Beyond: Two Souls – Review

Getestet von | 18.10.2013 um 19:26 Uhr

Videospiele sind eine Form der visuellen Kunst. David Cage von Quantic Dream setzte mit seinen letzten Schöpfungen in dieser Hinsicht neue Maßstäbe. Drei Jahre sind seit Heavy Rain vergangen und 20 Millionen Dollar sind geflossen. Damit aus dem aktuellen Werk Beyond: Two Souls kein Heavy Rain 2.0 wird, hat sich das Entwicklerstudio Verstärkung aus den Reihen Hollywoods geholt. Mit aufwendiger Performance-Capture Technologie wurden Ellen Page und Willem Dafoe in ein Videospiel übertragen. Beyond soll euch hinter die Grenzen des Bewusstseins befördern. Verliert euch nicht oder ihr seid verloren. Kommt mit in die Infrawelt.

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Jeder Gesichtszug ist perfekt umgesetzt worden, dank Performence Capture Technologie

Ein Klick bis Hollywood

Was richtet mehr Verwirrung und zugleich Neugier an, als eine Erzählung in nicht chronologischer Reihenfolge? Die Timeline der Story wird in 26 Kapiteln erzählt. Sie beleuchten die Lebensjahre 8 bis 23 der Jodie Holmes. Ellen Page wurde mit dem 2000 seitigen Drehbuch vertraut gemacht und eins zu eins für die Rolle der Jodie in das Spiel übernommen. Jodie wuchs bei Stiefeltern auf, da der Verbleib ihrer leiblichen Eltern im Dunkeln liegt. Das Zusammenleben mit ihren Pflegeeltern wurde abrupt unterbrochen, als Jodies besondere Fähigkeit schwerwiegende Folgen hervorruft. Der Geist Aiden ist seit Jodies Geburt durch ein Band mit ihr verbunden. Er kann aus seiner Welt, der Infrawelt, heraus agieren und Dinge bewegen oder sogar Menschen verletzen. Woher er kommt, was er will, kann noch nicht gesagt werden. Wie gesagt, noch nicht. Von ihren Stiefeltern wurde sie in eine Regierungsanstalt, das Department of Paranormal Activities, eingeliefert. Für die DPA arbeitet der Wissenschaftler Dr. Nathan Dawkins. Der Schauspieler Willem Dafoe verkörpert den netten, herzlichen Ersatzvater für Jodie. Sie lebt von nun an unter Beobachtung auf und das Team um Dr. Dawkins, will die besondere Bindung zu Aiden und dessen Nutzen untersuchen. Zu Beginn lässt es die Story nicht zu, einen Zusammenhang aus den Schnipseln zu schließen. Sobald aber Kapitel für Kapitel abgeschlossen wird, setzt sich das Puzzle zusammen und diese Neugier treibt euch voran, das Spiel zu beenden. Jetzt denkt aber bloß nicht, ihr würdet gleich beim ersten Durchlauf alles an Infos bekommen. Nein, David Cage verspricht 23 verschiedene Enden und wenn diese erlebt worden sind, soll jeder Funken Wahrheit an die Oberfläche gelangt sein. Typisch für die Quantic Dream Spiele verursachen verschiedene Entscheidungen oder Aktivitäten, einen anderen Verlauf in der Geschichte. Ersichtlich ist aber nicht immer, wann der Verlauf gewechselt werden kann. Aber auch einige Entscheidungen bekommen einen anderen Verlauf, die Auswirkung bleibt die Gleiche. Dieser Umstand grenzt die große Freiheit ein und man spürt eine Linearität. Überzeugt hat die hollywoodreife Inszenierung der Story mit vielen Wendungen, emotionalen Ausbrüchen und einer visuellen Darbietung, wie sie als Generationsabschluss für die aktuelle Konsole ihresgleichen sucht.

