die düstere Atmosphäre und die Necromorphs sehen nicht nur klasse aus, sondern hören sich auch echt fies an. Die verschiedenen Arten der Necros sind schön gruselig gestaltet. Das haben die Jungs und Mädels von Visceral Games echt drauf. Hier stimmt alles. Die Abwechslung der Orte, die ihr besucht ist auch super gelungen. Bevor es zum Eisplaneten geht, besucht ihr Raumstationen und einen Schiffsfriedhof im All. Kleines Manko, die dämliche Wartezeit, die man hat, wenn man eine Tür öffnen will. Leider wartet ihr des Öfteren mehrere Sekunden. Die Ladezeit muss ja irgendwie überbrückt werden.

Screenshot

Doppelter Spaß, kein Horror ?

Die größte Änderung in diesem Spiel ist der Koop-Modus. Die Story lässt sich komplett mit einem Freund durchspielen. Der Clou ist, dass der Kollege nicht einfach nebenher läuft, sondern auch mit in die Story integriert wird. Isaac macht sich zusammen mit dem Soldaten John Carver auf, um dem Wahnsinn ein Ende zu setzten. Die beiden unterhalten sich miteinander, Rätsel werden zusammen gelöst oder der Kollege muss dem Anderen den Rücken frei halten, wenn ihr gerade ein Gegenstand einbauen müsst. Natürlich helft ihr euch untereinander, wenn die Energie mal kritisch wird. Es lassen sich auch Module an den Waffen anbringen, die bestimmten Support bei Benutzung für den Partner liefern, wie z.B. Stase-Unterstützung. Interessant ist auch, dass die Solo Kampagne gestartet werden und im laufenden Spiel ein Freund eingeladen werden kann. Ihr zockt einen Abschnitt, in dem der Kollege voll integriert wird und dann trennt ihr euch und das Solospiel kann weiter gehen. Zugegeben, das Spiel wird schnell zu einem Shooter aber auch im Koop warten einige Gruselmomente. John Carver hat auch eine bestimmte Rolle und eine eigene Geschichte in diesem Universum. Geplagt von Zweifeln an sich selbst, im Leben alles falsch gemacht zu haben, wird er von Visionen seiner Familie heimgesucht. In bestimmten Spielabschnitten verfällt John in Visionen ohne, dass Isaac zuerst davon etwas mitbekommt. Er sieht z.B. Dinge, die seinen Sohn betreffen, wie Spielzeugsoldaten. Dann geht der Spaß auch los. John muss Albträume in Form von Angriffen des Markers überstehen. Isaac muss ihn genau jetzt unterstützen, denn Gegnerscharen müssen abgewehrt werden. Echt genial und mit Gänsehautpotenzial.

Screenshot

Mach uns vollkommen

Das Gefühl, dass beim Spielen von Dead Space 3 aufkommt, ist zwiespältig. Es ist keineswegs mehr wie seine Vorgänger. Ist das etwa schlimm? Für die eingefleischten Fans sicherlich, aber es gibt dennoch mehr Positiveres, als sich nur auf dem Horroraspekt zu berufen. Der Koop Modus ist super in das Spiel integriert. Das Waffencrafting ist sehr umfangreich und es lässt euch kreativ werden. Die Story unterhält und fesselt bis zum Schluss. Die Nebenmissionen erweitern die Spiellänge zum Positiven und bringen keine Langeweile. Die Grafik, der Sound und das Gameplay haben sich nicht sonderlich geändert, aber auch nicht verschlechtert. Ihr seht, es ist ein gelungenes Spiel geworden, das klar den Actionteil hervorhebt und den Horror in kleinen Dosen serviert. Neueinsteiger müssen sich in die Story einlesen und Fans müssen mit den Veränderungen klar kommen oder ignorieren. Im Großen und Ganzen aber ein klasse Spiel, welches die Vorgänger nicht übertrifft, aber dennoch an sie anschließt.

Gutes

+ Die Sory ist gelungen
+ Umfangreiches Waffenbausystem
+ Der Koop Modus macht Spaß
+ Technisch überzeugend
+ Optionale Aufgaben

Schlechtes

- Mehr Action als Horror
- Back Tracking

9.0 Must Have

Kommentare

Du hast etwas zu sagen?

Jetzt einloggen oder registrieren um ein Kommentar zu schreiben

Das könnte dich auch interessieren