Brütal Legend – Review

Getestet von | 08.12.2009 um 00:00 Uhr

Nach dem Zusammenschluss von Vivendi Games und Activision, sah es für Tim Schafers neuestes Machwerk nicht gut aus. Aus dem Portfolio des neuen Konzerns gestrichen, gab es keinen Publisher mehr für Brütal Legend. Doch EA fasste sich ein Herz und veröffentlichte das von Double Fine entwickelte Heavy Metal Adventure. Ob das Spiel es verdient hat, doch noch publiziert zu werden, lest ihr in unserer Review.

Der weltbeste Roadie
„Der Job eines guten Roadies ist andere gut aussehen zu lassen. Andere zu beschützen. Anderen zu helfen, das zu tun, wofür sie bestimmt sind. Ein guter Roadie steht nie im Rampenlicht. Wenn er seinen Job gut macht, merkt niemand, dass es ihn gibt. Hier und da betritt er vielleicht die Bühne, um ein Problem zu lösen … Dinge zu klären. Aber bevor jemand merkt dass er da war und was er getan hat, ist er wieder weg.“

Eddie Riggs ist der weltbeste Roadie und arbeitet für die wohl schlechteste Heavy Metal Band – Kabbage Boy. Nach einem Bühnenunfall, durch den Eddie unter einem Teil der Kulisse begraben wird, erwacht das Biest, das seiner Gürtelschnalle innewohnt zum Leben. Diese Bestie, genannt Ormagöden, tötet die Bandmitglieder und bringt Eddie in eine längst vergangene Welt, wo der Metal regiert. Der Roadie erwacht in einer Huldigungsstätte Ormagödens. Eddies erste Aufgabe besteht nun darin, aus dem Tempel – welcher aus einem riesigen Berg von Skeletten besteht – zu entkommen. Doch Druiden in roten Kutten, Leibwächter des bösen Imperator Doviculus, wollen Eddie aufhalten. Als Unterstützung gegen diese, erhält der Mann aus der Zukunft zwei Waffen. Zum einen seine Gitarre Clementine, mit der er seine Gegner in Brand steckt und Blitze schießen kann und zum anderen den Trenner, eine Axt, deren Verwendung wohl jedem klar sein dürfte. Während des Fluchtversuches trifft Eddie auf die schöne Ophelia, die ihm hilft aus dem Tempel zu entkommen. Kurz vor dem Ausgang baut Riggs sich den Teufel. Der Teufel ist ein Auto, welches von Eddie liebevoll „Druidenpflug“ genannt wird. In diesem rast der Roadie zusammen Ophelia zum Ausgang, wobei der Druidenpflug seinem Namen alle Ehre macht. Letztendlich landen die zwei auf einer Runden Plattform wo auch schon der erste große Gegner auf unseren Helden wartet. Ist dieser auch besiegt, geht auf nach Bladehenge, wo Eddie auf Lars und Lita Halford trifft. Ab da führt ihr zusammen einen Kreuzzug gegen die bösen Mächte der Welt. Auf diesem werden immer mehr Leute eurer Armee – den Ironheades – beitreten. Wird der Roadie es schaffen das brütale Land von der Schreckensherrschaft des bösen Imperator Doviculus zu befreien?

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Für die Herrlichkeit des Metal
Brütal Legend spielt in einer offenen Welt. In einer abgefahrenen Metalwelt. Büsche aus Schlagzeugteilen, Bäume mit Auspuffrohrästen und vieles, vieles mehr. Auch allerlei abgefahrenes Getier findet sich in der Welt von Brütal Legend. Igel mit Stacheln aus Stahl, Panther mit Augenlaser und riesige Mammut ähnliche Wesen. Alle diese Tiere laufen dem Roadie in einer abwechslungsreichen Umgebung über den Weg. Unter anderem gibt es einen Dschungel, eine Wüste, eine Eislandschaft und eine Art Unterwelt. Die Detailverliebtheit der Entwickler ist beeindruckend. Doch es gibt in der brütalen Metalwelt nicht nur seltsame Tiere, sondern auch allerhand finstere Dämonen die Eddie an die Lederweste wollen. Diese laufen dem Roadie zwar in der freien Natur über den Weg, jedoch sieht man wesentlich mehr davon in den Bühnenschlachten. Diese sind schön inszenierte Strategiespielchen. Das ganze gleicht einem riesigen Rockkonzert. Hauptziel eines solchen Konzerts ist es, mit der eigenen Armee die Bühne des Gegners zu zerstören. Die Bühnen dienen als Produktionsstätte für die Einheiten. Sie zieht einen beständigen Strom von Fans, welche zur Einheitenproduktion benötigt werden. Um seine Armee zu verstärken muss man Merchandise-Stände auf Fan-Geysiren erbauen. Dadurch bekommt man mehr Fans zur Einheitenerstellung. Wenn genügend Fans aus den Geysiren gezogen wurden, können die Einheiten gebaut werden. Über ein Ringmenü bekommt unser Held Zugriff auf bis zu 9 verschiedene Einheiten. Diese werden im Laufe des Spiels immer weiter freigeschaltet. Zudem kann im späteren Spielverlauf die Aufwertung der Bühne und einiger Trupps vorgenommen werden. Leider ist das Einheitenlimit sehr begrenzt. Zu Beginn einer jeden Schlacht wachsen Eddie Dämonenflügel, so kann das ganze Geschehen auch aus der Vogelperspektive begutachtet werden. Wer seinen Führungsqualitäten nicht vertraut, kann Eddie auch direkt in die Schlacht schicken. So kann der Roadie zusammen mit seinen Verbündeten starke Teamattacken ausführen. Diese Kombinationsattacken können natürlich auch in der offenen Welt ausgeführt werden. Falls Eddie während einer solchen Show stirbt, kann er für die geringe Anzahl von 50 Fans wiederbelebt werden. Die Bühnenschlachten sind nett gemacht, gewinnen aber zum Ende des Spiels etwas die Oberhand.

