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Battle vs. Chess – Review

Artikel von | 14.06.2011 um 00:00 Uhr

Mit über einem halben Jahr Verspätung dürfen Freunde des Schachsports ihr liebstes Hobby nun auch auf der Konsole spielen. Besonders da die Konkurrenz mit „Fritz Chess“ vor knapp zwei Jahren bereits gut vorgelegt hat, stellt sich die Frage, ob das Entwicklerstudio „TopWare Interactive“ einen ähnlichen Pfad einschlagen will oder ob sie mit neuem Spielgefühl und innovativen Spielmechaniken überzeugen. Behauptet wird zumindest zweiteres, doch ob sich Innovationen und Schach vertragen und ob die Entwickler die zusätzliche Zeit, die auf Grund von Rechtsstreitigkeiten verstrich, gut genutzt haben, erfahrt ihr in unserem Review zu „Battle vs Chess“!

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Kampf oder Schach?

Schon im Menü fällt dem Spieler auf, dass man sich mit „Battle vs Chess“ keine spröde Schachsimulation gekauft hat, wie man sie zuweilen vom Computer kennt. Alles wirkt belebter und frischer und im direkten Vergleich zur Konkurrenz macht das Spiel aus der Entwicklerschmiede, die im Übrigen unter anderem auch für das Rollenspiel Two Worlds zuständig war, den moderneren Eindruck. Blättert man dann allerdings durch die verschiedenen Menüpunkte, so erhält man zugleich auch einen vertrauteren Anblick. Schnell ist der gewünschte Spielmodus gefunden und gestartet. Besonders Schachneulinge und die Spieler, dessen Kenntnisse ein wenig eingerostet sind, dürfen sich freuen. Das Spiel bietet ein umfangreiches Tutorial, das sämtliche Grundlagen und auch weitergehende Problemstellungen und Fragen ausführlich erklärt. Hat der Spieler sich dann mit der Materie vertraut gemacht und sein Wissen aufgefrischt, kann er sich auch schon an einen der zahlreichen Spielmodi probieren. Starten wird der Großteil der Spielerschafft dabei wahrscheinlich mit dem klassischen Schachmodus. Wurden sämtliche Optionsdetails geklärt – wozu neben dem Austragungsort auch unter anderem der Schwierigkeitsgrad zählt – so kann das Spiel in Windeseile starten. Antreten kann man im Singeplayer gegen einen Computer-Gegner in beliebiger Schwierigkeit. Eingestellt werden kann die KI auf einer Skala von 1 bis 10 und dank originaler Fritz-Engine und dementsprechend intelligenten Kontrahenten scheint die Skala auch sinnvoll. Während das virtuelle Gegenüber auf den niedrigeren Stufen noch durchschaubar agiert, so offenbart es sein Können bereits schon auf den mittleren Graden. Ein KI-Gegner auf Stufe 9 oder 10 ist dann aber sogar für wahre Schachprofis ein hartes – wenn nicht schon fast an der Grenze zum Unbesiegbaren – Stück Arbeit. Dass eine Schachsimulation, auch wenn sie sich wie „Battle vs Chess“ einen anderen Schwerpunkt gesetzt hat, von der Intelligenz des Programmes abhängt, ist klar. Und umso erfreulicher ist es letztendlich, dass das Spiel diesen Aspekt bravourös meistert. Weniger erfreulich ist, dass die Bedienung auf dem dreidimensionalen Schachfeld teils nicht gut funktioniert. Die Kamera kann zwar zu jedem Zeitpunkt frei bewegt werden, ist sie aber nicht mittig hinter den eigenen Figuren ausgerichtet, kommt es zu kleineren Problemen in der Bedienung, sodass der Cursor nicht immer so will, wie man selber. Auch die Zoomfunktion ist eher schlecht als recht gelöst. Ein stufenloses Zoom bietet das Spiel gar nicht und möchte man in der nahesten Stufe verweilen, so muss man kontinuierlich die dafür entsprechende Taste gedrückt halten. Sehr komfortabel ist dies nicht und so passiert es schnell, dass man dieses Feature überhaupt nicht mehr nutzt, auch wenn es das Spielgefühl auf langhin zumindest ein wenig verbessern könnte.

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Möge das Duell beginnen!

