DanceDanceRevolution New Moves – Review

Getestet von | 27.03.2011 um 00:00 Uhr

Das Musikspiel-Genre ist tot, lang leben die Musikspiele! Hat es mit den immer schlechter werdenden Verkaufszahlen von Guitar Hero, Rock Band & Konsorten so langsam den Eindruck gemacht, als verschwände das Musikspielgenre nach einigen Jahren auf dem absoluten Höhepunkt gänzlich von der Bildfläche, so tritt nun wieder ein Subgenre in Erscheinung, welches schon längst wieder in Vergessenheit geraten ist. Auf Nintendos Familienkonsole nahm es vor zwei Jahren seinen Anfang und nun scheint dank Motioncontroller und demnach wachsenden Publikum die Tanzspiel-Mania auch auf Next Gen-Konsolen überzuschwappen. Während Xboxler mit ihrem controllerfreien Steuerungssystem bereits auf eine gewisse Anzahl an „Rumhüpfen-und-dabei-dämlich-aussehen“-Spielen zurückgreifen können, veröffentlicht Konami für Sony-Jünger „DanceDanceRevolution New Moves“, der neueste Ableger einer der absoluten Mitbegründer des Genres. Ob „DDR New Moves“ zu überzeugen weiß oder nur erfolglos mit dem Hype mitschwimmen will, erfahrt ihr in unserem Review!

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Die Musik macht’s

Ist die Matte aufgebaut und das Spiel eingelegt, so erkennen fuchsige „DDR“-Fans auch schon gleich den ersten großen Unterschied – und vielleicht auch Manko – im Vergleich zu vorangegangenen Teilen der Tanzspielreihe. Setzte Konami in der der 13-jährigen Spielegeschichte bisher eher auf eigen produzierten Japan-Pop und Remixe in sämtlichen Formen, versucht man sich in „New Moves“ eher an lizenzierter Popmusik. Betrachtet man den bisherigen Verlauf des Genres, so ist dies aus kommerzieller Sicht aber wohl verständlich. Und auf Partys macht es dann doch vielleicht mehr Spaß, zusammen mit Freunden zu Liedern wie „Bad Romance“, „We Are Family“ oder „My Life Would Suck Without You“ zu tanzen – auf Grund des Bekanntheitsgrades mag vielleicht auch der Spielspaß höher sein. Doch bitte nicht falsch verstehen: Konami denkt auch im neuesten Ableger an die treuen Fans und bietet einen großen Haufen an „DDR“-typischer Musik. Der Großteil der insgesamt 30 Mixes muss aber erst frei geschaltet werden, wohingegen die 20 Lizenz-Tracks bereits von Anfang an spielbar sind. Bezüglich Inhalt und Quantität dürfte „DanceDanceRevolution New Moves“ also niemanden so wirklich enttäuschen. Grundvoraussetzung ist aber – wie bei Musikspielen üblich – das die Auswahl an Songs einem Jeden generell zusagt.

Doch mindestens genauso wichtig ist, dass das Spielprinzip selbst zu gefallen weiß. Befinden sich im Spielenamen selbst bereits die Wörter „Dance“ und „Move“, so sollten potentielle Käufer wissen, worauf sie sich einlassen – auch wenn sie von dem Franchise zuvor noch nie was gehört haben. Mit der mitgelieferten Tanzmatte gilt es, die auf dem Bildschirm angezeigten Pfeile nachzutanzen. Dafür tätigt ihr auf der Matte Schritte in die jeweilige Richtung. Zeigt der Pfeil nach links, so macht ihr einen Schritt nach links, selbiges gilt für Rechts-, Vorwärts- und Rückwärtsschritte. Mit steigendem Schwierigkeitsgrad erscheint vor euch eine immer höhere Anzahl an Pfeilen, sodass von euch selbstverständlich auch immer mehr gefordert wird. Und mit genügend Übung kann der Spieler dann auch den Spielhallen-Hardcore-Zockern nacheifern, wie man sie aus Film & Fernsehen kennt. Das größte Problem von „DDR: New Moves“ ist allerdings, dass Neuerungen so gut wie ausbleiben. Neulinge der Serie stört dies natürlich nicht, alle anderen könnten dies aber als Kritikpunkt auffassen, der den Nichtkauf des Spiels generell rechtfertigen könnte. Ist alte Soft- und Hardware noch im Besitz, so macht es möglicherweise genau so viel Spaß, diese noch mal auszupacken. Nichtsdestotrotz macht das Spiel im Bezug auf das Hauptaugenmerk, das Spielerlebnis mit der Tanzmatte, alles richtig und auch alte Hasen können Spaß haben, vorausgesetzt sie schnuppern vorher hinein, um zu schauen, ob die Trackliste ihren Wünschen entspricht und das vielleicht zu bekannte Gameplay in der Art und Weise stimmt.

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Schwing deine Arme!

