Colin McRae DIRT2 – Review

Getestet von | 22.10.2009 um 00:00 Uhr

Zwei Jahre nach dem tragischen Ende von Colin McRae lebt das Gedenken an den Rallye-Weltmeister wieder auf. Codemasters hat ebenfalls in 2007 die erfolgreiche Rallye-Simulation von Colin McRae unter dem Beinamen „Dirt“ fortgesetzt und einen echten Erfolg gelandet. Abseits von trockenem Realismus mit Hang zu mehr Arcade waren nicht wenige Rallye-Fans vom Neuversuch eher enttäuscht. Die breite Masse hat Dirt aber als würdigen Nachfolger der Serie akzeptiert und angenommen. Ob das beim zweiten Teil ebenfalls so sein wird, verrät unser Blick in die Kristallkugel. PS3inside hat die Simulation auf die Hebebühne genommen. Was unsere Chef-Mechaniker von Dirt2 halten, lest ihr in dieser Review.

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Tausche Rallye-Flitzer gegen Wohnwagen

Natürlich fangen wir nicht auf Augenhöhe mit den Größen des Rallye-Sports an. Ken Block, Travis Pastrana oder Dave Mirra sind zu Beginn unserer Karriere allenfalls bereit, uns ein Autogramm zu geben. Aber das wird sich ändern. Bevor wir uns mit ihnen messen können, muss ihr Respekt hart erarbeitet werden. Dafür ist der alte Trailer, den wir als persönliche Zentrale zugewisen bekommen standardgemäß. Die Rostlaube begleitet uns um die ganze Welt und bietet dem Spieler den ganzen Umfang von Dirt2. Von hier aus können wir uns für Rennen anmelden, Statistiken aufrufen und die Online-Welt betreten. Im Vorgarten unseres Trailers befindet sich der Fuhrpark mitsamt den Tuning-Optionen, die Dirt 2 bietet. Coole Aufmachung des Rennzirkus mit wenig Ladezeiten; das Menü von Dirt2 gefällt schonmal.

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Die Mission

Die Aufgabe des frisch gebackenen Rallye-Piloten ist gänzlich einfach: Bereise die Welt, werde berühmt und mach ordentlich Kohle. Nebenbei können noch Freundschaften mit scharfen Konkurrenten geschlossen und natürlich muss auch der Fuhrpark immer auf dem Laufenden gehalten werden. Das Hauptziel ist aber eindeutig: Lass die anderen deinen Staub fressen! Dirt2 bringt zur Verwirklichung der Karriere-Ziele einen ganzen Sack voller Spielmodi mit. Die klassische Rallye-Disziplin liegt in verschiedenen Ausführungen vor. Entweder gehts auf langen, mehr oder weniger geraden Strecken um die Wurst oder der Renn-Zirkus spielt sich in engen, kurvigen Locations ab. Die Spezial-Disziplinen sind da schon etwas exotischer. „Last Man Standing“ dürfte bereits aus anderen Renn-Serien bekannt sein. Nach jedem Abschnitt scheidet der Langsamste aus. Sieger ist, wer übrig bleibt. „Domination“ ist ein klassisches Rennen, das in Sektoren unterteilt ist. Hier muss jeder Sektor möglichst als Schnellster abgeschlossen werden, um eine hohe Punktzahl zu erreichen. Ein echtes Schmankerl ist dann noch „Gate Crasher“. Hierbei ist die Ideallinie Trumpf. Auf der Strecke sind viele Papp-Ziele aufgestellt, die mit dem Racer zu erlegen sind. Diese Spezial-Disziplinen machen allein schon richtig Laune. Neben den klassischen Rallye-Disziplinen bringt Codemasters ein Spielpaket auf die Piste, das für jeden Geschmack etwas zu bieten hat. Zusätzlich hat Dirt2 natürlich auch Online einiges zu bieten. Solo oder im Team-Modus können auch hier verschiedene Disziplinen absolviert werden. „Gegen die Uhr“ oder „Scharmützel“ heißen die Modi, wo mit oder ohne Kontakt zum Gegner gegeneinander angetreten wird und unter „Aufruhr“ sind alternative Disziplinen wie „Last Man Standing“ zu finden. Die Beitritts-Zeiten zu den Rennen sind ein wenig zu lang. Wenn die Rennen online aber laufen, gibt es nichts zu bemängeln. Flüssig und ohne Ruckler, da erwähnen wir gar nicht erst, dass das selbstverständlich auch für die Einzelspieler-Modi gilt. Mit (möglichst erfolgreicher) Absolvierung einzelner Rennen steigt der Level an Erfahrungspunkten, die dem Spieler dann neue Strecken, Lacke, Hupen, Zubehör und natürlich Kohle bringen. Eine echte Herausforderung ist das allerdings nicht. Dirt2 geht mit der Vergabe der Erfahrungspunkte eher großzügig um, sodass es praktisch für jedes Rennen ein kleines Geschenk gibt. Es gibt schlimmeres!

