Crysis 2 – Review

Getestet von | 27.03.2011 um 00:00 Uhr

Es ist nicht leicht, sich im hart umkämpften Genre der Ego-Shooter zu behaupten. Neben den jährlich erscheinenden (Anti-)Kriegsspielen steht dieses Jahr auch noch ein Edel-Titel von Sony auf dem Kalender. Da könnte man fast vergessen, dass noch eine Fortsetzung aus dem Hause Crytek mit dem Qualitätssiegel „Made in Germany“ aus allen Rohren feuert. Electronic Arts präsentiert uns Crysis 2. Ob das Abenteuer an die hohe Qualität des Vorgängers anknüpfen kann, erfahrt ihr bei PS3inside.

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Das Vermächtnis

Die Invasion beginnt. Einmal mehr muss sich die Menschheit gegen eine Bedrohung aus dem All verteidigen. Aliens greifen unseren Planeten an und infizieren die Menschen mit einem Virus. Die Bewohner von New York City sterben wie die Fliegen und genau dort werden wir eingesetzt. Als Mitglied eines kleines Squads begiebt sich Soldat Alcatraz in diesen Krisenherd, ungeahnt des Szenarios, das ihn dort erwartet. Beim ersten Angriff werden sämtliche Kameraden terminiert und durch einen glücklichen Zufall überlebt Alcatraz den niederschmetternden Angriff. Ein futuristischer Cyber-Söldner birgt den letzten Überlebenden aus der Flammenhölle und übergibt ihm eine Rüstung. Es handelt sich hierbei nicht um irgendwelchen Keflar-Schrott sondern um DIE Rüstung. Der Nanosuit 2.0 passt Alcatraz wie die Faust aufs Auge und spielt eine nicht unbedeutende Rolle in der sich anschließenden Kampagne, in der besagte Aliens und korrupte Militärs sich bis aufs Blut bekämpfen. Spieler, die Crysis bereits vor vier Jahren auf dem PC gespielt haben, wissen um die immense Bedeutung des Nanosuit und in Crysis 2 nimmt die Rüstung eine noch wichtigere Rolle ein. Frisch eingetütet begibt sich Alcatraz also mit seinem neuen Spielzeug in das Herz von New York, immer auf der Hut vor angriffslustigen Aliens und schießwütigen Soldaten, die ihm nach dem Leben trachten. Die Story ist ganz um den Nanosuit geschneidert und glänzt nicht durch viele Überraschungen und Wendungen. Trotzdem kommt eine Atmosphäre auf, die sonst nicht typisch in diesem Genre ist. Das evakuierte Manhatten, die überall verwaisten Dekontaminationsschleußen und die in den Ecken kauernden, letzten Überlebenden des Bio-Angriffs sorgen für eine düstere Endzeitstimmung. Das bedrückende Setting wurde allerdings nicht gut ausgenutzt. Alcatraz selbst verspürt nichts von dem ganzen Drama. In dem Moment, in dem er mit dem Anzug verknotet wird, mutiert er praktisch zum Roboter. Er spricht kein Wort und somit bleibt dem Spieler das Gefühlschaos verwehrt, das man selbst vermutlich erleben würde, wäre man dieser Hölle ausgesetzt. Die Story ist ansonsten gut umgesetzt und erinnert an eine Mischung aus „Krieg der Welten“ und „I am Legend“.

