Army of Two: The Devil’s Cartel – Review

Getestet von | 10.04.2013 um 19:34 Uhr

Habt ihr die beiden Filme zu der Söldnereinheit „The Expendables“ gesehen? Es handelt sich hierbei um eine klischeehafte Umsetzung der Achtzigerjahre Actionfilme, mit den unkaputtbaren Helden aus dieser Zeit. Hier geben sich Arnold Schwarzenegger, Silvester Stallone und einige mehr die Knarren in die Hand. Die beiden Streifen sind Testosteron übersprudelnd und Explosionen werden locker abgeschüttelt, als ob nichts passiert wäre. Mit dabei die coolen Sprüche und so viele, über den Haufen geschossene, Gegnermassen. Ein Fest für Fans dieser Zeit und des Genres. Army of Two: The Devil’s Cartel gibt das Gefühl, genau diese Filme als Vorlage haben zu wollen. EA, Entwickler und Publisher zugleich, hat aber anscheinend zu viel gewollt und nichts erreicht. Warum der dritte Ableger, der damals so coolen Söldnersäue Rios und Salem gründlich vergeigt wurde, lest ihr hier.

Action, Drogen und Frauen

Army-of-Two-Devils-Cartel logo 2Die Story rund um die Söldnereinheit T.W.O.( Trans World Operations) ist nicht interessant und mögliche Wendungen zu vorhersehbar, trotzdem sollt ihr aufgeklärt werden. Rios und Salem, die beiden Söldner aus den Vorgängern, sind Ausbilder bei der T.W.O.. Sie bilden euch aus, Alpha und Bravo. Erwartet keinen Tiefgang es bleibt bei den Namen und Emotionen sind hier völlig außer Acht gelassen. In ihrer Feuertaufe werden sie gleich mit dem Drogenkartell „ La Guadana“ konfrontiert. Bei einer Geiselbefreiung entbrennt ein Feuergefecht und die Mission gerät außer Kontrolle. Rios wird schwer verletzt und Salem explodiert, mitsamt dem Fluchtfahrzeug, vor den Augen der Söldner. Alpha und Bravo müssen früh erkennen, dass der Job nur etwas für harte Kerle ist und Entscheidungen getroffen werden müssen, die lebenswichtig sind. So haben sie die Entscheidung getroffen, die entführte Frau und den verletzten Rios aus dem Gefahrenherd zu holen. Daher konnten sie nicht im brennenden Wagen nach Salem schauen, um ihm vielleicht noch helfen zu können. Fünf Jahre nach ihrem ersten Einsatz, sind die T.W.O. Söldner mit ihren Kollegen für den Schutz des Bürgermeisters Angelo Cordova zuständig. Er kämpft in seinem mexikanischen Örtchen, La Puerta, gegen Esteban Bautista und seinem Drogenkartell. Der Ort fällt mehr und mehr der Brutalität zum Opfer und ist mit einem Urlaubsort nicht mehr zu vergleichen. Die Wahlen stehen an und so legt sich der alte Bürgermeister umso mehr ins Zeug. Bautista kotzt das echt an und durch Bestechung lässt sich Cordova nicht kaufen, deshalb muss er sterben. Hier beginnt euer Auftrag. Auf dem Weg zu dem Wahlkampf wird der Konvoi vom Kartell überfallen. Zu diesem Zeitpunkt geht alles schief und das Spektakel beginnt.

