Ape Escape – Review

Getestet von | 20.07.2011 um 00:00 Uhr

Nostalgiker erinnern sich wahrscheinlich gerne an das Jahr 1999 zurück. Kurz vor der Jahrtausendwende erschien weltweit das Affenabenteuer „Ape Escape“ und begeisterte mit einer unterhaltenden Story und einem spaßigen Spielprinzip Kritiker und Spieler. Gut zwölf Jahre und etliche Ableger später versucht es Sony erneut: „Playstation Move: Ape Escape“ soll der angestaubten Serie neuen Schwung verleihen und vor allem – wie der Titel vermuten lässt – den bewegungsintensiven Controller Sonys in den Vordergrund stellen. Warum die Entwickler an ersterem Ziel vollkommen vorbeigeschlittert sind und der neueste Teil eher affig als gut ist, erfahrt ihr in diesem Review!

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Die Affen sind los!

Die Geschichte der neuesten „Ape Escape“-Episode dient mehr als Dekoelement. Im Grunde erzählt das Spiel das Abenteuer zweier Mädchen, welche in einer auftretenden Invasion von Weltraum-Affen den Grund für das Verschwinden ihrer Großmutter sehen. Der Spieler – ein Freund der Geschwister & ausgerüstet mit einem Move-Controller und allerhand anderen Affenfänger-Equipment – muss diesen nun helfen, die Angriffe der tierisch-aufdringlichen Eindringlinge abzuwehren und gemeinsam mit ihnen nach Hinweisen zur Rettung der Großmutter zu suchen. Erzählt wird diese stilistisch und erzählerisch eher mau gestaltete Story in gezeichneten Anime-Sequenzen. Dies hat zum einen den Vorteil, dass die Entwickler bezüglich der grafischen Darstellung wenig Fehler machen können. Gelungen sind die Zeichnungen nämlich allemal. Des Weiteren spricht diese Art der Gestaltung gleich alle Altersgruppen an. Sowohl Kinder als auch Erwachsene können diese genießen – vorausgesetzt sie lassen sich darauf ein.
Wie sich leicht vermuten lässt, ist das gesamte Spiel eher an die jüngere Zockergemeinschaft gerichtet. Und auch die Storyline fügt sich nahtlos in dieses Grundkonzept ein. Die Geschichte rund um die Affeninvasion ist leicht-verdaubare Kost, sodass auch Kinder durchaus ihren Spaß haben. Dass jene Story aber eher Fassade ist anstatt ein vollwertiger, wichtiger Bestandteil des Spiels, sollte im Vorfeld eines Kaufes auch klar sein.

Schnapp sie dir alle

Spielerisch teilt sich „Ape Escape“ grob gesagt in zwei verschiedene Teile auf. Zum einen dürfen angehende Affenfänger in der Kampagne auf die Jagd nach den kleinen Säugern gehen. Wie der Spieler dabei vorgeht, ist allerdings immer gleich. Ausgerüstet mit den Move-Controller macht ihr euch auf den Weg durch die verschiedensten Schauplätze, seid dabei aber auch immer an eine Art Schiene gebunden, so wie man es von Railgun-Shootern kennt. Auf eurer recht eintönigen Reise müsst ihr dann mit Hilfe verschiedensten Equipments Affen einfangen und Bananen sammeln. Zur Verfügung stehen euch – womöglich interessant klingende – „Waffen“ wie der Catcher oder der Smasher. Jede Waffe hat ein anderes Einsatzgebiet. Während ihr mit dem Catcher die Affen direkt vor eurer Nase einfangen könnt, müsst ihr beispielsweise die Schleuder dazu benutzen, anrasende Primaten abzuschießen. Der Smasher hingegen dient zur Vernichtung der Bananen, die unter anderem eure Lebensenergie und euer Punktekonto auffrischen, und dem Einsammeln von Batterien. Durch diese werden eure Superwaffen aufgeladen, die alle ihre eigene Charakteristik haben. Auch ihre eigene Charakteristik hat jede der sieben verschiedenen Arten von Affen. Die einen sind besonders flink, andere wiederrum greifen lediglich aus dem Hinterhalt an. Während des Spiels machen sich die Unterschiede aber nicht nennenswert bemerkbar. Im Endeffekt fängt der Spieler einfach drauf los.
Wie bereits erwähnt, ist „Ape Escape“ ein Railgun-Shooter wie er im Buche steht. Durch die Level werdet ihr wie durch Zauberhand gefahren. Eure einzigen Interaktionsmöglichkeiten sind das Benutzen der Waffen und das Drehen des Bildes. Bei anderen Spielen stört dieser Aspekt nicht – nicht umsonst besteht für diese Art des Spiels ein eigenes Untergenre – Bei anderen Spielen passiert allerdings auch mehr auf dem Bildschirm. „Ape Escape“ langweilt – und das verdammt schnell. Auch die Tatsache, dass dieses Spiel leichte Kost sein soll und eher an Kinder gerichtet ist, entschuldigt nicht die extreme Monotonie. Bereits nach wenigen Spielminuten verliert man die Lust an dem Konzept, da es ohne Ausnahme auf wenigen Spielelementen beruht. Affen einfangen & abschießen, Waffe wechseln, Bananen zerstören. Weder Groß noch Klein können ernsthaft langfristig Spaß daran haben – abgesehen davon, dass das Ende des Spiels sowieso nach wenigen Stunden erreicht ist.

