Assassins Creed II – Review

Getestet von | 31.12.2009 um 00:00 Uhr

Der Kampf geht weiter

Das Action Adventure Assassins Creed erzielte im Jahre 2007 enorme Erfolge. Ein noch nie da gewesenes Setting verblüffte Spieler auf der ganzen Welt. Als Assassine, eine Art Profikiller des Mittelalters, galt es die Feinde der Bruderschaft zu eliminieren. Mit Assassins Creed II hat Ubisoft im November den neuesten Teil der Serie auch hierzulande veröffentlicht. Genau wie im Erstling legte das hauseigene Studio Ubisoft Montreal hand an, um die Fehler des ersten Teils auszumerzen und allerhand Verbesserungen in das Assassinendasein zu bringen. Welche genau das sind lest ihr in folgendem Review.

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Io sono Ezio Aditore de Firenze!

Ezio. So heißt der Protagonist von Assassins Creed II. Wer den ersten Teil kennt, wird sich erinnern, dass die eigentliche Hauptfigur ein gewisser Desmond Miles ist. Dieser ist in einer Forschungsanlage gefangen. Die Wissenschaftler der Abstergo Corporation benutzen ihn um den immer noch andauernden Krieg zwischen Assassinen und Templern zu gewinnen. Desmond muss an Versuchen in einem Gerät, dem sogenannten Animus teilnehmen. Dieser versetzt ihn in eine virtuelle Realität, in der er durch Aufspaltung seiner DNA die Erlebnisse seiner Vorfahren nachvollziehen kann. In Assassins Creed durchlebte Desmond die Abenteuer seines Vorfahren Altair um das Jahr 1200 n.Chr. Mittlerweile gelang ihm allerdings die Flucht aus der Forschungsanlage und er hilft nun den modernen Assassinen dabei die Geheimnisse ihrer Vorfahren zu erforschen. Auch hier besteigt er den Animus. Allerdings wird er diesmal nicht zu Altair, sondern zum knapp 300 Jahre später lebenden Ezio Auditore de Firenze mitten im Italien der Renaissance. So ist es nicht verwunderlich, dass die Schauplätze diesmal nicht Akkon und Jerusalem heißen, sondern allen voran Florenz und Venedig. Der in Florenz lebende Ezio ist der mittlere Sohn des angesehenen Bankkaufmannes Giovanni Auditore und führt ein unbeschwertes Leben. Er erledigt, in Form eines Tutorials, Aufgaben für seine Geschwister und Eltern und lernt dadurch im Laufe der Zeit seinen späteren Freund Leonardo Da Vinci kennen. Eines Tages werden jedoch sein Vater, sowie seine Brüder Opfer eines Komplotts und Ezio schwört Rache. Er muss die Stadt mitsamt seiner Schwester und Mutter verlassen und flieht zu seinem Onkel nach Monterigionni. Dort findet er Asyl und es gelingt die Vergeltung für seinen Vater zu planen. Bei der Erreichung seines Ziels entdeckt Ezio allerdings eine Verschwörung noch höheren Ausmaßes…
Mit seinen vielen Aufgaben und Nebenaufgaben bietet Assassins Creed II im Gegensatz zum Vorgänger eine ganze Menge Abwechslung. So geht es diesmal nicht nur darum Personen zu belauschen oder Lieferanten abzufangen, sondern auch andere Sachen spielen eine entscheidende Rolle. So muss Ezio beispielsweise oft Freunde und Bekannte um Hilfe bitten um ein gemeinsames Ziel zu erreichen. Bestes Beispiel Leonardo Da Vinci. Leonardo ist nicht nur Freund und Helfer von Ezio, sondern er stellt ihm auch allerhand Verbesserungen für die Versteckten Klingen zur Verfügung. Klingen? Ja. Ezio trägt nicht, wie sein Vorfahre Altair nur eine versteckte Klinge, sondern kann gleich mit zwei absolut tödlichen Stechern aus den Ärmeln aufwarten. Doch nicht nur die vielen Aufgaben sind deutlich variantenreicher geworden, sondern auch die Gegner. Es gibt nun nicht mehr nur eine Art von Wachen, sondern gleich drei. Darunter auch Schwertschwinger, die Ezio als Läufer quasi deklassieren. Die Pixelkameraden rennen so schnell, dass sie unseren Protagonisten ab und zu einholen und zu Boden werfen. Darüber hinaus ist da noch der Pikenier, der mit einem langen Speer oder einer Pike anzutreffen ist. Dieser malträtiert beispielsweise einen Heuhaufen mit seinem überdimensionalen Zahnstocher um Ezio herauszutreiben. Auch die Versteckmöglichkeiten haben sich verändert. Der gute alte Heuhaufen und die unscheinbare Parkbank sind zwar immer noch vertreten, neu ist allerdings, dass Ezio auch in einer beliebigen Menschenmenge untertauchen oder gar Huren oder Diebe anheuern kann. Diese lenken dann die grimmigen Wächter einige Sekunden ab. All diese Faktoren bieten dem Spieler insgesamt viel mehr Möglichkeiten ein Attentat oder die darauffolgende Flucht zu gestalten.

