Assassin’s Creed III – Review

Getestet von | 04.11.2012 um 00:00 Uhr

Der Mensch sehnt sich nach Freiheit und Gerechtigkeit. Seit jeher kämpft er für Frieden und setzt dabei weitere Leben aufs Spiel, doch für welchen Preis? Auch dieses Jahr begehen wir, dank Ubisoft, einen weiteren Kampf für die Freiheit der Menschheit, schlüpfen dabei in die Haut von Desmond Miles, der die Erinnerungen seines Vorfahren Connor Kenways erlebt, und versuchen die Welt vor ihrem grausamen Schicksal zu bewahren. Ob sich Assassin’s Creed III behaupten konnte oder ob die Welt dem Untergang geweiht ist, erfahrt ihr in unserer Review.

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Zum Helden wird man geboren!

Assassin’s Creed III setzt die Geschichte des Vorgängers fort, weswegen unsere Assassinenzelle rund um Desmond auf dem Weg nach Amerika ist. Dort angekommen, kampieren sie in einer Höhle, der an den Tempel der Juno anschließt. Dieser Tempel ist jedoch verschlossen und man kann lediglich spekulieren, was uns dahinter erwarten wird. Weswegen uns nur der Weg in die Vergangenheit bleibt und dank des Sickereffektes benötigt Desmond zumindest zu Beginn keinen Animus. Im Amerika des 18. Jahrhunderts angekommen, bemerken wir, dass wir keineswegs in unserem neuen Assassinen Connor gelandet sind, sondern einem Mann folgen, der sich Haytham nennt. Wir begleiten Haytham bei verschiedenen Missionen, was zum Teil ziemlich langatmig ist und die Frage aufwirft, wann man endlich Connor spielen kann. Doch dann, ab Sequenz 3, können wir in die Rolle des Indianerjungen Ratonhnhaké:ton schlüpfen und müssen mit ansehen, wie das Dorf von Siedlern angegriffen wird. Geprägt von Wut und Hass auf die Siedler, beschließt er, einen anderen Weg zu gehen. Der Ruf nach Gerechtigkeit erwacht in ihm und er beschließt, ein Assassine zu werden und die Templer zu vernichten. Die Geschichte in Assassin’s Creed III erfindet das Rad an dieser Stelle nicht neu, denn ähnliche Geschichten gibt es wie Sand am Meer. Hier kommt es eher auf das Wie an und dabei lässt sich Ubisoft wie immer nicht lumpen, denn die Geschichtserzählung ist allererste Sahne. Gespickt mit drastischen Wendungen innerhalb der Story, die uns doch das eine oder andere Mal mit weit aufgerissenen Augen und herunterhängenden Kinnladen haben dasitzen lassen, und das hat schon lange kein Titel mehr geschafft.

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Grafiken mit der Anvil Next Engine

Speziell für kommende Spiele entwickelte Ubisoft eine neue Engine, die uns ein noch größeres und besseres Spielerlebnis präsentieren soll. Die Engine sieht an einigen Stellen im Spiel auch wahnsinnig gut aus, vor allem das große Grenzland lädt zum Staunen ein, leider jedoch konnte auch diese neue Engine bekannte Ubisoftfehler nicht ausmerzen. So ploppen Texturen, ja sogar ganze Gegenstände und Lebewesen immer noch mitten in der Spielwelt auf, auch die Schatten sind zum Teil noch immer recht unausgereift. Manchmal kann es euch sogar passieren, dass ihr schwebenden Waffen begegnet oder Pferden, die in Wänden stecken oder ruckeln – Und dann lassen sich diese Pferde auch nicht benutzen, da sie in den Objekten feststecken. Auch manche Figuren sind dazu angehalten, seltsame Bewegungen zu machen oder in Wänden zu verschwinden.
Allerdings lässt sich auch Positives sagen: Die Welt lebt! Während in vorherigen Titeln doch alles ein wenig statisch gewirkt hat, erlebt man nun vollkommen lebendige Städte mit Menschen und Tieren. Die Menschen stehen nicht mehr so auffällig in Grüppchen herum, sondern gehen durch die Städte oder versuchen sich an verschiedenen Aufgaben. Erstmals gibt es nun auch Tiere, die in den Ortschaften heimisch sind und mit denen man sogar interagieren kann. Gerne verweilten wir in den Städten, um den einen oder anderen Hund zu streicheln oder ein Schwein zu füttern. Neben diesen Dingen wurde jedoch auch das Flattern von Jacken und Mänteln verbessert, sodass sich sowohl Connors Assassinenmantel als auch Desmonds Jacke und Rucksack realistischer denn je bewegen und sich den Laufbewegungen der Protagonisten anpassen.
Die Engine ist gut, versucht sich nur nicht an bestehenden Fehlern, und das ist sehr schade. Besonders der Anfang des Spiels, der zum Spielen einladen sollte, wirkt eher unfertig als ausgereift, vor allem da die meisten Fehler in dieser Zeit auftraten. Erstaunlicherweise scheint sich Assassin’s Creed III jedoch im Laufe der Spielzeit selbst zu verbessern, denn einige Fehler traten nicht mehr auf als wir im späteren Verlauf mit Connor spielten. Was ebenfalls bemerkenswert und nicht besonders gut ist, ist der Punkt, dass man zwar wieder andersfarbige Assassinenmäntel anlegen kann, dies allerdings in sämtlichen Zwischensequenzen keine Rolle spielt. Egal, ob man nun die New Yorker Kluft oder die Bostoner Montur trägt, in allen Sequenzen ist Connor in seiner weiß-blauen Montur zu sehen. Schade, denn selbst die Vorgänger haben dies tadellos hinbekommen.

