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Battlefield: Bad Company 2 – Review

Artikel von | 14.03.2010 um 00:00 Uhr

Bad Company 2.0?
Entwickler DICE konnte bereits mit Battlefield: Bad Company so einige Herzen der Spieler für sich gewinnen. Besonders was den Multiplayer angeht. Nun, gut 2 Jahre später, erscheint der direkte Nachfolger, der seinen Vorgänger in allen Punkten übertrumpfen will. Unter anderem auch mit der verbesserten Frostbite Engine, diesmal mit dem Zusatz 2.0. Schaffen die Entwickler auch ein Battlefield: Bad Company 2.0, oder scheitert es an seiner eigenen Konkurrenz? Erfährt selbst ob der Ego-Shooter mehr Bad oder Good ist.

Rückkehr der Chaoten-Truppe
Die Bad Company ist zurück. Für die USA bedeutet dies einmal mehr eine ernstzunehmende Bedrohung, die nur die titelgebenden Helden aus dem Vorgänger bewältigen können. Sarge, Haggard, Sweetwater und Marlowe. Ein chaotischer Soldatentrupp die immer wieder für den einen oder anderen Lacher sorgten. Die B-Company zeigte sich in Battlefield: Bad Company allerdings weniger von ihrer patriotischen Seite, und verfiel dem Wahn des Goldes. Umso erstaunlicher das sie im Nachfolger nun wieder auf Seiten der USA in den Krieg ziehen. Dieser findet in einer alternativen Gegenwart statt, in der sich die USA und Russland im ständigen Kräftemessen befinden. So verdichten sich die Anzeichen das letztere kurz vor dem Einmarsch in die USA stehen, und bereits das Mittel in Form einer neuen Massenvernichtungswaffe besitzen. Dessen Ursprung wiederum im 2. Weltkrieg stattfindet, das als Tutorial-Level auch kurz angespielt wird. Battlefield: Bad Company 2 ist ein Spiel das aufgrund der unfreiwilligen Heldentruppe auf eine humorvolle Stimmung setzt. So bekommt der Spieler mitten im Spielgeschehen immer wieder Gespräche im Team mit, dessen Umfang fast den Inhalt der Story-Sequenzen überbieten. Besonders die Gespräche zwischen Sweetwater und Haggard bringen den Humor des Spiels gut rüber. Zusammengefasst muss die Handlung aber schwere Kritik einstecken. Diese wirkt eher oberflächlich und irgendwie schon dagewesen. Auch die Spielzeit von ca. 6-8 Stunden lässt den Abspann viel zu früh auf dem Bildschirm erscheinen.

