Borderlands 2 – Review

Getestet von | 28.09.2012 um 00:00 Uhr

Kammer-Jäger mit einer „Alles gehört mir“ Einstellung können aufatmen. Das Warten hat ein Ende, denn der postapokalyptisch wirkende Planet Pandora ist mit seinen abscheulichen Kreaturen und seiner zynischen Bevölkerung zurück. Nach vier DLC´s und der daraus resultierenden Game of the Year Edition, könnt ihr euch wieder nach Pandora aufmachen, um zu Sammeln was das Zeug hält und zu Töten was euch im Weg steht. Schmeckt auch dieses Mal der Genrecocktail aus First-Person-Shooter mit Actionrollenspiel, den Gear Box und 2K Games gemixt haben, oder wirkt er nur als ein lauer Aufguss? Leert eure Rucksäcke, denn den Platz könnt ihr gebrauchen. Nicht nur Pandora erwartet euch.

Screenshot

Eine Zugfahrt ist nicht immer lustig

Gerade wenn der Zug unterm Allerwertesten weggebombt wird. Aber von Anfang an. Borderlands 2 schließt fünf Jahre an die Ereignisse vom Erstling an. Hier eine kurze Auffrischung: Die sogenannten Kammer-Jäger waren auf der Suche nach einer Alien-Kammer, die voll von Reichtümer sein sollte. Was sie letzten Endes fanden war ein fieses Monster, mit noch fieseren Tentakeln und das Mineral Eridium. Keinen Nutzen darin sehend, zogen die Kammer-Jäger ab. Plötzlich schossen mehrere dieser Mineralvorkommen wie Pilze aus dem Boden und hier beginnt Borderlands 2. Den Wirtschaftlichen Nutzen entdeckte als Erstes die Hyperion Corperation. Unter der Führung vom Konzernchef „Handsome Jack“, scheffelten sie ordentlich Kohle und nahmen somit die Regierung des Planeten selbst in die Hand. Angelockt vom Erfolg und dem Gestank des Geldes, pilgerten unzählige Schatzsucher, oder wie sie sonst genannt werden, Kammer-Jäger, nach Pandora. Der Ausgangspunkt für die Schatzsuche wird mit dem Schwebezug erreicht. Womit wir wieder am Anfang wären. Die vier Neuen in Borderlands 2 müssen gleich ihre Fähigkeiten unter Beweis stellen. Handsome Jack ist kein sozialer Chef mit Nächstenliebe, sondern ein Arsch. Er lockt die unwissenden Schatzsucher mit dem Traum hier auf Pandora reich zu werden, nur um sie postwendend in den Tod zu schicken. Somit entledigt er sich direkt seiner Konkurrenz. Natürlich überlebt nur ihr den Hinterhalt. Der wahre Grund den Jack verfolgt ist ein anderer. Es geht hier nicht nur um Geld, denn er ist stinkreich, wie er es immer wieder gern erwähnt. Jack verfolgt den Plan einen alten Alien-Krieger zu erwecken. Ihr schwört somit nicht nur Rache, sondern ihn auch aufzuhalten, um Pandora zu retten.