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Schicker Anzug

Dreh und Angelpunkt in Crysis 2 ist der Nanosuit 2.0. Der nützliche Zwirn ist darauf ausgerichtet, seinen Wirt in bedrohlichen Situationen zur Seite zu stehen. Für Kenner von Crysis ist das nichts Neues. Neueinsteigern fällt spätestens dann die Kinnlage auf die Pflastersteine der Fith Avenue, wenn das Teil ordentlich gepimpt ist. Die wesentlichen Eigenschaften des Anzugs sind Tarnung und Rüstung. Im Tarnmodus kann Alcatraz bis auf wenige Zentimeter an die Feinde heranschleichen, ohne gesehen zu werden. Aus der Ego-Perspektive erinnert das ein wenig an die guten, alten Predator-Filme. Unsichtbar kann Alien oder Feindsoldat dann hinterrücks gemeuchelt werden. So erschließt sich dem Spieler auch schon relativ früh in der Kampagne, dass Crysis 2 auf zwei Wege gespielt werden kann: Mit dem Hammer oder dem Skalpell. Ohne Tarnfunktion ist der Held der Story teilweise Gegnern in Kompaniestärke ausgesetzt und das kann ziemlich nervig sein. Weil Crytek leider mit Speicherpunkten ziemlich geizig geblieben ist, raten wir von der Hammer-Methode eher ab. Die richtige Balance zwischen Schleichen und Schiessen garantiert den Erfolg. Wenn es dann doch nicht ohne Waffengewalt geht, kommt die zweite Hauptfunktion des Nanosuit 2.0 zum Einsatz. Mit dem Rüstungsmodus kann Alcatraz einige Feuersalven und tiefe Stürze ohne Schaden wegstecken. Das Problem der beiden Modi ist jedoch, dass sie Energie verbrauchen. Ist die Energie des Anzugs erschöpft, empfiehlt es sich Deckung zu suchen. Wenn keine der beiden Funktionen aktiv ist, lädt sich die Energieanzeige selbstständig wieder auf. Daneben können noch taktische Module erkauft werden. Bei jedem erlegten Alien kann Alcatraz Nano-Katalysatoren einsammeln und damit Upgrades freischalten. So kann zusätzlich ein Annäherungssensor oder das geräuschlose Laufen aktiviert werden. Die Module haben den Vorteil, dass sie ständig aktiv sind und keine Anzugenergie verbrauchen. Warum es Zusatzfunktionen nur für totes Alien- und nicht für totes Menschen-Fleisch gibt, verrät die Geschichte erst später aber auch das ist keine Überraschung. Das Balancing des Anzugs und der Gegner-KI ist in allen Schwierigkeitsgraden ausgeglichen. Die wenigen Speicherpunkte nerven trotzdem und lassen gelegentlichen Spielfrust auftreten. Wenn man den Nanosuit 2.0 aber weise einsetzt, kann man die Anzahl unfreiwilliger Lebensabbrüche deutlich minimieren.

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Ground Zero

Die tiefe Atmosphäre zieht sich Crysis 2 im Wesentlichen aus der gekonnten Inszenierung der Geisterstadt New-York. Totenstille am Police-Plaza und stockdunkle U-Bahnstationen lassen den Spieler das Ausmaß der Katastrophe nachempfinden. Das gebührt nicht zuletzt der grafischen Glanzleistung, die die CryENGINE 3 auf den Bildschirm zaubert. Explosionen, Windeffekte und Ingame-Szenen sehen sehr gut aus. Crysis 2 ist auf der Konsole sicherlich kein Referenztitel, er muss sich aber auch nicht hinter diesen verstecken. Allenfalls stört uns die leichte Treppchenbildung bei den Echtzeitschatten, die Crytek aber mit Unschärfeeffekten zu vertuschen weiß. Crysis 2 läuft jederzeit flüssig und die Videosequenzen sind ebenfalls hochklassig. Wir haben nichts zu meckern, so richtig hervorgestochen und im Gedächtnis geblieben sind aber nur die geskripteten Szenen, wenn sich beispielsweise ein abstürzendes Alien-Schlachtschiff in ein Wahrzeichen des Big Apple bohrt. Viel anderes gibt es auch nicht zum Sound zu sagen. Die Synchronisation ist glasklar und in dieser ausgestorbenen Stadt gibt es sonst auch nichts zu hören. Der gelegentlich auftretende Waffensound unterbricht die Stille aber regelmäßig. Bei der Nachbildung der Waffengeräusche hat sich Crytek aber auch nicht viel Mühe gegeben. Es hört sich gut an, drückt uns bei aufgedrehter Anlage aber auch nicht in den Sessel, wie wir es beispielsweise von Battlefield gewohnt sind. Die technische Komponente von Crysis 2 ist wirklich gelungen. Wir sind uns aber sicher, dass das auch noch ein wenig besser geht und das wird wahrscheinlich die PC-Version beweisen. Crysis 2 sieht gut aus und hört sich gut an. Den Rest macht die Atmosphäre.

