Assassin’s Creed IV Black Flag – PS4 Version im Test

Getestet von | 02.12.2013 um 18:33 Uhr

Assassin’s Creed IV Black Flag hat uns in unserem PS3-Test einerseits mit einer großen und schönen Spielwelt überrascht und beeindruckt, in der es viel zu entdecken und zu tun gibt, andererseits jedoch auch mit Gameplay-Ärgernissen enttäuscht, die uns insgesamt zwar eine gute, aber keine sehr gute Wertung aussprechen ließen. Auf der PlayStation 4 haben wir uns noch einmal mit Edward Kenway ins Piraten- und Assassinenleben geschwungen und zeigen euch, ob außer grafischem Fortschritt in der nächsten Konsolenegeneration noch etwas drin ist.

Von Macht und Reichtum

Die Geschichte von Assassin’s Creed IV Black Flag ist derjenige Aspekt am Spiel, der den treuen Serienfans auch noch Wochen nach dem ursprünglichen Erscheinen des Spieles sauer aufstößt. Sowohl in der Animus- als auch in der Gegenwartshandlung wurden Änderungen vorgenommen, die dafür sorgen, dass sich der Titel deutlich von seinen Vorgängern unterscheidet. Erstere wurde in ein Piratensetting verfrachtet und in letzterer spielt man nun einen anonymen Abstergo Entertainment Mitarbeiter, der die Erinnerungen vom Piraten Edward Kenway nach Elementen durchsuchen soll, die dafür geeignet sind, in einem Videospiel verarbeitet zu werden. Eure übergeordnete Aufgabe also: Material für ein Spiel im Spiel zu sammeln.
Der normalerweise immer thematisierte Konflikt zwischen Assassinen und Templern kommt damit zumindest in der Gegenwartshandlung zu kurz; in den Abschnitten mit Edward Kenway, dem Großvater von Assassin’s Creed III Protagonisten Conor Kenway ist er aber dennoch vorhanden, und die Piraten kommen gleich noch mit dazu. Ebenso wichtig sind natürlich die persönlichen Motive von Edward, denn er schließt sich hauptsächlich aufgrund von Macht und Reichtum den Freibeutern an.
Seine Abenteuer erlebt Edward Kenway in einer Karibik, die man als Spieler offen befahren darf. Lediglich die Städte sind noch mit einem Ladebildschirm abgetrennt, so dass die Open World doch nicht ganz open ist. Dennoch gibt es viel zu tun: Nicht nur macht es Spaß, die wirklich schöne Spielwelt auch in ihren abgelegeneren Winkeln zu erkunden, sondern zwischenzeitlich seid ihr auch immer wieder gezwungen, mal Abstand von der Hauptstory zu nehmen um Nebenaktivitäten zu erfüllen und mit dem verdienten Geld Upgrades für euer Schiff, die Jackdaw, zu kaufen. Sonst seht ihr vermutlich kein Land mehr nach einem der heftigen Seegefechte, die wirklich fesselnd sind.
Geenterte Schiffe können nicht nur geplündert, sondern auch in eure Flotte aufgenommen und dann auf Missionen geschickt werden. Im sozialen Element „Kenways Flotte“ könnt ihr Seewege befreien, Lieferaufträge erledigen und euren Freunden in Not aushelfen. Über das Internet werden zudem die Positionen besonderer Schätze oder königlicher Konvois geteilt, die besonders viel Reales und Schätze an Bord haben, die ihr plündern könnt – Dafür braucht ihr aber auch eine entsprechend aufgerüstete Jackdaw.
Trotz all seiner Möglichkeiten hat Assassin’s Creed IV Black Flag das Problem, dass viele Elemente nicht komplett ausgearbeitet wurden. So verlaufen Dinge wie das Entern zum einen immer gleich, wirken zum anderen aber teilweise auch rudimentär, so wie das Harpunieren von Walen oder sogar das Schleichen, das immerhin eins der wesentlichsten Spielelemente ist: Ihr könnt kaum selbst schleichen, sondern Edward erledigt das automatisch, sobald er im Gebüsch ist. Solche Mechaniken wurden von den Entwicklern also auf die einfachste Form reduziert. Auch die Schwertkämpfe sind durch die Anzeige, wann gekontert werden soll, nur selten eine echte Herausforderung. Auf die Spitze getrieben wird all das durch die teils katastrophale KI. Ihr könnt an den NPCs vorbeirennen wie ihr wollt, so lange ihr euch nicht in deren Sichtfeld befindet, werden sie auch nicht auf euch aufmerksam.