Doch ganz ohne Innovationen kommt man bei Konami natürlich nicht aus. Hat man sich bereits auf der Xbox an der bewegungsintensiven Steuerung versucht, so findet auch in „New Moves“ die neue Technologie, in diesem Fall Sonys Move-Controller, ihren Einzug. Leider beschränkt man sich hierbei auf lediglich einen speziellen Spielmodus mit dem äußerst passenden Namen „Step & Move“. Während das „Steppen“ wie üblich verläuft, muss der Tänzer parallel zu den Schritten auch die Arme in eine von vier Richtungen bewegen. Theoretisch könnte dieses Spielelement tatsächlich für ein neues und lustigeres Spielgefühl sorgen. Praktisch nicht. Die Umsetzung ist so witzlos und uninteressant geworden, wie man es sich nur vorstellen kann. Die Bewegungen passen nicht wirklich zur restlichen Choreographie und der ganze Spaß wird einfach viel zu schnell langweilig, da sich schnell eine totale Eintönigkeit breit macht. Von einem Kauf lediglich auf Grund der Move-Umsetzung raten wir also definitiv ab!
Bezüglich der anderen Spielmodi hat man im Hause Konami zwar versucht, neuen Schwung ins alte Spiel zu bringen, ganz gelungen ist dies aber nicht. Der Clubmodus ermöglicht euch beispielsweise, bis zu 20 Songs hintereinander am Stück zu spielen. An der eigentlichen Spielmechanik ändert sich dadurch allerdings nichts. Der dritte neue Modus im Bunde ist der Turniermodus, indem ihr gegen bis zu drei Freunden antreten könnt. In 15 Runden müsst ihr euch mit dem Färben der Pfeile gegen eure Konkurrenz beweisen. Wer am Ende des Durchgangs durch gutes Spielen und „Pfeileklau“ beim Gegner am meisten Symbole sein Eigen nennen kann, hat gewonnen. Alle Spieler müssen allerdings im gleichen Schwierigkeitsgrad antreten – ein Duell zwischen Spielern mit verschiedenen Skills ist somit so gut wie unmöglich.

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Ich sehe bunte Bilder…

Technisch stellt sich „DDR: New Moves“ sehr unterschiedlich dar. Zuallererst sei gesagt, dass die Verarbeitung der Hardware, also der beiliegenden Tanzmatte, wie für Konami üblich, einmalig klasse ist. Die Matte macht optisch was her, hat die ideale Größe und hält auch den krassesten Spielsessions stand. Die Software – also das Spiel – hingegen liefert bezüglich der technischen und grafischen Ideen, sowie ihrer Umsetzung, den ein oder andere Fehler ab. Der wohl nervigste Schnitzer sind die Ladezeiten, die sich mitunter ziemlich in die Länge ziehen. Dies fällt zum Beispiel besonders im Club-Modus auf, ein schnelles und reibungsloses Hintereinanderwegspielen der einzelnen Songs ist so nicht möglich. Ruckler oder Framerate-Einbrüche sind uns aber glücklicherweise keine aufgefallen.
Auch darf man sich fragen, warum Konami an der Darstellungsweise festhält, die bereits seit über einem Jahrzehnt genutzt wird. Ein Musikspiel muss grafisch nicht aufwendig sein, ein wenig mehr als die reine Abbildung der Pfeile und einigen abstrusen Farbeffekten im Hintergrund darf im Jahre 2011 aber schon erwartet werden. Und da zieht auch nicht das Argument, dass solch eine Darstellung nicht vom eigentlichen Spielen ablenke. So hätte die Möglichkeit, den Spieler entscheiden zu lassen, in was für einer Umgebung er spielen möchte, wahrscheinlich Wunder gewirkt.
Dass Konami früher Musikspielpioniere waren und dies auch wieder werden wollen, lässt sich aber zu mindestens am Sound feststellen. Der Kommentator nervt mit seinen debilen Sprüchen zwar schnell, die Abstimmung des Sounds ist aber sehr gut gelungen.

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Es hat sich ausgetanzt

Immer wieder mal schmeißt Konami einen „DanceDanceRevolution“-Ableger auf dem Markt. Und dass „New Moves“ in der langen Geschichte der Serie bereits der 21. Ableger alleine in Europa ist – in den Vereinigten Staaten & Japan erschienen noch einige mehr – lässt sich auch langsam daran festmachen, dass die Spielmechanik zwar immer noch funktioniert und auch Spaß macht, für Fans der Serie aber dann vielleicht doch so langsam etwas zu altbacken wirkt. Aber kann man es den Entwicklern übel nehmen? Schließlich haben sie mit Move-Support versucht, der Spielereihe einen neuen Hauch zu verleihen. Und wenn neue Features immer so schlecht umgesetzt werden, dann sollte man doch lieber auf sie verzichten.
Ansonsten bleibt nur noch zu sagen, dass „DDR“ noch immer das gleiche Spiel ist, wie vor zehn Jahren, lediglich mit einer ausgewogeneren Tracklist, bestehend aus J-Pop, Mix-Songs und kommerziellen Stücken. Grafisch und spielerisch hat sich nicht viel getan. Neueinsteiger können einige spaßige Spielstunden mit dem Tanzmatten-Kracher haben, alte Hasen müssen gucken, ob sie die Trackliste und die stagnierte Spielmechanik anspricht.
Ein Online-Modus wird in unserem Test im Übrigen nicht erwähnt, da keiner eingebaut wurde – „DDR: New Moves“ ist ein reines Offline-Spiel.

Gutes

- altbekannte & spaßige "DDR"-Spielmechanik...
- Turnier-Versusmodus...
- guter Mix aus Lizenzsongs & J-Pop/Remixes
- sehr guter Sound

Schlechtes

- ...die aber auch sinnvolle & gut umgesetzte Neuerungen vermissen lässt
- ...der aber keine Duelle ungleich starker Spielpartner ermöglicht
- langweiliger Grafikstil
- überflüssiger und sehr schlechter Move-Support

6.5 Mittelmäßig

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