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Vereinigt euch

Der Multiplayer von Crysis 2 kann ebenfalls mit den Großen des Genres mithalten. Mit bis zu zwölf Spielern geht es gemeinsam auf zwölf Multiplayer-Karten in die Schlacht. Die Settings sind alle im zerstörten New York der Kampagne angesiedelt. Sechs verschiedene Modi stehen zur Auswahl. Neben Deathmatch, Team-Deathmatch und Capture the Flag sind noch Punkte zu ergattern, Kisten zu verteidigen und Blaupausen zu stehlen. Diese Modi können alle noch unterschiedlich modifiziert werden. So kann der Funktionsumfang des Nanosuits geregelt oder die Anzahl der Leben limitiert werden. Da dürfte für jeden was dabei sein. Crysis 2 unterscheidet sich im Multiplayer durch das gleiche Feature von anderen Shootern, das auch in der Kampagne den feinen Unterschied ausmacht: Der Nanosuit 2.0 sorgt für teilweise cheater-ähnliche Zustände, die durch das Aufpoppen getarnter Söldner oder wild hüpfender und rasender Gegner die Schlachtfelder manchmal chaotisch wirken lassen. Die Geschwindigkeit erhöht sich im Multiplayer bei vollen Nanosuit-Möglichkeiten gefühlt um das Doppelte. Der Anzug wirkt aber zu keiner Zeit deplatziert und fügt sich gut in das Online-Gemetzel ein. Das Level-System geht bis 50 und lässt mit aufsteigenden Rang neue Features erscheinen, die dem Wunderanzug zugeschaltet werden können. In der uns vorliegenden Limited Edition sind zusätzliche Erfahrungspunkte für einen höheren Level-Einstieg sowie Features für das SCAR-Sturmgewehr und ein Platin Dog-Tag enthalten. Das Multiplayer-Paket kann somit an den durchaus gelungenen Umfang der Kampagne anknüpfen und garantiert unendlich viele Möglichkeiten. Allerdings lebt ein Multiplayer auch immer von der Masse der Spieler und so bleibt zu hoffen, dass Crysis 2 mit der Resonanz vom Publikum angenommen wird, die es verdient.

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Weiter so

Die Premiere auf der Konsole ist gelungen. Crytek steigt mit Crysis 2 gleich ganz weit vorne ein. Technisch kann der Shooter nicht ganz mit dem Branchen-Primus Killzone 3 mithalten. Atmosphärisch lässt das deutsche Entwicklerstudio die Experten aus dem Hause Sony aber hinter sich. Crysis 2 macht in der Kampagne und im Multiplayer richtig Spaß. Die Story zieht den Spieler von der ersten bis zur letzten Minute in ihren Bann. Electronic Arts und Crytek haben hier was Großes im Shooter-Universum der Playstation 3 geschaffen. Wir können kaum erwarten, was der Nanosuit 3.0 zu bieten hat und wenn dann noch eine Großstadt so genial in Schutt und Asche gelegt wird, wie in diesem Teil, dann können Sony & Co. sich warm anziehen. Crysis 2 ist eine absolute Kaufempfehlung.

Gutes

Genialer Nanosuit
Atmosphärische Tiefe
Umfangreicher Multiplayer

Schlechtes

Emotionsloser Hauptdarsteller
Zu wenig Speicherpunkte

8.5 Sehr gut

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