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Castlevania: Lords of Shadow – Review

Artikel von | 21.10.2010 um 00:00 Uhr

My Home is my Castlevania
Rund 23 Jahre ist es nun schon her, als mit dem ersten Castlevania eine Videospielreihe ins Leben gerufen wurde, die mit beinah 30 Teilen nahezu jede Plattform besiedeln konnte. Mit Castlevania: Lords of Shadow wird die Serie auf der PS3 erstmals weitergeführt, und will sich mit den Vorzügen der HD-Technik selbst wiederauferstehen lassen. Ein Ziel das sich die bis dato eher unbekannten Entwickler „Mercury Steam“ vorgenommen haben. Unter der Beratung von keinem geringeren als Hideo Kojima. Trägt allein der Name Castlevania das Spiel, oder feiert es mit alten und neuen Tugenden sein HD-Comeback? Überzeugt euch in den folgenden Zeilen ob es sich lohnt den Lords of Shadows einen Besuch abzustatten.

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Neues Spiel – Altes Jahrtausend
Chronologisch über die gesamte Videospielreihe verteilt kämpft die legendäre Ahnenschaft Belmont seit fast 1000 Jahren gegen die Kreaturen der Unterwelt, dessen Zeitlinie sich bis ins Jahr 2036 erstreckt. Trotz zusammenhängender Handlungsfäden benötigt der Castlevania-Neueinsteiger jedoch keinerlei Grundwissen. Lords of Shadow spielt im Mittelalter des Jahres 1047, und damit wiederum 47 Jahre vor den ersten Castlevania-Ereignissen. Im Mittelpunkt steht Gabriel Belmont, ein erfahrenes Mitglied der Bruderschaft des Lichts, ein Orden die sich der Bekämpfung von Dämonen gewidmet haben. Als plötzlich Werwölfe und Vampire drohen die gesamte Menschheit zu vernichten sowie eine weitere Macht die Seelen der Untoten gefangen hält, wird Gabriel damit beauftragt dessen Ursache herauszufinden. Diese liegt in Form der titelgebenden Lords of Shadow, die je ein Teil einer legendären Maske horten. Mit ihr verbunden ist nicht nur die Rettung der Welt, sondern auch Gabriels wahre Motivation. Die Wiederbelebung seiner Frau, dessen Seele ebenfalls keine Ruhe mehr findet. In erster Linie wird die Handlung durch Zwischensequenzen weitererzählt, lässt aber zu Beginn eines neuen Levelabschnitts auch einen Geschichtenerzähler zu Wort, der jüngste Ereignisse nochmal zusammenfasst und selber auch eine Rolle zu spielen scheint. Leider zerfällt der Anfangs gut erzählte Handlungsbogen gegen Mitte des Spiels in sich zusammen. Nur das überraschende Ende weiss wieder vollends zu überzeugen. Als Tipp sei hier noch gegeben das dieses nicht mit dem Abspann endet.

