Call of Duty: Modern Warfare 2 – Review

Getestet von | 11.11.2009 um 00:00 Uhr

Das Warten hat ein Ende! Nach Monaten voll Unruhe und Gerüchten um Titel, Schnitte, Umfang, Ausstattung und Waffenarsenal können wir uns endlich ein Bild machen. Call of Duty: Modern Warfare 2 ist fertig. Die Fußstapfen sind groß, denn der Vorgänger ist bei Multiplayer-Fetischisten immer noch heiß begehrt. Ob Infinity Ward den Anforderungen der Fans gerecht wird oder ob Modern Warfare 2 nur ein lauwarmer Aufguss des ersten Teils ist, lest ihr in dieser Review.

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Eintopf aus Hollywood

Wer neben ausgiebigen Spieleabenden auch noch das Augenmerk auf die Filmindustrie richtet, wird sich im Laufe der Kampagne ein wenig in längst verblichene Blockbuster zurück versetzt fühlen. Infinity Ward hat sich einiger Highlights von Mark Wahlberg und Nicholas Cage bedient und die Szenarien im Spiel umgesetzt. Wer kennt sie nicht, die Szene in der Dusche auf „The Rock“? Drumherum wurde eine Geschichte gebastelt, die inhaltlich nicht gerade den Oscar verdient hat. Das ist aber auch nicht Aufgabe der Call of Duty Serie. Hier soll knallharte Action den Puls des Spielers in die Höhe treiben. Diesen Nervenkitzel liefert Activision von der ersten bis zur letzten Sekunde der Kampagne. Dabei bedient sich der Shooter einiger fragwürdiger moralischer Elemente, die die Grausamkeit des Krieges unterstreichen sollen. Die bedenklichste Szene ist in Deutschland nur bedingt spielbar. Es werden zu Beginn der Geschichte dutzende von Zivilisten dahin gemetzelt. Während man bei importierten Versionen des Spiels die Wahl hat, im Rahmen seiner Aufgabe ebenfalls auf unbewaffneten Frauen und Männer zu schießen, duldet die deutsche Auskopplung dies nicht. Trotzdem ist die gesamte Mission vorhanden. Man folgt den Mördern halt nur passiv. Jetzt kann man sich über Sinn und Unsinn davon streiten. An Grausamkeit verliert dieser Akt sicher nicht dadurch, dass man selbst nicht als gewissenloser Mörder auf die Menschenmenge los geht. Trotzdem werden sich viele Gamer in ihrer deutschen Version beschnitten fühlen. Wir versichern aber, dass dadurch keine Einschränkungen im Spielspaß oder Umfang auftreten. Es gibt zudem noch genug andere stellen, wo es uns kalt den Rücken herunter gelaufen ist. Schön, dass keine Schnitte nötig waren. Vielleicht erkennen deutsche Prüf-Gremien ja doch langsam, dass das brutalste Videospiel trotzdem nicht halb so schlimm ist wie das allabendliche Fernsehprogramm?! Die Aufgabe ist jedenfalls simpel und schließt sich an das Ende von Call of Duty 4: Modern Warfare an. Fünf Jahre später schlüpfen wir einmal mehr in verschiedene Charaktere und kämpfen uns unter anderem durch die Schlachtfelder von Russland, Afghanistan, Rio de Janeiro und die USA. Imran Zhakaev, der von uns im letzten Teil seiner gerechten Strafe zugeführt wurde, wird in der Heimat als Märtyrer gefeiert und bietet so den Grundstein für neuen Terror. Der Anführer der neuen Fraktion, die es gilt zu bekämpfen heißt Vladimir Makarov. Er versteht es, die Russen von der Boshaftigkeit des Westens zu überzeugen und in den Krieg gegen die USA zu führen. „Die Geschichte wird von den Siegern geschrieben.“ Aufgabe von Soap und Roach ist es, die Wahrheit ans Licht zu bringen indem sie den Terroristen erledigen. Damit die Lüge nicht zur Wahrheit wird. Im Laufe der Kampagne beissen viele gute Jungs ins Gras und das ist nur ein Grund, der Modern Warfare 2 so hart erscheinen lässt. Die Schauplätze des Geschehens liefern eine Atmosphäre, die einfach grandios ist. Leider ist die Geschichte ziemlich kurz geraten. Nach einem halben Tag Spieldauer ist die Solo-Mission erledigt. Weil die Kampagne aber auf diesem hohen Niveau statt findet, können wir das verschmerzen.

