DanceStar Party – Review

Getestet von | 13.11.2011 um 00:00 Uhr

Lange war es still um die London Studios. Das in England produzierende Entwicklerteam Sonys hat sich in den vergangenen Jahren hauptsächlich auf den Karaoke-Verkaufsschlager „Singstar“ spezialisiert. Im laufenden Jahr wurde es dann ruhig um die Geldkuh. Wurde vorher zu Zeiten sogar monatlich ein Ableger des Singspiels veröffentlicht, war im Dezember 2010 erst einmal Schluss. Sony brachte die „revolutionären“ Ableger „Guitar“ und „Dance“ auf dem Markt und beschränkte sich fortlaufend auf den Verkauf von einzelnen Songs im Singstore – Disk-Ableger wurden keine mehr veröffentlicht. Mit einer Menge Ideen im Gepäck machten die London Studios also eine kreative Pause und schicken nun ihr neues Musikspiel „DanceStar Party“ in den Ring! Kommt beim Tanzspiel Partystimmung auf oder ist die Luft aus dem Genre komplett raus? Lest unser Review und erfahrt die ganze Wahrheit!

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Die größten Hits und das Beste von Früher

„DanceStar Party“ fängt da an, wo „Singstar“ aufgehört hat. Im Dezember vergangenen Jahres startete Sony eine große Offensive und wehrte sich gegen die Vorwürfe der Fangemeinschaft, die Singspielreihe würde stagnieren. Neue Gameplay-Elemente wurden hinzugefügt. Während das Gitarren-Addon völlig misslang, brachten die Entwickler mit dem „Dance“-Zusatz eine sinnvolle und auch spaßige Funktion ins Spiel, die zu überzeugen wusste. Gegen reine Tanzspiele, die sich auf diesen Aspekt spezialisiert haben, stank „Singstar Dance“ dennoch ab. Für ihr neues Projekt „DanceStar“ suchten sich die London Studios nun ein wahrlich gewagten Releasetermin aus. Auf der Konkurrenzkonsole aus dem Hause Microsoft wurde vor kurzem die Fortsetzung des maßstabsetzenden „Dance Central“ veröffentlicht, Ubisoft schickt erstmalig den etablierten Mitbegründer des modernen Tanzgenres „Just Dance“ auf die Playstation. Der erste Blick dürfte also schon für viele potentielle Käufer im Kaufhaus entscheidend sein. Dieser erste Blick wird bei einem Musikspiel wohl hauptsächlich durch die Songliste bestimmt. Bei „Singstar“ bewiesen die Verantwortlichen schon seit Tag 1 ein gutes Händchen und brillierten des Öfteren mit ausgewogenen und interessant gestalteten Songauswahlen. Insgesamt 40 Songs stehen im neuen Tanzspiel zur Auswahl und die Liste zeigt: Die London Studios haben nichts verlernt. Dass nicht jeder Spieler zu hundert Prozent angesprochen werden kann, ist klar, aber die Setlist erstreckt sich über mehrere Dekaden und Genres und bietet so für jeden etwas. Rihanna und Lady Gaga geben sich so beispielsweise genauso die Ehre wie die schwedischen Rocker Mando Diao oder der alteingesessene Hase Elton John. Für die Jugend der 80er wurden Diana Ross oder Kool & The Gang implementiert und das darauffolgende Jahrzehnt wird zum Beispiel durch Culture Beats „Mr. Vain“ vertreten. Und kein Song könnte für ein Tanzspiel wohl passender sein als „Macarena“ – Los Del Rio sind mit ihrem Ohrwurmgarant nämlich auch mit dabei. Aber einmal wieder wird auch bewiesen, inwiefern man zwischen den hochkarätigen Songs auch einige Ausreißer nach unten verstecken kann. Ein Barry White (My Everything) oder eine Lena Meyer-Landrut (Satellite) sind durchaus erfolgreiche Künstler mit beliebten Titeln, eignen sich aber nur bedingt für ein Tanzspiel. Auf der anderen Seite gibt es dann aber auch die Artisten, die grundsätzlich interessant sein können, aber mit einem völlig unbrauchbaren Titel mit von der Partie sind. Zu guter Letzt haben wir dann noch die Kategorie an Songs, die völlig fehl am Platz sind: gänzlich unbekannt und auch schlecht geeignet. Bei „DanceStar“ stellen diese zwar die Ausnahme dar, beim Skippen durch die Songliste werden die meisten Spieler sie aber wohl doch als stören empfinden.
Ob in Zukunft ein ähnliches Repertoire an herunterladbaren Inhalten bereitgestellt wird wie bei Singstar, ist momentan noch ungewiss. Zwei Wochen nach Release wurden jedenfalls erst zwei Packs à fünf Lieder veröffentlicht – unter Umständen darf man sich vielleicht später ja aber noch über einen „DanceStore“ freuen.