Mit den Waffen Gottes
Für Castlevania: Lords of Shadow haben sich die Entwickler für das Action-Adventure Genre entschieden, das sich unter anderem mit God of War vergleichen lässt. Dementsprechend nimmt das Bekämpfen einer zahlenmäßig weit überlegenen Gegnerhorde den Hauptteil des Spieles ein. Um nicht ständig Opfer zumeist schneller Attacken zu werden erweist sich bereits zu Spielbeginn das Ausweichen per Rolle zur Seite als Lebensversicherung. Dadurch zeigt sich das Kampfgeschehen stets von seiner rasantesten Seite. Aber auch das alternative Blocken erweist sich als Hilfe gegen leichtere Angriffe, die im richtigen Moment gedrückt auch eine Gegenattacke erlaubt. Als Diener Gottes nutzt Gabriel, neben Verbrauchsgegenstände wie Wurfdolche, als einzige Waffe ein eisernes Kreuz, das im Kampf als ausziehbare Kettenpeitsche zum Hack & Slay einlädt. Im frühen Spielverlauf entdeckt der Spieler mit dem Magiesystem auch eine taktischere Variante. Während sich durch Einsatz der Lichtmagie unter Voraussetzung erfolgreicher Schläge die Lebensenergie regeneriert, sorgt die Schattenmagie für ein erhöhtes Mass an Stärke. Genau wie die Lebensenergie besitzen beide Magiearten ihren eigenen Balken, die sich erst durch das Aufsammeln neutraler Magiekugeln auffüllen lassen. Damit sich diese blicken lassen kommt ein weiterer Balken zum Einsatz, der sich wiederum nur durch ausgeteilte Treffer füllt, sich allerdings bei einem feindlichen Schlag sofort wieder leert. Erst mal voll erscheinen bei jedem weiteren Angriff die nötigen Magiekugeln. Womit die Entwickler ein gutes Gleichgewicht zwischen Action und Taktik erschaffen haben. Am Ende eines jeden Levels werden zudem die von besiegten Gegnern erhaltenen Erfahrungspunkte vergeben, die sich in diverse Kampfcombos investieren lassen dürfen. Diese fallen allerdings mehr in den Hintergrund, da normale Angriffe allein schon zum Sieg führen. Das Auffinden bestimmter Steine lohnt sich schon eher, die je nach 5 derselben Art den Lebensbalken oder einen Magiebalken erweitern. Mitunter auch das Hauptargument um in den ansonsten recht linearen Gebieten die abseits gelegenen Winkel zu durchsuchen. Damit Gabriel etwas Abwechslung vom Schlachtfeld erhält, basiert ein nicht unerheblicher Teil der Level-Architektur auf Klettereinlagen. Neben den üblichen Hüpfeinlagen von Kante zu Kante erweist sich auch die Kettenpeitsche als unverzichtbare Hilfe um sich über Abgründe zu schwingen. Einigen der Zwischenbosse wurden zudem darauf ausgelegt das sie aufgrund ihrer gigantischen Größe selber nur durch Klettereinlagen zu besiegen sind. Fast schon traditionell für das Genre laufen aber auch diese Auseinandersetzungen nicht ohne Quicktime-Events ab, wo es rechtzeitig eine bestimmte Taste zu drücken gilt. Auch die Möglichkeit die Kontrolle über bestimmte Gegner zu übernehmen, um damit Hindernisse zu überwältigen, dürfte den einen oder anderen bekannt vorkommen. Nett inszeniert, aber leider viel zu oft ins Spiel eingebaut. In jeder Situation auch mit dabei die dynamische Kamera, die den Helden aus der bestmöglichsten cineastischen Perspektive zeigt. Allerdings immer wieder auf Kosten der Orientierung. Kämpfen, Klettern und Rätseln. Als drittes Spielelement präsentieren sich die überwiegend erstklassigen Rätsel, die teilweise ganze Levels beanspruchen. So gilt es beispielsweise eingeschrumpft in einem Leierkasten Musikstücke einzusammeln, die je einer der Fallen für kurze Zeit deaktivieren. Nur in der richtigen Reihenfolge abgespielt lässt sich der Ausgang erreichen. Dabei verrät einem das Menü selber stets die Lösung, verliert aber im Gegensatz die Erfahrungspunkte für das eigenständige Aufklären des Rätsels.

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Voll belegte Steuerung
Zu Beginn des Spiels muss eine Horde Werwölfe dafür herhalten um Gabriel erstmal zu zeigen wie er sich durch das bevorstehende Abenteuer zu steuern hat. Dieses Tutorial, bekannt aus der Demo, deutet schon darauf hin das für Lords of Shadow die gesamte Tastenbelegung des Controllers in Anspruch genommen wurde. Diese ist allerdings zum größten Teil nachvollziehbar, und geht deshalb schon nach wenigen Spielminuten in Fleisch und Blut über. Was je nach wählbaren, und jederzeit änderbaren, Schwierigkeitsgrad auch bitter notwendig ist. Der Gegner ist nicht blöd und lässt stumpfes Tastenhämmern ohne Blocken oder Ausweichen nicht lange ohne Gegenwehr durchgehen. Umgekehrt ist für den erfolgreichen Kampf keiner der zahlreichen Kampfcombos notwendig, die sich nach und nach erkaufen lassen. Etwas gewöhnungsbedürftig könnte allerdings die L2 Taste für erwähntes Blocken und Ausweichen sein, die manch einer wohl lieber auf L1 gesehen hätte. Diese wurde allerdings zusammen mit R1 für das Magiesystem belegt, was durch ständige Nutzung auch nicht als verkehrt angesehen werden darf. Die Quicktime-Events könnten allerdings für geteilte Meinungen sorgen. Wer in den Kampfsequenzen so manch eines gerade besiegt geglaubten Bosses auch nur einen Tick zu langsam die angezeigte Taste drückt, darf den Boss ab dem letzten Checkpoint gleich nochmal angehen. Weiteres sorgt eine dynamische nicht selbst justierbare Kamera gelegentlich dafür das der Spieler ungewollt in eine andere Richtung steuert. Doch so einige negative Punkte in der Steuerung, die allerdings im Gesamtbild überzeugen kann.