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Rainbow Six lässt grüßen

Und schließlich haben wir ja noch „Spezialeinheit“. In diesem Modus können allein oder zu zweit eine Reihe von Spezialaufgaben erledigt werden. Online oder über geteiltem Bildschirm kann sich in verschiedenen Schwierigkeitsgraden an diversen Missionen versucht werden. Hier geht es um simple Übungen im heimischen Trainingsbereich oder anspruchsvolle Schleich-Missionen im Schneegestöber. Spezialeinheit bietet Spielspaß für zwischendurch. Die atmosphärische Dichte der Kampagne oder den Nervenkitzel des Multiplayer kann dieser Modus allerdings nicht wiedergeben. Das Balancing ist gelungen. Sämtliche Missionen sind gut machbar. Um allerdings die vollen drei Sterne in der Wertung zu erreichen, muss fast ein Wunder geschehen.

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1. Zug angetreten!

Kampagne und Spezialeinheit sind nicht nur „Beiwerk“ bei Modern Warfare 2. Sie beanspruchen einen erheblichen Teil vom Spielspaß für sich. Den Hauptteil an Langzeitspielspaß bietet allerdings der Multiplayer. Ein ganzer Sack voll Online-Modi bietet für jeden etwas. Da sich an der Steuerung nichts geändert hat, können sich Modern Warfare Veteranen ohne Eingewöhnungszeit sofort in das Kampfgeschehen stürzen. Allerdings gibt es jetzt zusätzlich jede Menge Waffen und Gestaltungsmöglichkeiten. Endlich muss nicht mehr zwischen Visierung oder Granatenwerfer ausgewählt werden. Wir nehmen einfach beides. Als Zweitwaffen sind nicht länger nur Pistolen zugelassen. Schrotgewehre, Maschinenpistolen und sogar Raketenwerfer können jetzt als Zusatzgerät in den Rucksack gepackt werden. So können die Liebhaber der Scharfschützenklasse endlich aufatmen. Sie sind nicht länger den Angriffen des gemeinen Soldaten hilflos ausgeliefert. Waffe wechseln und schon geht es in einem fairen Kampf um Leben und Tod. Der Schutzschild kommt schon in der Kampagne vor. Im Multiplayer eröffnet er völlig neue taktische Möglichkeiten. So kann bei „Capture the Flag“ ein Schildträger zum Schutz der Fahne eingesetzt werden. Stationäre Waffen sind auf vielen Maps ebenfalls vorhanden. Mit geballter Feuerkraft kann so dem gegnerischen Ansturm Einhalt geboten werden. Allerdings geht es nie unfair zu. Die Maps sind so aufgebaut, dass es Camper richtig schwer haben. Keine Stellung ist wirklich sicher. Neben den Kill-Streaks, die eine Abschussserie mit UAV-Einsatz oder sogar einem Raketenangriff belohnen, hat Infinity Ward mehr Mitleid für die hilflosen Anfänger bewiesen. Bei Modern Warfare 2 wird der Tod belohnt! Nach einer Serie ungewollter Tode werden Zusatzoptionen frei. So ist die mit dem letzten Atemzug fallen gelassene Handgranate auch wieder mit dabei. Ein andere Death-Streak erlaubt es, die Fähigkeiten des Gegners für eine Runde zu übernehmen. Damit entfernt Modern Warfare sich ein wenig mehr vom Fortgeschrittenen-Shooter und gibt auch Einsteigern eine Chance. Ebenfalls einsteigerfreundlich ist das Level-Up-System. Bei Modern Warfare 2 bekommt man praktisch für jede Aktion Punkte, egal wie dämlich sie ist. Jede Menge Herausforderungen bringen Extra-Points und lassen die Karriere schnell voranschreiten. Den Maps sieht man die alte Engine an. Die Entwickler haben nochmal versucht, das beste rauszuholen. Leider fällt gerade im Multiplayer die abfallende Grafik auf. Wir wollen das aber nicht überbewerten. Modern Warfare 2 ist immer noch einer der am besten aussehenden Multiplayer-Shooter. Ein wenig mehr Innovation im grafischen Bereich wäre dennoch schön gewesen. Was allerdings nicht so schön ist, ist das Spawning. Es kommt nicht selten vor, dass nach unnatürlichem Lebensabbruch direkt vor der Visierung des Feindes respawned wird. Das nervt richtig, wenn die Lichter gleich wieder aus gehen! Wir hoffen, dass da noch ein wenig nachgebessert werden kann. Im Vergleich zum Vorgänger geht das Spawning gar nicht mehr! Wir könnten noch Seiten über Seiten mit den Kleinigkeiten des Multiplayer füllen, fassen aber lieber noch einmal zusammen: Infinity Ward hat den Multiplayer auf den ersten Blick nicht sonderlich überholt. Das täuscht aber. Es sind die Feinheiten der Perks und Streaks, die völlig neue Möglichkeiten offenbahren, ohne die Qualität des Vorgängers zu verlieren. Der Mehrspielermodus fetzt!