Screenshot

Grenzland 2.0

Die vier Neuen wurden angesprochen und wir stellen sie euch vor. Axton, der Commando, kann einen Geschützturm als Unterstützung gegen die Horden aufbauen. Wahre Waffengewalt zeigt euch Salvador. In seinem Gunzerker- Modus kann er mit zwei dicken Wummen alles umholzen und generiert dabei sogar noch Munition. Der Assassine Zer0 ist der Sniper-Tarn-und Schleichspezialist. Seine Spezialfähigkeit ist die Täuschung des Gegners mit einem Hologramm, während er selbst für ein paar Sekunden unsichtbar ist. Maya ist eine Sirene und ihre Fähigkeit Feinde in eine andere Dimension zu schleudern und somit für eine gewisse Zeit kampfunfähig zu machen, ist da besonders hilfreich. Im Koop kann sie Verbündete heilen. Die Steuerung ist dabei Shooter Standard und die Schusswechsel sind flott gestaltet. Zu Beginn besitzt euer Kammer-Jäger zwei Waffenslots und Platz für ein Schild, ein Artefakt, ein Klassen- und ein Granatenmod. Natürlich müssen diese erst gefunden werden. Diese Gadgets sind, genauso wie die Waffen, sichtbar und am Gürtel befestigt. Nach diesem Anschlag auf euer Leben besitzt ihr erst mal gar nichts. Eine alte, bekannte Quasselstrippe findet und rettet euch. Es ist der Roboter Claptrap, der die Aufgabe hat, „die Verunglückten“ einzusammeln und zu entsorgen. Im weiteren Verlauf begegnet ihr auch den Kammer-Jägern aus dem ersten Teil und auch einigen anderen bekannten Personen. Pandora ist wie eh und je fassettenreich gestaltet. Wie auf unserem blauen Planeten gibt es auch hier Schnee- und Wüstenregionen. Weitläufige Areale mit Gebirge und Täler. Aber alles in einer gewissen Endzeitstimmung, mit verfeindeten Banditengruppierungen und absurden Kreaturen. Neben der Story gibt es einen Haufen Nebenaufgaben, die am schwarzen Brett oder von Bewohnern aus den Städten angenommen werden können. Dabei mausern sich die Side Quests als interessant, witzige Pausenfüller zum Aufleveln. Es gibt in der Story Level Vorschläge und wenn diese nicht erfüllt sind, dann kann dieser Abschnitt besonders schwer werden. Dadurch ist regelmäßiges leveln erforderlich. In den Nebenmissionen bekommt ihr es meistens mit einer derb humorigen Bevölkerung zu tun. Ein Beispiel? Bitte schön: Der Wissenschaftler Hammerlock möchte für einen Verleger einen Almanach der Vegetation auf Pandora schreiben. Daher braucht er euch für die praktische Erfahrung. Ihr sollt einen neuen Namen für die Gorilla ähnlichen Bullymongs finden. Der Name ist blöd und nach ein paar getöteten Exemplaren, bekommt das Wesen den Namen Prima-Biest, weil es sich prima an die Umgebung angepasst hat. Der Verleger ist nicht ganz zufrieden damit und ihr müsst weiter suchen. Im weiteren Kampf mit den Prima-Biestern erkennt Hammerlock wie „hinterfotzig“ die Viecher angreifen. Der Name Fotzi-Viech ist geboren. Die Missionen sind abwechslungsreich, dass unterhält enorm und macht Spaß. Unterhaltsam ist auch das dazwischen Geplapper von Handsome Jack, oder anderen Banditenbossen. Das geschieht über euer Kommunikationsgerät ECHO. Stellt euch vor, ihr seid in einem Überlebenskampf und Jack erhöht währenddessen euer Kopfgeld, oder fragt euch wie er sein diamantbesetztes Pferd nennen soll. Über das ECHO bekommt ihr auch Questupdates vom Auftraggeber. Nennenswert ist auch der Zustand, dass euer Charakter nicht schwimmen kann, aber vom Fallen bekommt ihr keinen Kratzer. Eine verkehrte Welt halt. Vom Vorgänger wurde auch wieder das Catch-a-Ride übernommen. Hier lassen sich bewaffnete Fahrzeuge erstellen, um größere Distanzen schneller zu überwinden. Leider wird diesen Fahrzeugen zu wenig Beachtung geschenkt. Meistens bringen sie euch nur von A nach B und es gibt zu wenige Missionen in denen die Vehikel mit einbezogen werden. Später gesellt sich sogar ein Schnellreisesystem dazu. Pandora ist riesig. Sogar so groß, dass ihr gleich eure Kumpels zu einem Koop Spiel einladen könnt. Mit bis zu vier Spielern ist es online möglich die Story zu bewältigen oder im Splitscreen auf einem Fernseher. Mehr Kammer-Jäger bedeuten mehr Gegner und mehr Schätze. Ein riesen Spaß.