Wurde die erste Partie mehr oder weniger erfolgreich abgeschlossen und schlendert man im Anschluss weiter gemütlich durch die Menüs, so dürfte bereits ein weiterer Spielmodus auffallen. Dieser ist auch das Herz des Spiels und die große Innovation, die „Battle vs Chess“ von anderen Schachspielen abheben soll. Der „Battlegrounds“-Modus erfüllt das Spiel mit Leben und Action. Die Idee hinter diesem Feature ist dabei so einfach wie grundsätzlich genial. In „Battlegrounds“ zählen nämlich nicht nur das taktische Verständnis und ein gutes Schachspiel, sondern auch spielerisches Geschick wird gefordert. Wird versucht, ein gegnerisches Feld zu erobern, so kommt es zu einem Duell, das im Endeffekt nicht mehr viel mit Schach gemein hat. Ist der Angreifer erfolgreich und gewinnt dieses Duell, darf er wie im normalen Spiel die gegnerische Figur aus dem Spiel entfernen und seinen Platz einnehmen. Wird das Duell allerdings verloren, muss ein Rückzug in Kauf genommen werden – das Feld des Konkurrenten bleibt in seinen Besitz und die eigene Spielfigur ist für einen späteren Angriff auf Grund des Verlustes von Lebensenergie deutlich gehandicapt. Doch wie geht dieses Duell, welches den „Battlegrounds“-Modus ausmacht, den nun von Statten? Hierbei lassen die Entwickler dem Spieler die Qual der Wahl und offerieren gleich zwei verschiedene Spieltypen. Ersterer ist lediglich ein simples Reaktionsspielchen. Wie in altbekannter Musikspiel- oder Quicktimeevent-Manier ist es eure Aufgabe, anfliegende Tastensymbole im richtigen Moment zu drücken, um sein Gegenüber so Lebensenergie abluchsen zu können. Dabei sind die Schwierigkeit, das Tempo und die Anzahl der anfliegenden Tastensymbole immer anders und scheint völlig willkürlich. Es ist egal, ob der Kampf gegen einen Bauern oder einen Turm bestritten wird, die Schwierigkeit der Quicktimeevents könnte identisch sein. Lediglich die Angriffsstärke und Lebensenergie ist abhängig von der Spielfigur. Eine Dame kann einen Bauern beispielsweise mit einem Zug niederstrecken, andersherum bräuchte der Bauer eine Vielzahl von Versuchen, um die Dame zu bezwingen. Diese Form des Duells zeichnet sich nicht wirklich durch Abwechslung und Spannung aus. Die ersten Auseinandersetzungen in dieser Form sind noch durchaus unterhaltsam, allerdings verfallen sie schnell in endloser Monotonie. Schon allein die Entscheidung, bei den Quicktimeevents ausschließlich auf die vier Eingabetasten X, Kreis, Vier-, und Dreieck zu setzen, scheint völlig indiskutabel. Warum werden nicht all die anderen Tasten des Controllers mit einbezogen, beispielsweise durch Drücken der Schultertasten oder durch das Ausführen bestimmter Bewegungen des linken oder rechten Analogsticks? Solch Spielabläufe hätten dem Modus extrem gut getan.
Doch ist die zweite Variation des „Battlegrounds“ anspruchsvoller oder gar unterhaltsamer? Nicht wirklich. Das Prinzip des Duells bleibt gleich, nur die Art und Weise ist eine andere. Wie in „wahrer Videospielmanier“ könnt ihr hierbei eure Spielfigur – und zusätzlich dazu eine Armee an weiteren Gehilfen, dessen Größe sich nach eurer Lebensenergie richtet – frei auf einen Kampffeld bewegen. Ziel ist es, den Feind durch gezielte Angriffe zu eliminieren. Schade nur, dass dies völlig anspruchs-, und niveaulos, sowie vollkommen langweilig gestaltet passiert. Eure einzige Aufgabe ist das pausenlose Smashen auf ein und dieselbe Taste. Der Ausgang des Duells wird also nicht durch euer spielerisches Geschick, sondern viel mehr durch eure verfügbare Lebensenergie und die Stärke und Art eurer und der gegnerischen Spielfigur entschieden. Dieser Spielmodus und die darauf resultierende Kombination aus Schach und Hack’n Slay hätte durch ein wenig Anspruch und Abwechslung durchaus ein Prachtstück der Videospielbranche werden können, versinkt aber wie erwähnt leider auch wie sein QTE-Pendant in Monotonie und Langeweile. Des Weiteren sind beide Typen des „Battlegrounds“ sehr zeitraubend, sodass man sich zweimal überlegen sollte, diesen Modus zu starten. Lediglich die völlig neue taktische Komponente, die durch die Angriffe, die auch abwehrbar sind, entsteht, ist positiv hervorzuheben. Der Spieler kann gegnerische Attacken riskieren und somit möglicherweise auch zurückschlagen und das Zepter an sich reißen.

