Dantes Inferno – Review

Getestet von | 21.02.2010 um 00:00 Uhr

Was? Zur Hölle…
Bereits mit Dead Space überzeugten die Entwickler von Visceral Games, das sie mindestens ihm Horror-Genre das Zeug zum Topspiel haben. In ihrem neuesten Spiel „Dantes Inferno“ geht die Reise nun direkt in die Hölle. Und versucht sich zugleich eine gute Position im Hack and Slay Horror-Action Genrebereich zu sichern. Geht die Rechnung auf oder sollte vor dem Höllentor doch ein Stoppschild angebracht werden? Lest selbst wie infernalisch Dantes Inferno wirklich ist.

Einmal Hölle und zurück?
Im Jahre 1191. Fest im Glauben Gottes zu handeln unternimmt ein Kreuzritter namens Dante während eines Kreuzzuges den entscheidenden Angriff auf die Stadt Acre. Als während eines feigen Mordanschlages der Sensenmann höchstpersönlich dessen Seele einfordert, wird Dante allerdings erst richtig bewusst dass er sich vielmehr den Weg in die Hölle freischaufelte. Kurzerhand den Tod selbst ins Jenseits zurückgeschickt macht sich der von Sünden geplagte Held der Geschichte auf, um nach Jahren des Krieges zu seiner Verlobten Beatrice zurück zu kehren. Hier nimmt die wahre Tragödie erst richtig seinen Lauf. Vor den Augen Dantes entreißt Luzifer der bereits zuvor ermordeten Geliebten die Seele, und flüchtet mit ihr in die Tiefen des Höllenreiches. Bis zu einem gewissen Punkt entpuppt sich Dantes Inferno dadurch zu einer einzigen Seelen-Rettungsaktion, quer durch die Hölle. Doch nach und nach fügen sich immer mehr Puzzleteile der Handlung zusammen. Was sind die wahren Absichten Luzifers, und wie hat er es geschafft die Seele von Beatrice einzufordern? Waren die blutigen Kreuzzüge wirklich Dantes einzige Sünden? Und wird er dadurch auf ewig in der Hölle schmoren? Trotz Überraschungen wirkt die Handlung leider etwas oberflächlich, und geht nur sehr selten ins Detail. In den meisten Fällen wird der Handlungsbogen rein durch Ingame-Szenen erzählt. Neben Videosequenzen greifen die Entwickler als dritte Darstellungsart aber auch zu Szenen im reinen Zeichentrickstil zurück, die in Rückblenden einen Einblick auf Dantes storyrelevanten Sünden geben.