Granaten, Donner und Hagel

Ingame1Es gibt zwei Arten von Spielen. Die einen zockt man und es fällt schwer etwas dazu zu schreiben, denn Fehler sind schwer zu finden. Dann gibt es noch Army of Two: The Devil’s Cartel. Dieses Spiel bietet eine Bandbreite an Ungereimtheiten oder Spielspaßbremsen, die es so auf der PlayStation 3 nicht geben dürfte. Fangen wir erst einmal mit der Steuerung an. Zu Beginn durchläuft das Team Alpha und Bravo ein Trainingslager, das das Tutorial für die Steuerung nahe bringen soll. Die Handhabung ist Third-Person Standard. Der Waffenwechsel mit einem Knopf zwischen Haupt- und Nebenwaffe, wie den Doppelklick zur Seitenwaffe ist geläufig. Seltsam ist das Deckungssystem. In Deckung könnt ihr nicht überall gehen, obwohl es sinnvoll wäre. Wenn ihr es denn geschafft habt, dann zeigt euch ein Zeichen die nächste Deckungsmöglichkeit an. So rennt und rutscht der Söldner, mit nur einem Knopfdruck von Blumentopf zur nächsten Mauer. Es gibt auch Situationen, da steht ihr in Deckung, könnt aber nicht schießen und so hilft nur der Wechsel zu einer anderen Deckung. Zu lange dürft ihr aber nicht an einem Ort verweilen, da jede Deckungsmöglichkeit zerstört werden kann. Auch Fahrzeuge sind tickende Zeitbomben. Alpha und Bravo bewegen sich in Zeitlupe. Schlimmer wird es nur, wenn ihr rennt, denn dann kommt auch noch eine übertrieben wacklige Kamera dazu. Der Urgedanke an Army of Two war ein Koop Spektakel, das seines Gleichen sucht. Der KI Kollege kann von euch Befehle für seine Vorgehensweise erhalten und so können bestimmte Situationen bewältigt werden. Gerade wenn es sich um einen gepanzerten Soldat handelt, der nur mit flankieren erledigt werden kann. Befehle sind möglich, aber nicht nötig. Es gibt kein Koop-Snipen oder Rücken an Rücken mehr. Die verschiedenen Ortsabschnitte des mexikanischen Dorfes sind auch im Alleingang zu bewältigen. Ein Nachdenken in der Vorgehensweise ist nicht gefordert, obwohl der T.W.O. Visor optionale Laufwege anzeigen kann. An bestimmten Stellen im Spiel, müsst ihr eine Entscheidung treffen. Wie z. B. Personen helfen oder Eigenschutz planen oder die Bedienung des Bord MGs auf der LKW Ladefläche übernehmen oder selber fahren. In diesen Momenten ist dann Teamwork gefragt. Das passt also. Bei zu vielen Treffern durch feindlichen Beschuss, geht der Söldner auch mal zu Boden. Das ist nicht schlimm, denn Bravo ist schnell im Heilen. Hilflos ist Alpha aber nicht, während er auf Hilfe wartet, denn es lassen sich mit der Pistole noch ordentlich Gegner dezimieren. Die Gegner KI ist so dumm, dass sie euch zwar niederschießt, aber sobald ihr auf Hilfe wartet, schenkt sie euch keine Beachtung mehr.Ingame2Nun kann der Gegner schön eliminiert werden und besonders hilfreich ist das bei Gegnern mit Schilden. So war das wohl nicht gewollt. Auch suchen sie die Deckung hinter bereits zerstörten Objekten oder laufen Kamikaze auf euch zu. Leider betrifft das auch euren Kollegen, wenn er nicht gerade von einem Kumpel über Splitscreen oder Online gesteuert wird. Er läuft so oft vor die Linse oder drängt euch von eurer Deckung weg, da macht sich Unmut breit. Mit jedem Kill füllt sich die Aggroleiste. Ist diese voll, dann startet ihr mit einem Knopfdruck einen zeitlich begrenzten Zerstörungswahn, der so noch nicht zu sehen war. Ihr werdet unverwundbar, eure derzeitig ausgewählte Waffe hat unendlich Kugeln und zerstört alles. Selbst ein Maschinengewehr kann jetzt zu einer Abrissbirne werden. Alles explodiert und zerspringt übertrieben und Gegner fliegen durch die Luft. Sieht gar nicht mal so schlecht aus. Eines der kleinen Highlights des Spiels. Das hört dann aber bei einigen Verfolgungsjagden wieder auf. Hier bekommt ihr nicht das Gefühl schnell unterwegs zu sein. In einem Abschnitt ist das Team auf der Ladefläche eines Trucks und muss das Kartell abwehren. Das Abschießen des Fahrers hilft hier am besten oder ihr werft mit Minen um euch. Eine nette Abwechslung, aber auch nicht fordernd. Wofür tut sich der Söldner das alles nur an? Da greift der Spruch: „Das Geld regiert die Welt“ und das kommt nicht von irgendwo her. Serientypisch könnt ihr euren Söldner typisieren. Für das Abschließen der Missionen winkt Knete, die für euer Arsenal an Waffen, Aufsätzen, Klamotten und Masken ausgegeben werden kann. Unter anderem erhaltet ihr Punkte für ein Rangsystem. Mit jedem Aufstieg wird neue Ausrüstung freigeschaltet. Der Umfang ist gegenüber den ersten Teilen geschrumpft, dafür habt ihr mehr Auswahl an Rüstung, Tattoos und verschiedenen Masken. Das alles ist nicht schlecht und es ergibt Sinn sich zu individualisieren. Auffällig ist nur, dass Waffenaufsätze, wie Rotpunktvisier nicht berücksichtigt werden. Im Kampf seht ihr immer das gleiche Fadenkreuz. Magazine können erweitert werden und die Waffen lassen sich umlackieren. Unterbauten wie Zusatzgriffe für Stabilität sind auch ohne Funktion. Die unterschiedlichen Rüstungen haben keinen Verteidigungswert und sind nicht von Belang. Hauptsache schick muss sie sein. Die Anzahl der verschiedenen Masken ist ordentlich und es sind gelungene Exemplare dabei.