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Schwing dein Tanzbein!

Das Tanzen funktioniert zumindest auf dem Papier ähnlich einfach wie das Singen im älteren Bruder Singstar. Nach der Auswahl des Schwierigkeitsgrades beginnt ohne lange Ladezeiten der Song vor sich hinzuträllern. Währenddessen dürft ihr mit eurem Vortänzer Bekanntschaft machen – auf dem Bildschirm wird die zu tanzende Choreographie immer von einem Tänzer oder einer Tänzerin – der oder die im Übrigen immer einzigartig ist und sich äußerlich am originalen Video orientiert – vorgemacht. Der mutige Partygast, der sich Move-Controller geschnappt hat und bereit für die Herausforderung ist, muss diese im Handumdrehen nachahmen. Selbstverständlich nicht, ohne zumindest eine kleine Hilfestellung an die Hand zu bekommen. Am Bildschirmrand wird nämlich mit kleinen Bildern und Figürchen skizziert, wie euer nächster Tanzschritt auszusehen hat. Anschließend muss dieser mit einigen Wiederholungen ausgeführt werden. Problematisch an der Sache ist die eher undurchsichtige Skizzierung der Steps. Nicht immer weiß man ganz genau, was gemeint ist und kommt so schnell aus dem Takt, wenn es zum nächsten Schritt übergeht und erst mal der Vortänzer studiert werden muss, um wieder in die Choreographie einzusteigen. So steigt der Frust- und sinkt der Partyfaktor. Denn wohl erst nach mehrmaligem Üben kann die Tanzschrittfolge richtig verinnerlicht werden.

Körpereinsatz ist gefragt – oder auch nicht?

Doch nicht falsch verstehen: Ein paar Tanzeinlagen für zwischendurch können durchaus Spaß machen und auch die eigene Heimparty auflockern. Und vor allem dann stört wohl auch weniger der Aspekt, dass die Erkennung markante Schwächen aufweist. Das liegt daran, dass die EyeCam in „DanceStar“ lediglich die Bewegung des Move-Controllers realisiert und demnach eigentlich auch nur die Bewegung des jeweiligen Arms bewertet. Das tanzende Vorbild hingegen ist mit vollem Körpereinsatz dabei und das Spiel suggeriert euch, dass dies auch von euch erwartet wird. Spielt man aus Spaß – und das sollte das Motiv bei solch einem Videospiel sein – dann interessiert es natürlich nicht viel, inwiefern und wofür man die Punkte bekommt. Legt man es jedoch auf eine Highscore-Jagd an, kann auch ohne große Anstrengung eine hohe Punktzahl erzielt werden. „DanceStar“ beweist also mal wieder eindrucksvoll, warum die Konkurrenz, und damit ist explizit die aus dem Hause Microsoft gemeint – „Just Dance“ trumpft mit ähnlichen Fehlern auf – doch ein Schritt voraus ist. Das exklusive Kinect-Tanzspiel „Dance Central“ fordert Einsatz ohne Ende, da der gesamte Körper gescannt wird. Die EyeCam hätte ähnliches in Kombination mit Move mit Sicherheit auch schaffen können, auf diese Möglichkeit hat man bei Sony aber verzichtet.
Nicht verzichten wollte man auf Gesangseinlagen von Partygästen. Sind beide Move-Controller, die angeschlossen werden können, belegt, bleibt für die weiteren Gäste nur noch der Griff zum Mikrofon. Am unteren Bildschirmrand wird Karaoke-getreu der zu singende Text eingeblendet, mit Hilfe eines USB-Mikrofons kann er dann lautstark mitgeträllert werden. Wahlweise kann auch durch das integrierte Mikrofon in der Kamera gesungen werden, sodass auch fleißige Tänzer die Möglichkeit haben, neben ihren gesamten Körper auch ihre Stimmbänder in Form zu bringen. Wer beim Singmodus Großes a la Singstar erwartet, wird enttäuscht. Es handelt sich lediglich um eine kleine, für Partys aber durchaus feine, Ergänzung zum eigentlichen Spielprinzip.