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Neben den versteckten Klingen hat Ezio natürlich noch ein paar weitere Neuerungen spendiert bekommen. So ist es uns beispielsweise möglich durch langes Drücken der Viereck Taste eine Hand voll Sand vom Boden aufzuheben und sie den Gegnern ins Gesicht zu pfeffern. Auch Giftaufsätze für die Versteckten Klingen erhalten wir später und man höre und staune: Rauchbomben, eine Pistole und gar eine Flugmaschine hat Leonardo für uns angefertigt. All diese technischen Spielereien eröffnen ganz neue Wege im Spiel. So können beispielsweise Wachen abgelenkt werden, indem einer ihrer Kameraden unbemerkt vergiftet wird. Nach kurzer Zeit macht das Gift denjenigen Wahnsinnig und er schlägt in Krämpfen wild um sich. Seine Kumpanen sind abgelenkt und man kann sich unauffällig am Geschehen vorbei bewegen. Doch nicht nur neues, hat AC II zu bieten. Auch altbewährtes wie die Aussichtstürme und der obligatorische Sprung aus 100 Meter Höhe in den Heuhaufen sind wieder mit von der Partie. Auch Boten können immer noch abgefangen werden. Diese begegnen dem Protagonisten jedoch nicht mehr in einer Nebenmission, sondern mitten auf der Straße, zwischen einem Besuch beim Schneider und einem entspannten Bummel beim Schmied, welcher stetig neue Waffen im Angebot hat. Diese kann man in der Villa de Monterigionni lagern und austauschen. Ähnlich verhält es sich mit den Rüstungen. Auch diese können angelegt und gewechselt werden. Nach etwas längerer Spielzeit erwartet unseren Helden sogar ein ganz besonderer Kampfpanzer. Doch das ist nicht die einzige Belohnung, die Assassins Creed II für den geneigten Assassinen bereithält. Auch für das Sammeln aller 100 Federn, ähnlich der Flaggen aus dem ersten Teil, erhält der Spieler eine Belohnung. Zusätzlich wird durch Erlangen dieser Collectives die Villa de Monterigionni stetig im Wert gesteigert und die Einnahmen, die man bei Claudia, der Schwester unseres Helden abholen kann, steigen. Diese werden alle 20 Minuten in Echtzeit in die Villa gebracht und können auch sogleich wieder in Verbesserungen der Stadt gesteckt werden um wechselseitig wieder die Einkünfte der Villa zu steigern. Assassins Creed bildet also ein kleines Wirtschaftssystem, das sogar recht gut funktioniert. Gegen Mitte der Hauptstory hat man allerdings schon so viel Geld, dass man sich eigentlich keine Sorgen mehr darum machen muss. Hier fehlt dann doch ein wenig die Herausforderung und das richtige Balancing. Insgesamt muss der Spieler etwa 30 Stunden investieren um das Spiel komplett zu beenden. Eine stolze Zeit für ein Action Adventure. Doch bei dieser gut durchdachten Story, die sich über mehrere Jahre hinweg erstreckt, stärkt gerade das den realistischen Eindruck, den man von der Figur Ezio bekommt.

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Links, rechts, drunter, drüber … und Sprung!

Die Steuerung in Assassins Creed II ist wie im Erstling sehr intuitiv. Es gibt zwei Modi. Den Normalen Modus und den Action Modus. Im normalen Modus geht der Spieler im gesitteten Tempo durch die menschenüberfluteten Straßen und schiebt Passanten sanft zur Seite, wenn diese seinen Weg kreuzen. So ist Ezio sehr unauffällig. Das genaue Gegenteil ist der Action Modus, der via Druck auf die R1 Taste aktiviert wird. Solange man R1 gedrückt hält läuft Ezio. Dabei wird er auch von Wachen leichter gesehen. Erfolgt nun zusätzlich noch das Halten der X-Taste, kann es so richtig losgehen! Der Assassine Springt antilopengleich über Dächer, Geländer, Balken und die Kletterkünste können voll entfaltet werden. Insgesamt funktioniert diese Steuerung bis auf einige sehr wenige Macken exzellent und ist auch für Neueinsteiger schnell zu erlernen. Auch das Schwimmen funktioniert intuitiv und das Entern einer Gondel inklusive anschließender Fahrt durch den Canal Grande geht leicht von der Hand. Die Steuerung im Kampf ist ähnlich einfach gehalten, wie das Laufen. Angreifen, blocken, kontern. Mehr gibt es nicht. Ein getimter Konter ist jedoch immer noch der beste Weg einer übermächtigen Gegnerschar Herr zu werden. Neu sind Story bedingte Quicktime Events, die an bestimmten Stellen auftauchen. Ezio wird beispielsweise von zwei Wachen festgehalten und unsere Aufgabe ist es im richtigen Moment eine bestimmte Taste zu drücken um beide mit den versteckten Klingen bekannt zu machen. Diese Art der Auflockerung tut dem Kampfsystem in Assassins Creed II sehr gut. Genau so etwas wurde im Prequel schmerzlich vermisst! Alles in allem ist die Steuerung in zwei Worten zu beschreiben: Einfach und gut! Der Beweis, dass auch komplizierte Bewegungsabläufe in Spielen nicht immer auch viel Geschick erfordern.