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Zu Lande, zu Wasser und in der Luft
Die Entwickler von DICE jagen dem Spieler in der Ego-Perspektive quer über die Weltkarte. Sei es in die tiefsten Dschungelregionen Südamerikas, ins schneebedeckte Alaska oder als Contra in die Wüsten von Chile. Allerdings nie im Alleingang. Ein weiteres Mal darf wieder in die Rolle von Preston Marlowe geschlüpft werden. Einer der 4-köpfigen B-Company, die während des gesamten Spieles stets im Team agieren. Dessen künstliche Intelligenz kann sich durchaus sehen lassen. Feinde werden sofort wahrgenommen und je nach Situation auch ausgeschaltet. So stürmt der Trupp schon mal vor und erledigt russische Einheiten bevor diese überhaupt reagieren können. Haben einem die Gegner aber noch nicht bemerkt, liegt es allein am Spieler wie es weitergehen soll. Bei einer deutlichen Überzahl an Gegnern kann sich ins Lager geschlichen werden und Gegner etwa durch ein Messer leise ausgeschaltet werden. Diese Taktik bietet sich besonders an wenn stationäre Geschütze oder feindliche Fahrzeuge auf einen feuern. In diesen Falle lenkt euer Team den Beschuss auf sich, während sich der Spieler seitlich zu einer besseren Position begibt. Wie es sich für ein Battlefield gehört stehen eine hohe Auswahl an Waffen zur Verfügung, von der je 2 beliebige gleichzeitig getragen werden dürfen. Der Großteil muss allerdings erst gefunden werden, bzw. auch von erledigten Soldaten übernommen werden. Ist dies der Fall wandert die Waffe automatisch in die Waffenkiste, die im Spiel an vielen Orten zum Aufrüsten einladen. Neben einem ständigen Munitionsnachschub kann dadurch auch auf jede Situation reagiert werden. Etwa ein Präzisionsgewehr für weiter entfernte Gegner, ein schweres MG für einen bevorstehenden Überfall, oder gleich eine Panzerfaust für feindliche Fahrzeuge. In bestimmten Missionsabschnitten dürfen Fahrzeuge natürlich auch diesmal wieder gesteuert werden. Beispielsweise durch ein Quad, um größere Entfernungen in Wüsten zu überbrücken. Am Steuer eines Panzers dagegen darf Marlowe wiederum alles in Schutt und Asche schießen; was nur ansatzweise verdächtig wirkt. Hier kommt besonders die überarbeitete Frostbite Engine zum Einsatz. Konnten Gebäude im Vorgänger nur bis zum Grundgerüst zerstört werden, sorgt die Engine in Bad Company 2 für komplette ins Detail genaue Einstürze. Auch sonst lässt sich alles zerstören, oder mit einigen Ausnahmen zumindest stark beschädigen. Dieses Prinzip hält sich über das gesamte Spiel hindurch treu, und kann als der eigentliche Star des Spiels angesehen werden. So lassen sich nicht nur versperrte Wege zugänglich machen sondern auch verschanzte Gegner in Bedrängnis bringen. Allerdings wissen dies auch die gegnerischen Einheiten zu nutzen. Sei es jene mit Panzern oder Panzerfaust oder der durchschnittliche Soldat, der mit seinem MG Deckungen wie Zäune oder hölzerne Hauswände wegschießt. Fängt sich Marlowe dabei einige Treffer ein wird dies durch einen rotgefärbten Bildschirmrand sichtbar, der sich nach und nach wieder legt. So wird auf dem Bildschirm nur die Anzahl der Munition und die Minimap eingeblendet.

Führerschein nicht zwingend notwendig
Battlefield: Bad Company 2 fordert dem Spieler in den meisten Fällen zu schnellen Gameplay auf. Eine Steuerung die ohne viel Eingewöhnung von der Hand geht ist deshalb Pflicht, und wurde als solche auch umgesetzt. Geübte Spieler im Genre „Ego-Shooter“ werden im Spiel eine vertraute Tastenbelegung finden. Die Schultertasten stehen für jeweils Zoomen, Feuern, Granate werfen und dem Einsatz des Messers. Auch die Symboltasten wurden erwartungsgemäß mit Funktionen wie Nachladen, Waffenwechsel, springen oder der Einstieg in ein Fahrzeug belegt. Letzteres bietet dank dem Steuerkreuz auch eine alternative Sicht zur Ego-Perspektive. Besonders am Steuer eines Panzers lässt sich auf diese Weise das Kampfgebiet besser überblicken, allerdings auf Kosten der Präzision der Bord-Geschütze. Die Fortbewegung selber läuft dabei relativ realistisch ab. Ein schwerer Panzer steuert sich natürlich anders als ein wendiges Quad oder schwerfälliges Motorboot. Helikopter, die vorwiegend im Multiplayer zum Einsatz kommen, erfordern allerdings schon mehr Geschick und Eingewöhnung. Die sensible Steuerung dürfte gerade zu Beginn schneller in einen tödlichen Crash enden als ein Gegner mit Raketenwerfer erzielen könnte. Was allerdings nicht den Analogsticks angehängt werden sollte. Diese reagieren auf jede noch so kleinste Bewegung der Kamera und Fortbewegung. Bei zuvor zerstörten Objekten kommt es dagegen immer wieder vor das die Spielfigur hängen bleibt, die meist nur durch einige gezielte Sprünge überwunden werden können.