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Pirat sein in 1080p

Während ihr beim Gameplay von Assassin’s Creed IV Black Flag nicht mit Änderungen rechnen braucht, sofern ihr die PS3-Fassung bereits gespielt habt und nun zur Next-Gen Fassung greift, so wollen wir uns nun die Technik der PlayStation 4 Version einmal näher anschauen.
Wir erinnern uns: Schon auf der PlayStation 3 war der Titel grafisch auf einem durchaus hohen Niveau. Beeindruckt waren wir von der wunderschönen und faszinierenden See sowie den dynamischen Wettereffekten, die glaubwürdig in die Spielwelt integriert wurden. Framerateeinbrüche und Aliasing (Kantenflimmern) trübten den Gesamteindruck.
In dieser Hinsicht macht Assassin’s Creed IV Black Flag auf der PlayStation 4 eine durchaus bessere Figur. Die Framerateeinbrüche wurden fast komplett beseitigt und der optische Gesamteindruck ist deutlich besser: Wir freuen uns über scharfe Texturen, ordentliches Anti-Aliasing sowie noch bombastischere Effekte. Insbesondere auf der See wurde mit mehr Gischt sowie Wasser auf den Decks des Schiffs nochmal eine Schippe obendrauf gelegt. Störend ist ein deutlicher Unschärfeeffekt, der sich immer mal wieder über das Bild legt, was uns so in der PS3-Fassung nicht begegnet ist.
Was leider nicht behoben wurde sind die unzähligen Pannen, die ansonsten in der Technik passieren: Bei der Next-Gen Fassung wurde also nur an der Oberfläche, nicht aber unter der Haube geschraubt. Clipping-Fehler, merkwürdig verformte oder plötzlich in Starre verfallende Körper, im Boden verschwindende Tiere und feststeckende Gegner sind leider auch auf der PlayStation 4 immer noch an der Tagesordnung. Direkt im Einführungskapitel wollte sich ein NPC bei uns nicht mehr aus einem liebgewonnenen Stein herausbewegen – So etwas darf heute einfach nicht mehr passieren! Hier würden wir uns wirklich wünschen, dass das nächste Assassin’s Creed IV mehr Feinschliff erhält und fertig auf den Markt kommt.

AC IV Clipping Fail

Nicht nur das Äußere zählt

Assassin’s Creed IV Black Flag macht auf der PlayStation 4 eine leicht bessere Figur, jedoch hat es ein Problem, das sich von zwei Seiten aufrollen lässt: Entweder, die PS3-Version wurde quasi „zu gut“ umgesetzt, um der PS4-Variante viel Raum für Verbesserungen zu lassen, oder aber, die PlayStation 4 Fassung fällt trotz ihrer Fortschritte etwas enttäuschend aus.
Wir wollen weder das eine noch das andere bestätigen, denn in erster Linie sind wir natürlich froh, dass Ubisoft im Vergleich zu anderen Publishern auf allen Plattformen eine ordentliche Leistung abgeliefert hat. Und so erfreuen wir uns auf der PlayStation 4 der wesentlich stabileren Framerate (insbesondere in den Städten), schärferen Texturen, wenig Aliasing und den hübscheren Effekten auf dem Meer. So ist Assassin’s Creed IV Black Flag einer der stärkeren Launch Titel, aber wenn ihr nur auf der PS3 in die Haut von Edward Kenway schlüpfen konntet, habt ihr nichts weiter verpasst, denn das Spiel ist trotzdem kein anderes und nach einiger Spielzeit fallen die Fortschritte nicht mehr weiter ins Auge, zumal hinter den Kulissen nichts verbessert wurde: Pleiten, Pech und Pannen in der Technik sind vorprogrammiert. Deshalb ist leider auch keine höhere Wertung im Vergleich zur PS3-Version drin, da Assassin’s Creed IV Black Flag mit den gleichen unnötigen Bugs und Unzulänglichkeiten im Gameplay daherkommt, die uns schon auf der alten Konsole nervten. Statt nur nach außen hin aufzuhübschen, müssen spätestens bis zum nächsten Ableger unter der Haube gravierende Verbesserungen erfolgen, um wirklich in der neuen Konsolengeneration anzukommen. Bis dahin können wir uns aber noch an Black Flag erfreuen, denn es ist wirklich ein recht lang währendes Abenteuer!

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Gutes

+ Große, schöne Spielwelt
+ Grafisch auf noch höherem Niveau als PS3
+ Beeindruckende See mit spannenden Gefechten
+ Abwechslungsreiche Story-Missionen und Aufträge
+ Interessante Geschichte…

Schlechtes

- … die jedoch ziemlich langatmig ist
- Rudimentäre, nicht zu Ende gedachte Gameplayelemente
- Unterirdische KI
- Schwaches Stealth-System
- Bugs und Clippingfehler

8.0 Sehr gut

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