Für Profis gemacht

Neben dem schnellen Spiel in sämtlichen Variationen bietet „Battle vs Chess“ dann auch noch eine Kampagne. Hofft man hier auf eine epische Geschichte oder auf die Verwendung von großen, erzählerischen Stilmitteln, wird man definitiv enttäuscht. Eine Story ist quasi gar nicht vorhanden, ihr spielt euch einfach Schritt für Schritt durch die 15 Missionen, die zumindest ansatzweise versuchen, vor jeder Partie irgendeine „dramatische“ Situation darzulegen. Selbstverständlich ist „Battle vs Chess“ nur ein Schachspiel, drum kann man auf eine große Geschichte auch verzichten. Gut zu dem Konzept eines Actionspiels hätte sie aber allemal gepasst. Und selbst die kleinen erzählerischen Einschübe eines zwei Jahre alten „Fritz Chess“ wirken gewissermaßen unterhaltsamer. Nichtsdestotrotz kann man mit der Kampagne für kurze Zeit seinen Spaß haben. Vor allem die interessante Gestaltung der Missionen, die immer mit neuen Situationen und Sonderregeln daherkommen, weiß zu überzeugen.
Das letzte Schmankerl im Aufgebot des Modi-Lineups in der Schachsimulation sind die zahlreichen Minispiele und Schachrätsel. Bei ersterem müsst ihr beispielsweise möglichst viele Diamanten, die auf dem Schachbrett verteilt sind, einsammeln, indem ihr eure Spielfiguren in einer begrenzten Anzahl von Runden so bewegt, dass sie für sie erreichbar sind. Die Schachrätsel hingegen sind das, was sich wahre Schachfans wünschen. So werdet ihr bei jedem Rätsel neu ins kalte Wasser geworfen, innerhalb von wenigen Zügen müsst ihr nach immer neuen Ausgangssituationen den gegnerischen König Matt setzen. Aufgeteilt sind die Rätsel in Standard- und Profi-Varianten, wobei besonders die Profi-Rätsel ihren Namen gerecht werden und selbst die hellsten Köpfe rauchen lassen. Auch hier lässt die Quantität ein wenig zu wünschen übrig. Glücklicherweise hängt der Spieler aber einige Zeit an den Rätseln, sodass dies ein zumutbarer Fakt ist.

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Gut gegen Böse

Sobald die erste Partie gestartet wurde, fällt einem wohl das Design der animierten Figuren auf. Während die weiße Seite die gute Fraktion repräsentiert, bestehen die eigentlich schwarzen Spielsteine aus Ungeheuern und Dämonen. Von kleinen, fiesen Gnomen bis hin zu Engeln mit großen, weißen Flügeln wird wirklich jedes Klischee bedient. Gemäß dem Motto des Spiels passen diese klischeebehafteten Charaktere vielleicht, die kreative Ader hätte aber ungeachtet dessen wohl doch mehr zum Zuge kommen dürfen. Schön wäre es auch gewesen, wenn die Entwickler verschiedene Figurensets, jedes einzelne mit anderen und individuellen Figuren bestückt, angeboten hätten. So muss man sich im gesamten Spiel über mit den gleichen 32 Figuren zufrieden geben. Die grafische Umsetzung ist ebenfalls nur grobes Mittelmaß. Auch wenn man wieder das Argument vorbringen könnte, dass dies bei einem Schachspiel nur marginaler Bedeutung zu kommt, so ist es nun mal ein Fakt, dass sich „TopWare Interactive“ bewusst für die moderne und animierte Gestaltung entschieden hat und somit auch in diesem Punkt mehr Gas geben hätte müssen. Ähnliches gilt für die Animationen der Schachfiguren. Die schwertschwingenden Bauern und fliegenden Engelsdamen sehen im Kampf und in der Bewegung zwar schön aus, aber auch hier kommt wieder das Problem der fehlenden Abwechslung zu Tage. Schnell sind die Animationen abgedroschen und es dauert wohl nicht lange, bis der Spieler auf die klassische Darstellung umschaltet, die ohne Animationen, dafür aber mit viel schneller agierenden, altbekannten Schachfiguren daherkommt.
Last but not least sind auch die Spielfelder eher eine nette Beilage, anstatt fester und wichtiger Bestandteil des Spiels. Die Auswahl – insgesamt stehen gerade mal fünf verschiedene Spielstätten zur Verfügung – ist gering und zum Teil ähneln sie sich auch viel zu stark. Grafisch befinden sie sich auf einer Stufe mit dem restlichen Spiel. Das heißt: Einen Schönheitspreis gewinnt das Spiel definitiv nicht, ansehnlich ist es aber allemal.