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Der Blick durchs Zielfernrohr

Optisch war der Vorgänger bereits das Maß aller Dinge. Geniale Details und lupenreine Grafik unterscheiden sich allenfalls in der Weitsicht von einem anderen Titel, wo man sich derzeit durch den Dschungel kämpft. Aus der Ego-Perspektive wurde natürlich besonderes Augenmerk auf Waffenanimation und anderes Inventar gelegt. Aber auch Charakterdarstellung in Gesichtszügen und Bewegungsanimation sind gut gelungen. Das physikalisch korrekte Niedergehen menschlicher Körper nach Geschosseinwirkung sorgt zusätzlich für den Realismus, der das Blut während der Missionen so hochkochen lässt. Kritisch wirds nur, wenn die eigenen Blutspritzer das Gesichtsfeld verdecken. Auf der Flucht durch enge Gassen fallen gelegentlich matschige Texturen an Häuserwänden auf. Dieses Manko ist allerdings eher zu vernachlässigen. So richtig Zeit, die Aussicht zu genießen hat man nämlich zu keiner Zeit. Das absolute Highlight sind Raketenstarts und brennende Großstädte. Feuer ist wesentlicher Bestandteil von Modern Warfare 2 und sehr gut dargestellt. Der Sound kracht ebenfalls gewaltig. Messer, die Menschen durchboren, könnten im besten Horrofilm nicht besser abgemischt sein. Das gleiche gilt für den markanten Knall der AK47. An den Waffensound eines Battlefield Bad Company kommt Activisions Titel zwar nicht heran. Dafür ist der Soundtrack um einiges besser und unterstreicht jederzeit die kribbelnde Atmosphäre in der Kampagne. Kein Zicken oder Ruckeln, Modern Warfare 2 ist technisch einwandfrei. Aber für den nächsten Teil ist eine neue Grafik-Engine fällig.

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Magazin leergeschossen

Hätte Call of Duty: Modern Warfare 2 nicht den genialen Multiplayer, müsste es sich vorwerfen lassen, dass die Kampagne zu kurz ist. Als Ausgleich hat Activision zwar die Spezialeinsätze drauf gepackt. Leider ist die packende Atmosphäre der Kampagne aber dort nicht drin enthalten. Der Multiplayer treibt die Wertung aber in die Höhe. Umfang, Gameplay und Ranking-System sind ab sofort das Maß aller Dinge. Es wird sich zeigen, ob die Latte anfang nächsten Jahres durch Dice noch höher gelegt werden kann. Bis dahin sorgt Modern Warfare 2 für unbegrenzten Langzeitspielspaß.

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Gutes

Tolle Atmosphäre
Genialer Soundtrack
Riesiger Multiplayer-Umfang
Gelungener Modus "Spezialeinheit"

Schlechtes

Kampagne zu kurz
Teilweise mieses Spawning

9.0 Must Have

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