Der zweite erwähnte Teil sind die Minispiele. Der Part, der die letzten Teile der Spielereihe immer ausgezeichnet hat, ist aber im neuesten Ableger mickriger denn je ausgefallen. Nur drei Minispiele – von denen zwei im Laufe des Spiels erst freigeschaltet werden müssen – stehen zur Verfügung. Bei einem der Minispiele, bei dem es auf Teamwork ankommt, muss der eine Spieler ein Auto steuern, während sein Partner Hindernisse auf der Strecke beseitigen muss. Beim zweiten kooperativen Minispiel müssen vom Himmel herabfallende Affen geschützt werden. Das dritte Spielchen im Bunde ist ein kompetitiver Wettstreit, der einem Suchspiel gleicht. Alle drei Minispiele sind aber völlig langweilend und werten „Ape Escape“ weder quantitativ noch qualitativ auf.

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Urwald-Technik

Aussagen wie „Partyspiele brauchen keine gute Grafik, solange sie Spaß machen.“ mögen vielleicht stimmen. Doch was ist, wenn besagtes Spiel weder Spaß macht noch eine zufriedenstellende Technik besitzt? „Ape Escape“ lässt sich eindeutig in diese Kategorie einordnen. Spielerisch überzeugt es zu keinem Zeitpunkt und die Technik des Kinderspiels ist auch eher altbacken. Während die Anime-Zwischensequenzen wie bereits erwähnt recht gelungen sind, ist die Ingame-Grafik eher Graus anstatt Augenschmaus. Alles wirkt sehr undetailliert und eher wie „schnell zusammengeschustert“. Zwar führt das Spiel durch die verschiedensten Level, sehr individuell sind diese aber nicht. Als Folge bleibt absolut nichts im Kopf stecken und im Endeffekt ist für den Spieler alles ein großer Einheitsbrei.
Die Soundkulisse macht nicht mehr richtig. Immer wiederkehrende Melodien, lustlose Zusammensetzung von Tönen und ein schnell nervendes „Hab Dich!“-Sample, sobald man einen Affen gefangen hat, ergeben zusammen eine reine Qual für die Ohren. Ein wenig mehr Liebe hätte auch hier nicht geschadet.

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Auf zum Planet der Affen?

Eine Kaufempfehlung kann man für das neueste Affenabenteuer aus dem Hause Sony definitiv nicht geben. Die Entwicklerschmiede von „Ape Escape“ entschieden sich für den neuesten Teil dazu, ihn vollkommen an Sonys Move-Controller anzupassen – und das war möglicherweise der große Fauxpas! Auch wenn die Erkennung gut funktioniert und man extrem gut mit dem Motion-Controller zielen kann, so ändert dies nichts daran, dass das gesamte Spielprinzip darunter leiden musste. Ein immer gleicher Ablauf, gepaart mit absoluter Anspruchslosigkeit kann nur ein totales Desaster ergeben. Von einem Partyspiel kann hier nicht gesprochen werden – dafür macht es zu wenig Spaß. Und selbst Kinder dürften nur recht kurzweilig ihren Spaß mit diesem desaströsen Produkt haben.

Gutes

- genaue Steuerung mit dem Move-Controller
- schön gestaltete Anime-Clips

Schlechtes

- vollkommen anspruchslos
- extrem eintönig
- altbackene Grafik
- nervige Soundkulisse
- wenige Minispiele, die ebenfalls nicht überzeugen können

4.5 Schlecht!

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