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Göttliche Komödie
Dantes Inferno präsentiert sich als reines Hack and Slay Spiel. Hierbei wurde nicht weniger als God of War zum Vorbild genommen. So finden sich zum Beispiel die immer häufiger zum Einsatz kommenden Quick-Time Events wieder. Hier müssen je bei Zwischenbossen und bestimmten Ereignissen rechtzeitig bestimmte Tasten gedrückt werden, die bei einem Fehlschlag entweder im Tod oder in der Wiederholung enden. Geht es direkt zur Sache steht dem Spieler allerdings nur eine einzige Nahkampf-Waffe zur Verfügung. Eine Sense die sich Dante bereits zu Spielbeginn vom Tod „ausborgen“ durfte. Als die Fernkampf-Alternative stellt sich das heilige Kreuz dar, welches durch hell leuchtende Kreuze auch weit entfernte Gegner Sorgen bereitet. Beide Waffen sind an ein komplex aufgebautes Upgrade-System gekoppelt. So lassen sich mit von besiegten Gegnern erbeutete Seelen unter vielen anderem zerstörerische Combos oder mehr Lebensenergie freischalten. Aber auch das jeweilige Upgrade-System muss für neue käuflich erwerbbare Funktionen aufgelevelt werden. Hierfür müssen Seelen jeweils per Erlösung oder Bestrafung gesammelt werden. So kann ein Großteil der Gegnerschaft mit der entsprechenden Tastenkombination entweder mit der Sense hingerichtet werden, oder per heiliges Kreuz Erlösung finden. Hier, wie auch in allen anderen brutaleren Tötungssequenzen, zeigt sich auch warum dem Spiel ein ab 18 Stempel aufgedrückt wurde. Von Zeit zu Zeit trifft Dante allerdings auch auf versündigte harmlose Seelen, dessen Schicksal in euren Händen liegt. Wer schon immer mal bekannte historische Charaktere wie Atilla den Hunnenkönig bestrafen, oder Arthur die ewige Erlösung gewähren wollte, bietet sich hier nun die Chance dazu. Aber auch für das Leveldesign hat man sich was besonderes überlegt. Als der italienische Philosoph Dante Alighieri sein berühmtes Werk „Göttliche Komödie“ verfasste, ahnte er wohl nicht das rund 700 Jahren später die Entwickler von Visceral Games dies als Grundkonzept für ihr neuestes Spiel nehmen würden. So teilt sich die Hölle in 9 Zirkel auf, die jeweils auf einer der Todsünden aufbauen. Hier haben sich die Entwickler keine Grenzen gesetzt und wohl jedes noch so kleinste kranke Detail in die Tat umgesetzt. Um zum Beispiel den Zirkel der Maßlosigkeit zu überleben gilt es eine Art Magen zu durchqueren. Und was wäre eine Hölle ohne die mythologischen Schauplätze wie den Fluss Styx, mitsamt Charon? Jener Fährmann dessen Aufgabe darin besteht verdorbene Seelen ins Höllenreich zu führen. Das er seine Aufgabe gut macht, beweisen fast sämtliche Wege. Ständig fällt der Blick auf lebende Körper, dessen Schicksal es ist auf ewig den Qualen der Hölle ausgeliefert zu sein. Je nach Ort auf andere Art und Weise. Aber auch die Gegner bauen auf die jeweiligen Bereiche auf. Im Zirkel der Wollust etwa attackieren den Spieler unter anderem leicht bekleidete weibliche Kreaturen. Nackte Tatsachen die sich auch in den Zwischensequenzen wiederfinden. Neben dem üblichen Kanonenfutter wie ungetaufte Babys erfordern einige Gegnerarten eine besondere Taktik. So gibt es Magier die einen magischen Schutz auf sich und Verbündete sprechen, selber aber der Sense hilflos ausgeliefert sind. Brennende Kreaturen müssen dagegen erst mit dem heiligen Kreuz gelöscht werden, bevor ihr wunder Punkt zum Vorschein kommt. Nicht selten wird auch ein bestimmter Bereich abgesperrt, der erst durch den Sieg der heranstürmenden Angreifer wieder passierbar wird. Taktisch und zugleich mächtig in Szene gesetzt wurden zudem die zahlreichen Bossgegner. Der dreiköpfige Höllenhund Cerberus ist hier nur einer von vielen, die in Dante eine Fliege zum Zerquetschen sehen. Der Game Over Bildschirm dürfte allerdings viel mehr an anderen Stellen auftreten. So erweisen sich so manch Sprungpassagen von Seil zu Seil als besonders knifflig. Als Prädikat „besonders schnell tötend“ präsentieren sich auch die zahlreichen Rätsel. Die je nach Art Timing, Geschick oder logisches Denken erfordern. Als wirklich fordernd erweist sich allerdings keine davon. Trotz streng linearer Levelstruktur finden sich abseits des Hauptweges fast ständig neue spezielle Fähigkeiten, von denen allerdings nur ein Bruchteil gleichzeitig angelegt werden darf. Etwa mehr Menge an Seelen oder verstärkte Magie. Während einige wieder mit Rätseln oder verstärkten Hindernissen verbunden sind, lassen sich viele der kleineren Wege erst nach genaueren hinsehen erspähen. Ab und zu begegnet Dante aber auch den geisterhaften Philosophen Vergil, der neben seiner aus Reimen bestehenden Weisheiten auch ab und zu eine Fähigkeit rausrückt.

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Steuere zur Hölle!
Hack and Slay Spiele sind dafür bekannt sich mit nur einem Button durch ganze Horden von Gegnern zu jagen. So erweist sich auch in Dantes Inferno die Quadrat-Taste als erste Wahl für schnell folgende Angriffe. Mittels der Dreieck-Taste teilt Dante dagegen langsamere aber auch kräftigere Sensenhiebe aus. Diese lassen sich je untereinander und in Verbindung mit den Kreuzattacken kombinieren. Mit fortschreitender Erfahrung listen sich immer stärkere und komplexere Combo-Varianten hinzu. Um den Horden der Hölle gewachsen zu sein, sind diese allerdings nicht wirklich erforderlich. Monologe Sensen und Kreuzangriffe vermischt mit je der Bestrafung oder Erlösung der R2 Taste führen oftmals zum selben Ergebnis. Sollte es doch einmal knapp werden sorgt Magie, wie ein schneller Eisangriff, für neue Verzweiflung in feindlichen Kreisen. Per gedrückter L1 Taste lassen sich über die Symboltasten nach und nach bis zu 4 Magiearten anwählen. Der R1 Taste wurde dagegen die Funktion der Aktions-Taste zugeteilt. Etwa um Türen zu öffnen oder Objekte zu verschieben. Um solche Möglichkeiten der Interaktion nicht zu übersehen werden diese zudem noch mit einer hell leuchtenden Kugel markiert. Ein Hilfsmittel das besonders unter Zeitdruck nicht zu unterschätzen ist. Etwas ungewohnt wurde der R3 Analogstick belegt. Mit dieser führt der Spieler schnelle Ausweichmanöver in gewünschter Richtung aus. Die ansonsten für den R3 Analogstick typische Kamerasteuerung wurde von den Entwicklern gar nicht erst eingebaut. Was allerdings nicht unbedingt als Minus angesehen werden muss. In vielen Fällen positioniert sich die Kamera in den günstigsten Winkel. Allerdings kann es dadurch gerade in hektischen Situationen passieren das der Held bei einer Sprungpassage direkt in den Abgrund springt. Lag der letzte stationäre Speicherpunkt zudem auch noch ein Weilchen zurück, wird es dann natürlich umso mehr frustiger.