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„Bombastische“ Grafikengine
Grafisch kann Bad Company 2 durchaus punkten. Besonders die Effekte hauchen den verschiedenen Locations Leben ein. In Alaska wird die Sicht der Bad Company beispielsweise durch Schneeverwehungen vermindert. Gleiches richtet auch in der Wüstenregion der Sand an. Die wirklichen beeindruckenden Effekte richtet allerdings die pure Zerstörungswut an. Unter Beschuss stehende Gebäude fallen nach und nach realistisch und detailliert zusammen, und hinterlassen als Draufgabe noch eine Staubwolke, die sich langsam wieder legt. Hier zeigen sich besonders die Stärken der verbesserten Frostbite Engine. Zerstörerisch gut in Szene gesetzt wurden auch die Explosionen der verschiedensten Fahrzeuge. Ist seine Zeit gekommen explodiert das Fahrzeug in diverse Einzelteile, nur um anschließend ein brennendes Überbleibsel zu hinterlassen. Zusammen mit dem beachtlichen Detailgrad der Charaktere sowie Feinden wurden auch gerade den Fahrzeugen ein hoher Grad an Details und scharfen Texturen spendiert. Auch das Gesamtbild der Gebiete weiß durch die enorme Weitsicht zu überzeugen. Das Contra findet sich allerdings in den Objekten wie etwa Felsen wieder. Aus nächster Nähe betrachtet wirken die Texturen deutlich verwaschen. In actionreicheren Szenen geht die Technik zudem an ihre Grenzen, was sie durch teilweise starkes Tearing wiederspiegelt.

Die neue Soundreferenz?
Der Sound von Battlefield: Bad Company 2 darf durchaus als neuer Maßstab der Videospiele betrachtet werden. Seien es die Soundeffekte der Explosionen und nachhallenden Schüsse oder das bedrohliche Herannahen eines Panzers, dessen knarrende Bewegung des Geschützturms den Abschuss einläutet. In der Handlung, besonders aber im Multiplayer, lassen sich aus allen Richtungen diverse Kampfansagen der Gegner oder Verbündeten hören. Das alarmierende Heulen einer Sprengladung oder das Surren einer knapp am Spieler vorbeigegangenen Kugel lässt die Gefahr erahnen, nicht immer aber wo sich der Schütze aufhält. Die Beispiele gehen quasi ins Grenzenlose. Hier zeigt DICE was es heißt auf einem Battlefield sein Leben ständig aufs Neue zu riskieren. Auch die Entfernung spielt eine Rolle. Eine weit entfernte Explosion klingt wesentlich schwächer als eine in direkter Umgebung. Besonders an den Fahrzeugen lässt sich das immer näher kommende Geräusch deutlich raushören. Dem Gesamtbild entsprechend fällt auch der Teil der negativen Kritikpunkte aus. Mit Battlefield: Bad Company 2 wurde ein Spiel entwickelt, das in der Abteilung „Sound“ auf den obersten Treppen mitspielt.