Grafisch ist das Spiel aber schon fast ein Glanzstück, wenn man es im direkten Vergleich mit der Soundkulisse stellt. Während der Partien wird der Spieler fortwährend mit der gleichen, eintönigen, schnell langweilenden und auch vollkommen unprofessionell komponierten Musik penetriert. Von Anfang an fühlt man sich von der Musik belästigt und nicht selten führt sie gar zu Konzentrationsproblemen, die bei einem Spiel wie Schach selbstverständlich nicht vom Vorteil sind. Da ist es schon fast empfehlenswert, einfach den Mute-Knopf auf der Fernbedienung zu betätigen und in aller Ruhe seinen Hobby nachgehen.

Schach wird nicht alleine gespielt

Noch immer ist Schach eine Art Gesellschaftsspiel, was sein volles Potenzial erst entfaltet, wenn man es auch zusammen mit anderen Interessierten spielt. Nichts liegt also näher als ein Multiplayer-Modus. In „Battle vs Chess“ hat der Spieler sowohl die Möglichkeit sich an einer Konsole mit einem Freund zu messen, als auch online über das Playstation Network. Über die Online-Anbindung können wir leider nicht mehr berichten, da wir zu keiner Zeit Kontrahenten gefunden haben – die Server waren wie ausgestorben. Die Wettkämpfe im direkten Anblick sind aber durchaus unterhaltsam. Die verschiedensten Spielregeln und Einstellungsmöglichkeiten sind verfügbar und ist man generell nicht mit den verschiedenen Schachvarianten vertraut, so ist „Battle vs Chess“ eine nette Alternative zum klassischen Schachbrett aus dem Schrank. So ganz kommt das Spielgefühl aber nicht an das einer echten Partie heran, sodass man diese – wenn möglich – vielleicht doch bevorzugen sollte.

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Schachmatt?

„Battle vs Chess“ hatte einen Auftrag: es wollte die spröde Schachwelt revolutionieren. Es wollte aus den klassischen Sitten und Formen des Schachspiels ausbrechen und als Bindeglied zwischen Actionspiel und Schach dienen. Was im Endeffekt übrig bleibt, ist das genaue Gegenteil. „Battle vs Chess“ hat seinen Auftrag nicht erfüllt. Der „Battlegrounds“-Modus ist ein totaler Reinfall und wirkt wie eine erzwungene Innovation, die das Spiel irgendwie vom Rest absetzen sollte. Um das zu schaffen und damit es mehr als nur ein „nettes Spielchen zum Ausprobieren“ ist, fehlt einfach die Abwechslung und der Anspruch. Sowohl die Quicktimeevent-Version, als auch der „Actionspiel“-Pendant sind vollkommen langweilend und ziehen das Spiel nur unnötig in die Länge. Nichtsdestotrotz ist „Battle vs Chess“ eine sehr gute Schachsimulation, die durch Fritz-Engine und daraus folgender überzeugenden KI durchaus für einige Spielchen für zwischendurch geeignet ist. Die Minispiele und Schachrätsel runden das Bild der kurzweiligen Unterhaltung dabei ab. Lediglich die Kampagne mit Pseudo-Story und die technische Umsetzung könnte dem ein oder anderen noch ein Dorn im Auge sein. Wer also ein innovatives Schachspiel gemischt mit anderen Genre-Einflüssen sucht, sollte fern bleiben. All diejenigen, die mal wieder herausfordernden Schachpartien entgegenfiebern, dürfen einen Blick auf das Spiel werfen.

Battle vs. Chess Testbericht

Battle vs. Chess

  • Release: 17.05.2011
  • Genre: Brettspiel
  • Entwickler: South Peak Interactive
  • Publisher: TopWare Interactive

Gutes

- interessantes Konzept des „actionreichen“ Schachspiels…
- im Grunde gute Schachsimulation mit fordernder Gegner-KI
- kurzweilige Minispiele und Schachrätsel


Schlechtes

- dass langweilig und unbefriedigend umgesetzt wurde
- zweckmäßige Grafik & monotoner Sound
- sich wiederholende Animationen, nur ein Figuren-Set
- kurze Kampagne, die mit einer überflüssigen Story brilliert

7.0 / 10 Gut

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