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Grafik zum Dahinschmelzen
Grafisch wird das Auge mit einem durchgehend hohen Grad an Qualität belohnt. Besonders die Zwischensequenzen mischen in der oberen Liga mit. Nur die im Zeichentrickstil gehaltenen Sequenzen dürften für gespaltene Meinungen sorgen. Wieder deutlicher erscheint die Ingame-Grafik. Mit konstant 60 Bildern pro Sekunde und 720p Auflösung präsentiert sich die Hölle ohne Ruckler und wird auch bei verstärkten Feindaufkommen nie in die Knie gezwungen. Positiv darf sich auch der Detailgrad anschließen, der besonders bei den Gegnern und Effekten zum Vorschein kommt. Besonders die hellen Erlösungen an den geschwächten Gegnern kommen in einem Reich ohne Tageslicht gut rüber. Durch das Höllen-Setting sei natürlich noch erwähnt das die Umgebungen sich untereinander nie wirklich großartig unterscheiden. Zwar gibt es wie erwähnt 9 Zirkel der Hölle, die allesamt doch ihre eindeutigen Merkmale haben, letztendlich ist es allerdings immer noch eine einzige düstere aber herrlich verzweifelnd in Szene gesetzte Hölle. Im Grunde der eigentliche Star von Dantes Inferno.

Qualvolle Soundkulisse
Wer sich die Hölle als klanglosen Schauplatz vorstellt wird von Visceral Games schnell eines Besseren belehrt. Kaum in der Hölle angekommen dringen dem Spieler bereits die qualvollen Schreie unzähliger verdammter Seelen entgegen. Dies allein reicht eigentlich schon aus um dem Spiel eine besonders dichte Atmosphäre zu verleihen. Der orchestrale Soundtrack steht diesem in nichts nach. Besonders zu speziellen Ereignissen wie der Kampf mit einem Boss zeigt dieser was für heiße Töne in der Hölle wirklich gespielt werden. Aber auch die Geräusche die etwa die Gegner von sich geben, lassen sich nicht negativ bewerten. Besonders wenn Dante gerade einen der größeren von ihnen weiter unten in die Hölle schickt. Als fragwürdig darf dagegen Dantes deutsche Stimme betrachtet werden. Diese wirkt, um nicht verängstigt zu sagen, ziemlich heiser. Für einen gestandenen Kreuzritter wäre eine kräftigere und eventuell noch frechere Art glaubwürdiger gewesen. Umso überraschender stellen sich die restlichen Vertonungen als ziemlich gelungen heraus.

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Lieber an der Oberfläche bleiben?
Die Entwickler von Visceral Games dürften mit Dantes Inferno wohl so einige Spieler zum sündenlosen Leben bewegen. Bei manchen Stellen im Höllenreich lässt einem glatt die Frage aufkommen ob es selbige wirklich gibt. Wenn dann noch die Rubriken Grafik und Sound überzeugen, darf durchaus von einem Überraschungshit gesprochen werden. Die Handlung wirkt zwar etwas oberflächlich, überrascht dafür aber wiederum mit einigen Überraschungen. Unschöne Überraschungen sorgen dafür auch einige Sprungpassagen, in Verbindung mit einer teils ungünstigen Kameraperspektive. Diese enden oftmals im tödlichen Sturz. Getrennte Meinungen dürfte auch Dantes deutsche Stimme mit sich bringen. Irgendwie will sie nicht so recht zu einem abgehärteten Kreuzritter passen. Kritisch betrachtet kann nach eigenen ermessen auch die Spielzeit von nur rund 10 Stunden angesehen werden. Allgemein betrachtet konnten auch diese Punkte nicht verhindern das aus Dantes Inferno ein sehr gutes Spiel geworden ist. Besonders für Spieler die mit brutalen Hack and Slay Games vertraut sind, darf hier ein eindeutiger Pflichtkauf ausgesprochen werden.

Gutes

herrlich verzweifelnde Hölle
sehr guter Grafik & Sound Bereich
reibungslose rasante Kämpfe
gewaltige zahlreiche Bosse

Schlechtes

einzelne undurchsichtige Sprungpassagen
Handlung hätte komplexer sein können
Setting ähnelt sich an vielen Orten

8.5 Sehr gut

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