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Eure Stimmen so zart…

Assassin’s Creed III kommt wie immer mit einer deutschen Synchronisation daher, die mit erstklassigen Sprechern besetzt ist. So wird Meisterassassine Connor Kenway von der deutschen Stimme von Dexter Morgan gesprochen, doch auch andere bekannte Synchronsprecher, wie die Stimme von Drew Barrymore, lassen sich vernehmen. Neben der gelungenen Synchronisation müssen wir leider auch erwähnen, dass die Tonspuren wieder einmal nicht gut abgemischt sind. So sind einige Stimmen zu leise, während der Soundtrack zu laut eingespielt wird, sodass man an manchen Stellen fast gezwungen ist, mit Untertiteln zu spielen.
Allerdings, wenn wir schon einmal beim Soundtrack sind, sollte man erwähnen, dass dieser an sich sehr gut geworden ist. Die verschiedenen Musikstücke passen sich perfekt an die entsprechende Szenerie an. Auch Connors Themamusik tritt oft in veränderter Form auf, was dem Ganzen eine persönliche Note gibt. Doch nicht nur die Musik und die Synchronisation sorgen dieses Mal für eine ansprechende Atmosphäre, denn auch die Welt an sich macht Geräusche. Das Grenzland beispielsweise kommt gänzlich ohne Musik aus, verfügt dafür aber über eine ungemein große Palette verschiedener Geräusche, die der Map Leben einhauchen. Sehr gelungen, müssen wir sagen.

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Assassin’sches Allerlei

Möchte man sich abseits der Story an verschiedenen Missionen und Quests betätigen, so lädt Assassin’s Creed III sehr wohl dazu ein: Siedlung aufbauen, Kuriermissionen, Jagen, Maritime Missionen, Schlägermissionen, Befreiungsmissionen… Anhand der Vielzahl der zusätzlichen Aufgaben weiß man meist gar nicht, was man als Erstes machen will. Möchte man lieber die Siedlung ausbauen und verschiedene Läden und Handwerker in den Ort holen? Möchte man sich lieber durch das Unterholz schleichen und jagen oder gar Handelskonvois losschicken, um das Leben in der Siedlung zu verbessern? Verfolgt man stur die Hauptstory des Spiels, so liegt man bei guten zwölf Stunden, zumindest nach unserer Spielzeit und wir sind wirklich nur selten abseits der Story unterwegs gewesen, hat man jedoch noch Lust, auch den Rest zu spielen, so hat man mit Assassin’s Creed III ein solides Spiel, das mit mehr als vierzig Stunden daherkommt.
Besonders das Jagen und die Missionen auf hoher See haben es uns sehr angetan, da sie bisher bekannte Missionstypen auflockern und ein hohes Geschick erfordern. Je besser man beispielsweise jagt, desto ertragsreicher ist auch die Beute und bringt somit mehr Geld. Auch die Maritimen Missionen sind anspruchsvoll, aber gerade das macht sie so unheimlich gehaltvoll. Das Schiff lässt sich dabei sensationell führen, allerdings ist auch hier Fingerspitzengefühl gefragt, denn ob man mit einem halben oder einem vollen Segel fährt, macht in den unsicheren Gewässern an der Westküste Amerikas einiges aus und kann das Schiff schneller zum Sinken bringen, als einem lieb ist. Doch auch hier macht Ubisoft keine halben Sachen, denn so kann man beispielsweise nicht nur die Siedlung bis zur Perfektion ausbauen, sondern auch seiner Aquila eine bessere Ausstattung verpassen: Von stärkerem Rumpf bis hin zu mehreren und besseren Kanonen habt ihr eine große Auswahl, um aus eurem Kahn ein wahres Kriegsschiff zu machen.

