Assassin’s Creed Syndicate im Test – London ist wunderschön, aber wie ist das Spiel?

Getestet von | 05.11.2015 um 18:00 Uhr

Als 2007 Assassin’s Creed von Ubisoft veröffentlicht wurde, war es ein revolutionäres Spiel. Die Geschichte, das Gameplay, das Klettern und die fabelhafte Welt sorgten für viel Freude bei den Spielern – doch diese verging mit der Zeit. Seit 2009 erschien in jedem Jahr mindestens ein Ableger der Hauptserie und mit dem aktuellen Teil, Assassin’s Creed Syndicate, sind wir schon beim neunten Spiel in 8 Jahren angelangt und haben dabei die Vita und kleinere Spiele nicht miteingerechnet. Kein Wunder also, dass so manche Spieler das Interesse verloren haben. Aber Ubisoft versucht es immer wieder aufs Neue genügend Kaufargumente in das neue Spiel zu integrieren. Dieses Jahr mit: London, zwei spielbaren Charakteren und weniger Bugs – tja, ob es dieses Jahr geklappt hat, erfahrt ihr in unserem Test.

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Nach Rom, Paris und New York: Assassinen vs. Templer jetzt auch in London!

Also wenn man die Geschichte von einem Assassin’s Creed vereinfachen möchte, dann würde dies ungefähr bei jedem Teil gleich klingen: „Du bist ein Assassine, die Templer sind böse und haben etwas Böses getan. Du musst sie aufhalten aber halt Stopp! Es gibt auch viele Generäle die vorher erledigt werden müssen. Dann wird es noch Twists, historische Personen und Artefakte geben.“ Bei Assassin’s Creed Syndicate hat sich Ubisoft natürlich was Besonderes als Geschichte ausgesucht… und zwar genau das, was auch bei den anderen Spielen der Fall war. Das klingt vermutlich etwas harsch, aber leider bietet die Story nicht allzu viel neues, wobei das natürlich jeder für sich bewerten kann. Aber, das ist wichtig, unabhängig von der Grundprämise, die auch in vielen anderen Spielen sehr simpel und letztlich auf Gut gegen Böse hinausläuft, bietet Syndicate auch einige neue Elemente, allem voran ist mit London eine überaus schöne Stadt der Hauptschauplatz.

Es gibt wieder einmal die Zukunft mit den beiden Assassinen Rebecca Crane und Shaun Hastings, die euch als Novizen im Animus mental begleiten. Syndicate selbst spielt aber im Jahre 1868, wo ihr in die Rollen der Zwillinge Jacob und Evie Frye eintaucht. Zur Zeit der Industriellen Revolution beherrscht Korruption, Sklaverei und Armut die untere Schicht der Bevölkerung, während die reichen Firmenbosse den Industrieboom und die Früchte der Maschinen ernten können. Doch keiner ist so grauenhaft wie Crawford Starrick. Nicht nur der mächtigste Unternehmer in London, sondern gleichzeitig auch ein Templer und skrupellos. Am Anfang von Syndicate wird erklärt, dass der Person, der London gehört, auch die Welt gehört und ihr könnt drei Mal raten wer diese Person wohl ist (Tipp: Ich hab es bereits gesagt). Wer den oberen Satz gelesen hat, der kann jetzt wohl auch erahnen, was euer Hauptziel in Assassin’s Creed Syndicate sein wird. Die Geschichte ist jedoch mit einigen Überraschungen gespickt und als kleiner Teaser: London wird nicht der einzige Schauplatz sein – aber für mehr, solltet ihr es schon selbst spielen.

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Aber da es ja zu einfach wäre, euch einfach in das Anwesen von Starrick zu schleichen und ihn direkt zu erledigen, gibt es natürlich auch den ein oder anderen Stein auf dem Weg zu ihm. Während es Jacob Frye eher auf dem brutalen Weg versucht und alles töten und zerstören möchte, geht Evie dies eher taktisch an und möchte nicht nur die Edensplitter sichern, sondern auch mit Geduld an Starrick rangehen. Außerdem kommen noch so einige Templer die sich euch in den Weg stellen. Doch ihr seid nicht alleine. Neben einigen Hilfscharakteren, die euch mit Waffen und Rat unterstützen, habt ihr im Verlauf des Spiels auch eine eigene Gang. Mit Charakteren wie Alexander Graham Bell, Charles Darwin oder Karl Marx, bekommt man auch einen schönen historischen Faktor in das Spiel und es ist immer wieder schön solche Personen theoretisch mal kennen zu lernen. Alles in allem reißt die Geschichte jedoch keine Bäume aus, da man das Assassinen gegen Templer Setting kennt und sich das vermutliche Ende bereits denken kann. Wer aber auf eine interessante Geschichte mit historischem und London Flair Lust hat und nicht zu viel erwartet, der wird damit aber auch mehr als glücklich.

Was haben wir so lange nur ohne einen Kletterhaken gemacht?