Screenshot

Meins, meins, meins

Borderlands 2 steht unter einem Leitspruch: Nachladen war gestern, denn wenn euer Magazin leer ist, werft die Knarre weg und holt euch eine Neue. Leicht gesagt und leicht getan. Bei mehr als 5 Millionen zufallsgenerierten Waffen ist das auch so. Von der einfachen Pistole, über die Schrotflinte, bis hin zur Bazooka, steht euch eine Waffenwahl bevor, die ihr noch nie gesehen habt. Unterschiede in der Wertigkeit mit Zusatzfähigkeiten, wie Brand- oder Säuremunition werden durch einen Zufallsgenerator geschaffen. So habt ihr für jeden Gegnertypus eine Waffe parat. Das ist auch bitter nötig, denn jeder Bandit, Psycho, Goliath, oder Skag reagiert anders. Verbessert wurde nicht nur die Anzahl an Waffen, sondern auch die Gegner KI ist schlauer geworden. Sie suchen sich Schutz hinter Mauern und holen euch mit einer Granate aus derselben. Auch verfeindete Gruppierungen bekriegen sich, wenn sie aufeinander treffen. Somit kommt ihr aus der Schusslinie und könnt euren Weg fortsetzten, während andere sich die Köpfe einschlagen. Zugelegt hat auch die Charakterentwicklung. Mit jeder abgeschlossenen Mission und getöteten Gegner bekommt ihr Erfahrungspunkte. Natürlich lassen sich auch besondere Gegenstände, Geld und Waffen ergattern. Steigt ihr ein Level auf, bekommt ihr einen Skill- Punkt. Jetzt habt ihr die Qual der Wahl. Der Skill- Baum ist in drei Kategorien unterteilt. Körpergebundene Skills, wie maximale Gesundheit erhöhen, oder Resistenzen gegen Feuer, Säure und mehr können ausgebaut werden. Auch die Werte für den Nahkampf, oder die reine Waffengewalt gehören dazu. Als Zusatz gibt es den Bad-Ass Rang. Das sind Herausforderungen die im laufenden Spiel gestellt werden. Darunter gehört töte x-mal einen Gegner mit ein und derselben Waffe, oder sammle mehrere Waffen einer Art. Für das Erfüllen der Herausforderungen gibt es Token- Punkte. Diese können z.B. in erhöhter Feuerrate, oder in Schild-Kapazität investiert werden. Hier wurde noch mal richtig an der Charakterentwicklung geschraubt werden und das motiviert umso mehr. Zu der Entwicklung gehören auch Modifikationen. Die Klassen-Mods sind nur an eine Klasse gebunden und können Nahkampfangriffe, oder Schildaufladung erhöhen. Der Granaten-Mod gibt der normalen Granate einen zusätzlichen Schub. So lässt sich eine Splittergranate basteln, die z.B. die siebenfache Explosionskraft mit sich bringt. Auch die Schilde sind vielseitiger geworden. Ist die Kapazität erschöpft, können besondere Schilde Napalmexplosionen um euch herum entstehen lassen, sodass der Gegner keinen Nahkampfangriff durchführen kann. Das letzte Charakter gebundene Item sind die Artefakte. Diese sind, wie die Mods, zur Verbesserung eurer Fähigkeiten gedacht. Findet ihr euren Alter-Ego zu langweilig, dann ist es möglich sich in einer Umkleidekabine aus mehreren Outfits ein passenderes auszusuchen. Es ist sogar möglich das Gesicht zu überarbeiten. Wenn der Geldbeutel prall gefüllt ist, könnt ihr es, Borderlands typisch, an einer der vielen Waffen-, Munitions- und Gesundheitsautomaten ausgeben. Das gefundene Eridium Mineral lässt sich nur beim Schwarzmarkt gegen Erweiterungskits eintauschen. Diese sorgen für ein größeres Magazin der jeweiligen Waffenart.

Screenshot

Pandora wie es leidet und lebt

Der Planet ist noch Detailreicher geworden, aber der eigentliche Cell- Shading Look hat sich nicht geändert. Die wenigen Zwischensequenzen sehen super aus und laufen flüssig. Das selten auftretende Tearing kann man verschmerzen, aber die oft zu spät geladenen Texturen lassen alles unscharf aussehen und stören ein wenig. Der Tag- Nachtwechsel bringt noch einmal mehr Atmosphäre ins Spiel. Die Synchronisation ist professionell mit einigen deutschen Sprechern durchgeführt worden. Manche sind bekannt aus der TV Serie „Die Simpsons“. Zusätzlich wurde ein deutscher Untertitel eingebaut. Der Sound integriert sich perfekt in das Setting. Da gibt es nichts zu beanstanden.

Schatzplanet oder Kammer- Jäger Grab?

Borderlands 2 hat im Umfang und Abwechslung mächtig zugelegt. Die Charakterentwicklung ist viel komplexer geworden und jeder Schußwechsel geht locker von der Hand. Die Nebenmissionen sind alles andere als langweilig und der schwarze Humor unterhält über Stunden. Einzig allein die spät nachladenen Texturen trüben das Gesamtbild, wobei wir hier auf höherem Niveau meckern. Der Grafik Stil ist vielleicht nicht jedermanns Sache aber Anhänger des Erstlings werden hier nichts verkehrt. Gerade im Koop macht es mächtig Laune auf die Jagd zu gehen und die Missionen zu zusammen zu erleben. Pandora wird euch verschlucken und nicht wieder loslassen.

Gutes

+ Umfang und Abwechslung
+ Super Humor
+ Story überzeugt

Schlechtes

- nachladene Texturen
- Comic Look gefällt nicht jedem

9.0 Must Have

Kommentare

Das könnte dich auch interessieren