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Neben diesen Strategiespielchen gibt es auch noch Nebenmissionen. Diese umfassen Rennen, Gegner töten sowie Jagdaufgaben. Die Rennen werden immer gegen den gleichen Gegner gefahren und sind nicht sehr abwechslungsreich. Eddie muss einem blauen Lichtstrahl bis zum Ziel folgen. Bei den Jagdaufgaben muss nur eine bestimmte Anzahl von einer Tierart getötet werden. Bei den restlichen Missionen geht es darum die Feinde der Ironheades vom Antlitz der Metalwelt zu fegen. Dies geschieht auf 3 verschiedene Weisen. Einmal zu Fuß, auf erhobener Position mit dem Teufel und zusammen mit einem Mörserschützen. Zusammen mit dem Mörser muss Eddie als fahrende Zielscheibe herhalten und den Schussbefehl geben. Dabei muss beachtet werden, dass die Gegner sich noch fortbewegen bevor der Schuss auftrifft. Auf der sogenannten Todesbühne steht Eddie mit seinem Teufel und muss den feindlichen Ansturm zurückdrängen. Bei einem Hinterhalt steht der Roadie mit einer kleinen Gruppe Ironheades den feindlichen Angreifern gegenüber. Die Missionen sind am Anfang noch ein lustiger Zeitvertreib, werden aber auf Dauer zu eintönig.

Unterwegs auf Welttournee
In der Welt von Brütal Legend gibt es vieles zu sehen. Zum einen gibt es da den Mount Rockmore, auf dessen Gipfel sich 4 riesige Köpfe aus Stein befinden. Motive für diese können beim Hüter des Metal erstanden werden und dann nach belieben geändert werden. Zum anderen gibt es Unmengen anderes zu entdecken. Da wären zum Beispiel 13 eingesperrte Kreaturen, welche nach dem befreien die Vergangenheit des Heavy Metal Landes erzählen. Zudem gibt es 120 gefesselte Drachen. Nachdem man 10 davon ihrer Fesseln entledigt hat bekommt man ein Geschenk von der Feuerbestie Ormagöden selbst. Dieses beinhaltet meist einen Heilungsbonus oder eine Erhöhung der maximalen Gesundheit. Neben diesen Drachen gibt es Sehenswürdigkeiten, Zündkerzensprüngen und Motorenschmieden. Nachdem Eddie eine von insgesamt 11 Motorenschmieden geborgen hat findet er darin den Hüter des Metal. Dieser verkauft neben den oben genannten Mount Rockmore Köpfen auch allerhand nützlichen Krempel. So gibt es Leistungsupgrades und Waffen für den Druidenpflug sowie Gitarren- und Axtverbesserungen. Wer sich die teuren Spielereien leisten will, muss sich durch die Beendigung der Haupt- und Nebenmissionen Feuertribute verdienen. Mit diesen lässt dich dann alles bezahlen.
Zudem kann man verschiedene Gitarrensoli lernen. Manche der Soli können nur während der Bühnenschlachten eingesetzt werden und helfen Eddie seine Einheiten zu verstärken oder die Gegner zu Schwächen. Andere dienen zur Erleichterung des Rockerlebens. So kann der Roadie mit einem Solo seinen fahrbaren Untersatz sofort an Ort und Stelle rufen. Insgesamt 12 Soli gilt es zu erlernen.
Zum einsetzen der Soli, öffnet man per Knopfdruck ein Ringmenü in welchem man das gewünschte Solo auswählen kann. Dann wird ein Quicktime-Event eingeleitet, welches nach erfolgreicher Absolvierung die Wirkung des Solo entfacht.