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3D Grafiksprung
Mit starken Regen und Mondlicht heißt einem Castlevania willkommen, und verkündet dem Spieler sofort das hier Entwickler am Werk waren die besonders auf eine atmosphärische Umgebung achteten. Seien es etwa verschneite Wälder, ein Titanen-Friedhof oder das für die Castlevania Serie unverzichtbare Schloss. Stets verbreitet das Leveldesign eine mystische und bedrohliche Stimmung. Die automatische Kamerafahrt sorgt zusätzlich noch dafür das weit entfernte Sehenswürdigkeiten immer im richtigen Winkel zur Spielfigur stehen. Besonders das detaillierte Schloss beeindruckt durch seine gigantische Größe, das kurz nach Sichtung auch erklommen werden muss. Auf diese Weise baut sich auch ein glaubwürdiges Mass an Weitsicht auf. Auch wenn die Texturen an sich auch vollends überzeugen können, ist durch das ganze Spiel hindurch allerdings ein leichtes Flimmern zu erkennen, das zwar nicht stark bis gar nicht auffällt, aber gegen einen direkten Vergleich mit Genre-Vertreter God of War 3 doch den Kürzeren ziehen würde. Dennoch spielt Lord of Shadow in der Grafik-Oberklasse mit. Nicht zuletzt auch wegen der Licht und Schatteneffekte, die besonders während des Einsatzes von Magie zur Geltung kommen.

Des Orchesters Beitrag
Wen auf eine gute grafische Seite eines Spieles wert gelegt wurde, dann stimmt meist auch der akustische Part. So zumindest in diesen Fall. Die öfters zum Einsatz kommende orchestralische Hintergrund-Melodie fügt sich in die ohnehin schon hervorragende Atmosphäre ein, und besticht selbst durch Abwesenheit. Durchgehend abgespielt würde der Soundtrack möglicherweise mehr schaden als nutzen, weshalb dieser an diversen Stellen gar nicht erst zu hören ist. Hohe Qualität die auch die Synchronisation nicht zerstören kann. Im Gegenteil. Unter den Sprechern befinden sich einige bekannte Namen aus der Hollywood-Szene. Für den Charakter Zobek, der gleichzeitig auch als Erzähler der Geschichte fungiert, wurde z.B. kein geringerer als Patrick Steward engagiert, der so manch Star Trek Fan auch unter Jean-Luc Picard bekannt sein dürfte. Auch bei den diversen Soundeffekten lässt sich nicht wirklich was Negatives erwähnen, die besonders in den Kampfszenen zum Einsatz kommen.

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Aus alt mach neu
Castlevania feiert mit Lords of Shadow nicht nur seinen gelungenen Eintritt in die HD-Generation, sondern legt auch seinen 2D zu 3D Fluch ab, dessen Versuche vorangegangener Teile mehr oder weniger scheiterten. Allerdings mit dem Preis einer nicht immer gut platzierten Kamera. Diese spielt ihre Stärken vielmehr durch ihre Kamerafahrten aus, wodurch das stets eindrucksvolle Leveldesign noch besser zum Vorschein kommt. Dieses präsentiert sich, wie für das Genre vorhersehbar, allerdings recht linear. Ungewöhnlicher ist die Tatsache das die Spielwelt nicht zusammenhängend erkundbar ist, sondern in einzelne Level abgetrennt wurde, die auf der Weltkarte allerdings jederzeit neu betreten werden können. Technisch beeindruckt Gabriel Belmont´s Reise sowohl im grafischen als auch im akustischen Sinne, der es auch nicht an Abwechslung und Ideen mangelt. Allerdings wird das Potenzial der Handlung gerade im späteren Spielverlauf nicht annähernd ausgeschöpft. Nur das überraschende Ende weiss nach gut 13-20 Stunden Spielzeit wieder vollends zu beeindrucken. Wie auch das Kampfsystem unter Anwendung von Magie, die auch bei den ideenreichen Rätseln zum Einsatz kommt. Unterm Strich ist Castlevania: Lords of Shadow eine würdige Serien-Erweiterung, die ihre Wiederauferstehung allerdings nicht ganz ohne kleinere Probleme überstanden hat. Gerade aber für Fans des Action-Adventure Genre ein Titel der einen Platz in der Sammlung verdient.

Castlevania: Lords of Shadow Testbericht

Castlevania: Lords of Shadow

  • Release: 07.10.2010
  • Genre: 3rd Person Action, Action
  • Entwickler: Mercury Steam
  • Publisher: Konami

Gutes

Erstklassige bedrohliche Atmosphäre
Sound und Grafik in der Oberklasse
Abwechslungsreiche Herausforderungen und Rätsel
Hervorragend abgestimmtes Kampf/Magiesystem

Schlechtes

Nicht immer optimaler Kamerawinkel
Handlung bleibt hinter seinem Potenzial zurück
erweiterbares Combosystem unmotivierend

8.5 / 10 Sehr gut

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