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Bella Venezia!

Auch das Oculum profitiert bei Assassins Creed II. Besonders Florenz und Venedig sehen wunderschön aus und sind im Stile der Renaissance nahezu perfekt getroffen. Ezio ist detailreich animiert und auch sämtliche Passanten und NPCs sehen einfach klasse aus. Das Grafikniveau von AC II bewegt sich zu weiten Teilen auf dem des Prequels. Demzufolge treten auch einige Fehler wie das altbekannte Tearing wieder auf. Besonders nervig sind die Popups, die obschon einer grandiosen Weitsicht besonders zu Pferde in der Toskana auffallen. Sitzt man jedoch auf einem hohen Kirchturm ist die gesamte Spielwelt einfach nur grandios abgebildet. Da bleibt kein Auge trocken! Ein wenig unecht sieht allerdings das nasse Element aus. Da dieses im Verlauf des Spiels aber keine tragende Rolle inne hat, ist dieser Punkt eher zu vernachlässigen. Kurz anzumerken ist, dass die Darstellung von Blut erst im Menü angeschaltet werden muss. Auch dieses fügt sich gut ein. Weder spritzen mehrere Liter Blut aus einem toten Körper, noch bleibt die Kleidung um einen Schwerthieb weiß. Bei der Gewaltdarstellung wurde ein gutes Mittel gefunden. Insgesamt bleibt zu sagen: Bombastische Grafik mit bekannten Fehlern.

Assassino, Assassino!

So hallt es durch die Straßen von Venedig. Wir wurden nach einem Attentat entdeckt und ein Herold macht die Wachen am Ende der Straße auf uns aufmerksam. Nichts wie weg! Wir bahnen uns einen Weg durch die Massen, verfolgt von Aufforderungen des Anhaltens und dem Stöhnen der weggestoßenen Passanten. Assassins Creed II bietet ein selten da gewesenes Sounderlebnis. Man hört das Raunen der Leute, beim herumklettern auf Dächern, die rutschenden und brechenden Ziegel beim Sprung auf selbige und auch die Bekanntmachungen der Herolde sind meist nett anzuhören. Spendet man den Umgebungsgeräuschen allerdings ein wenig mehr Aufmerksamkeit, fällt schnell auf, dass sich die Sprüche der Herolde, wie im Vorgänger, oft wiederholen und auch die Wachen immer mit dem gleichen Gebrüll hinter Ezio her sind. Die Deutsche Synchronisation insgesamt ist aber klasse gelungen. Alle Sprecher klingen absolut authentisch und die Atmosphäre kann sich gut entfalten. Einziges Manko sind kurze Sound Aussetzer. Gott sei dank kommen diese nur sehr selten vor und stören bei angeschaltetem Untertitel auch nur geringfügig. Apropos Untertitel. Alle Realitätsfanatiker können im Menü die Sprache auch auf Italienisch umstellen und dazu Deutsche Untertitel wählen. Das gibt dem Spiel einen völlig neuen Touch!

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Requiescat in pace!

Nun was bleibt unterm Strich? So einiges! Assassins Creed II beseitigt die gröbsten Fehler des Vorgängers und bietet nun ein abwechslungsreiches Spielerlebnis voller Möglichkeiten und technischer Finessen. Eine tolle Grafik und ein respektables Klangerlebnis runden die Atmosphäre zu einem in sich stimmigen Bild ab. Die Story nimmt einen interessanten Verlauf und gipfelt in der ein oder anderen Wendung. Nach etwa 30 Stunden Spielzeit verbleibt nun ein rundum glücklicher Spieler, der über die kleinen Macken hinwegsehen kann und sich auf eine Fortsetzung der interessanten Geschichte in einem noch besseren Assassins Creed III freut!

Gutes

+Atmosphärischer Sound
+Intuitive Steuerung
+Abwechslungsreiche Missionen
+Viele verschiedene Waffen
+Tolle Grafik...

Schlechtes

-...mit kleinen Schwächen
-Wirtschaftssystem imbalanced
-Kein Multiplayer

9.0 Must Have

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