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In 88 Sekunden um die Welt

Das Renngeschehen führt unseren Titel-Aspiranten um den gesamten Globus. Die Strecken könnten unterschiedlicher kaum sein. Die staubigen Pisten Utahs lassen sich komplett anders handeln als die engen Kurven auf stillgelegten Fabrikgeländen in London. Neben Marokko und Kroatien gehts in den Fernen Osten oder nach L.A. und Baja. Die Streckenvielfalt mag auf den ersten Blick nicht so umfangreich erscheinen. Durch mehrere verschiedene Streckenführungen braucht sich Codemasters aber nicht vor der Konkurrenz verstecken. Hier zählt mehr Klasse als Masse! Die Strecken wurden mit viel Liebe zum Detail ausgearbeitet und sind einfach ´ne Wucht. Die Wüstenlandschaften Bajas sind ebenso eindrucksvoll wie die üppige Vegetation im Fernen Osten. Die Canyons in Utah sind gigantisch und durch den Lichteinfall bei jeder Durchfahrt ein erneuter Augenschmauß. Die Fahrzeuge interagieren realistisch mit ihrer Umwelt. Es ist nicht nur das eingeführte Schadensmodell, das die Lizenzrenner bei übermäßiger Gewalteinwendung in die ewigen Jagdgründe schickt. Es ist jede Pfütze, die ihre Spuren auf der Windschutzscheibe und dem Hochglanzlack der Rallye-Flitzer hinterlässt. Schon nach der ersten Fahrt über die staubigen Strecken Bajas weiß der Spieler, warum diese Simulation den Beinamen „Dirt“ trägt.

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So muss das aussehen

Die Cockpitansicht ist in ihrer Handhabung ziemlich schwierig. Das begrenzte Blickfeld wirkt sich doch recht negativ auf das Renngeschehen aus. Dafür können freigeschaltete Totenkopfanhänger und Hulla-Hulla-Mädchen auf dem Armaturenbrett bewundert werden. Wer sich trotzdem nicht daran gewöhnen kann, greift einfach auf Verfolger- oder Stoßstangenkamera zurück. Die Ansicht unterhalb der Frontschürze lässt den Spieler den Dreck förmlich zwischen den Zähnen spüren. Die Grafik ist durchgehend grandios. Nicht nur die Strecken sondern auch die Fahrzeuge sind derzeit das Maß aller Dinge. Dazu kommt noch das gelungene Schadensmodell, das die physische Einwirkung auftreffender Gesteinskörper und anderer fester Gegenstände auf die Karosserie realitätsgetreu umsetzt. Oder mit anderen Worten: Dicke Felsen machen dicke Dellen. Der Soundtrack passt zur restlichen Aufmachung des Spiels. Colin McRae richtet sich immer mehr an die jüngere Generation. Das vermitteln leider auch die Kommentare während der Rennen. Die Sprüche wirken abgedroschen und passen eher zu einer Skateboard-Simulation für Fünft- bis Siebtklässler. Das teilweise nervende Gebrabbel wird aber glücklicherweise durch den Sound der dumpfen Motoren übertönt. Der Schotter unter den Reifen hört sich fast so gut an wie der Motorensound selbst. Gut umgesetzt ist die Anpassung an die örtlichen Gegebenheiten. In den Canyons von Utah hören sich die Rallye-Flitzer doch gleich ganz anders an als auf freier Strecke. Dirt2 bietet einen wahren Augen und- Ohrenschmauß! Wenn nur die Sprüche nicht wären…

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Wenn etwas gut ist, kopier es

Hat sich Codemasters vermutlich bei Einführung des neuen Features gedacht. Vorbei sind die Zeiten, wo kleinste Fahrfehler in der letzten Kurve das ganze Rennen versaut haben. Der Frustfaktor ist bei Dirt2 angenehm niedrig. Schuld daran ist die Rückspulfunktion, die sich die Macher bei der Konkurrenz abgeschaut haben. Je nach Schwierigkeitsgrad steht eine variierende Anzahl dieser kleinen Zeitreisen zur Verfügung, um Fahrfehler wieder auszubügeln. Die Nichtbenutzung dieser Hilfe wird zusätzlich durch Extra-Punkte belohnt. Damit verabschiedet sich Colin McRae zwar noch ein Stück mehr von der knallharten Simulation, die es einmal gewesen ist. Dem Spielspaß schadet das trotzdem nicht. Und niemand wird gezwungen auf diese elegante Weise „zu schummeln“. Ansonsten steuert sich Dirt2 wie gehabt. Die verschiedenen Untergründe sind ebenso zu beachten wie Pfützen und die kleinen Findlinge am Straßenrand. Besonders die Übergänge von Asphalt auf Sand und umgekehrt bergen Gefahren, die die Realität auch zu bieten hat. Hier ist besondere Obacht geboten. Sonst hilft vielleicht nur noch der Repeat-Button. Das Gameplay ist weitestgehend vom Vorgänger übernommen und noch ein wenig verfeinert worden und damit gewohnt gut.

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Mission accomplished

Dirt2 macht fast alles richtig. Auf den ersten Blick scheint der Umfang nicht so erdrückend zu sein, wie man es von anderen Genre-Vertetern gewohnt ist. Wer allerdings genauer hinschaut, der erkennt, dass die Mischung absolut ausreichend und dafür auch noch hochkarätig ist. Lieber ein paar geniale Strecken weniger als zusätzlich lieblos hingeklatschter Asphalt. Codemasters hat Colin McRae im Casual-Gamer-Bereich ankommen lassen, ohne die Vorzüge wegzulassen, die die Serie so groß gemacht haben. Die dominanten Teenie-Sprüche können nächstes Mal allerdings ein wenig zurück geschraubt werden. Das passt nicht zum Andenken, das Codemaster dem guten Colin McRae hoffentlich auch mit einem dritten Teil der Serie bescheren wird.

Gutes

Glänzende Grafik
Tolle Strecken
Genialer Sound
Gelungenes Schadensmodell
Tolle Rückspul-Funktion...

Schlechtes

...die Rallye-Puristen vermutlich nicht gefallen wird
Dumme Kommentare

8.5 Sehr gut

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