Lass die Maske auf

Ingame3Ist ernst gemeint, ehrlich. Die Masken sehen toll aus, aber die Gesichtsanimationen bzw. die grafischen Elemente sind aus der PlayStation 3 Urzeit. Vergleichbar mit dem drei Jahre alten Vorgänger oder dem Spiel Mecernaries 2. Texturen brauchen länger zum Nachladen und sehen dann noch nicht mal toll aus. Die Umgebung strotzt auch nicht vor Detailreichtum und leichte Ruckler stören. Die zerstörbare Umgebung ist aber gelungen. Explosionen sehen gut aus und die Action passt. Die musikalische Untermalung kann sich hören lassen und begleiten euch mit epischem Ausmaß, in einer mittelmäßigen Action. Die deutschen Synchronsprecher wirken nicht im Geschehen. Ohne Emotionen werden einfach Texte heruntergelesen.

Die Abrechnung      

Bitte EA, lasst diese Serie auslaufen oder nehmt euch mehr Zeit für die Entwicklung. Hier hätten sechs Monate mehr durchaus geholfen. Der ursprüngliche Hintergedanke bei Army of Two war das Teamplay und die Koop Funktion. Im Koop macht das Spiel zwar Spaß aber das Teamwork bleibt auf der Strecke. Natürlich könnt ihr Schilde aufnehmen und einer schießt, während der andere deckt aber warum? Im Alleingang ist das Spiel besser zu bewältigen. Der Umfang an stylischen Masken oder Klamotten ist schön und gut aber es handelt sich hier um Söldner. Die wollen sämtlich Waffen und Ausrüstungsgegenständen, die je gebaut oder entwickelt worden sind. Sie wollen Panzerung, die Kugeln aufhalten und nicht nur gut aussehen soll. Technisch ist das Spiel weit zurück. Es kann nicht jedem ans Herz gelegt werden aber, um den Beginn dieser Review wieder aufzugreifen, wer sich mit Achtzigerjahre Action á la „The Expendables“ auseinandersetzen will, der kann sich das Spiel mal ausleihen. Vielleicht hätte hier nur noch Chuck Norris helfen können. Ich persönlich habe nichts gegen die Action, dann aber bitte mit der entsprechenden Technik. Für ein Vollpreisspiel nicht empfehlenswert.

Gutes

+ Action passt, dank Overkill
+ Zerstörbare Umgebung

Schlechtes

- Technisch veraltet
- Keine Innovation
- Wenig Umfang
- Wiederholter Spielablauf

7.0 Gut

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