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Batman: Arkham City – Review

Artikel von | 21.10.2011 um 00:00 Uhr

Das dürfte selbst dem hart gesottensten Fan langsam unheimlich werden: Batman, der dunkle Ritter im Fledermaus-Kostüm aus den bekannten DC-Comics, war vor nicht allzu langer Zeit einer der meist belächelten Comichelden – oft ins Lächerliche gezogen durch Filme oder Serien, in denen sich Hauptprotagonist und viele seiner Gegenspieler nicht selten zur unfreiwillig komischen Lachnummer machten. Doch dann flatterten mit Batman Begins sowie The Dark Knight fantastische Kino-Blockbuster und nicht zuletzt dem Videospiel-Überraschungshit Batman: Arkham Asylum über die Bildschirme. Nun ist der Nachfolger da!

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Arkham City: Betreten verboten, also hereinspaziert!

Wer jedoch im Irrglauben lebte, nach dem Ende von Batman: Arkham Asylum sei Ruhe eingekehrt in Gotham City, liegt komplett falsch. Es kommt schon fast zwangsläufig wie es kommen musste, wenn schon der Irrenanstalt-Leiter Quincy Sharp zum Bürgermeister ernannt wird. Dem ist sein kleines Arkham Asylum aus dem Vorgänger nämlich nicht genug, der Stadtteil Arkham City (fünfmal so groß) wird kurzerhand zur dicht abgeschotteten Haftanstalt umstrukturiert. Um dieses wahnwitzige Vorhaben in die Tat umzusetzen wird rundherum eine riesige Mauer errichtet und der Schurke Hugo Strange hat auch noch seine schmutzigen Finger im Spiel. Da dieser erwiesenermaßen noch nie ein großer Menschenfreund war, stecken plötzlich auch völlig ungescholtene Menschen in Arkham City. Auch Bruce Wayne, wie der unkostümierte Batman mit bürgerlichem Namen heißt, findet sich nach einem gewaltsamen Übergriff dort wieder. Geknebelt und gefesselt wacht er schließlich auf um in der vermeintlichen Todeszone Gerechtigkeit walten zu lassen. Schon schnell trifft er hierbei durch Butler Alfreds Hilfe auf viele bekannte Freunde und Feinde, etwa Catwoman, Pinguin, Bane, Two Face, Mr. Freeze, Deadshot, Harley Quinn und etwas überraschend auch seinem wohl hartnäckigsten Widersacher. Kleiner Tipp: Man erkennt ihn an seiner unverkennbaren Lache.

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Eine große Faszination zieht Batman: Arkham City wie schon sein Vorgänger dank fantastischer Präsentation mit vielen Zwischensequenzen und guten Dialogen durch seine düstere, sehr dichte Atmosphäre. Dazu birgt die Geschichte von Autor Paul Dini viele Wendungen, Spannung wird eigentlich zu jedem Zeitpunkt geboten. Auch oder gerade wegen dem wohl menschlichsten aller Superhelden, der auch schon mal Schwäche zeigt und während des Abenteuers auch emotional ans Herz wachsen kann. Bekannte Figuren orientieren sich stark an der umfangreichen Vorlage und treffen dahingehend voll ins Schwarze, was gar nicht so leicht ist. Besonders diesen Punkt muss man Entwicklerstudio Rocksteady ganz hoch anrechnen, denn anstatt sich wie in einem Uwe-Boll-Film mit fragwürdigen Eigeninterpretationen die Fanschar zu vergraulen, punktet der Titel mit enormer Detailverliebtheit. Das Batman-Universum haben die Macher auch im zweiten Teil vollkommen im Griff. Der abgeriegelte Stadtbezirk selbst schafft es trotz seiner allgemeinen Düsternis genügend thematische Abwechslung zu bieten, beispielsweise Industrieanlagen oder U-Bahn-Stationen. Stellenweise erinnert die Stimmung gar an John Carpenter´s Filmklassiker „Die Klapperschlange“ mit Kurt Russell.