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The Battlefield
Der Multiplayer stellt das Herzstück von Bad Company 2 dar, und dürfte der eigentliche Kaufgrund vieler Spieler sein. Bis zu 24 Spieler können sich auf 10 großflächigen Maps gegenübertreten. Diesen wurden 4 Spiel-Modi spendiert. Etwa der Rush-Modus. Je auf Seiten der Angreifer oder Verteidiger gilt es hier an Kisten Sprengsätze zu legen oder zu verteidigen. Sollte die Gegenwehr doch zu stark sein, kann in einigen Fällen das Gebäude mitsamt der Kiste begraben werden. Der Frostbite Engine 2.0 sei Dank. Damit die Spieler auf den extrem umfangreichen Maps nicht zu weit voneinander agieren, wird im Rush-Modus erst der nächste Abschnitt freigelegt wenn die beiden Kisten im jeweiligen Bereich zerstört wurden. Der Ansturm der Gegner endet erst wenn selbige eine gewisse Anzahl an Verlusten erlitten haben. Erfahrene Onlinespieler dürfte der zweite Spielmodus „Eroberung“ bekannt vorkommen, in der es 3 auf dem Spielfeld verteilte Flaggen einzunehmen und zu verteidigen gilt. Jede eingenommene Flagge kostet der gegnerischen Truppe Spielstärke, die bei Null in der Niederlage endet. Der Squad-Rush stellt dagegen die intensive Variante zu „Rush“ dar. Hier tritt je ein Squad aus 4 Leuten gegen das andere an. Als vierten Modus darf der Squad-Deathmatch gespielt werden. Je 4 Squads, wiederum aus 4 Spielern, treten gegen die anderen 3 Squads an. Wer zuerst 50 Kills erwirtschaftet gewinnt die Runde. Vor dem Spielbeitritt muss einer von 4 Klassen ausgewählt werden. Neben dem bestens ausgerüsteten Sturmsoldat, stellt sich der Pionier als der Mechaniker raus, der beschädigte Fahrzeuge wieder reparieren kann. Weiteres gibt es den Sanitäter, der Verbündete Medipacks zuwerfen kann, oder diese je nach Situation gleich wiederbelebt. Die Klasse Aufklärer ist dagegen rein auf den Einsatz von Präzisionsgewehren, C4 und Mörserschlägen spezialisiert. Je nach Map kommen im Multiplayer unterschiedlich stark Fahrzeuge zum Einsatz. Verschiedene Panzer, Jeeps, Quads, Motorboote, Helikopter sorgen auf dem Schlachtfeld sowohl für ein actionreiches Gameplay als auch für die taktische Note. Jede Klasse und Fahrzeug hat seine Vor und Nachteile. Ein Panzer etwa vernichtet problemlos leichte Fahrzeuge und Fusstruppen, geht unter Beschuss von Raketenwerfer oder dem Einsatz von C4 schnell unter. Ein Helikopter startet ein Feuerwerk auf Erden, ist aber anfällig gegen zielsuchende Raketen. In Bad Company 2 gilt als ungeschriebenes Gesetz besonderes eines. Teamwork. Gemeinsam an der Front steigt nicht nur die Überlebenschance, sondern auch die Anzahl an Punkten die im 4-köpfigen Squad erzielt werden können. Außerdem darf nach seinem Ableben jederzeit bei einem Squad-Mitglied respawnt werden. Der Multiplayer bietet mit 50 Rängen, zahlreichen freischaltbaren Waffen, Zielhilfen, Gadgets wie den Mörserschlag, erweiterte Vorteile wie mehr Munition oder stärkerer Panzerung ein enormes Maß an Langzeitmotivation. Außerdem wird der Onlinespieler mit zahlreichen punktebringenden Ehrennadeln und Insignien belohnt. Etwa „Sei Teil des besten Squads“ oder „Verursache 6 Kills in Folge ohne zu Sterben“. Technisch läuft der Multiplayer durchgehend flüssig ab. Auch der Beitritt in eine Runde erfolgt innerhalb von Sekunden. Allerdings kam es unter den Servern teilweise zu Verbindungsabbrüchen. Mit etwas Glück wurde dieses Problem bereits gelöst, während diese Zeilen gelesen werden.

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Auf in die Schlacht?
Battlefield: Bad Company 2 ist im Grunde ein Spiel das besonders auf dem Multiplayer aufbaut. Durch seine Mischung aus Action, Taktik und Teamwork kann der Open World Ego-Shooter auf ganzer Linie überzeugen, und bringt durch zahlreicher freischaltbarer Ausrüstung und Belohnungen jede Menge Langzeitmotivation mit sich. Der Singleplayer darf dabei aber auch nicht abgeschrieben werden. Tritt aber mit 2 negativen Punkten zum Vorschein. Zum einen die geringe Spielzeit von ca. 6-8 Stunden zum Anderen die eher oberflächige Handlung. Letztere rettet allerdings das Bad Company Team, die bereits im Vorgänger für eine kräftige Portion Humor sorgten. Der Spielablauf selber erweist sich dagegen als extrem abwechslungsreich, führt im Gegensatz zum Multiplayer aber öfters durch lineare Gebiete. Im Grunde ein solider aber kurzer Offline-Part. Der Multiplayer stiehlt diesem ganz klar die Show. Deshalb widmet sich die klare Kaufempfehlung auch insbesondere an Onlinespieler, denen hier einiges geboten wird. Eines haben Single und Multiplayer-Modus aber gemeinsam. Während optisch besonders die gewaltigen Zerstörungen beeindrucken, darf in Sachen Sound durchaus von der neuen Spiele-Referenz gesprochen werden, die eigentlich jeder Beschreibung spottet.

Battlefield: Bad Company 2 Testbericht

Battlefield: Bad Company 2

  • Release: 04.03.2010
  • Genre: Action, Ego Shooter
  • Entwickler: Digital Illusions CE (DICE)
  • Publisher: Electronic Arts

Gutes

umfangreicher und motivierender Multiplayer
bombastische Soundkulisse die seinesgleichen sucht
vollkommene detailierte Zerstörung 2.0

Schlechtes

nur 6-8 Stunden Spielzeit im Singleplayer-Modus...
...der mit einer eher oberflächigen Handlung aufwartet
teilweise Tearing und verwaschene Texturen

8.5 / 10 Sehr gut

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