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Zusammen, alleine… Ach, Hauptsache online!

Auch dieses Mal bietet uns Assassin’s Creed einen Mehrspielermodus an, der mit neuen Spielmodi daherkommt, jedoch dieses Mal kaum Story aufweist. Es handelt sich um ein neues Spiel aus dem Hause Abstergo Entertainment, das in die Haushalte geliefert wird und es den Menschen ermöglicht, sich mit seinen Vorfahren zu verbinden, um dann in verschiedenen Maps andere Spieler zu eliminieren oder mit ihnen gemeinsam zu spielen.
Uns haben besonders die Modi „Dominanz“, „Artefaktjagd“ und „Wolfsrudel“ Spaß gemacht, da wir hinter dem sinnlosen Abmeucheln in den anderen Modi nicht so viel Sinn gesehen haben. So wird einem im Tutorial noch weisgemacht, dass man sich leise verhalten muss, sich in der Menge verstecken sollte und dergleichen mehr. Schlichtweg: Bleibt unauffällig. Das Problem an der ganzen Sache ist jetzt allerdings nicht, dass man damit im Spiel an sich nicht zurechtkommt, sondern einfach der Punkt, dass es sich tatsächlich um sinnloses Abschlachten handelt, das uns den ganzen Spielspaß nimmt. Allerdings bietet auch der Mehrspielermodus viele verschiedene Spielmodi, die ihre Vor- und Nachteile haben.
Und wo wir gerade bei Sinn sind: Hatte der Mehrspielermodus in den Vorgängern noch einen Zweck, der sich auf die Hauptstory bezog, sitzt man nun auf dem Trockenen und wird nur mit der Information in den Modus geworfen, dass es sich um ein Spiel von Abstergo Entertainment handelt. Wir vermuten, dass der Sinn dieses Moduses erst in einem der kommenden Assassin’s Creed geklärt wird, denn das Ende des Spiels lässt sehr wohl einige Spekulationen offen.
Auch dieses Mal kann man wieder Abstergo-Credits nach jeder Sitzung erhalten und sich davon verschiedene Dinge im Shop kaufen wie beispielsweise neue Fähigkeiten oder Anpassungsmöglichkeiten für die Charaktere. So weit, so gut, denn das ist nichts Neues. Allerdings führt Ubisoft dieses Mal auch die sogenannten Erudito ein, die ihr für reales Geld kaufen könnt, um euch einen Vorteil im Spiel zu verschaffen. Mit dieser Währung könnt ihr euch alles kaufen, was ihr wollt und müsst nicht die verschiedenen Aufgaben, wie zum Beispiel das Erreichen von Stufe 6, erfüllen. Mit Assassin’s Creed III erhaltet ihr also ein Free to Play Spiel nach entsprechender Manier. Ein wenig übertrieben, finden wir.
An sich spielt sich der Mehrspielermodus genauso wie auch in den Vorgängern und schafft nur Abwechslung mit neuen Modi. Auch das Verbinden mit aktuellen Spielsitzungen dauert noch immer recht lange und es kann schon einmal vorkommen, dass man auf eine Sitzung mehrere Minuten warten muss. Sehr schade, denn andere Spielreihen bekommen einen anständigen Mehrspielermodus doch auch gebacken.

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Erhebt euch!

Assassin’s Creed III bietet ein unheimlich umfangreiches Spielerlebnis, das mit einer hervorragenden Story und entsprechenden Wendepunkten aufwartet und genau das richtig macht, was auch die Vorgänger schon bewiesen. Denn im Geschichtenerzählen sind die Jungs von Ubisoft wahre Meister ihres Fachs – Wenn man sich nicht jedes Mal ein offensichtliches Hintertürchen offenlassen würde. Mit den altbekannten Ubisoftfehlern erscheint auch die neue Anvil Next Engine nicht ganz so gelungen wie sie eigentlich sein sollte, doch das lässt den Titel nicht in einem weniger guten Licht dastehen, denn nicht nur die Story macht alles richtig. Lebendige Welten, historische Details und eine Geschichte um das Ende der Welt zeichnen Assassin’s Creed aus, und uns bleibt nur noch zu sagen: Lasst euch diesen Titel nicht entgehen!

Gutes

- Detailgetreue Spielwelt
- Lebendige Orte
- Umfangreiche Missionen
- Grandioser Soundtrack

Schlechtes

- Clippingfehler
- Aufploppende Texturen
- Abmischung der Tonspuren
- Wartezeiten im Mehrspielermodus

8.0 Sehr gut

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