Moves like Batman

Im Gegensatz zu so manch anderem Actionspiel-Vertreter der letzten Monate wie etwa Mafia 2 oder L.A. Noire verkommt die beeindruckende Umgebung nicht nur zur spielerisch leer gefegten Kulisse sondern gibt den Fans genau das, was sie wollen, nämlich das geballte Batman-Universum in einer kompakten, offenen Spielwelt. Ohnehin begeistert die Spielmechanik mit seiner abwechslungsreichen Mischung aus Rätseln, Prügeln, Schwingen und Schleichen ungemein – aktuell ist Batman Arkham City das wohl ausgewogenste Spiel auf dem Markt. Wohl gemerkt mit einer Spielzeit von 12 bis 20 Stunden gesegnet, je nachdem welcher der drei Schwierigkeitsgrade gewählt wurde. Faire Speicherpunkte lassen nie Frust aufkommen. Hat man darüber hinaus auch noch den Anspruch alle Nebenmissionen inklusive 400 (!) Riddler-Trophäen zu meistern, verdoppelt sich die Spieldauer sogar noch ohne auch nur einen Funken Langeweile aufkommen zu lassen. Die offene Vorgehensweise räumt ganz nebenbei mit zwei Schwachpunkten des Vorgängers auf: Backtracking und hohe Linearität, die man an der frischen Luft gar nicht mehr vorfindet – dafür in kleinerem Umfang aber noch in den Gebäuden selbst wenn es in der Story vorangehen soll. Beides wurde jedoch auf ein erträgliches Maß reduziert.

Die größtenteils einfallsreichen Nebenmissionen sind nicht immer auf Anhieb zu lösen sondern erst im weiteren Spielverlauf. Anfangs trifft Batman auf Bane, der um die Zerstörung von sechs Titanbehältern bittet. All diese werden auf der übersichtlichen Karte markiert, je nach Wunsch auch in der unaufdringlichen Kompassfunktion. Selektiert der Spieler einzelne Ziele auf der Karte, erscheint an dieser Stelle ein unübersehbarer Batman-Suchscheinwerfer. Alle Erstkäufer erhalten zu ihrem Exemplar zudem noch vier exklusive Einzelmissionen mit spielbarer Catwoman. Der Detektiv-Modus ist nicht mehr so einnehmend, hier haben die Entwickler Wort gehalten denn große Teile in Batman: Arkham Asylum fanden in dieser Ansicht statt und so verpasste man schon mal das ein oder andere Highlight nur um sich der anstrengenden Spurensuche oder Hervorhebung von wichtigen Objekten hinzugeben. Das wurde jetzt deutlich entschärft.

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Negativpunkte muss man wirklich mit der Lupe suchen und wenn, dann ist es Meckerei auf hohem Niveau. Den Kämpfen, insbesondere den Handgemengen mit unzähligen Gegnern, fehlt ein wenig der Wumms, das Kraftvolle, was der Kombozähler vermitteln will. Trotzdem entfaltet sich in diesen Szenen ein gewisser Flow, was vor allen Dingen durch die Unkompliziertheit und besondere Bewegungs-Eleganz gut eingefangen wird. Insgesamt sind diese Keilereien aber deutlich anspruchsvoller geworden, gerade wegen der hartnäckigen bewaffneten Truppen. Da Batman Schusswaffen wegen seiner ermordeten Eltern strikt ablehnt, setzt er sich eben mit Händen, Füssen und Gadgets zur Wehr. Wesentlich effektiver kommt er mit Stealth-Aktionen zum Ziel, etwa dem lautlosen Anschleichen mit anschließender Überwältigung oder wenn er die Widersacher einfach kopfüber von einer erhobenen Position greift. Gegner sterben dabei nicht, sondern sind lediglich bewusstlos. Mit gewonnenen Erfahrungspunkten und damit verbundenen Stufenanstiegen lässt sich Batman wie in einem Rollenspiel mit allerlei Gadgets aufrüsten, die nicht nur bei der Spielumgebung an der vorgegebenen Stelle eine gewichtige Rolle spielen sondern auch bei den tollen Bossgegnern unverzichtbar sind. Zum Arsenal gehören u.a. Batarang, Batclaw, Rauchbomben, Gefrier- oder Stromkanone.