Auch Willem Dafoes schauspielerische Leistung war grandios

Auch Willem Dafoes schauspielerische Leistung war grandios

Ich sehe tote Menschen

15 Jahre sind eine verdammt lange Zeit und diese wird in ca. 10-12 Stunden Spielzeit gepresst. Es kann und wird viel passieren. Für Jodie wird es eine Achterbahnfahrt der Gefühle, die emotionaler nicht sein kann. Wie oben schon erwähnt begleitet ihr ein kleines Mädchen bis hin zur erwachsenen Frau. Wie ihr das Mädchen gegenüber anderen Personen spielt, ob offen zu allen Gesprächen oder eher verschlossen und geheimnisvoll, bleibt euch überlassen. Dr. Dawkins wird eine wichtige Bezugsperson und das Vertrauen stärkt sich mit der Zeit. Jodie wird mit ca. 20 Jahren in die CIA aufgenommen. Die spezielle Bindung zu Aiden soll zu einer Geheimwaffe gegen die Feinde der Nation werden. Die Ausbildung ist hart und die Einmischung der CIA in einen Bürgerkrieg in Afrika fordert viele Opfer. Auch Soldaten sind Väter, das merkt Jodie schnell, als sie mit einer Waffe aus Kinderhänden bedroht wird. Sie selbst weint und wollte das nicht, aber der Auftrag ließ es nicht anders zu, oder etwa doch? Solche Momente gibt es viele. Sie sorgen für eine emotionale Bindung zu Jodie, zu den Betroffenen und zu der Überlegung, hätte dieser Auftrag auch anders erledigt werden können? Beyond: Two Souls hat durch den Einsatz für die CIA mehr Action zu bieten. Die Kampfausbildung lässt Jodie im Nahkampf ordentlich austeilen. Dabei erledigt ihr nicht Standard Quick-Time Events, wie im Rest des Spiels. Der Angriff des Gegners oder das Ausweichen einer Gefahr startet in einem Zeitlupenmodus. In dieser kurzen Zeit müsst ihr erkennen, von wo die Gefahr oder der Angriff droht und im richtigen Moment den rechten Analogstick in die dementsprechende Richtung lenken. So gehen diese Szenen nicht im Aneinanderreihen von Tasten drücken unter und die Inszenierung leidet nicht. Auch nach mehreren fehlgeschlagenen Eingaben, kam kein Game Over Bildschirm. Der „Spiel“- Film zieht gnadenlos weiter. Wenn ihr jetzt die Frage stellt: Kann Jodie sterben? Das verraten wir nicht. Die Geheimwaffe ist und bleibt Aiden. Scheint eine Situation ausweglos zu sein, dann schaltet zu Aiden und er erledigt es auf seine Weise. Der Wechsel zu Aiden kann aber zu jeder Zeit, auf Knopfdruck, erfolgen. Aus der Infrawelt sieht Aiden, welche Gegner einzunehmen sind oder welche eliminiert werden können. Erkennbar wird das für euch mit einer orangenen oder einer roten Umrandung. Mit beiden Analogsticks könnt ihr rot umrandete Feinde erwürgen. Das Band zwischen Aiden und Jodie ist begrenzt, aber übernehmt ihr den orangenen Körper eines Gegners, dann könnt ihr euch frei bewegen. Besorgt euch eine Waffe und entledigt euch störender Soldaten, bedient Konsolen oder öffnet Türen. Achtet nur darauf keinen anderen zu berühren, denn dann verliert ihr den Kontakt. Schusswaffen kommen selten vor und noch seltener werden sie von Jodie bedient. Die meiste Zeit sprintet oder schleicht ihr von Deckung zu Deckung und Aiden erledigt den Rest. Brüchige Wände können Gegner unter sich begraben oder Aiden jagt eine ganze Tankstelle in die Luft. Es lohnt sich die Umgebung erst zu untersuchen und dann mit geeigneten Mitteln zuzuschlagen.

Gutes

+ Hollywoodreife Story. Klasse erzählt und voll von Emotionen
+ Ein visuelles Feuerwerk
+ Schauspielerische Leistung

Schlechtes

- Entscheidungen ändern den Verlauf nicht, daher fehlt die Freiheit im Spiel
- Das Spiel ist keine Herausforderung

8.5 Sehr gut

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