Leider muss man direkt vorweg sagen, dass es keine gravierenden Revolutionen in Bezug auf das Kampfsystem gibt, dafür aber eine große Änderung beim Klettern. Nicht nur, dass sich die beiden Charaktere doch etwas anders steuern, auch im Allgemeinen hat man das klettern verbessert. Die Animationen sind flüssiger und trotz einiger unmenschlicher Sprünge, geht das herum klettern schon besser. Man sollte nur beachten, dass man jetzt mit R2 das normale Rennen hat und damit auf einer Ebene bleibt, hinzu kommt dann die Option für nach oben beziehungsweise nach unten Klettern. Das sorgt manchmal zwar für kleine Stocker in der Bewegung und gefühlt hat man weniger Freiheiten als in den alten Teilen, aber es funktioniert und gerade das herunter klettern ist viel angenehmer als früher. Doch dann gibt es noch den einen Game-Changer, der sowohl das nach oben und unten klettern erübrigt. Nach einigen Missionen erhält man von einem Feind eine Waffe ausgehändigt, diese wird kurzerhand umgebaut und in den Assassinen Handschau integriert. Und daraus entsteht dann der heilige Kletterhaken.

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Dieser hat einen riesigen Einfluss auf die Spielweise und ändert nicht nur das Klettern, sondern auch die komplette Vorgehensweise beim Durchqueren der Stadt oder auch beim infiltrieren von Feindgebieten. Man kann nun nämlich auf Tastendruck eine Seilrutsche zu einem anderen Gebäude oder einer hohen Stelle herstellen. Nicht nur, dass man damit die ganze Bewegungsgeschwindigkeit um einiges erhöht, nein, auch die taktische Tiefe steigt damit extrem an und gibt einem so viele Möglichkeiten, dass man sich fragen muss, warum dies nicht früher möglich war. Ein über 100 Meter hohes Gebäude erklimmt der Spieler nun innerhalb von wenigen Sekunden. Ein Feindliches Gebiet kann von oben taktisch so ausgenutzt werden, dass eine Eroberung ein Kinderspiel ist. Ihr steigt das Gebäude hoch, erledigt einen Feind mit einem Luft Attentat und haut direkt wieder nach oben ab. Man fühlt sich dadurch mehr wie ein Assassine, oder Batman, indem man wirklich lautlos alles platt machen kann. Das manche Gebiete ein Kinderspiel sind und das Ganze vielleicht etwas die Balance versauen kann, kann man so sehen, aber man ist nun einmal ein Meisterassassine und nicht Kratos, der alles einfach niederschnetzelt – Sorry Kratos, aber selbst schuld.

Gleichzeitig muss man aber auch anmerken, dass dies auch die einzig wirklich große Neuerung im Gameplay des Spiels ist. Wurfmesser, Pistolen, Rauchbomben, Giftgeschosse oder Voltaik Bomben (die eigentlich elektrische Rauchbomben sind) – Kennt man alles von den Vorgängern und gehören mittlerweile einfach zum Standardequipment eines Assassinen. Man sollte dabei aber auch beachten, dass die beiden Frye Geschwister auch von der Vorgehensweise anders zu steuern sind. Zwar kann man mit beiden identisch spielen, aber es gibt auch besondere Talente sollte diese auch dementsprechend nutzen. Der Wechsel wird durch das Besuchen des Hauptmenüs und dem nachfolgenden bestätigen der R3 Taste binnen weniger Sekunden ausgeführt, ohne das Gebiet ein weiteres mal laden zu müssen oder ähnliches. Auch das Kampfsystem selbst hat sich nicht groß geändert. Ihr haut auf eine Taste drauf und startet damit eine Kombo, mit einem gelben Licht wird signalisiert das ein Feind angreifen möchte und man doch lieber kontern statt draufhauen sollte. Ist ein Feind in Deckung, muss man ihn kurz greifen und eine verpassen, um ihn danach noch eine zu verpassen. Habt ihr euren Feinden genug Fäuste und Tritte verpasst, sind sie in einem K.O. ähnlichen Zustand und torkeln nur vor sich hin. Wenn ihr diesem dann noch einen finalen Schlag verpasst, greift eine kleine Finisher Animation. Diese ist nicht immer schön mit anzusehen, denn hier ist Assassin’s Creed Syndicate echt brutal und so manch eine Finisher sind schon etwas übertrieben. Hier sind besonders die Massen-Finisher zu erwähnen, hat man nämlich mehrere Feinde im K.O. Zustand, dann gibt es eine gemeinsame Attacke, die nicht nur brutal sondern auch genauso kreativ anzusehen sind.

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Gutes

+ London ist riesig und bietet viel
+ Kletterhaken bringt mehr Dynamik ins Spiel
+ Weniger technische Fehler als Unity…

Schlechtes

- … Trotzdem immer noch genug Fehler vorhanden
- Story leider nicht etwas besonderes
- Außer dem Kletterhaken keine großen Neuerungen

8.0 Sehr gut

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