Hell-düsterer Stern am Technikhimmel

Ja, Batman ist überwiegend ziemlich düster gehalten, das hat die mittlerweile alte Unreal-3-Grafikengine eben so an sich, kann sie aber auch am besten. Lediglich der helle Mond überstrahlt alles. Und trotzdem gehört Batman: Arkham City zweifelsfrei zu den wohl schönsten Vertretern dieser Konsolengeneration und das liegt vor allen Dingen am Stil seiner Stadt. Hier treffen 100 Jahre alte Architekturbauten auf Elemente einer düsteren, dystopischen Zukunftsvision, Leuchttafeln bedienen die Noir-Fans, es regnet oder schneit fast unentwegt. Texturen wirken auch dank eines beeindruckenden Licht- und Schattenspiels sehenswert in Szene gesetzt, auch in Sachen Effekte, Animationen sowie Clipping-Fehler wurde sehr gut nachgebessert. Und die Figuren sahen schon im Vorgänger überwältigend gut aus, da fällt die durchwachsene deutsche Lippensynchronität nicht allzu schwer ins Gewicht. Qualitativ machen die Sprecher ihre Sache weiterhin hervorragend, Batman selbst wird wieder von David Nathan gesprochen, der ihn sowohl im Vorgänger als auch in den beiden letzten herausragenden Kinofilmen seine Stimme lieh. Hier gibt es bis auf die sich schnell wiederholenden Sprüche der Standardgegner einfach keinen Ausfall. Hervorhebenswert sei da noch der eingängige Soundtrack, der noch seinen Teil zur überwältigen Atmosphäre dazutut und Batman: Arkham City unter dem Strich zum audiovisuellen Meisterwerk macht. Optional gibt es auch wie in diesen Tagen bei fast jedem großen Titel üblich und das entsprechende Gerät vorausgesetzt, einen 3D-Effekt.

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Das Fazit: Kein Schlag ins Gesicht

Es ist schon ein besonderes Prädikat, wenn man zu diesem Zeitpunkt ohne Zweifel behaupten kann, dass Batman: Arkham City ein gehöriges Wörtchen mitzureden hat wenn es um die Wahl zum besten Videospiel des Jahres geht. Gründe dafür finden sich sowohl im Umfang, Präsentation, Technik sowie Abwechslungsreichtum und eigentlich fast allem anderen wieder, was hier so geboten wird. Wer sowieso schon Anhänger des Franchise ist wird dieses Werk lieben, aber auch alle anderen könnten durch diesen Ableger zu heißblütigen Verehrern werden. Ob wohl bei einem Nachfolger noch eine weitere Steigerung möglich ist? Die Erwartungshaltung wird enorm sein, denn dann wollen Spieler die komplette Stadt Gotham City sehen, da führt eigentlich kein Weg mehr daran vorbei. In jedem Fall liegt hier ein Musterbeispiel vor, wie Entwickler klug und kreativ mit einer solchen Lizenz umgehen sollten.

Batman: Arkham City Testbericht

Batman: Arkham City

  • Release: 20.10.2011
  • Genre: 3rd Person Action, Action, Adventure
  • Entwickler: Rocksteady Studios
  • Publisher: Warner Bros. Entertainment

Gutes

+ Batman!
+ fantastische Präsentation
+ tolle Grafik
+ sehr gute Story
+ offene Spielwelt
+ umwerfende Sprecher und Musik
+ flottes Kampfsystem

Schlechtes

- Kampfsystem könnte mehr Wumms vertragen
- durchwachsene deutsche Lippensynchronität
- irgendwann zu Ende

9.0 / 10 Must Have

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