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Create your Choreography

Das Spiel kann wahlweise mit einem oder zwei Move-Controller gespielt werden. Solisten werden wohl weniger ihren Spaß haben, das volle Potenzial entfaltet sich erst in der Gruppe. Schade ist deshalb, dass maximal zwei Spieler gleichzeitig vom Spiel erkannt werden können. Dann können aber sowohl kooperative als auch kompetitive Tänze durchgeführt werden. Für große Gruppen eignet sich dann noch der Partymodus, indem bis zu 20 Spieler involviert werden können – auch wenn hier wieder nur abwechselnd. Ein besonderes Augenmerk wollen wir allerdings noch auf den „Tanz-Innovator“ werfen. Hinter diesem Modus versteckt sich eine Art Editor, mit dem eigene Choreographien kreiert werden können. Zu jedem Song kann ein Video aufgenommen werden, in dem ihr eure eigenen Tanzschritte präsentiert. Nach getaner Arbeit kann euer Meisterwerk dann im fertigen Song neben dem Musikvideo platziert werden und ihr & all eure Freunde dürft zur Tanzeinlage mit individuellen Touch das Tanzbein (oder den Tanzarm) schwingen. Die anderen zusätzlichen Modi sind eher überflüssig. In einem virtuellen Proberaum dürfen kleinere Abschnitte der Songs geübt werden, in einem speziellen Fitness-Modus müsst ihr Kalorien verbrennen. Beide Modi haben aber mit dicken Patzern zu kämpfen. Die Tanzschule ist in Punkto Einstellungsmöglichkeiten einfach nicht umfangreich genug, um ernsthaft üben zu können. Der Fitness-Modus ist zu einfach gestrickt und lässt sich darüber hinaus schnell austricksen.
Doch ein Menüpunkt weckt dann doch noch unser Interesse. In „Singstar“ war es die Community, die das Spielerlebnis das entscheidende Etwas verliehen hat. In „DanceStar“ könnte dies in Zukunft ähnlich der Fall sein. Wieder dürfen alle Spieler ihre Videos auf den Server hochladen und somit der ganzen Welt präsentieren. Was einem dort geboten wird, zaubert einen oft ein Grinsen oder fettes Lachen ins Gesicht. Die verschiedensten Spielergruppen und Videos findet man dort. Jung, alt, ernsthaft, romantisch, urkomisch. Die ein oder andere kalte Winderabendstunde kann also auch gerne damit verbracht werden, sich durch all die Perfomances zu klicken.

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Licht aus – Tanzfläche leer

Die London Studios haben damals mit „Singstar“ etwas erschaffen, was oft kopiert, aber niemals erreicht werden konnte. Nun greifen sie selbst zum Kopierer und orientieren sich bezüglich Spielmechanik viel am Mitbegründer des Genres „Just Dance“. Leider bringt dies so einige Tücken mit sich. Das Spiel kann durchaus ein Partykracher vom feinsten sein, birgt aber nichtsdestotrotz viele technische Schwächen. Die undurchsichtigen Piktogramme sorgen für Frustmomente, die Kamera erkennt lediglich den Arm, in dem der Move-Controller gehalten wird und nicht den ganzen Körper. Doch man versucht aufzutrumpfen und diese Trumpfe werten „DanceStar“ letztendlich auch auf. Neben der durchaus soliden Songliste sind es vor allem Choreographie-Ersteller und Community-Features, die für kurzweilige Unterhaltung sorgen. In Zukunft könnte aber vielleicht eine einzige Sache für den dauerhaften Spielspaß entscheidend sein. Gelingt es Sony eine ähnlich große Songbibliothek wie in „Singstar“ aufzubauen, dann könnten immer wieder neue Impulse geschaffen werden. Doch eins ist klar: „DanceStar“ ist als Tanzspiel zu gebrauchen, auch wenn als eins mit vielen Fehlern behaftetes.

Gutes

+ gute, ausgewogene Auswahl an Liedern,…
+ grundsätzlich gute Partytauglichkeit,…
+ eigene Choreographien
+ gutes Community-Feature

Schlechtes

- … die einige Fehltritte mit sich bringt
- … die durch viele Frustmomente geschmälert wird
- keine Erkennung des ganzen Körpers
- kopiert viel von „Just Dance“ & das eher schlecht als recht

7.0 Gut

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