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Rock gegen die Welt
Der Multiplayerpart von Brütal Legend besteht nur aus den vom Singleplayer bekannten Bühnenschlachten. Der einzige Unterschied ist, das nicht nur Eddies Ironheades zur Auswahl stehen, sondern auch die Drowning Doom und die Tainted Coil Einheiten. Die Drowning Doom Armee besteht aus Toten, Dämonen und Kreaturen der Unterwelt. Die Tainted Coil sind die Leibgarde Doviculus‘ und dementsprechend böse und ekelerregend. Je nach Auswahl der Armee übernimmt der Spieler die Rolle eines anderen Kommandanten. Die Schlachten laufen dann nach dem gleichen Prinzip wie im Einzelspielermodus ab. Fans erobern, Einheiten bauen und die gegnerische Bühne zerstören. Als Gegner kann man entweder reale Opponenten wählen oder gegen einen KI-Gegner spielen. Die Schwierigkeit der KI lässt sich in 5 Stufen einstellen. Leider ist die Schauplatzauswahl sehr begrenzt, einige bieten aber ein paar Tücken, welche gemeistert werden wollen. Diese Multiplayerschlachten werden nach einer gewissen Zeit ziemlich eintönig, eignen sich aber immer gut für eine kurze Partie zwischendurch.

Die Metalgötter
Brütal Legend lebt von seiner liebevoll gestalteten Welt, jedoch gibt es auch andere Dinge die begeistern. Viele Stars der Rockwelt haben einen Gastauftritt. So bekommt Eddie Riggs die Stimme und das Aussehen von Jack Black verliehen. Aber auch Lita Ford oder Rob Halford leihen Charakteren im Spiel ihre Stimme. Zudem haben Metallegenden wie Lemmy Kilmister von Motörhead oder Ozzy Osbourne von Black Sabbath eine tragende Rolle im Spielverlauf. Lemmy heilt als Killmaster Eddie und seine Verbündeten mit mächtigen Bass-Riffs. Ozzy hilft unserem Helden als Hüter des Metal, in dem er ihm Upgrades für die Waffen und sein Auto verkauft. Alle Synchronsprecher machen einen guten Job. Ein kleiner Tipp noch, stellt die Sprachausgabe doch mal auf Englisch – dort sind die Sprecher genial.

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Aber nicht nur im Spiel selbst, auch im Soundtrack gibt es viele bekannte Musiker des Metalgenres. So gibt es über 100 freischaltbare Lieder unter anderem von: Black Sabbath, Motörhead, Judas Priest, Mötley Crüe, Diamond Head, Lita Ford, Manowar, Tenacious D, Kiss, Slayer und vielen vielen mehr. Leider sind all diese Lieder nur in und in der Nähe von Eddies Teufel sowie während der Bühnenschlachten und Nebenmissionen zu hören. Zu Fuß wird eine ruhige Melodie von Peter McConell gespielt.

Die Grafik macht allerdings nicht so einen guten Eindruck wie der Sound. Zwar ist die Welt schön gestaltet, jedoch wirken manche Texturen verwaschen. Zudem ploppen immer wieder Gegenstände einfach vor Eddie auf. Dies ist besonders nervig wenn Eddie mit seinem Teufel unterwegs ist und man einfach gegen einen Baum rast. Bei zu vielen Gegnern auf dem Bildschirm kann es auch mal zu Framerate Zusammenbrüchen kommen, dies geschieht aber zum Glück nicht all zu häufig. Das Blut, welches reichlich fließen wird, kann zu Beginn des Spiels zusammen mit den gewaltsamen Cutscenes zensiert werden. Ebenso kann gewählt werden ob Schimpfwörter ausgesprochen oder überpiept werden sollen. So wird jedem Spieler freigestellt ob er sich die Gewalt antun möchte oder nicht. Ein weiter Kritikpunkt ist die fehlende Möglichkeit zu springen. Diese Fertigkeit wird zwar nicht wirklich gebraucht, das Fehlen fällt jedoch trotzdem negativ auf.

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Brütal Legend ist ein cooles Spiel mit viel Witz geworden, welches nicht nur Metalfans begeistern wird. Kleinere Grafikfehler kann man in der liebevoll gestalteten Welt verzeihen.

Gutes

+ liebevoll gestaltete Welt, in der es viel zu entdecken gibt
+ großartiger Soundtrack
+ viele witzige Situation und Sprüche
+ cool inszenierte Bühnenschlachten...

Schlechtes

- ...die leider nicht langfristig fesseln können
- zu wenig Abwechslung bei den Nebenaufgaben
- immer wieder Grafikfehler
- Eddie bleibt das Springen verwehrt

8.5 Sehr gut

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